Warum ist es durch meinen Autismus schwer einen Beruf zu finden?

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5 Antworten

Wer Werkstätten für behinderte Menschen rundum ablehnt, kennt sich auf dem Gebiet eben nicht aus.

Mach dich erst mal schlau, welche größeren Werkstätten es bei dir in der Umgebung überhaupt gibt. Und dann frage an, ob man sich vor Ort mal dort umschauen könnte.

Mein Sohn (30, Asperger mit ausgeprägtem Krankheitsbild) arbeitet in Berlin im  Kasper-Hauser-Therapeutikum. Dort gibt es eine Elektrowerkstatt, eine Buchbinderei, eine Hausmeisterei, eine Töpferei, eine Textilwerkstatt, eine Kerzenzieherei, Landschaftsgärtnerei., eine Küche ...

Die Beschäftigten in der Elektrowerkstatt bestücken Platinen und Baugruppen, testen diese und fertigen Kabelbäume, in der Buchbinderei werden (Notiz-)bücher nach klassischer  Art hergestellt, die Außenseite oft mit Künstlerpapieren - Dinge, die in einer Berliner Papier-Boutique für nicht gerade kleines Geld über den Ladentisch gehen..

Die Keramikwerkstatt stellt ebenfalls tolle Sachen her. Immer Anfang Dezember zum Adventsbasar (der als Verkaufsbasar dort immer ganz groß veranstaltet wird) erlebt man, dass es richtiggehende Sammler zu den Keramikserien aus der Werkstatt gibt.

Das alles ist meilenweit weg von den Klischees zum Thema Behindertenwerkstatt. (Die ihre Berechtigung für Menschen mit schwereren Behinderungsbildern ja auch haben).

Aber Werkstätten für behinderte Menschen sind so unterschiedlich aufgestellt, wie es auch unterschiedliche Behinderungsbilder gibt.

Und wenn du wirklich Regale einräumen willst - da hast du kein Problem mit der Monotie und dem Leistungsdruck? Immerhin wird dort quasi im Akkord verräumt.

Was letztlich für dich das Beste ist, das kannst du nur allein wissen.

Aber ich finde es schade, wenn wertvolle Angebote (die für manche Leute die einzige Möglichkeit zur Teilhabe am Arbeitsleben sind) aus Unkenntnis so verteufelt werden.

regenbrause19 23.07.2017, 07:13

In einer Behindertenwerkstatt arbeiten zu müssen ist keine Teilhabe am Arbeitsleben! Das ist nur dazu gedacht als Beschäftigungstherapie, aber es ist zu 100% keine Teilhabe am Arbeitsleben.

Ich habe nur von schlechten Erfahrungen gehört. Man verdient dort nichts! Viele davon leben in Einrichtungen und bekommen nur 50€ Taschengeld. Falls jemand davon eine eigene Wohnung hat, bekommt er nur den Hartz4 Regelsatz.

Ich denke nicht, dass es sich lohnt für 'Nichts' Vollzeit einer sinnlosen Tätigkeit nachzugehen! Falls man unter 25 ist und noch Kindergeld bekommt, bekommt man übrigens gar kein Geld, sondern es wird der Regelsatz noch am Kindergeld angerechnet.

Beispiel: Man ist unter 25, bekommt monatlich 195€ Kindergeld. Das Kindergeld wird angerechnet, es bleiben also noch 214€ Regelsatz. Insgesamt hat man also 409€ und davon muss man leben. Unter 25 wird man aber sowieso in einer Einrichtung leben müssen, da vom Arbeitsamt keine eigene Wohnung genehmigt wird. Im Endeffekt hat man maximal 50€ Taschengeld wenn man unter 25 ist und Vollzeit in einer Behindertenwerkstatt arbeitet.

Diejenigen die über 25 sind und in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, bekommen eine günstige Wohnung bezahlt und müssen von 409€ leben.

Das ist mehr Ausnutzung als Zeitarbeit.

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EstherNele 23.07.2017, 14:23
@regenbrause19

Diejenigen die über 25 sind und in einer Behindertenwerkstatt arbeiten, bekommen eine günstige Wohnung bezahlt und müssen von 409€ leben.

