Warum ist im Christentum eine solche massive Abtreibungsaversion vorhanden, die selbst vor Gewalt oder Mord (wie in den U.S.A.) nicht zurückschreckt?

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17 Antworten

Die Grundhaltung zur Abtreibung ist, dass es verpönt ist, weil dadurch ein Leben ausgetilgt wird.

Mit welchen Mitteln diese Haltung versucht wird, zu verteidigen, dass ist von Region zu Region und von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Es kommt u. a. darauf an, wie die allgemeine politische Situation im Land ist und wie "stark" die Gegner sind. Es kann sogar sein, dass aus Prinzip die Stirn geboten wird, also dass es gar nicht speziell um dieses Thema geht. Jemandem ist es vielleicht gar nicht wichtig, ob Abtreibung erlaubt sein sollte oder nicht, nur steht derjenige zu dem, was die Religion vorgibt.

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1. Ungeborene Menschen gelten in den meisten christlichen Strömungen als Menschen.

2. Da ungeborene nicht handlungsfähige sind, handelt es somit um unschuldige und wehrlose Menschen (wer nicht handeln kann, kann sich weder etwas zu schulden kommen lassen, noch kann er sich wehren).

3. Ferner gilt das gezielte Töten eines unschuldigen und wehrlosen Menschen in den meisten christlichen Strömungen auch immer als falsch.

Folglich, wenn in einem Land wie D 100000 Abtreibungen im Jahr stattfinden oder 1300000 in den USA, dann ist das für Christen, die das vorher genannte ernst nehmen, eben genau so, wie wenn in D im Jahr 100000 unschuldige und wehrlose Menschen getötet werden oder eben in den USA 1300000 unschuldige und wehrlose Menschen getötet werden.

Somit ein Ausmaß an Töten, das rein von der Zahl her (jedoch nicht vom Motiv her) mit den schlimmen Verbrechen der Menschheitsgeschichte rein zahlenmäßig vergleichbar wäre.

Und genau so, wie viele Nichtchristen absolut entsetzt wären, wenn 100000 geborene Babys im Jahr gezielt getötet würden, also z.b. das unerwünschte Babys nach der Geburt wie die unerwünschten Kücken geschreddert würden, sind diese Christen eben dann über diesen Zustand entsetzt und fordern staatliches Eingreifen.

4. Darüberhinaus gibt es einige christliche Strömungen, die Gewalt nicht prinzipiell ablehnen, sondern Gewaltanwendung zum Schutz unschuldiger und wehrloser befürworten.

Jjemand, der auch dieses verinnerlicht hat, könnte in Anbetracht dessen, dass er den Ort kennt, an dem in den nächsten 12 Stunden ein dutzend unschuldige und wehrlose Menschen getötet werden, und die Ausführenden kennt, auf genau die Ideen kommen, was er mit der Waffe in seinem Schrank tun könnte, die vermutlich viele Nichtchristen haben würden, wenn sie z.b. wüssten, dass in den nächsten 12 Stunden an einem Ort ein dutzend geborene Babys wie Kücken geschreddert werden und das ganze auch noch legal und staatlich gefördert ist.

In Anbetracht dessen, wie weit verbreitet unter Christen in den USA die Zustimmung zu 1. bis 4. ist und wieviele Waffen im Schrank haben, finde ich es sogar eher überraschend, wie selten solche Gewaltausbrüche sind.

Kann sein, dass den meisten klar ist, dass das nichts bringen würde.

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Kommentar von carn112004
23.05.2016, 12:23

Anzumerken ist noch, dass aus dieser Betrachtungsweise auch das Argument, Abtreibung sei doch erlaubt und man könne doch nicht seine persönliche Moral aufzwingen, keinen Sinn ergibt.

Niemand fragt danach, wenn ein unschuldiger und wehrloser Mensch getötet werden soll, ob der Ausführende ebenfalls weiß, dass er gleich einen unschuldigen und wehrlosen Menschen töten wird oder ob das Gesetz das Töten erlaubt. Das ist höchstens relevant dafür, wie man es verhindern könnte (z.b. dadurch die Handelnden darauf aufmerksam zu machen, dass unschuldige und wehrlose Menschen getötet werden, womit die Handelnden es dann von sich aus lassen; das ist letzlich der Grund für die Leute, die vor Abtreibungskliniken entsprechend Plakate hochhalten usw.), aber ändert nichts daran, dass unschuldige und wehrlose Menschen getötet werden und dieses - soweit möglich - zu verhindern ist.

