Warum ist ein BWL Studium/ BWL Studenten so verpöhnt?

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4 Antworten

Es gibt ja Klischees zu allen großen Studiengängen, wie comedyla schon sagt. Pädagogik studieren süße, schüchterne Mädchen, die die Uni eigentlch als großen Heiratsmarkt sehen, Soziologen sind linke Aktivisten, die ihre Mahlzeiten beim Containern erjagen, und BWLer sind halt unentschiedene Möchtegerne der Kategorie große Klappe, aber nix dahinter. Natürlich treffen diese Klischees nicht auf alle Studenten zu... in Pädagogik sitzen auch Leute, die Karriere im Management sozialer Einrichtungen oder im Personalwesen machen wollen, in Soziologie findet man auch gelangweilte Töchter aus gutem Hause oder konservativ-liberale Studenten mit konkreten Plänen und in BWL gibt es auch kluge Köpfe mit sehr klaren Ambitionen und einem angenehm zurückhaltenden Auftreten... aber man findet definitiv in jedem Studiengang einige Vertreter der Klischeekategorie. Ich studiere Pädagogik und wir haben eine große Gruppe Mädels, die wir "EWI-Mäuschen" nennen und die das Bild der Pädagogikstudentin perfekt reproduzieren.

Und genauso ist das auch bei den BWLern. Es ist unbestreitbar, dass BWL ein beliebtes Fach bei Studenten ist, die noch gar nicht so recht wissen, was sie machen wollen und die etwas Handfestes suchen... wäre ja auch blöde, wenn man dann ein sehr spezielles Fach wie Elektroingenieurswesen oder ein Fach mit schwierigen Prognosen wie Literatur studieren würde. Da man mit BWL überall und nirgends arbeiten kann und die Aussichten auch ganz ordentlich sind, ist das für unentschlossene Studieninteressierte, die auf keinen Fall noch warten wollen, ideal. Auch von vielen Eltern wird das Fach empfohlen, weil es eben als handfest gilt. In einem klassischen BWL-Studium findet man auch eher weniger Studenten, die idealistisch sind und nach dem Sinn in ihrem Leben suchen oder die Welt verbessern wollen... demnach findet man in BWL einen größeren Anteil an Studenten, denen materielle Werte wichtig sind und die Karriere machen möchten, als z.B. in Soziale Arbeit. Ergo können die Studenten für Außenstehende oberflächlich und konsumorientiert erscheinen. Dadurch, dass BWL nicht so superschwer ist (wie z.B. viele Naturwissenschaften) bleibt auch mehr Zeit für Freizeitaktivitäten, z.B. Feiern. Das lässt dann auch gleich wieder auf Oberflächlichkeit und geringere Intellektualität schließen (ist bei uns Pädagogen das gleiche Bild). Und natürlich ziehen auch immer wieder die extremen Exemplare die Blicke auf sich: Leute, die ihre Karriere so wichtig nehmen, dass sie mit Anzug in die Uni kommen und in ihrer Freizeit netzwerken, also zu den wichtigen Veranstaltungen gehen, um zu sehen und gesehen zu werden. Das machen bestimmt nicht alle, aber die fallen natürlich besonders auf. Typischerweise verhalten sich so Studenten in Fächern, mit denen man Karriere machen kann (was sollte ein Geschichtsstudent auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsbosse?). Und weil BWL eben für viele erstmal kleinere Positionen ermöglicht, z.T. auf Sekretärsniveau, machen sich dann viele darüber lustig, dass sich BWLer zur Schau stellen, obwohl viele von ihnen doch gar nicht so viel zu bieten haben. Dazu kommt, dass in Karrierstudiengängen materielle Werte eher honoriert werden und dadurch Studenten häufiger mit Markenkleidung rumlaufen oder ein teures Auto fahren, weil sie damit anerkannt werden, wo in anderen Studiengängen eher Ignoranz herrschen würde oder es sogar Kritik für solchen Konsumkapitalismus gäbe. Wer dann an den Spruch "Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln" denkt, fühlt sich gleich wieder in seinem Bild bestätigt: Möchtegerne mit wenig dahinter.