Das ist schlichtweg nicht richtig. Die über 25-jährigen, die nicht in einer Behindertenwerkstatt arbeiten und mit einer angemessenen Wohnung erhalten 409 € + Miete (+ Beitrag KK + GEZ frei als unbare Leistung). Das ist aber doch auf den Cent genau das, was ein arbeitsloser ALG II-Empfänger auch bekommt.

Wer in einer Behindertenwerkstatt arbeitet, wird dafür auch bezahlt.

Wenn du ALG II bekommst und hast einen Minijob von 450 €, dann wird alles bis auf 170 €  davon auf deine Leistungen angerechnet.

Wenn du (ich beziehe mich auf einen mir bekannten Fall) in einer Werkstatt arbeitest, bekommst du ca. 150 € zusätzlich zur Grundsicherung ausgezahlt, außerdem wird oft das Mittagessen in der Einrichtung übernommen.

Wenn du eine MAE-Stelle hast, dann hast du - je nach Region - 1,10 € - 1,50 € pro Stunde, also etwa 135 € - 185 € pro Monat zusätzlich. Für ebenso 30 Stunden pro Woche wie bei den anderen Beispielen.

Damit siehst du mal, es gibt auch andere Zuverdienstmodelle, da gehst du mit etwa den gleichen Beträgen nach Hause. Zusätzlich zu den Leistungen des SGB II (also entweder ALG II oder Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung).
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Wer in einem Heim lebt, ist nicht in der Lage, seinen  Alltag alleine zu bewältigen. Darum kümmern sich die Betreuer im Heim.

Die Bewohner dort bekommen 50 € oder mehr als Taschengeld, falls sie in einer Werkstatt arbeiten, verfügen sie auch über dieses Geld. Für alle anderen Ausgaben (Ernährung, Kleidung, Freizeit, Pflegeprodukte, med. Begleitkosten) haben die Betreuer sowohl das Geld wie auch die Verfügung darüber, wann und wofür es ausgegeben wird.
Du kannst mir glauben, da muss über jeden Cent Rechenschaft abgelegt werden.

Für einen Heimplatz werden vom Staat einige Tausend Euro pro Monat aufgebracht.
Allerdings kannst du auch einen Behinderten, der vielleicht eingeschänkt arbeits- und alltagsfähig ist, nicht vergleichen mit einem Menschen, der aufgrund eines Autismus eben nicht mit jedem Arbeitsmarktmodell klarkommt.

Da musst du letztlich selbst entscheiden, wo du dich auf dem Arbeitsmarkt am ehesten wiederfindest.

Auch wir Arbeitnehmer ohne Einschränkungen haben nicht immer unseren optimalen oder Wunscharbeitsplatz und beschränken uns doch damit, weil die Bedingungen drumherum eben so und nicht anders sind.

Auch wenn der Regelsatz bei ALG II oder Grundsicherung nicht eben üppig ist - es ist ja dennoch eine soziale Errungenschaft, dass jeder, der nicht in der Lage ist, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten, diese soziale Grundsicherung erhält.

Das ist noch nicht mal in allen entwickelten Industrieländern Standard. In den Staaten könntest du unter den beschriebenen Bedingungen von milden Gaben  der Wohlfahrt, vom Betteln oder auf Kosten deiner Familie leben. Und hättest wahrscheinlich noch nicht mal eine Krankenversicherung.

 

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Wenn man fragt beim Regale einräumen in Supermärkten brauchen die niemand

Warum suchst du dir eine Stelle im Supermarkt zum Regale einräumen wenn du einen Satz vorher noch schreibst, du seist durch monotone Arbeiten unterfordert? Beim Regale einräumen machst du auch immer dasselbe. Es werden sich immer Gründe finden warum man dies und das nicht machen kann. Niemand wird dir einen Job auf deine Verhältnisse zuschneiden, auch du wirst dich ein Stück weit anpassen müssen oder mit dem weiterleben was du jetzt hast. Je nachdem wie deine Lebensverhältnisse derzeit aussehen wird auch das Jobcenter/Sozialamt früher oder später mit dir zusammen eine Lösung finden müssen. Sich nur hinstellen "das kann ich nicht, das mag ich nicht", funktioniert nicht.