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 16:08

Deine Argumentation zeigt jetzt sonnenklar, warum die Gewalttaten in den USA eben doch was mit Christentum zu tun haben (was ja etliche hier bestreiten).

Nur ein Glück also, dass es in unseren Breitengraden nur wenige "Christen, die das vorher genannte ernst nehmen" gibt.

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Um diese Frage erschöpfend zu behandeln muss man wohl mehr als einen Doktortitel haben.

Grundlegen kann ich aber vllt weiterhelfen.
In der Bibel wird die Abtreibung nicht als legale Form der Selbstbestimmung gesehen, sondern als Mord. (soweit erstmal ganz grob die theologische Begründung)

Deswegen gibt es immer wieder viel Widerstand gegen neue Abtreibungsgesetze, aber die gibt es in jedem Land, wo Christen demonstrieren dürfen.

Warum diese Demonstrationen jedoch das selbe Mittel einsetzen, dass sie ja eigentlich bekämpfen ist ein eher amerikanisches Problem. Die guten Freunde hinter dem Teich übertreiben gern mal (sh auch Waffenlobby und Bushs Gerede von einem Kreuzzug gegen den Islam).

Als normaler Mensch könnte man eigentlich nur den Kopf schütteln, da sich diese Menschen komplett widersinnig verhalten.

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Kommentar von AntwortMarkus
23.05.2016, 10:11

Man muss keine  Doktortitel  haben,  um das Gebot  DU SOLLST NICHT TÖTEN zu verstehen. Diese Menschen sind keine Christen. Sie missbrauchen  Gottes Namen für ihr tun. 

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 11:26

In der Bibel wird die Abtreibung nicht als legale Form der Selbstbestimmung gesehen, sondern als Mord.

Das Paradoxe ist ja, dass in der Bibel KEIN EINZIGES WORT zum Schwangerschaftsabbruch steht* und fundamentalistische Christen - inkl. die Dogmatiker in Rom - trotzdem für ein Totalverbot der Abtreibung kämpfen.

* Der einzige Text in der Bibel betrifft nicht einen Schwangerschaftsabbruch, sondern die fahrlässige Auslösung einer Fehlgeburt: "Wenn zwei Männer raufen und..." (2. Mos. 21:22-25). http://www.svss-uspda.ch/de/ethik/bibel.htm

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Das hat eigentlich nichts mit Christentum zu tun, denn wenn es sich um Christen handeln würde, dann dürften sie auch Abtreibungsbefürworter nicht töten.

Natürlich kann das Ganze vom christlichen Glauben verstärkt werden. Denn das Leben als etwas von Gott geschaffenes ist zu schützen. - Was wiederum nicht dazu passt, dass Gewalt und Mord gegenüber Abtreibungsbefürwortern in manchen Kreisen toleriert wird.

Aber das ist, wie gesagt, weniger christlich als, leider, menschlich.

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Kommentar von AntwortMarkus
23.05.2016, 10:13

Das tun kann nicht vom christlichen Glauben  verstärkt  werden. Das Gebot DU SOLLST NICHT TÖTEN hat unter allen Umständen  bestand.  

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Zunächst muss man nüchtern feststellen, dass Abtreibung ebenfalls Gewalt darstellt und je nach Einzelfall auch Mord sein kann.

Damit kann natürlich keinerlei Gegengewalt gerechtfertigt werden, und Gegengewalt ist auf keinen Fall christlich.

Ich stelle mir vor, dass gewaltbereite Abtreibungsgegner sich zunächst verinnerlicht haben, dass jedes Ungeborene ein Mensch ist, der nach allen Grundrechten zu schützen ist. Die wachsende Gleichgültigkeit, mit der heute Ungeborene millionenfach weltweit getötet werden, treibt einige dieser Menschen zur Verzweiflung bis hin zur Umkehr ihrer eigenen Prinzipien.

