Warum ist es in der BRD nicht erlaubt, seine Asche ausserhalb des Friedhofes vergraben zu lassen?

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9 Antworten

Wie meine Vorredner schon schrieben:In Deutschland gibts ein Friedhofsgesetz,welches einen Bestattungszwang vorsieht. Darin ist geregelt,daß der Bestatter dem Friedhofsamt die sterblichen Überreste (d.h. eigentlich den Sarg oder Urne) übergibt,welches sie dann beisetzt. Praktisch delegiert das Friedhofsamt natürlich diese Aufgabe ans Bestattungsunternehmen zurück. Das Bestattungsunternehmen darf den Sarg/Urne gar nicht an die Angehörigen herausgeben. Im Gesetz ist aber nur die Rede davon,daß der Bestatter die Beerdigung zwingend vornehmen muss,nicht die Angehörigen. Es gibt einen Trick,wie die Angehörigen doch die Urne behalten dürfen. Lässt der Bestatter die Leiche in einem anderen Land (ohne Bestattungszwang) einäschern,darf er die Urne dort den Angehörigen übergeben und fällt somit nicht unter den deutschen Bestattungszwang.

Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare! Wenn ich mich nicht ganz arg vertue, stammt dieser Spruch von Erich Kästner und fasst das Verhältnis von Deutschen zur Bürokratie bestens zusammen.

Der Deutsche mag gerne Gesetze! Also gibt es ein Friedhofsgesetz! Ausnahmen meistens nur für verdiente Großgrundbesitzer, die sich neben ihren Pferden/Hunden beerdigen lassen wollen.

Wer die Sache mit Opa lieber selbst bestimmen will, lässt ihn z.B. in Holland einäschern. Dortige Unternehmen drücken den Angehörigen anschließend die Urne ganz ohne Formularkram in die Hand, so dass er fürdem auf dem Kaminsims immer noch im Kreise der Familie anwesend sein kann (was in Deutschland eigentlich strengstens verboten ist, aber wenn der nette Mann mit dem Friedhofsverwaltungsdurchsuchungsbeschluß vor der Tür steht, kann man ja immer noch die Asche des geliebten Schäferhundes vorgeben...)

Interessant daran ist ja, dass die allfällige Begründung des Gesetzes (z.B. Seuchengefahr) an der Landesgrenze haltmacht. In Slowenien ist es übrigens m.W. auch nicht gestattet, die Asche seiner Lieben ausserhalb der Friedhofsmauern zu "verwenden" (begraben, verstreuen, aufbewahren mein ich natürlich). Vielleicht will man in Deutschland der Gefahr begegnen, dass sich die Angehörigen beginnen zu streiten ums wer, wo, was. Also quasi zur vorsorglichen Entlastung der Gerichte...

Wie Matthias Opitz schreibt, gibt es aber für findige Nachkommen genügend Wege, ziemlich unkontrolliert mit der Urne und der Asche umzugehen. Nur nicht antworten, bevor man gefragt wurde ;)

Es scheint aber auch Ausnahmen zu geben:

G e s e t z über das Friedhofs- und Bestattungswesen (Bestattungsgesetz - BestG NRW)

§ 14

Erdbestattung, Ausgrabung

(1) Leichen müssen auf einem Friedhof bestattet werden. Die örtliche Ordnungsbehörde kann eine Erdbestattung außerhalb eines Friedhofs mit Zustimmung der unteren Gesundheitsbehörde in besonderen Fällen genehmigen.

(http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Gemeinschaft/bestg.htm)

  • Erstens haben wir den "Friedhofszwang" - heisst wirklich so - von dem es allenfalls in extremen Einzelfällen mal eine Ausnahme gibt.

  • Wenn Ophelia meint, man dürfte die Urne mit der Asche in die eigene Wohnung stellen, dann ist das falsch.

  • Neben dem "Friedhof" gibt es noch die Seebestattung, die über jedes Institut organisierbar ist.

  • Neuerdings gibt es auch noch Friedwälder, in denen Bestattungen erlaubt sind - in freier Natur, unter einem grossen, alten Baum und ohne Grabstein oder Kreuz.

Die Bäume sind nicht wirklich groß und alt, die Bäume werden ja für mindestens 99 Jahre gekauft:

http://www.friedw.de/Startseite.AxCMS

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@engelhaar

@engelhaar:

  • Die Bäume werden nicht gekauft, sondern verpachtet.

  • Sie werden nicht für mindestens, sondern für höchstens 99 Jahre verpachtet.

  • Die Bäume haben Stammumfänge zwischen einem und vier Metern - das finde ich schon ganz schön gross.

  • Und ehe ein Baum einen Umfang von vier Metern hat, muss er doch wohl schon ganz schön alt sein.

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es gibt bei uns nach wie vor einen gesetzlich vorgeschriebenen Friedhofszwang, d.h. jede Bestattung, ob Sarg oder Urne, hat auf einem dafür ausgewiesenen Friedhof stattzufinden.

Soweit ich weiß, darf man aber eine Urne in der eigenen Wohnung belassen. Das ist erlaubt.

Ich empfehle Dir, deine Frage dazu auch mal hier http://post-mortal.de/forum/ zu stellen, um ganz sicher zugehen.

Die Frage warum das so ist, würde mich aber auch mal interessieren...

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Das hat was mit dem Bundesseuchengesetz zu tun. Es könnte ja sein, dass der Tote eine unentdeckte Krankheit hat und die sich unkontrolliert ausbrechen könnte.

Im Falle einer Erdbestattung absolut nachvollziehbar aber nach einer Einäscherung ?

Gerade nach größerern Epidemien - z.B. in 3. Welt-Ländern - werden Tote und deren Kleidung doch deswegen verbrannt, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen.

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@Ophelia

Es gibt aber Krankheiten, wie z.B. Hepatitis, die auch nach einer Einäscherung noch vorhanden sind.

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Müßten mit der selben Begründung Friedhöfen dann aber nicht Quarantäne-Gebiete werden?

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@ravenmuc

Friedhöfe haben soweit ich weiß, eine besondere Schicht im Boden, die das Grundwasser schützt. Damit ist die Gefahr dann wohl weitgehend gebannt.

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Weil es Friedhöfe gibt!?

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