Blickwechsel 02.06.2022
Deine Fragen an eine asexuelle Person
Sex - für viele von uns ist es die wohl schönste Nebensache der Welt. Nicht aber für unsere Nutzerin guitschee. Mit 23 Jahren fand sie heraus, dass sie keinerlei sexuelles Verlangen verspürt, sondern Sex viel mehr als etwas Unnötiges, gar Absurdes empfindet. Er spielt in ihrem Leben einfach keine Rolle. Wie guitschee geht es ungefähr 1-2 Prozent der Menschen, die sich ebenfalls als asexuell definieren. Dennoch herrschen gegenüber dieser sexuellen Orientierung viel Unwissenheit und Vorurteile. Im Blickwechsel beantwortet guitschee am Donnerstag, den 02. Juni, deshalb all Deine Fragen zu ihren Erfahrungen mit ihrer Asexualität und den Umgang damit in der Gesellschaft. Alles zum Blickwechsel

Warum ist diese Gemeinschaft so neuartig?

1 Antwort

Hi DonViktory,

interessante Frage. Kann ich natürlich auch nur spekulieren. Ich denke, weil es nicht auffällt. Homosexualität fällt auf. Man sieht, wenn zwei Männer oder zwei Frauen zusammen sind. Es gab lange Jahre Gesetze dagegen (in manchen Ländern noch), also etwas, wogegen man kämpfen konnte und musste – und das geht in Gemeinschaften.

Asexualität dagegen – wenn jemand einfach ein Junggeselle blieb? Kann 100 Gründe haben und niemand denkt groß drüber nach, außer vielleicht die Elten, die auf Enkelkinder spekulieren. Ein Asexueller in einer Partnerschaft, der Sex hat, weil es erwartet wird – auch der fällt nicht auf. Wenn man nicht drüber wirklich mal nachdenkt und nachfühlt, fällt es einem vielleicht nicht mal selber auf. Viele Asexuelle haben auch sich lange verboten zu fühlen, was sie fühlen – auch weil es nicht bekannt war – was natürlich ein Teufelskreis ist, den erst ein junger Ami wirklich mal durchbrochen hat, in dem er einen Namen dafür suchte und da auch ein Forum in die Welt rief und Aktionen machte (David Jay).

Asexuelle werden in aller Regel auch nicht verfolgt – eben weil sie auch nicht auffallen – von daher gab es auch nicht wirklich eine Notwendigkeit dafür.

Das erste Mal, dass das wissenschaftlich wirklich mal aufgefallen ist, soweit ich weiß, ist beim Kinsey-Report. Das war eine (höchst skandalöse, in der Zeit) Studie in den USA in den 50zigern, die nach sexuellen Vorlieben gefragt hat – da gab es ungefähr ein Prozent, die geantwortet haben: habe kein Verlangen – da beschrieben mit einem X.

Davor war Sexualität ja ohnehin ein Tabuthema und eine Frau sogar eher verpönt, wenn sie sich nicht asexuell gab, sogar teils im Ehebett – und von Männern wurde Bereitschaft einfach erwartet.

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