Sie handeln dann widersinnig, ähnlich wie gewalttätige "Friedenskämpfer" und autonome "Basisdemokraten". Dergleichen darf ein Staat in keinem Fall hinnehmen. Aber auch eine Abtreibung dürfte nie freigegeben werden, sondern müsste im Einzelfall beurteilt werden. 

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Kommentar von Rosenblad
24.05.2016, 10:19

Bei solchen Menschen sehe ich allerdings eine starke Ambivalenz. Gerade in den USA werden diese Gruppen von der Tea-Party unterstützt, eine Bewegung die sich mit allen Mitteln gegen eine Einschränkung des Waffenrechts stellt. Im Falle vieler solcher Menschen sehe ich keine internalisierte Haltung, sondern eher eine indoktrinierte Übernahme von Einstellungen Dritter ohne auch nur annähernd die Gesamtzusammenhänge zu verstehen.

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Kommentar von carn112004
25.05.2016, 08:55

"Die wachsende Gleichgültigkeit, mit der heute Ungeborene millionenfach weltweit getötet werden, treibt einige dieser Menschen zur Verzweiflung bis hin zur Umkehr ihrer eigenen Prinzipien."

Ich denke einen relevanten Unterschied macht auch, wie juristisch und politisch von Land zu Land mit Abtreibung umgegangen wird.

Z.b. hat in D das BVerfG festgestellt, dass ungeborene Menschenwürde und das Recht auf Leben haben und vom Staat zu schützen sind und deshalb eine vollkommene Freigabe von Abtreibung unmöglich ist, dass dabei aber die Rechte der Schwangeren beachtet werden müssen und der Staat einen gewissen Spielraum hat sich zwischen "strafenden" und "helfenden" Schutzansätzen zu entscheiden.

Für jemanden, der meint ungeborene sind in D zu wenig geschützt, gibt es damit viele "Ansatzpunkte", um politisch etwas in die von ihm gewünschte Richtung zu bewegen, denn der Staat soll ungeborene ja schützen, wenn irgendwer tolle Ideen hat, wie das anzustellen sei, spricht formaljuristisch nichts dagegen und er soll sich halt in die politische Arena begeben und andere davon überzeugen.

Z.b. hat in den USA der oberste Gerichtshof sich - die oberste und letzte Instanz - für unfähig befunden zu beurteilen, ob es sich bei ungeborenen eventuell um Menschen handelt. Damit ist in den USA nicht nur juristisch erstmal verneint, dass ungeborene Rechte haben könnten, damit ist im Prinzip sogar ausgeschlossen, dass solche Rechte politisch anerkannt werden; denn wenn die oberste Instanz nicht in der Lage ist, bei dieser Frage irgendwas zu klären, dann erst recht nicht eine einfache Parlamentsmehrheit. Der Staat hat sich damit wenigstens kurz- und mittelfristig vollkommen von einem möglichen Schutz ungeborener abgewandt und jeglicher politischer Ansatz, der auf mehr Schutz für ungeborene abzielt, ist juristisch eigentlich grotesk lächerlich, da das Bemühen ein rechtliches Nichts zu schützen natürlich formal völliger Quark ist.

Für jemanden, der meint ungeborene seien in den USA zu wenig geschützt, ist es damit viel schwerer "Ansatzpunkte" zu finden, um politisch etwas in die gewünschte Richtung zu bewegen, denn eigentlich gibt es formal überhaupt keinen Ansatzpunkt. Der einzige formal echte ist der oberste Gerichtshof, der mit gleichem Federstreich, mit dem er ungeborene zu nichts erklärt hat, sie zu vollen Menschen erklären könnte (z.b. indem die Richtermehrheit dann was labert von "heute sind wir schlauer/haben mehr Wissen und können deshalb erkennen blabla ... sind Menschen").

So etwas denke ich kann die Neigung zu Militanz verstärken, denn wenn für ein Anliegen formal im Staat überhaupt kein Raum ist, wird man eher geneigt sein, außerhalb der staatlichen Regeln nach "Ansatzpunkten" zu suchen.

