Warum ist Europa nach der Antike in das Mittelalter "zurückgefallen"?

8 Antworten

Die Zusammenstellung erweckt einen falschen Eindruck: Die Bildung in der Antike war die Angelegenheit einer privilegierten Oberschicht in größeren Städten, vor allem in Rom. In den Wirren der Völkerwanderung (Gotenkrieg, Langobarden) kam es zu einem radikalen Niedergang Roms und damit auch der römisch-antiken Kultur.

In den darauf folgenden Jahrhunderten gab es westlich von Konstantinopel praktisch keine nennenswerten Metropolen mehr, die auch nur annähernd als kulturelle Zentren dienen könnten. Erst unter Karl dem Großen wurden zahlreiche Klöster aufgebaut, die daraufhin Träger von Bildung und Schriftkultur wurden.

im Mittelalter hatte Bildung nicht etwa geringen Stellenwert, sondern der Schwerpunkt lag auf praktischen Dingen wie Landwirtschaft, Bergbau und Handwerk, die in dieser Zeit einen enormen Fortschritt gemacht haben und die Grundlage für die wissenschaftliche und technische Entwicklung der Neuzeit gelegt haben.

Vom Mittelalter wird immer ein recht finsteres Bild gezeichnet, dabei war es durchaus lebens- und liebenswert. Was wohl die Menschen von damals zu den Hexenverbrennungen im 15.-18. Jahrhundert gesagt hätten? Oder zu heutigen Weltkriegen und Massenvernichtungswaffen?

Das alte römische Reich war untergegangen - Dekadenz kommt nun mal vor den Fall. Nach einer Zeit der Veränderungen entstand das neue, heilige römische Reich deutscher Nation in dessen Nachfolge wir heute noch stehen. In der Landwirtschaft gab es große Fortschritte, allein schon um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. So düster war das alles nicht.

Ein "lebens- und liebenswertes Mittelalter" - aha...

Dabei unterschlägst du aber, daß mittelalterliche, europäische Städte in römischer Zeit als kleinstädtische Drecklöcher gegolten hätten!

Vergleiche mal die damaligen "Metropolen" wie Paris, Köln, Braunschweig, etc. mit denen der römischen Zeit - Paris hatte um 30000 Einwohner, im antiken Rom lebten eine Millionen Menschen.

Bis in die Neuzeit gab es in unseren Städten kein fließendes Wasser und Fäkalien wurden in offene Rinnen gekippt. Römische Städte hatten fließendes Zuwasser und eine funktionierende Kanalisation.

Deshalb haben Römer auch häufig gebadet und weil das Abwasser nicht das Trinkwasser verunreinigte, gab es nur selten Seuchen. Die Römer hatten sogar in ihren Kasernen Fußbodenheizung - besichtige mal eine alte Ritterburg.

Aber, wenn einem das alles nicht störte, dann war das Mittelalter richtig kuschelig.

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@nax11

nax11: Der Geruch der den Reisenden entgegen kam ließ sie wissen dass die Stadt nun nicht mehr fern war.

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Kein Vergleich zu Rom!

Das sog. Heilige römische Reich war eine Fiktion. Der
Versuch einen gemeinsamen deutschsprachigen Staat zu etablieren. Das war ein gigantischer Rückschritt zum Römischen Reich. Außerdem hat Byzanz das Römische Erbe weiterleben lassen. Das sog. Heilige römische Reich, das weder römisch, noch heilig,  noch ein Reich war, umfasste auch nur die deutschsprachigen Lande. Gelegentlich gelang die Herrschaft über Teile Italiens. Daran hat man sich aber regelmäßig die Zähne ausgebissen, an Italien.

Die Idee, der Versuch wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aufgegeben. 1871 wurde er dann doch noch verwirklicht,
der gemeinsamen deutschsprachige Staat, zum Unglück Europas.

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Gute Frage.

Interessant ist ja auch dass in Süddeutschland, dass in der Antike bereits römisch war, sich kaum noch Zeugnisse aus ca. 300-800 befinden. Da ist Deutschland quasi ein unbeschriebenes Blatt. 

Erst mit Karl dem Großen beginnt eine neue Zeit, von der wir heute auch noch Bauwerke erhalten haben.

"Deutschland" haben die Römer als "Barbaricum" ausgeklammert. Da gab es nur gelegentliche Strafexpeditionen, wenn ein Germanenstamm mal wieder auf Plünderung aus gewesen ist.

Im Gegensatz dazu gab es aber auch "römische Germanen" an Rhein und Donau (Köln, Trier, etc.), wo viele Hinterlassenschaften aber überbaut wurden.

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Du hast das erste Mittelalter vergessen, sophie - die Zeit zwischen 1200 und 800 v.Chr. (wird gewöhnlich als "Dunkles Zeitalter" bezeichnet).

In beiden Fällen scheinen drastiche Veränderungen Auslöser gewesen zu sein: das "Dunkles Zeitalter" wurde offenbar durch die sogenannten Seevölker eingeleitet - von denen man nicht sonderlich viel weiß. Und das, obwohl sie den Niedergang diverser Staaten im Mittelmeer eingeleitet haben.

Unser (zweites) Mittelalter ging mit dem Niedergang des Römischen Imperiums einher, dessen Ursache relativ desolate Staatsstrukturen waren, die dem Ansturm der "Barbaren" nicht standzuhalten vermochten - jedenfalls nicht im westlichen Teil, denn Ostrom existierte noch weitere 1000 Jahre, konnte aber nie an die Blütezeit des Imperiums anknüpfen.

Ostrom hätte das Erbe aber eigentlich bewahren können, allerdings gab es zur Zeit von Justinian neben der Völkerwanderung auch noch eine Hungersnot und verheerende Pestepidemie, die Ostrom extrem geschwächt haben.

Das sind aber nur die einen Hintergründe.

Das andere Problem ist, daß sich in der Antike nur sehr wenige Menschen mit Wissenschaft und Technik befaßten. Nichtmal schreiben und lesen konnten besonders viele. Wenn ein Staat nun zerstört wird und dabei die meisten Schriftkundigen umkommen oder versklavt werden, dann ist einfach nichts mehr da, um das Weiterbestehen der Kultur zu garantieren.

Diese paradoxe Situation zeigte sich sehr deutlich zu Anfang der Renaissance, wo wissenschaftliche Forschung darin bestand, erstmal die noch existierenden, antiken Quellen auszuwerten.

Schönen Gruß

Das Mittelalter ist nicht so schlecht. Es wurden viele neue Städte gegründet und der Handel ist ging voran.

Pr3doX:

Das Mittelalter ca. 500 n.Chr. -1500 n.Chr. umfasste eine Epoche von 1000 Jahren und ist in Frühmittelalter, Hochmittelalter, Spätmittelalter.

Auf die Antike folgte das Frühmittelalter, der Übergang war fließend.

Das Spätmittelalter war die Zeit der Städte und dort entwickelte sich eine neue Oberschicht, Kaufleute, Hanse etc.

Die Frage behandelte Antike und Frühmittelalter.

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