Ich finde, dass man solche Klischees nicht so ernst nehmen sollte. Ich finde mich darin sogar manchmal wieder, wenn es heißt, dass Pädagogik der Studiengang für Chiller ist und mehr gefeiert als gelernt wird. Und wenn es nicht auf mich zutrifft, kenne ich meist jemand anderen, der das Klischee wie Faust aufs Auge erfüllt. Also meist kann ich darüber schmunzeln.

alex1302 04.08.2013, 23:48

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Die Klischees über BWL Studenten treffen auch meiner Meinung nach zu, wenn ich vergleiche wer aus meiner Klasse/ Stufe BWL studiert. Dabei fällt mir aber eher auf dass eher die erfolgsorientierten Leute aus meiner Stufe BWL studieren. Ich persönlich finde das aber keinen Grund sich über BWL Studenten lustig zu machen. Gruß

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comedyla 05.08.2013, 14:55
@alex1302

Ich bin selbst BWL Student und auf mich passt das nicht zu. ich weiß auch gar nicht wo die BWLer mit anzügen zur Uni kommen? hat jemand tatsächlich mal einen gesehen? der nicht gerade auf dem weg zu einem vorstellungsgespräch war? Ich hab ne Freundin, die studiert Soziologie, die ist erfolgsorientierter als die BWLer die ich so kennen ;-)

Vielleicht kenn ich auch nur BWLer aus nicht so reichem Hause, aber meine nur einer meiner mitstudenten hat ein eigenes auto. und das ist ein Ford Fiesta von 95 :-)

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Albatroesser 05.08.2013, 18:54
@comedyla

Vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich in Berlin studiere, noch dazu an der abgelegenen FU, zu der viele, die es sich leisten können, mit dem Auto fahren.

Aber ich glaube dir gerne, dass es nicht auf dich zutrifft, dass es sogar auf einen Großteil der BWL-Studenten nicht zutrifft... ich glaube aber, dass es auf mehr BWL-Studenten zutrifft als auf Studenten der Geistes- und Sozial-, oder Naturwissenschaften.

Und natürlich finde ich es auch sinnlos und geringschätzend, wenn man BWL Studenten auf solche oberflächlichen Klischees reduziert, aber ab und an mal einen kleinen Scherz machen, finde ich schon in Ordnung.

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comedyla 06.08.2013, 20:31
@Albatroesser

haha, ja ich meine wenn mich jemand fragt, was ich studiere und ich BWL sage, dann kommt ja immer dieses abschätzige "pfff", darauf antworte ich immer: Ja stimmt, ich habe weder Interessen noch Fähigkeiten noch eine Persönlichkeit und stelle alten Menschen mit Vorliebe den Fuß während ich ihren Geldbeutel aus der Tasche ziehe und damit grinse und laut rufe "Es lebe der Kapitalismus!" :-D

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martyyy1701 01.03.2017, 23:03

Na dann viel Spaß mit deinen weiblichen Mitstudenten... got it? 

:^D

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Weil das so ein "Notfall-Studium" ist, mit dem man später auch meist nichts wird.

Nehmen alle, deren Note nicht gut genug für was anderes ist, und die nciht wissen, was sie sonst machen sollen.... Nee, nicht alle, aber viele.

robinh95 04.08.2013, 19:27

mit dem man später auch meist nichts wird.

Im Vergleich zu einigen Kunst, Kultur und Geisteswissenschaftlichen Studiengängen sind die Berufsaussichten/Gehalt doch um ein vielfaches besser. Das man mit BWL nichts wird, kann man so nicht sagen. Selbst mit mit einem schlechten Bachelor-Abschluss (3,0) bekommt man irgendwo eine Stelle.

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Blindi56 05.08.2013, 09:50
@robinh95

"Irgendwo" bekommt man meistens eine... ich kenn echt nur BWLler, die sich dann selbständig gemacht haben...aber klar, man kann einen Job in der Wirtschaft suchen, im Gegesatz zu den meisten Kunst...studenten.

Aber das Genze ist ja eh nur ein Vorurteil....

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Geht nicht nur BWL so,

Philosophie, Soziale Arbeit, Jura, Pädagogik...

weil die Leute einfach das nachquatschen was sie mal gehört haben..

aus erfahrung; BWL fangen wirklich tatsächlich viele aus den falschen Gründen an. Die hören dann aber bald wieder auf oder werden rausgeworfen. BWL fangen einige an, weil sie keine andere Interessen haben, aber die die ein studium der BWL beenden, haben meist auch Interesse daran :-)

auch das man dafür kein gutes abi habe muss, ist falsch. Gerade in BWL (da eben so beliebt und viele studieren) muss man ein gutes abi haben um bei einem zulassungsbeschränkten studiengang überhaupt die Chance drauf zu haben.

Wahrscheinlich weil jeder, dem nichts anderes einfällt BWL studiert.

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