(Und nein, dass ist keine Rechtfertigung oder Entschuldigung.)

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Es gibt zwar Abtreibungsgegner, welche mit Gewaltstraftaten gegen Abtreibungseinrichtungen / -vorhaben vorgehen, jedoch liegen die Gründe hierfür nicht im Christentum, auch wenn sich solche Abtreibungsgegner als Christen bezeichnen. Die Gewaltaffinität solcher Täter liegt in der Regel in der Persönlichkeitsstruktur dieser Leute, in ihrem Umfeld, in ihren Problemen, bisweilen in psychischen Erkrankungen, jedoch nicht in der christlichen Lehre.

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Das Verbot der Tötung ungeborener Kinder ist nicht speziell christlich, es ist allgemein ethisch und findet sich in fast allen Kulturen der Weltgeschichte.

Ich werde niemandem, auch nicht auf seine Bitte hin, ein tödliches Gift
verabreichen oder auch nur dazu raten. Auch werde ich nie einer Frau ein
Abtreibungsmittel geben. Heilig und rein werde ich mein Leben und meine
Kunst bewahren.

Eid des Hippokrates, gerichtet an den griechischen Medizingott Asklepios.

Gib keiner durch Hurerei schwangeren Frau einen Trank in der Absicht, eine Abtreibung durchzuführen.

Eid des Assaf, jüdische Ärzteschule, 5. Jhd.

In unserer Schule ist es verboten, über Gifte zu lehren, noch solltest du Belehrung über Gifte von anderen Ärzten erhalten. Darüber hinaus sollst du Menschen kein Mittel zur Abtreibung verabreichen.

Aus den "17 Regeln des Enjuin", gültig in der japanischen Ri-shu Medizinschule im 16. Jhd.

Nach Buddhistischer Lehre beginnt die Entwicklung des Menschen sogar bereits einige Wochen vor der Empfängnis - die "Seele" ist ja schon älter und hat schon einige Male gelebt, sie sucht sich die Eltern aus und ist auf jeden Fall von Anfang an vorhanden. Daher lehnen Buddhisten im allgemeinen Abtreibung ab, so auch in der Stellungnahme der Deutschen Buddhistischen Union 2001.

Es ist bemerkenswert, daß das "Genfer Ärzteglöbnis", eine moderne Fassung des Eides des Hippokrates, in seiner ursprünglichen Fassung von 1948 noch schreibt:

Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.

Dieser Text ist ganz bewußt nur an die weltlichen Menschenrechte, nicht an irgendeine Religion, gebunden. Die Verfasser haben geschrieben "von der Empfängnis an", nicht "von der Geburt an", und dabei haben sie sich etwas gedacht. In der Fassung von 2006 heißt es dagegen plötzlich: "Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen". Die Autoren haben sich hier nicht etwa klar für eine liberale Abtreibungspolitik ausgesprochen. Sonst hätten sie geschrieben "von Geburt an". Sie haben feige den Schwanz eingekniffen und die Last der Entscheidung abgewälzt. Unter dem Wort "Beginn" kann nun jeder ganz bequem verstehen, was ihm Spaß macht, Empfängnis, Geburt, oder irgendwas dazwischen oder danach.

Das Verbot der Tötung ungeborener Kinder ist übrigens auch im weltlichen Recht fest verankert. Nach wie vor fallen auch Embryonen unter den Schutzder Menschenwürde laut Grundgesetz Artikel 1 und 2 und die Paragraphen 218 und 219 des Strafgesetzbuches sind keineswegs abgeschafft. Es sind lediglich Bedingungen festgelegt, unter denen die Straftat Schwangerschaftsabbruch straffrei bleiben kann, nämlich 1. Nach einer Konfliktberatung, 2. bei medizinischer indikation, 3. bei Vergewaltigung.

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Kommentar von carn112004
23.05.2016, 13:24

Unabhängig davon, dass ich das Töten von ungeborenen ebenfalls ablehne, habe ich Zweifel an dieser Behauptung:

" findet sich in fast allen Kulturen der Weltgeschichte."

