Warum ist Kommunismus die schlechteste Art, ein Land zu regieren?

22 Antworten

Meine Sicht darauf: Am Kommunismus, der in Theorie super klingt, fehlt
mir die Möglichkeit, dass das Individuum sich frei entfalten kann.

Aber:

Es ist nicht die schlechteste Art.
Eine Diktatur ist mindestens genauso schlecht.

Auch die Planwirtschaft geht von einem theoretischen Bedarf aus, der nie mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Tatsächlich muss das Land noch gefunden werden, wo die Lehren von Marx wirklich gelebt werden und nicht für einen real existierenden Sozialismus (der sich auch wieder nur so nennt) herhalten müssen.

Wer behauptet das denn, dass das die schlechteste Art ist?  Wo steht das? Wer hat's gesagt?

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Winston Churchill hat nämlich auch einmal so etwas ähnliches über die Demokratie gesagt...   ;-)


"Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind." - zitiert von Hans Vorländer bei.bpb.de

(Original engl.: "No one pretends that democracy is perfect or
all-wise. Indeed, it has been said that] democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time." - Rede vor dem Unterhaus am 11. November 1947 Sitzungsprotokoll column 207


Die Prinzipien des Kommunismus stehen in argem Widerspruch zur menschlichen Natur, die nunmal in allererster Linie auf Selbsterhaltung ausgelegt ist, statt auf das Allgemeinwohl.

Um den Kommunismus umzusetzen, müsste sich im Denken und in der Wahrnehmung des Menschen etwas radikal ändern, es müsste sozusagen eine "Umerziehung" stattfinden. Das funktioniert aber nur mit den Mitteln einer Diktatur, womit wir dann auch schon ziemlich genau wissen, was am Kommunismus schlecht ist.

Im Kommunismus verarmen die Menschen? Das wage ich zu bezweifeln. Du kannst die Geschichte des Kommunismus nicht allein an den letzten zehn Jahren seiner Existenz festmachen.
Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die kommunistischen Systeme in ihrer Anfangszeit eine ungeheure Dynamik und wirtschaftliche Leistungskraft entwickelt haben, die man in den meisten demokratischen Staaten in diesem Tempo bisher nicht gekannt hatte. In den zwanziger Jahren, als die UdSSR gegründet wurde, war Russland ein verarmtes, bankrottes und vom Krieg und Hungersnöten geplagtes Land. Nur drei Jahrzehnte später war die Sowjetunion die zweite Weltmacht neben den USA, sie wurde zur Atommacht und stieß mit dem Start des Satelliten "Sputnik" das Tor zum Weltraum auf. In dieser Zeit verbesserten sich auch die Lebensumstände der Menschen erheblich - viele, die früher arme Bauern waren, arbeiteten inzwischen in der Industrie, wo man erheblich besser entlohnt wurde und bessere Perspektiven hatte.

Der Fehler der Sowjets war, dass sie ihr System niemals weiterentwickelt haben. Das ist die größte Schwäche des Kommunismus: er behauptet von sich selbst, Allheilmittel für alle Sorgen und Probleme der Menschen zu sein, und die Antwort auf alles zu haben. Ein politisches System muss aber flexibel und reformierbar sein, um auf verschiedene Situationen unterschiedlich reagieren zu können.
Hätte sich die Sowjetunion Anfang der 60'er Jahre wirtschaftlich liberalisiert (wie es übrigens Teile der Partei gefordert hatten), wäre die Geschichte möglicherweise vollkommen anders verlaufen - siehe als Beispiel die Entwicklung Chinas etwa seit den 90'er Jahren.

Es ist sehr schwierig, zuweilen unmöglich, sich zu liberaliseren, wenn ein Kalter Krieg in voller Wucht tobt.

der erste Teil deines Textes stimmt so nicht, denn Kommnunismus bedeutet ja geradewegs den Selbsterhalt des Menschen zu fördern.

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Ich meine mit Liberalisierung nicht unbedingt die Einführung demokratischer Institutionen, sondern die Reduzierung der staatlichen Kontrolle über die Wirtschaft. Die Sowjetunion stand sich letzten Endes selbst im Weg: die staatliche Planwirtschaft machte Sinn in der komplizierten Zeit des Bürgerkrieges und des Zweiten Weltkrieges, aber spätestens ab 1960 hätte man beginnen müssen, diese Bürokratie zu beseitigen und den Weg in Richtung Staatskapitalismus einzuschlagen. Ein autoritär regiertes Russland, welches die Verwaltung seiner Rohstoffe einem vollkommen entfesselten freien Markt überlässt, wäre für die USA am Ende gefährlicher gewesen als das angerostete System der UdSSSR.

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Es stimmt schon, dass der Kommunismus letzten Endes der Menschheit insgesamt dienen würde - aber eben nicht dem einzelnen Individuum. Der Mensch denkt von Natur aus in allererster Linie an sich selbst, in zweiter Linie an seine Familie und Freunde, und dann erst an die Allgemeinheit. Deswegen ist der Kommunismus mit seiner kollektivistischen Weltsicht "inkompatibel" mit der menschlichen Natur.

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Um ein Land regieren zu können, ist so ziemlich jeder politische Ismus geeignet. Lediglich für das Volk kann es grottenschlecht sein.

Menschen sind eben so, wie sie sind, und nicht so, wie sie manch einer gerne hätte. Das übersehen oftmals auch klügste Köpfe, was dazu führt, daß dann die Lobby der Vollpfosten das Ruder herumreißen möchte.

Ich bezweifle, daß Kommunismus die schlechteste Art ist, ein Land zu regieren, weil ja - wie man es weltweit ständig erlebt - allenorts nur ein ständiges Bemühen besteht, altbekannte Übel in stets neuen Facetten wieder auferstehen zu lassen. Am Ende der Kette sind dann die Unterschiede nur noch marginal.

Es ist auch nicht so, daß "die Leute" im Kommunismus verarmen, denn hauptsächlich betroffen sind - wie in allen Systemen - immer nur die Schwachen mangels einer noch schwächeren Gruppe, auf die man treten könnte.

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