Das Problem hatte ich sehr lange auch (ich habe gute Schulabschlüsse und bin Aspie mit Hochbegabung).

Ich mache demnächst eine 3-wöchige Berufsorientierung (ein sehr ausführlicher Berufseignungstest auch mit Psychologen und Praktika) über die Eckert Schulen (Internat mit großen Umschulungsangebot und auch mit einer extra Abteilung bzg psychischer Erkrankungen). Im Anschluss erhalte ich dann dort eine passende Umschulung, eventuell wäre so eine Abklärung für dich auch interessant (allerdings brauchst du dafür das Arbeitsamt im Rücken damit die Kosten gezahlt übernommen werden).

Alternativ hätte ich persönlich gerne eine Ausbildung zur Biologielaborantin gemacht (doch leider ist dafür der Stellenmarkt bei mir nicht geeignet und 180 km pendeln kommt für mich nicht in Frage). Auch Revierjägerin wäre schön gewesen, aber da besteht das gleiche Problem.

Unterschätze dich nicht, aber behalte Faktoren wie intellektuelle Unterforderung, soziale Überforderung und oder Reizüberflutungsfaktoren im Fokus (das sind für mich die größten Arbeitsplatzkiller gewesen).

Warum genau kommt denn eine normale Berufsausbildung nicht für dich infrage? Wo genau liegen deine Probleme? Und wo liegen deine Stärken/Interessen?

Es ist keinesfalls unmöglich, trotz Autismus einen guten Ausbildungsplatz zu finden. Ich hatte mit derselben Problematik jedenfalls keine Probleme, durfte mir sogar einen Platz aussuchen. Also nicht den Kopf in den Sand stecken und denken, das wird eh nichts. Mit dieser Einstellung findest du bestimmt keinen Job.

Wende dich unbedingt an die Agentur für Arbeit, falls du das noch nicht getan hast. Die haben verschiedene Angebote für Menschen mit Behinderung und können dir ggf. auch einen "Bewerbungshelfer" an die Seite stellen.

Hall bombermanpsp,

Sie schreiben:

Warum ist es durch meinen Autismus schwer einen Beruf zu finden?

Antwort:

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft mit knallharten Normen!

Zudem ist es kein Geheimnis, daß selbst als "Normal" geltende und Leistungsbereite Menschen am Arbeitsplatz gemoppt- und darurch psychisch krank werden!

Da darf es nicht wundern, daß Menschen mit Autismus in diesem Umfeld einen schweren Stand haben!

Schaut man bei Wikipedia, was unter dem Begriff "Autismus" zu verstehen ist, dann trifft man auf vielfältige Beschreibungen, wo selbst die Wissenschaft noch ganz am Anfang steht!

https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus

In der behinderten Werkstatt hab ich es versucht und dort war es für mich nicht auszuhalten weil ich den ganzen tag den gleichen Handgriff machen musste und mich das unterforderte.

Antwort:

Es wird nicht viele Alternativen geben!

Haben Sie es denn bereits bei "CJD" versucht, ob Sie dort eine Lösung für Ihre Probleme finden!?

http://www.cjd.de/angebote/arbeit-und-beschaeftigung/

http://www.cjd.de/arbeiten-im-cjd/ihr-einstieg-ins-cjd/

Alternativen:

https://www.caritas.de/onlineberatung?gclid=CJP3iIyz_tQCFYccGwodTPEBWw

http://www.evangelische-beratung.info/seiten/online-beratung

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

GFrageNFrage 11.07.2017, 10:01

*dass sie gemoppt werden... Mir kam da als erstes der Wischmopp in den Sinn, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass sie zum Boden wischen missbraucht wurden... oder meintest du *gemobbt werden?

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Konrad Huber 11.07.2017, 11:20
@GFrageNFrage

Natürlich haben Sie vollkommen Recht, da hat der Fehlerteufel zugeschlagen! 

Asche auf mein Haupt!

Selbstverständlich muß es richtig heißen:

"gemobbt!"

Danke für Ihren Hinweis!

Beste Grüße

Konrad

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