Warum ist Selbstmord ethisch gesehen so verpöhnt?

17 Antworten

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Selbsttötung gehört zum Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Selbstmord gibt es nicht! Ermorden kann ich nur jemand anderen gegen seinen Willen. Wenn gläubige Menschen der Meinung sind, dass ein Individuum letztlich Eigentum einer höheren Macht sind, dann ist das für sie selbst akzeptabel, nicht aber als Forderung an andere. Selbstmord ist daher eine überholte Bezeichnung aus Zeiten der christlichen Dominanz. Menschen, die sich selbst töten - oft als letzte Möglichkeit in Verzweiflung - wird in dieser sonst so überströmenden Mitleidsgesellschaft das Mitgefühl und die Achtung versagt. In diesem Klima des Tabus, vor allem des Tabus TOD kann natürlich keine sensible Kommunikation mit solchen Menschen entstehen. Nirgendwo zeigt diese Gesellschaft, dass ihr die Würde des Menschen über ihre verletzten Empfindlichkeiten hinaus wirklich etwas wert ist. Ein Signal, diesen in größter Not befindlichen Menschen - wenn es sein muss - wenigstens zu einem würdigen Tod zu helfen, ist nicht erkennbar und kann sich dann auch nie zu einer helfenden Hand gestalten. Den Wunsch der Suizid-Kandidaten zu einem würdigen Tod ernst zu nehmen ist der erste Schritt, ihre unterschiedlich quälenden Leiden anzuerkennen. Dass sich in solch ausweglosen Situationen manche durchgedrehten Strategien entwickeln (Air-Wings-CoPilot) muss nicht wundern. Doch solche schlimmen Folgen den Betroffenen anzulasten um sich selbst freizusprechen, wird nicht funktionieren. Dabei kommen vor allem Würde und Freiheit des Individuums unter die Räder und beide Werte verkommen zu Lippenbekenntnissen.

Von dieser Sichtweise aus habe ich die ganze Problematik noch nie betrachtet. Vielen dank :-)

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Man kann es auch aus der Sicht sehen.

Depressive Menschen die sich umbringen, ermorden sich schon da sie weder *sterben* noch leben wollen/können.

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Der Freitod ist in unserer Kultur verpönt. In anderen Kulturen ist das anders, z.B. in Japan gilt er als ehrenhaft. Und dass der Freitod hier als ethisch falsch gilt, liegt an unserer Kulturgeschichte: Es ist ein Restbestand von 1500 Jahren kultureller Dominanz des Christentums in Europa.

Wobei wir zur Zeit in vielen Ländern erleben, wie das Verhältnis zum Freitod sich verändert. Das zeigt sich häufig in liberaleren Sterbehilfegesetzen. Aber auch in Deutschland befürworten immer mehr Menschen solche Gesetze, obwohl die Politik dagegen ist.  Auch bei uns entspannt sich also das Verhältnis zum Freitod.

Wer könnte sich anmaßen, dies zu beurteilen, außer dem, der sich aus dem Leben katapultieren will?!

Zudem: Was zählt "Moral" im Angesicht des Todes??

... Nichts bleibt hier - niemand!

..."Verpönen" (...ohne h...^^) würde ich lediglich Menschen, die andere Menschen mit in das eigene Unglück reißen wollen!


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