Warum ist es wichtig, im Philosophieunterricht John Rawls´ Theorie der Gerechtigkeit zu behandeln? Letztendlich möchte man die SuS damit nicht ärgern?

3 Antworten

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Das Thema »Gerechtigkeit« ist sehr wichtig. Gerechtigkeit ist ein hoher Wert. Mit Bewertungen, ob etwas gerecht oder ungerecht ist, sind Gefühle verbunden. Es wird Anspruch auf gerechte Behandlung erhoben und Gerechtigkeit gefordert. Einschätzungen, ob etwas gerecht ist oder nicht, können stark beeinflussen, ob Zustimmung zu Systemen, Institutionen, Gesetzen, Verhältnissen und Personen gegeben wird oder nicht. Im Leben treten oft und vielfältig Verteilungsfragen auf und es kommt zu Verteilungskonflikten. Damit besteht ein Problem, wie damit richtig umgegangen wird und wie diese Angelegenheiten geregelt werden sollen. Ein Bedarf an einer normativen Theorie dazu ist der Sache nach vorhanden.

John Rawls hat mit seiner Theorie der Gerechtigkeit einen wichtigen Beitrag dazu geleistet (das genaue Ausmaß der Wichtigkeit kann mit unterschiedlichen Meinunmgen erörtert werden). Zu seiner Theorie hat es eine ausgiebige und intensive philosophische Diskussion gegeben. Seine Überlegungen aus dem 20. Jahrhundert sind auf eine Art von Gesellschaft bezogen, in der gegenwärtige Menschen leben bzw. ihr sehr ähnlich.

Die Theorie gibt Anregungen zu rationaler Argumentation, welche Grundsätze zur Verteilung gesellschaftlicher Grundgüter fair sind (soziale Ungleichheiten sind gesellschaftliche Ungleichheiten und also Teil der Gesellschaft; eine Begünstigung bestimmter Menschen durch die Grundstruktur der Gesellschaft hält John Rawls weitgehend für nicht gerecht; denn ein Grundsatz der Gerechtigkeit besteht in gleichen Freiheitsrechten für alle und ein anderer enthält echte Chancengleichheit für alle; unterschiedliche Verteilung natürlicher Begabungen ist nach seiner Auffasssung nichts, was als individuell verdienstvoll zugerechnet werden kann; es bleibt als Hinsicht, in der eine Begünstigung bestimmter Menschen durch die Grundstruktur der Gesellschaft fair sein kann, nur, was Menschen aus ihren Fähigkeiten machen; einem Leistungsgedanken bietet John Rawls Raum, wobei nach dem Differenzprinzip soziale Ungleichheit aber an eine verhältnismäßig beste Lage der am schlechtesten Gestellten gebunden ist, um als gerechtfertigt gelten zu können).

Der Zusatz des Spargrundsatzes, in dem es um die faire Behandlung zukünftiger Personen geht, könnte auch als Generationengerechtigkeit bezeichnet werden. Gedanken zu Nachhaltigkeit und einer Bewahrung ausreichender Ressourcen sind möglich.

Die Theorie kann zu einem Nachdenken über das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit anregen.

Die Theorie enthält eine Begründung für einen Sozialstaat.

Otfried Höffe, Einfuhrung in Rawls' Theorie der Gerechtigkeit. In: John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit. Herausgegeben von Otfried Höffe. 3., bearbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2013 (Klassiker Auslegen ; Band 15), S. 3:  

„Die Theorie der Gerechtigkeit ist der wichtigste Beitrag des englischen Sprachraums, vielleicht sogar der überhaupt wichtigste Beitrag zur Politischen Ethik des zwanzigsten Jahrhunderts. Das Werk besteht in einer ebenso umfassenden wie sorgfältigen, bis in viele Einzelheiten genauen Argumentation.“

Wolfgang Kersting, John Rawls. In: Philosophie der Gegenwart in Einzeldarstellungen. Herausgegeben von Julian Nida-Rümelin und Elif Özmen. 3., neubearbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart : Kröner, 2007 (Kröners Taschenausgabe ; Band 423), S. 537:  

„Kein philosophisches Werk hat im 20. Jahrhundert so schnell philosopische Aufmerksamkeit erregt und eine so intensive und weit gespannte Diskussion ausgelöst wie A Theory of Justice. R.' Gerechtigkeitstheorie ist es gelungen, alle Bereiche der praktischen Philosophie und der ihnen benachbarten Einzelwissenschaften in ein interdisziplinäres Gespräch zu verwickeln und selbst noch die nicht akademische Öffentlichkeit zu interessieren.“

Der Mann ist ein Jetztzeitphilosoph und Amerikaner. Die Deutschen sind darauf geeicht, nach Amerika zu schauen.

Aber Rawls Philosophie läuft letztlich nur auf eine Rechtfertigung des Kapitalismus hinaus. Ich als Philosphielehrer habe ihn im Unterricht fast nie behandelt. Er ist nicht wichtig.

Dieser Mensch ist weitestgehend unbekannt, ist daher nicht weiter wichtig.

John Rawls - Warum kann absolute Gleicheit nicht gerecht sein?

Salut! Im Rahmen der Abiturvorbereitungen beschäftige ich mich momentan mit John Rawls.

Rawls argumentiert, dass jeder Mensch den größten Anteil des gemeinsam Erwirtschafteten haben möchte und dass man deshalb Kriterien braucht, um eine Verteilungsgerechtigkeit zu definieren. Eins der Argumente gegen ein utilitaristisches Prinzip ist, dass der Utilitarismus nicht berücksichtigt, dass Freiheit und Gleichheit Voraussetzungen für Gerechtigkeit sind. Was spricht also dagegen, einfach eine absolute Gleichheit einzurichten? Wieso bestimmen die Menschen im Urzustand überhaupt, dass der eine mehr bekommt und der andere weniger?

Klar, man selbst könnte dazu sowas sagen wie die fehlende Motivation zur Fortentwicklung, wenn jede Arbeit gleich belohnt wird.

Aber was agt Rawls dazu?

Vielen Dank im Voraus!

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