1. Im alten Rom war lange Zeit sogar das Töten bzw. Aussetzen geborener Kinder erlaubt, wenn der Hausherr das so wollte; da gab es keinerlei Gebot gegen Abtreibung.

2. In Anbetracht der Menschenopfer in Südamerika werden die wohl mit Abtreibung auch wenig Probleme gehabt haben.

3. In Nordamerika wurde es in Bezug auf einen Stamm als Besonderheit von denen, die zuerst mit ihnen Kontakt hatten, festgestellt, dass die keinen Infantizid begehen -> alle anderen Stämme haben Infantizid prakiziert->hätten also mit Abtreibung auch kein Problem gehabt, wenn sie es denn gekonnt hätten bzw. konnten

4. Bezüglich Japan, die ersten christlichen Missionare kamen im 16. Jhr nach Japan, womit es nicht ganz klar ist, inwieweit diese Regeln durch Ideenimport beeinflusst wurden.

5. Da Christentum per Copy-Paste so ziemlich das ganze AT vom Judentum übernommen hat, ist es nicht überraschend, wenn die sich da ähneln und es hilft zumindest nicht für die Frage, ob und inwieweit in den meisten Kulturen es solche Einstellungen gab.

6. Das Verbot solche Gifte zu verabreichen muss nicht durch den Schutz ungeborener bedingt sein, sondern kann auch an den damalig hohen Nebenwirkungen gelegen haben.

Aber kann natürlich auch sein, dass ich manche Infos übersehe.

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 15:49

Zum Hippokratischen Eid: In diesem Eid steht, richtig übersetzt: "... gleicherweise werde ich niemals einer Frau ein fruchtabtreibendes Zäpfchen geben". Andere Abtreibungsmethoden wurden von Hippokrates selbst durchaus empfohlen und praktiziert (so empfahl er z.B. einer Tänzerin "im Sprunge mit den Fersen gegen das Gesäss zu schlagen", um einen Abort zu provozieren).

Im Eid ist "keineswegs von einem absoluten Verbot die Rede... Es wird lediglich den Ärzten der Gebrauch einer spezifischen Wirkform in einer bestimmten Applikationsform untersagt. Das bedeutet, dass ein Arzt durchaus andere Abtreibungsmittel empfehlen konnte." (Quelle: Robert Jütte, Geschichte der Abtreibung. Beck'sche Reihe, 1993, S. 33)

Nach Jütte wurden im alten Griechenland Abtreibungen meist nicht von Ärzten sondern von Hebammen durchgeführt. Die Stelle im Hippokratischen Eid könne also durchaus als eine "berufsständische Abgrenzung von den Hebammen interpretiert werden" (Jütte).


Wenn im Genfer Gelöbnis die Rede ist von "Ehrfurcht", so heisst das keineswegs, dass ein Arzt keinen Schwangerschaftsabbruch vornehmen darf. Embryonales Leben achten schliesst eine Güterabwägung nicht aus. Der Arzt ist in erster Linie verpflichtet, für seine Patienten, im Fall einer ungewollten Schwangerschaft für die Gesundheit (= das vollständige körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden) der Frau besorgt zu sein.

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Wie in allen Glaubensrichtungen gibt es leider auch im Christentum fanatische Extremisten, die ihren "Glauben" (der ja mit einer christlichen Religion nichts mehr zu tun hat) als Vorwand nehmen, um ihre kriminelle Energie und ihre niedrigen Instinkte auszuleben.

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Es ist ja kein Alleinstellungsmerkmal amerikanischer christlicher Fanatiker, inkonsistent zu denken und zu handeln.

Dies ist ein Motiv jeglicher religiöser Couleur. Es gibt halt keine verbindliche Faktenlage, die Verhalten stringend regeln könnte. Auf der Basis von singulären Quellen wie Bibel oder Koran werden Verhaltens- und Moralkodizes entwickelt, die je nach Gusto mal so, mal so ausfallen.

Um religiöse Motive als Handlungsoptionen anwenden zu können braucht es eine gewisse intellektuelle Unschärfe. In dieser verschwimmen dann auch interne Widersprüche.

Ein Weltbild, dass nicht an Realitäten orientiert ist, braucht keine zwingende Logik.

