Warum ist die Bezeichnung "Kristallnacht" politisch nicht mehr korrekt?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Sicher ist der Begriff verharmlosend - allerdings denke ich, dass es jedem in den letzten 70 Jahren klar war, dass der alte Ausdruck extrem zynisch war - womit die nachträgliche Ächtung des ursprüngliíchen Begriffs aus meiner Sicht etwas verkrampftes hat. So als will man nochmal den Zweiten Weltkrieg gewinnen. Aber der ist schon lange vorbei.

Es gab auch andere zynische Naziausdrucksweise - etwa "Sonderbehandlung" oder auch "Endlösung".

Jedem? Wirklich JEDEM? 

Ich zum Beispiel habe erst dann diesen zynisch-flapsigen Begriff hinterfragt, als mich ein sehr fähiger Lehrer mit der Nase draufstieß.

Was hat das denn mit dem nachträglichen Gewinnen des Zweiten Weltkriegs zu tun?

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@earnest

Jedem, der sich mit Geschichte befasst und politisch einiger Massen bei Trost ist..

Wenn man einen Begriff erst nach etwa 50 Jahren anfängt zu ändern und zu ächten ist es eigentlich sehr spät. Genauso, wie man Mein Kampf nicht herausbringen oder gar verbieten wollte. An den schrecklichen Geschehnissen änder das nichts und es verhindert auch nicht neue, denn die Geschichte wird sich so nicht wiederholen.

Einfach ein politischer Nebenkriegsschauplatz. Aber um mich richtig zu verstehen - ich bin auch nicht gegen die Verwendung des Begriffs Reichspogromnacht. Ich meine nur, der Effort, der da verwendet wurde, hat etwas verkrampftes.

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@Mastrodonato

Ich glaube, du überschätzt das Geschichtsinteresse in diesem unseren Land.

Noch einmal zu meinem Beispiel: Ich war - trotz der bis dato Verwendung des Begriffs "Kristallnacht" - durchaus an Geschichte interessiert, sehr sogar, und politisch fand ich mich auch einigermaßen bei Trost.

Ich weiß nicht, wo du hier derart viel "Effort" oder gar eine Verkrampfung siehst.

Ich finde, es ist ganz einfach: Besser spät als nie.

(Auch die Ablösung des Begriffs "Machtergreifung" durch z.B. "Machtübertragung" dauert. So ist das nun mal ...)

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@earnest

Wie gesagt, semantische Diskussionen halte ich für wenig hilfreich. Was sich dahinter verbirgt, dass ist viel relevanter. Den Begriff Machtergreifung halte für so verkehrt nicht, den wohl wurde Hitler nach dem Lobbying von von Papen und anderen Reichskanzler durch die Ernennung durch von Hindenburg, aber was danach folgte, ist der Begriff "Ergreifung" so falsch nicht.

Wer sich für Geschichte nicht interessiert, dem ist sowie völllig schnuppe.

Aber wenn Du willst, diskutiere doch hier http://geschichte-forum.forums.ag/, da wird es andere geben, die das interessiert und da ist das eher am Platz als hier.

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@Mastrodonato

Ich halte das keineswegs für eine nur semantische Diskussion, denn: Hinter einem verharmlosenden Begriff wie "Kristallnacht" verbirgt sich eine Absicht - die Absicht, die wahren Vorgänge zu vernebeln.

Dein Urteil in allen Ehren, ich teile es nicht, und ich schreibe dort, wo es mir angebracht erscheint - also auch zum Beispiel hier und auch unter deinem in meinen Augen unangebracht verharmlosenden Kommentar.

Aber vielen Dank für deine Empfehlungen.


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Nicht Progromnacht sondern  Pogromnacht statt der "Kristallnacht" sollte sich im Gedächtnis halten. Gedankenlos blieb so manches im Unterbewusstsein abgespeichert, wie auch der Ausdruck :"Da kannst Du warten bis zur Vergasung".

Weil diese Bezeichnung glorifizierend ist und somit suggeriert, dass es sich dabei um etwas gutes handelte. Als gängige Bezeichnung wird Progromnacht verwendet. Diesen Begriff muss man anders als "Kristallnacht" nicht in Anführungszeichen setzen, da dieser nicht glorifizierend wirkt. Hoffentlich beantwortet das deine Frage :)

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