Warum ist der Spruch "Gott mit uns" nicht mehr der Ausruf der Bundeswehr?

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10 Antworten

Weil die Bundesrepublik Deutschland ein säkularer Staat ist und mit Ausnahme der Kirchensteuer, Religion und Staat getrennt sind.

Aber Berufs- und Zeitsoldaten legen immer noch den Diensteid mit religiöser Bekräftigung ab (dürfen den religiösen Part aber auch weglassen)

§9 Soldatengesetz

(1) Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit haben folgenden Diensteid zu leisten:

 

"Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe."

 

Der Eid kann auch ohne die Worte "so wahr mir Gott helfe" geleistet werden. Gestattet ein Bundesgesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft, an Stelle der Worte "ich schwöre" andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann das Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft diese Beteuerungsformel sprechen.

(2) Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst nach § 58b oder Wehrdienst nach Maßgabe des Wehrpflichtgesetzes leisten, bekennen sich zu ihren Pflichten durch das folgende feierliche Gelöbnis:

 

"Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."

Auch alle Beamte und Abgeordnete der Bundesrepublik und der Länder können ihren Amtseid bei Dienstantritt mit oder ohne religiöse Beteuerung leisten.

Dafür gibts meiner Meinung nach 2 Gründe:

Dieser Spruch stand bei den Wehrmachtssoldaten noch auf deren Koppelschloss. Nur nebenebi: oft wird ja behauptet, Hitler sei Atheist gewesen, was aber nicht stimmt. Dass er diesen Spruch auf den Koppelschlössern seiner Soldaten duldete, ist ein klarer Hinweis neben vielen anderen darauf. Bei der Neugründung der BW sollten möglichst alte Wehrmachtstraditionen abgestreift werden und dieser Spruch gehörte dazu. Irgendiwe hatte sich der ja auch im WK2 nicht bewahrheitet, Gott war nicht mit uns.

Die Bundesrepublik sollte bei ihrer Gründung eine strikte Trennung von Kirche und Staat erfahren. Das wurde zwar bis heute nicht vollständig realisiert, aber bei der Ausrüstung der Soldaten schon.

"Gott mit uns" war der abschließende Spruch Kaiser Wilhelms II, in seiner Blutrede.
Rhetorisch eine Zuweisung der Hoffnung an eben Gott.

Da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, hat Gott keine Aktien darin, dass und wenn es zu Auslandeinsätzen (Krieg) geht.

Die Bundeswehr war ursprünglich zur Landesverteidigung gedacht, nicht für Kriegseinsätze im Ausland.
Weshalb die heutigen Tages "Friedensmission" heißen.
Wie auch immer, Auftraggeber ist der Bundestag, nicht Gott.

Es gibt minimum 25% Atheisten in Deutschland. Könnte damit zusammen hängen. Auch die Trennung von Staat und Kirche sollte erwähnt werden.

Gott kommt schon lange nicht mehr vor - weder bei der Bundeswehr noch im zivilen Leben

Ist Dir noch nicht aufgefallen, dass auch die Eidesformel vor Gericht oder bei einer Vereidigung nicht mehr mit "So wahr mir Gott helfe" schließt? Das ist aber schon seit Jahrzehnten so

Staat und Kirche sind nun mal getrennt und die letzten kirchlichen Überbleibsel werden immer mehr getilgt

Der Zusatz "So wahr mir Gott helfe" ist nach wie vor Teil einer Eidesleistung - allerdings heute freiwillig bzw. auf Wunsch des Vereidigten.

Er ist nicht mehr verpflichtend vorgeschrieben, aber weder abgeschafft noch unüblich.

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@navynavy

allerdings heute freiwillig bzw. auf Wunsch des Vereidigten

Eben  -  und genau das war mal anders.

Es ist nicht mehr vorschriftsmässiger Teil der offiziellen Eidesformel; auch ein Soldat kann "Gott mit uns" sagen, wenn er das möchte -  was jemand freiwillig sagt oder nicht sagt, ist seine Sache.

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@dandy100

Es ist auch gut so, dass ein religiöser Bezug nicht mehr von jedem Menschen als selbstverständlich "erzwungen" wird. Und das sage ich als religiöser Mensch.

