Warum ist der Bibelvers "Macht euch die Erde untertan" ein missverstandener Bibelvers?

18 Antworten

Dieser Vers teilt das Schicksal unzähliger anderer Bibelverse - verzerrte, geradezu polarisierende Auslegungen. Das eine Extrem sieht darin einen Freibrief für den zeitgenössischen Menschen zu rücksichtslosem Raubbau an der Natur, das andere romantisiert in Richtung "Bewahrung der Schöpfung" und stützt sich dabei interessanterweise auf die traditionelle Interpretation der ursprünglich vegetarischen Lebensweise. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen.

Erstmal muss man sich vergegenwärtigen, welcher Typ Mensch dabei direkt angesprochen wird. Nämlich nicht der, der mit Supermärkten, Apotheken und Krankenhäusern in Reichweite in seinem wetterfesten, mollig warm beheizten Steinhaus sitzt und sich über besagte Zeilen sein zartes Köpfchen zerbricht. Genauso wenig denkt der Genesisautor an Adam und Eva im lauschigen Paradiesgärtlein. Wir befinden uns in der 6. Schöpfungsperiode, als sich der Mensch aus dem Tierreich erhebt. Daraufhin breitet er sich kraft seines Fortpflanzungstriebes über die ganze Erde aus. Mit dem damit einhergehenden Erdeuntertanmachen ist kein Feldbau gemeint, wie ihn Adam am Beginn der 7. Schöpfungsperiode im Garten Eden betreibt, das liegt noch in weiter Ferne. Die Erde, die sich der Mensch hier unterwirft, heißt arets, welches je nach Kontext u. A. den gesamten Erdkörper (in diesem Fall), das Festland im Gegensatz zum Meer (Gen. 1.24) oder ein bestimmtes Land bzw. Gebiet (Gen. 2.5) bezeichnen kann. Der landwirtschaftlich nutzbare Erdboden, der erst in der Paradiesgeschichte eine tragende Rolle bekommt, heißt hingegen adamah. 

In der Schöpfungsgeschichte bedeutet das aggressive "kabesch" das (pionierhafte) Dienstbarmachen und Unterwerfen des Autoritätsbereichs Erde und seiner Elemente, z. B. Feuer. Kurz darauf heißt es: "Seht, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist..." (Elberfelder). Noch gibt es keine eingezäunten Felder und Acker, kein Eigentum, stattdessen *sammeln* die Menschen von der freien Fläche Früchte, Kraut, Samen, Nüsse, Pilze etc., was sie zum (Über-)Leben eben brauchen. Analog dazu bedeutet das für die Tiere verwendete "radah", wenn auch sanfter als kabesch, weder Fürsorge noch liebevolles Hüten im Sinne von Viehzucht, sondern schlicht und ergreifend Jagd auf freilebende Tiere zu Verwertungszwecken und Fischerei. 

Vor diesem Hintergrund leuchtet auch ein, dass Naturschutz hierbei tatsächlich kein Thema ist. Dabei handelt es sich, genau wie bei dem lächerlichen Raubbauvorwurf, um eine junge Interpretation verwöhnter Wohlstandsmenschen. Stattdessen geht es ums nackte Überleben, der hiesige Mensch muss sich jede Ressource erschließen, die er kriegen kann, und aller Anfang ist bekanntlich schwer. 

Diesen eklatanten Unterschied zwischen der präadamitischen Herrschaft über die Erde und Adamschem Ackerbau kann man gar nicht hoch genug hängen. 

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Bewertung

Hallo lieber Fragesteller,

Die Antwort darauf ist etwas schwer, deswegen versuche ich es kurz zu halten.
Dieser Vers wir missverstanden, weil die die ihn lesen nicht verstehen können.
Es gibt so viel was wir noch nicht verstehen können, angefangen bei der Schöpfung über Prophezeiungen und Erfüllungen, Dinge die himmlisches erklären, wie das Zelt von Mose (was nur ein abbild für spätere Zeiten ist), dann viele gleichnisse und zu guter Letzt die Offenbarung.

Der Himmel und die Erde werden sehr häufig erwähnt, so steht zb in jes65 von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Das heißt nicht, wir ziehen auf einen anderen planeten sondern wie in hebr12,26-28 steht, ist es eine Verwandlung der Dinge.
Nun ist die Frage was sich verändert...und wenn man in offb21 sieht, gibt es zwar neue Himmel und Erde aber kein Meer ^^ wäre ja blöd ohne Wasser, von daher ist das Meer nicht die Ostsee oder Pazifik sondern hat eine geistliche bedeutet, die einem Meer gleicht. So wird auch der Himmel etwas geistliches sein und die Erde auch

Wenn dies zum Vorschein kommen wird, wird man sehen, was die erde ist, die wir uns Untertan machen sollen

Grüßle

Hallo dortmund109!

Das Verstehen oder Missverstehen eines Bibelverses hängt nicht vom Bibelvers ab, sondern von demjenigen, der ihn versteht oder missversteht. Um aber zu beurteilen, ob jemand einen Bibelvers richtig oder falsch versteht, muss man im Besitz des richtigen Verständnisses sein. Bist Du das?

Jede Art, einen Bibelvers zu verstehen, kann richtig oder falsch sein. Ja, sogar die Formulierung des Bibelverses selbst kann falsch sein, da ihn doch Menschen geschrieben haben, die vielleicht auch nur einfach ihren Vorteil wahren wollten?

Gruß Friedemann

Ich denke, wir haben uns die Erde "genommen", sie aber in diesem Zuge ruiniert.

Dieser Bibelvers soll das Verstehen der Naturgesetze und das geordnete Nehmen und Nutzen von vorhandenem Essbaren und dem friedlichen Miteinander wohnen auf diesem Planeten fordern.

Wir Menschen zelebrieren heute größtenteils aber Ungerechtigkeit, Völlerei, Ausbeutung und das Führen von Kriegen.

Weil der "Gott dieser Welt" (Offb.12,9) negativ denkt (Joh.8,44; Gal.5,19-21) und "haben" will (Offb.17,1-5).

Schon von Anfang an ließen sich die Menschen davon inspirieren (1.Mose 3,1-6).

Erst Jesu wird den "Umschwung" bringen (Offb.20,2-4).

Woher ich das weiß:Recherche

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