Warum ist eine deutsche ausbildung wichtig wenn doch kein land auf der welt eine ausbildung hat?

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4 Antworten

Kanadier leben nicht in der Steinzeit, dort arbeiten auch Facharbeiter wie bei uns.

Zunächst ist Deutschland auch ganz und gar nicht einzigartig mit der dualen Ausbildung, die gibt es z.B. auch in Frankreich und in der Türkei.

Die Ausbildungen der Facharbeiter können überall Betriebe und berufsbildende Schulen kooperativ organisieren, wie sie das gerade praktisch finden im Einzelfall, grundsätzlich auch in Deutschland. Eine qualifizierte Ausbildung ist nicht unbedingt an eine staatliche Anerkennung gebunden.

In einigen Ländern wurden für die meisten praktischen Tätigkeitsbereiche gesetzlich geregelte Ausbildungsordnungen organisiert, in Deutschland beim Berufsbildungsinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die sind zwar nicht grundsätzlich obligatorisch für entsprechende Berufstätigkeiten, haben sich hier aber in der Berufswelt als allgemeiner Standard durchgesetzt. In einigen speziellen Tätigkeitsbereichen werden in vermutlich allen Ländern aus Sicherheitsgründen bzw. im öffentlichen Interesse besondere Qualifikationsnachweise und Prüfungen gesetzlich gefordert.

Die gesetzlich geregelte duale Ausbildung wird oft gelobt, hat aber durchaus auch Nachteile, z.B. eine gewisse Starrheit bei veränderten fachlichen Anforderungen. Da sind Kanadier und Amerikaner flexibler und unbürokratischer.

Übrigens steht es Dir in Deutschland genauso wie in Kanada völlig frei, nach der Schule einen Job zu suchen, sei es in der Autoproduktion oder bei der Müllabfuhr. Wenn Du da keine Initiative zeigst, bleibst Du bis zur Rente Produktionshelfer oder Müllmann. Wenn Du zuschaust, dass Du da etwas lernst, und technische oder kaufmännische Lehrgänge besuchst, kannst Du aufsteigen zum Vorstandsvorsitzenden eines Entsorgungsunternehmens oder eines Automobilherstellers. Dazu ist weder eine staatlich geregelte Berufsausbildung, noch ein Studium vorgeschrieben.

Und jetzt noch kurz zwei Beispiele aus Deutschland (Die Beispiele könnte ich fortsetzen):

Prof. Joschka Fischer hat keine Schule abgeschlossen, nie eine Berufsausbildung oder ein Studium begonnen, und ist Deutscher Außenminister und Vizekanzler unter Bundeskanzler Schröder geworden.

Frau Ursula Piëch schloss einmal eine Erzieherschule ab und war als Erzieherin tätig, machte weder eine kaufmännische noch eine technische Ausbildung. Im vergangenen Jahr wurde sie Mitglied des Aufsichtsrates des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt, der Volkswagen AG.

dompfeifer 06.07.2014, 00:10

Übrigens fallen auch nicht in Kanada (USA oder sonstwo) die Facharbeiter vom Himmel. Die weisen bei ihrer Bewerbung ihre Tauglichkeit für spezielle Aufgaben nach mittels Vorlagen zu Arbeitszeugnissen, inner- und außerbetrieblichen Lehrgängen u. dergl. mehr. Der Personalchef sortiert dann die Bewerber danach, inwieweit sie aufgrund ihrer nachgewiesenen individuellen theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten/Erfahrungen den jeweiligen Arbeitsplätzen gemäß den speziellen Anforderungen zu samt tariflicher Einstufung als Facharbeiter. Auch dieses bewegliche System hat seine Vorteile: Es kann sich jeder Bewerber besser mit seinen speziellen Fähigkeiten und Fertigkeiten nach Bedarf einbringen. Damit wird keinesfalls eine Ausbildung überflüssig, sei sie starr formal oder flexibel informal.

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Stimmt so nicht ganz. Auch in der Schweiz kennt man die duale Ausbildung. Und wenn diese so sinnlos wäre, würde man es nicht als Exportschlager feiern:

http://www.srf.ch/news/wirtschaft/das-duale-bildungssystem-als-exportschlager

Und sagen wir es mal so: Es ist immer besser, eine Ausbildung zu haben als keine. Zwar kann man sich auch ohne Berufsschule Fachwissen aneignen, und jahrelange Berufserfahrung sammeln.

Aber mit einer Berufsschule geht das ganze mit Sicherheit einfacher, weil man da das eine oder andere Wissen lernt, warum etwas so ist, wie es ist. Oder warum etwas so gemacht werden sollte, und was möglicherweise passieren kann, wenn man es nicht so macht. (Gerade im Chemielabor kann so etwas schnell mal katastrophal enden.)

In manchen Sachen gibt es halt kaum die Möglichkeit nach dem Motto "Learning by doing." zu lernen. Und was der Kanadier vielleicht durch mehrere Jahre lernt, lernt einer in Deutschland möglicherweise in paar Monaten in der Berufsschule.

Wo ich dir aber recht geben muss ist, dass es nicht ausarten darf, und man nur noch mit einem Stempel auf einem A4-Papier den einfachsten Job bekommt. Eine Kindergärtnerin braucht meiner Meinung nach wirklich keinen pädagogischen Hochschulabschluss, um ihren Job gut ausführen zu können, wenn sie Zuhause jahrelange Erfahrung als Mutter von 3 Kindern gemacht hat.

Vielleicht weil du keine Garantie auf eine lebenslängliche Arbeit im Ausland hast? Es kann natürlich dazu kommen dass du wieder nach Deutschland kommen muss vielleicht damit du dann direkt schon arbeiten kannst. Und es kommt bestimmt gut bei den Arbeitgebern im Ausland an wenn du eine Berufsausbildung in Deutschland abgeschlossen hast.

weil eine Ausbildung besser ist als keine Ausbildung...

insbesondere gilt das für den fachspezifischen teil der theoretischen Ausbildung

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