Warum ist die Psyche eines Menschen so zerbrechlich?

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Hallo Löffelqualle, wow, das ist mal ne wirklich coole Frage. 

Psychologie ist nicht gleich Psychologie, deshalb würde ich das mal aus meiner Schule der Psychologie betrachten und versuchen Dir zu erklären...

zunächst zu der Depression nach einem Schicksalsschlag: Nicht jedes Schicksal löst so etwas aus. In aller Regel passiert danach nichts. Es ist schwierig, mit Todesfällen umzugehen - überall dort, wo wir Dinge finden, die uns Psychisch belasten, finden wir haufenweise Rituale, wie wir damit fertig werden können. Ob es jetzt eine Hochzeit ist, bei der man sich festlegt nie wieder auf einen anderen Partner zu schielen oder ob es eine Beerdigung ist, bei der man Abschied von einer geliebten Person nimmt. In unserem Alltag finden wir auch ganz kleine Rituale: zum Beispiel lesen viele Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln Zeitung, Buch, eBook oder Handy. Das liegt daran, dass wir mit der vielen Ruhe nicht zurecht kommen. Wir würden uns mit uns selbst beschäftigen und das belastet uns. Deshalb ist Zähneputzen auch so ätzend: wir stehen uns selbst (vorm Spiegel) gegenüber und beschäftigen uns zwangsweise mit uns selbst. Egal, zurück zum Thema: Es gibt Studien (zum Beispiel mit ehemaligen KZ-Häftlingen), die sehr gut gezeigt haben, dass die meisten Menschen gesund aus einem Schicksalsschlag heraus kommen. In aller Regel hat man nach 7 Monaten gleiche "Glückswerte" wie vor dem Schicksalsschlag (wurde untersucht bei Personen, die im Rollstuhl landeten). Somit kann nicht gesagt werden, dass man direkt depressiv wird. Aber wie kommt es dann, dass sich jemand umbringt, wenn das Haustier stirbt? Da kommen wir zum Thema Trauma. Das Trauma entsteht nicht durch ein einmaliges Schicksal, sondern a) durch Verkehrung und b) durch Wiederholung.

Was meint Verkehrung? Verkehrung meint: Das Kind erwartet eine herzliche Umarmung von der Mutter, doch stattdessen wird es vom Vater geschlagen. Die erwartete Mutter wurde durch den Vater ersetzt sowie die Liebkosung hat sich in Gewalt verkehrt. So viel zur Theorie. Jetzt braucht es noch Situationen, in denen diese zermürbende Art wiederholt wird. Meist in anderen Formen und anderen Situationen. Wenn sich jetzt jemand wegen des Todes seines Haustieres umbringt, dann wird das nicht der alleinige Grund sein. Möglicherweise hatte diese Person im Leben häufiger damit zu tun, von liebenden Wesen verlassen zu werden. Eltern schieden sich, Familie konnte nie Gefühle zeigen und jetzt verabschiedet sich auch noch der Hamster - das einzige Lebewesen, dass je zu einem gehalten hat. Dann ist der Hamster nicht der Grund, aber der Auslöser.

Es hat einen Darwinistischen Effekt: Es gibt so etwas wie eine Nulllinie, was die Psyche angeht, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist. Was heißt das? Es gibt Länder, in denen Menschen in heftigsten Situationen leben. Krieg, Verfolgung, etc. Im Gegenzug zu solch einem Land, müsste Deutschland in seinem Wohlstand doch glücklich sein. Weit gefehlt. Wie der Rollstuhlfahrer wieder glücklich wird, so wird auch ein eigentlich viel zu glücklicher Mensch wieder trauriger und auf seine normale Nulllinie zurückfallen. So würden nach Darwin auch im größten Wohlstand nicht alle Arten weiterkommen, sondern nur die anpassungsfähigsten. 

Die Psyche ist übrigens ein Ars_hlo*ch. Wir sind oftmals sehr gefangen von Vorgängen unseres Seelischen, die wir kaum beeinflussen können. Stell Dir vor, Du fährst auf einer Autobahn. Die Straße bleibt immer gleich und wir ermüden. Man könnte auch sagen: Für unser Seelisches ist es wesentlich spannender, jetzt in einen kleinen Tagtraum zu verfallen und billigend in Kauf zu nehmen, dass wir einen Autounfall bauen. Seit Menschengedenken wundern wir uns über solche Phänomene und versuchen immer, die Psyche zu verstehen. Doch sie lässt sich nicht verorten. Sie lässt sich nicht in Hormonen messen, mittels Hirnströmen sehen oder dergleichen. Wir bekommen nie das Ganze zu verstehen.. auch die Psychologie hat Grenzen. Manche Formen der Psychologie haben sie schneller als andere.

Die Frage ist schon ein paar Tage her, aber ich antworte trotzdem noch mal
drauf:

Vielleicht ist die Psyche gar nicht so zerbrechlich, vielleicht ist sie nur
nicht „vorbereitet“? Deine ganzen Fragen haben mit dem Tod zu tun. Und der hat in der Gesellschaft so gar keinen Platz. Wird ausgeschlossen, weggesperrt, vermieden. Es gibt keinerlei „Todeskultur“. Der Tod wird einfach nur als schrecklich wahrgenommen, Leben, auch wenn es noch so qualvoll ist, wird über den Tod gehoben. Vielleicht liegen da die Ursachen.

Liebe Grüße

Du meinst, die Strategie des Vermeidens wäre besser.

Aber es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass je intelligenter ein Wesen ist, desto mehr hat es die Fähigkeit zu trauern, sich gefühlsmäßig auf seine Umgebung einzulassen.

Nun ist der Mensch ein intelligenteres Wesen wobei er leider oft die Vernunft eher außen vor lässt, kann man am Umgang mit seiner Umwelt sehen.

Dennoch ist der Mensch letztlich nicht für das Alleinsein geschaffen und sucht, braucht Andere, die es gut mit ihm meinen, sprich Freunde. Und natürlich kann man da auch enttäuscht werden, aber hörst du das Essen auf, nur weil es dir mal von Essen schlecht geworden ist?

Das macht das Leben aus und allen Enttäuschungen kannst du nicht entkommen, aber in vielen Fällen geht es auch gut und gibt einem mehr, als wenn man Alles und Jeden meiden würde damit man keinen psychischen Schaden nimmt.

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