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Kommentar von AntwortMarkus
23.05.2016, 14:22

Ich handele nicht im Namen Gottes, wenn ich seine Gebote missachte.

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Hallo Rosenblad

interessant dazu wäre, wieviele Abtreibungsgegner es in den USA gibt und wieviele solcher Vorfälle es gab über welchen Zeitraum hinweg. Auch die Vorgeschichte der Täter und die Nachgeschichte wäre interessant. 

Ich kenne echt SEHR viele Pro-Life-Menschen und zähle mich selber auch dazu, aber ich kenne wirklich niemanden, der Gewalt oder sogar Mord gerechtfertigt finden würde.

Wir sind Pro-Life, für das Leben. Damit bezeugen wir, dass wir NICHT das Recht haben, einer anderen Person das Leben zu nehmen.

Man kann nicht ein Unrecht mit einem anderen Unrecht bekämpfen.

Warum wir für das Leben sind? Weil die Würde des Menschen unantastbar ist. Und weil Hilary Clinton neulich von der ungeborenen Person redete.

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Kommentar von HansH41
23.05.2016, 11:13

Ein Zellklumpen ist keine Person.

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 11:39

Hilary Clinton neulich von der ungeborenen Person redete

Hat sie das? Kannst du die Quelle nennen?

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Nach christlichem Verständnis ist nur Gott der Herr über
Leben und Tod. Die Aussage der Bibel ist eindeutig: "Du sollst nicht töten". Vom Augenblick der Zeugung wächst in der werdenden Mutter ein Mensch heran. Jeder Mediziner weiß das, und selbst Politiker, die vehement für das Recht der Abtreibung eintreten, vertreten bei der Frage der Gen-Manipulation die Auffassung, dass es sich beim Fötus seit der Zeugung um einen Menschen handelt, der unter dem Schutz des § l steht. 

Gottes Wort redet so über den ungeborenen Menschen: Psalm
139,13.16: "Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Deine Augen sahen mich schon als un-geformten Keim [Embryo], und in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollten,als noch keiner von ihnen war." und „Von Ewigkeit her habe ich dich geliebt“. Deshalb ist eine Abtreibung immer die Tötung eines menschlichen Wesens. Das nur zur "Abtreibungsaversion".

Das darf und soll man auch öffentlich bekennen, aber nicht
mit Gewalt verteidigen. Dass es in den USA fanatische Menschen gibt, die soweit gehen, Abtreibungsbefürwortern Gewalt anzutun, ist nicht „dem Christentum“ anzulasten. Das eine ist genauso schlimm wie das andere.

Man muss unterscheiden zwischen der Lehre und dem Anspruch des Christentums und den Menschen, die sich Christen nennen und sich versündigen können.

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 11:35

dass es sich beim Fötus seit der Zeugung um einen Menschen handelt

Nein, so ist das nicht. Niemand bestreitet, dass befruchtete Eizellen - übrigens auch schon Ei- und Samenzellen - eine Form menschlichen Lebens sind. Das ist aber nicht dasselbe wie ein "Mensch".

Ausserdem gibt es sehr viele Stellen in der Bibel, wo "Gott" die Tötung von Menschen - der Feinde Israels - geradezu befiehlt, inklusive das Aufschlitzen der Bäuche von schwangeren Frauen des Feindes. Und die Todesstrafe wird ebenfalls geboten, für Vergehen, die wir heute als Bagatelle bezeichnen würden.

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Warum haben Abtreibungsbefürworter eigentlich ein Problem damit, daß man sie abtreibt? o.O

Wenn das Töten eines ungeborenenen Menschen kein Mord ist, dann ist es das bei einem Geborenen letztendlich auch nicht.

Nur weigern sich Mörder gerne, ihr eigenes Handeln auch als Mord zu sehen.

Den wenigsten Menschen ist klar, daß es eine bessere Methode gibt, wenn man ein Kind nicht will. Man kann es zur Adoption freigeben.

Aber töten ist wohl einfacher.

