Warum ist der Rechtspopulismus so beliebt?

15 Antworten

Man muss nicht so viel denken. Und da Denken anstrengend ist, wählt man, was emotionale Befriedigung verschafft und was einfach zu verstehende "Lösungen" (oder Scheinlösungen) für gar nicht so einfache Probleme bietet.

Zudem hört man gerne, was man hören will ("der Klimawandel ist nicht menschengemacht" - na super...). Ob das dann stimmt: egal, dazu müsste man ja nachdenken.

Emotionale Befriedigung verschafft der Nationalismus ("stolz drauf, ein Deutscher zu sein") und das Überlegenheitsdenken ("Sarrazin schreibt, dass der IQ durch Einwanderer sinkt. Ich hab's ja immer gewusst: ich bin ein Genie.").

Aus verschiedenen Gründen, die wahrscheinlich zu komplex sind, um sie in ihrer Gänze zu erfassen.

Einerseits wird es damit zu tun haben, dass sich die Angst der Menschen vor dem Fremden gut instrumentalisieren lässt. Das ist uns wohl leider seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte einkodiert. Der Rechtspopulismus arbeitet viel mit Feindbildern à la "die Flüchtlinge vergreifen sich an unseren Frauen" oder "das links-grün-versiffte Establishment macht unser Land kaputt". Das schürt Ängste und mobilisiert einige Leute, aktiv zu werden und rechte Parteien zu unterstützen.

Auch bietet der Populismus immer einfache Antworten auf hochkomplizierte Fragen. In der heutigen Welt werden wir von Informationen geradezu bombadiert. Das überfordert die meisten. Wer dann Antworten auf die großen Fragen in mundgerechten Häppchen serviert bekommt, der fühlt sich dann nicht mehr so erschlagen von all dem, was um ihn herum passiert.

Es gibt auch Theorien, dass schlechte Wirtschaftssituationen den Rechtspopulismus begünstigen. Jedoch hat die AfD besonders in Baden-Württemberg gut abgeschnitten, einem der reichsten Bundesländer. Vielleicht ist das einfach nur eine Scheinkausalität.

Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass Kompromisse gefunden werden müssen. Man spricht miteinander, man verhandelt, man wägt ab, kalkuliert die Folgen ein etc...etc...

Die Rechtspopulisten machen das nicht. Das sind Macher. Trump ist da das beste Beispiel. Der denkt nicht groß darüber nach, welche Folgen seine Handlungen haben, er macht.

Für entsprechende Leuten, die kein Verständnis für das Ringen um Kompromisse haben, die das Diskutieren und Nachdenken um den besten Weg als Streit und Palavern empfinden, ist das natürlich sehr anziehend. Sie wollen den großen Zampano, der nicht lange redet, sondern macht. Denken, diskutieren, abwägen, die möglichen Folgen einkalkulieren ist für die diese Leute und ihre Anhänger nervig und anstrengend.

populismus bedient sich üblicherweise an angst. Vor was ist ersteinmal egal. Einfache verständliche antworten befriedigen diese angst. Weil sie ersteinmal tröstend wirken. Leider war es das dann meistens auch schon.

Ist wie bei einem kind. Dem zu erklären das es keine monster geben kann wirkt nicht viel. Aber mit nem knüppel das monster unter dem bett erschlagen hilft gegen die angst.

Ich glaube das liegt tatsächlich an den starken Veränderungen und am Identitätsverlust. Man merkt zweiteres ja immer deutlich daran, dass gerade Männer, die lange Zeit als Gewinner dar standen, heute oftmals in Branchen arbeiten, in denen ihnen die Jobs unter den Füßen weggerissen werden.

Die Zukunft ist unsicher, die Erneuerungen in Gesellschaft und Technologien verunsichern oder werden schlichtweg nicht mit der Weltanschauung geteilt (GTBL z.B.) und schon wedern die groß, die auf eine einfachere und schönere Vergangenheit hinweisen. Damals, als alles so war, wie man es kannt, weil man so groß geworden ist.

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