Warum ist Faust ein Held der Klassik?

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Ein klassische Motiv in „Faust II“ ist die Griechensehnsucht Fausts, denn das Leitbild der Klassik war der antike Mensch, der Grieche, als Verkörperung der „edlen Einfalt und stillen Größe“ (Winckelmann), in der sich Harmonie und seelische Schönheit äußerten. Fausts Wunsch, Helena und Paris zu beschwören, werden denn auch von Mephisto ermöglicht. Außerdem ermöglicht ihm Mephisto die Teilnahme an der klassischen Walpurgisnacht, wo in Thessalien alljährlich die Gestalten der griechischen Sage sich ein Stelldichein geben. - Ein zweites typisches klassisches Motiv ist der Anspruch von Freiheit und Humanität. Der klassische Goethe verfocht das Freiheitsideal Kants („Freiheit ist nichts als die Möglichkeit, unter allen Bedingungen das Vernünftige zu tun.“ - Goethe). Auch in „Faust II“ wird dieses Freiheitsideal Fausts deutlich, und zwar im 4. Akt. Er lässt sich vom Kaiser mit einem großen Stück Land („des Reiches Strand“) belehnen, auf dem er sich ein erträumtes Reich der Freiheit für sich und für die Gemeinschaft seiner Mitmenschen errichten will. - Ansonsten stehen die Bestrebungen Fausts im Gegensatz zum Ideal der Klassik, jedenfalls was das Humanitätsideal betrifft. So richtet Faust schon im 1. Teil seine Geliebte Gretchen zugrunde, im 2. Teil gibt er als Beherrscher des Strandes das alternde Ehepaar Philemon und Baucis dem Untergange preis, wenn auch ungewollt. Aber er gab Mephisto den Auftrag, die beiden Alten gegen ihren Willen umzusiedeln. Mephisto aber meldet ihm bald darauf den Tod der beiden und ihres Gastes. Auch dass Faust von dem Beherrscher eines Staates der Korruption Land annahm, spricht nicht gerade für eine edle Gesinnung. Fausts Streben geht im Übrigen weit über das bloße Freiheitsstreben (auf seinem Lehngut) hinaus, er strebt nach letzter Erkenntnis. Insofern kann man sagen, dass „Faust II“ starke romantische Elemente enthält, denn der romantische Held strebt ebenfalls nach dem Unerreichbaren. Deshalb ja auch die Wette mit Mephisto. Sollte er sich mit dem kleinbürgerlichen Ziel des Genießens des Augenblicks begnügen, könnte ihn Mephisto mit sich in die Hölle nehmen. Mephisto führt Faust im 2. Teil durch die große Welt, nachdem er ihn im 1. Teil durch die kleine Welt geführt hat, immer mit dem Hintergedanken, dass Faust den Verlockungen nachgibt und sich zu einem Philister mausert, der nur nach dem Augenblicksgenuss strebt. Den Gefallen tut ihm Faust nicht. Er entpuppt sich schließlich als Mann der Tat, der unermüdlich an neuen Projekten arbeitet. Am Schluss finden wir „den Schlüssel zu Fausts Rettung“ (Goethe), in den Versen: „Gerettet ist das edle Glied der Geisterwelt vom Bösen, wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen...“ Das Streben Fausts kam nie zur Ruhe. Selbst kurz vor seinem Tod strebt er noch rastlos weiter, als er die Geräusche des Aushebens seines Grabes für Arbeitsgeräusche (bei der Trockenlegung eines Sumpfes) hält, indem er sagt: „Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben, das ist der Weisheit letzter Schluss, nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss!“. Auch hier wird wieder das klassische Motiv des Strebens nach Freiheit (im Goethischen Sinne) deutlich. Mephisto aber hat wegen dieses rastlosen Strebens Fausts die Wette am Ende verloren.

Der Faust als Urfaust war ja ein echtes Produkt des Sturms und Drangs, weshalb Goethe seinen Faust, wenn auch gefeilt und durch einiges ergänzt, so viele lange Jahre liegen ließ, sich aber doch immer wieder damit befasste. Erst als der längst zum „Klassiker“ Gewordene in die Zeit der „kranken“ Romantik mit deren unerfüllbarem Sehnsuchtsstreben hineinlebte (Symbol der Unendlichkeit in der Klassik ist der geschlossene Kreis, in der Romantik hingegen die unendliche Gerade!) , da fand er zu guter Letzt eine Lösung, wie er das unbändige faustische Wissenwollen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, die Elemente des harmonisch-klassischen Menschenideals und sogar das Erreichen der Zufriedenheit im scheinbar unseligen Moment „Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön!“ doch genial miteinander verbinden konnte: Die Sehnsucht wird nämlich nicht angesichts einer irdischen Wirklichkeit gestillt, sondern durch eine ideale Zukunftsphantasie vor dem inneren Auge. Faust will nun „gern zugrunde gehen“, Mephisto aber schaut durch die Finger, denn es war ihm ja nicht gelungen, dem Faust diese Zufriedenheit zu verschaffen: „Ich habe schimpflich missgehandelt, ein großer Aufwand, schmählich! ist vertan;

Eine heike hat das klassische Element des Faust II in lovely books recht gut dargestellt:. Lies nach:

"Faust II" ist geprägt von den Idealen der Epoche der Klassik (1786-1805): der Rückbesinnung auf die Antike und der Position, dass der Mensch durch die Anschauung des wahrhaft Schönen selbst zum Wahren und Guten, zur Veredelung seiner Denkweise und seines Charakters gelangt.
Im "Faust II" führt Mephistopheles Faust in die geheimsten Mysterien ein, unternimmt mit ihm eine Zeitreise in die Antike Griechenlands, wo Faust dem Sinnbild der antiken Schönheit schlechthin, der legendären Helena, begegnet, die er dann heiratet und mit ihr ein Kind namens Euphorion in die Welt bringt. Euphorion stirbt aber jung. Diese Beziehung ist eine Metapher, die für die Verknüpfung der griechischen Antike mit dem deutschen Geist zur Klassik steht. Der Tod Euphorions steht für Goethes spätere Erkenntnis, dass Poesie allein nicht den Menschen und die Welt verändern kann.

http://www.lovelybooks.de/autor/Johann-Wolfgang-von-Goethe/Faust-II-143207860-w/

Ich würde ihn jetzt nicht wirkl als Held bezeichnen

ich denke jedoch das er ein interessanter Charakter ist der es schafft sich vom bösen wieder loszusagen und über den Teufel siegt

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