Unsere menschenfeindliche Gesellschaft kann und will anscheinend nicht menschenfreundlich sein.

warehouse14

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 15:53

Abtreiben kann man eben nur solang der Embryo/Fötus im Körper der Frau ist. Wenn meine Mutter mich nicht gewollt und ihre Schwangerschaft damals abgebrochen hätte, hätte es mich schlicht nicht gegeben. Somit könnte ich auch kein Problem damit haben.

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Nun einige Christen, sehen Abtreibung als Mord an, obwohl man den Fötus im Status in dem er sich bei Abtreibungen befindet kaum als Leben bezeichnen kann.

Sehr wenige Christen für die Abtreibung, ja Mord ist halten dementsprechend Ärzte in Abtreibungskliniken für bösartige Massenmörder. Und sehen es als Religiöse Pflicht diesen Massenmord zu verhindern.

In sehr wenigen Einzelfällen führt das bis zum Mord an eben diesen Ärzten. In der kurden Logik dieser Menschen macht das durchaus sinn, denn durch den Mord an nur einem dieser Ärzte könnte man ja den "Mord" an hunderten ungeborenen verhindern.

Natürlich ist dem nicht so den wenn ein Arzt stirbt gehen einfach mehr Schwangere zu den anderen die noch Leben und man "rettet" eigentlich überhaupt kein Leben. Die Leute die diese Morde begehen sind aber meist nicht in der Lage so weit zu denken.

Natürlich in der Bibel steht "du sollst nicht töten", dies ist wohl das Sinnvollste der Gebote die ich herabgesant habe. Weil nun alle Mörder gegen dieses Gebot verstossen könnte man Ihnen natürlich die Zugehörigkeit zum Christentum absprechen, dies halte ich aber für falsch denn diese Menschen die eben die Morde an den Ärzten begehen, wollen ja eigentlich nur dafür sorgen das eben jenes Gebot von diesen eingehalten wird.

Abtreibung ist kein Mord, jedenfalls rein rechtlich. Wie die persönliche Moralische Einstellung dazu aussieht muss jeder für sich entscheiden, aber keiner von euch Menschen hat das Recht seine Moral anderen aufzuzwingen oder sie deshalb zu verurteilen oder gar zu töten.

lg Gott/Jahwe/Allah

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Kommentar von carn112004
23.05.2016, 12:25

Dieser Satz gilt eben nicht:

"Wie die persönliche Moralische Einstellung dazu aussieht muss jeder für sich entscheiden, aber keiner von euch Menschen hat das Recht seine Moral anderen aufzuzwingen oder sie deshalb zu verurteilen oder gar zu töten."

wenn jemand einen unschuldigen und wehrlosen Menschen töten will; es ist dann dafür, dass das verhindert werden sollte, irrelevant ob der Handelnde sich bewusst ist, dass er im Begriff ist, einen unschuldigen und wehrlosen Menschen zu töten.

Das hat nur Auswirkungen darauf, ob und wie man es vielleicht verhindern könnte, nicht darauf, dass man es verhindern sollte, wenn möglich.

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Warum will man Tatsachen (Abtreibungen) wegdiskutieren? Die Vergangenheit holt ein immer wieder ein.

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Gibt es nicht, aber manche nehmen es als Vorwand, hat nichts mit dem Christentum zu tun.

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Das Christentum ist nicht für Gewalt und Mord. Wer mordet, ist kein Christ. Er spannt sich Gott  vor den Karren und behauptet, im Namen Gottes zu handeln.  

Diese Menschen ziehen das Christentum genau so in den Schmutz,  wie der Islam durch ihre Hassprediger  und Selbstmord Attentäter  in den Schmutz  gezogen  wird.  

Gott ist die Liebe. Wer auf Gott hört, der tötet nicht.  Weder Kinder im Mutterleib  noch Menschen,  die Abtreibung  befürworten. 

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Kommentar von annemarie37
23.05.2016, 11:59

Na ja, es ist gar noch nicht so lange her, dass Christen im Namen des Christentums in der Welt herummordeten... Inquisition betrieben etc.

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Das hat mit dem Christentum nichts zu tun. Das ist reine Ideologie. Für die ist jede Abtreibung Mord. Die wollen gleiches mit gleichem vergelten.

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