Es ist dennoch etwas schief, wenn du in deiner Antwort davon sprichst, dass Eidesformeln nicht mehr mit dem Zusatz "so wahr mir Gott helfe" schließen. Das tun sie sehr wohl - nur dass der Zusatz eben freiwillig ist. Nur weil etwas freiwillig geworden ist, ist es nicht beseitigt.

Ich habe schon viele Menschen bei vielen unterschiedlichen Gelegenheiten schwören hören und sehen - und gute zwei Drittel davon haben mit dem religiösen Zusatz geschworen.

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Es gibt oder sollte es geben, eine strikte Teilung zwischen Kirche und Staat. In der Bundeswehr dienen nicht nur Soldaten, welche dem christlichen Glauben angehören und nein damit sind die Restlichen nicht automatisch Atheisten.

Von daher ist es ziemlich überholt "Gott mit uns" auf dem Koppel stehen zu haben.

Wenn das der einzige Grund wäre, dann fände ich das sehr traurig.

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Theoretisch werden in Deutschland Staat und Kirche getrennt. Praktisch leider noch nicht wirklich. Aber in dem Fall wahrscheinlich schon?

Außerdem haben auch die Nazis den Spruch benutzt. Noch ein Grund mehr, es nicht zu tun.

Aber den Spruch gibt es doch schon 1813 und er war von da an Teil der Deutschen Armee. Der Spruch wurde also 220 Jahre von ganz normalen Leuten benutzt und soll nun für die 12 Jahre unter die der Ausruf von den Nazis genutzt wurde, nicht mehr verwendet werden?

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Es ist meines Wissens der Wahlspruch der Hohenzollern gewesen.

Es ist schon ziemlich pervers, Gottes Segen ausgerechnet für Kriegshandlungen (damals: Angriffskrieg!) in Anspruch zu nehmen. Deswegen ist es gut, dass die "Motte" in die Mottenkiste der Geschichte gewandert ist.


Bei jedem Einsatz sind Seelsorger dabei und dir segnen auch heutzutage die Soldaten auf Wunsch, bevor diese losziehen um Menschen zu töten.

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@Panazee

Sie segnen Menschen mit dem Gebet um eine wohlbehaltene Rückkehr, aber sie segnen nicht das Töten.

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@Aleqasina

Wow. Was für eine realitätsferne Behauptung. Als ob Soldaten nur zum töten da sind. 

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Zum Einen: Es gibt keinen Gott, Allah Jachwe oder Ähnliches.

Zum Anderen: Die Streitkräfte sind weltlichen Aufgaben zugeordnet.

Du kannst dich vielleicht nicht daran erinnern, aber das trugen deutsche Soldaten während des Zweiten Weltkriegs auf dem Koppelschloss.

(Kann allerdings sein, dass du dich GANZ GENAU erinnerst...)

Jetzt kannst du's dir aussuchen: Findest du alles gut, was deutsche Soldaten getan haben?

Oder: Wenn Gott da wirklich gewesen wäre, hätte er ja auf die "Verlierer" gesetzt, auf die Soldaten der Nazi-Armee.

Was ist dir sympathischer?

Also doch lieber "ohne"?

(Kann allerdings sein, dass du dich GANZ GENAU erinnerst...) also echt, ich fass es nicht, wie und was man mit Sprache so alles sagen kann  :D  aber dann müsste er schon Hundert sein, der Fragesteller, wie Johannes Heesters


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@suziesext1237

Och nee jetzt: Ich hab doch einen Link mit einen Wehrmachtskoppelschloss eingestellt. An solche Bilder erinnern sich - um nur EIN Beispiel zu nennen - auch Neonazis gern.

Und Neonazis hätten's auch gern wie in alten Zeiten.

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@earnest

ich hab das mit Sprache eher nachdenklich gemeint, mir fällt auf, wie wenig Information eigentlich diese Internetkommunikation beinhaltet, wenn ich mit jemandem sitze, dann seh ich seine Körpersprache, seine Augen, ich kann ihn riechen, seine Mundbewegungen, alles sowas, und weiß eher wie es gemeint ist. Hier seh ich bloß Buchstaben, die ich mir in meinem Koppe zusammensetz zu Sinn. Ich glaub, diese Art Internetkommunikation ist größtenteils sowas wie Selbstgespräch, wie innerer Monolog, und so kommen auch die meisten Unverständnisse zustande, vermute ich.

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