Warum ist das Schonvermögen bei Hartz4 recht niedrig angesetzt und sollte hier im Hinblick auf das Thema Altersvorsorge nicht mehr differenziert werden?

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9 Antworten

Der Kerngedanke ist doch:

In guten Zeiten sollte man Vermögen ansparen. In schlechten Zeiten ist es dann da, um abgeschmolzen zu werden.

Sollte kein Vermögen da sein, dann hat sich unsere Gesellschaft darauf geeinigt, die Leute nicht sich selbst zu überlassen, sondern finanziell zu unterstützen. Das das dann keine Reichtümer sind, dürfte einzusehen sein.

Ungerecht der Allgemeinheit gegenüber wäre, in guten Zeiten Vermögen anzusparen, in schlechten Zeiten sich von der Allgemeinheit aushalten zu lassen, um dann in wieder besseren Zeiten von seinem angesparten Vermögen profitieren zu können.

Mit anderen Worten: Wenn ich es mir leisten kann, dann kaufe ich mir einen Porsche. Wenn ich es mir nicht mehr leisten kann, dann verkaufe ich den Porsche wieder. Wenn ich es mir dann immernoch nicht leisten kann, dann helfen die Sozialkassen aus. Wenn es mir dann wieder besser geht, dann kann ich mir wieder einen Porsche kaufen.

Ungerecht wäre: Wenn ich es mir leisten kann, kaufe ich mir einen Porsche. Wenn ich es mir nicht mehr leisten kann, behalte ich den Porsche und lasse die Sozialkasse meine Verbindlichkeiten regeln.

In den meisten anderen Ländern der Erde gilt: Kein Einkommen, kein Leben. Wir in Deutschland leisten uns den Luxus 40 Jahre unserer Lebenszeit zu arbeiten und andere mitzufinanzieren. Und weitere 40 bis 50 Jahre nicht zu arbeiten und uns mitfinanzieren zu lassen.

Natürlich: Krankheit ist ein schwerer Schlag für den man meistens nichts kann. Aber alle anderen können auch nichts dafür. Und man kann durchaus verlangen, dass die eigenen Mittel zunächst mal aufgebraucht werden, bevor die Vermögen der Anderen herangezogen werden.

Jedenfalls fände ich es wesentlich ungerechter, wenn für jemand Fremden zuerst MEIN Vermögen angegriffen wird, damit SEIN Vermögen unangetastet bleibt.

soissesPDF 17.07.2017, 09:40

"Der Kerngedanke ist doch:"
Das war nicht und ist er nicht einmal gewesen.

Es hatte bereits zuvor ein funktionierendes Sozialssystem gegeben.

Genau, Kerngedanke der SPD war und ist:
Eine seltene historische Dummheit umzusetzen.

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Das stimmt so nicht, neben dem "normalen" Schonvermögen gibt es noch
zusätzlich ein Schonvermögen, was für die Altersvorsorge gilt. Riester
Rente als Beispiel ist unantastbart. (von Jewi14)

Stimmt, neben dem Schonvermögen darf ich eine weitere Summe besitzen, welche angelegt ist für die Rentenvorsorge. Und zwar derart angelegt, dass ich einen Zugriff darauf erst mit dem Eintritt ins gesetzliche Rentenalter habe.

Alles andere, was ich in Aktien oder eine Kapital bildende Versicherung  angelegt habe (egal, ob im Namen der Begriff "Rente" auftaucht oder nicht), ist erst mal zeitnah verfügbar und soll - logisch - zur eigenen Bedarfsdeckung eingesetzt werden.

Es wäre kaum zu vermitteln, warum ich, wenn ich punktuell gut verdient habe, mein Geld anlegen kann, welches sich bis zu meinem Rentenalter munter vermehrt und der Kleinverdiener, der nach seinen Abzügen vom Brutto nix mehr über hat, um Altersvorsorge zu betreiben, der bezahlt mir bis zur Rente indirekt mit seiner Lohnsteuer auch noch den Alltag.

Dass das SGB II mit seinem Zahlen zum Lebensunterhalt etwas knapp ausfällt, ist vielleicht richtig. Nicht verstehen kann ich aber das Gejammer, dass man ja bloß 409 € hätte ...

Man bekommt als Single 409 € Regelsatz, ca. 450 € Bruttowarmmiete, ca, 190 € an die Krankenversicherung, 17 € an die (Ex-) GEZ erlassen.

Das sind zusammen 1060 €. Für so ein Netto brauchst du 1400 Brutto, also bei einem Job mit Mindestlohn genau 159 Monatsarbeitsstunden.

In manchen strukturarmen Gegenden träumt da mancher davon.

Von "Bestrafen" würde ich nicht sprechen, wenn es doch immerhin weitreichende Unterstützungen gibt, die Schicksale wie Krankheiten weitgehend abfedern, so dass das aktuelle Überleben gesichtert ist.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob man sein Vermögen zur Alterssicherung einsetzen wird oder aktuell zu einem mehr oder weniger luxuriösen Leben einsetzt, so lange es reicht, das dann von Steuergeldern sozusagen finanziert wird, statt dass es zum eigenen Lebensunterhalt eingesetzt wird.

Ja. es ist ein schweres Schicksal, zu krank zu sein, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren oder in Umständen zu leben, in denen eine Arbeitsstelle nicht mehr gefunden werden kann.

Aber welche Vermögen und Schicksale sollen ausgeglichen werden, und wo soll die Grenze sein? Sicher spricht viel für ein hohes Schonvermögen - es spricht aber auch einiges dagegen. Zuletzt spricht dagegen, dass das Leben immer "ungerecht" ist, dass es immer schwere Schicksale gibt, und dass man den Staat nicht für alles zum Trost und zum Ausgleich zur Kasse bitten kann. Es wird schon enorm viel finanziert z. B. im Gesundheitsbereich.

soissesPDF 17.07.2017, 09:44

Das ist schonmal juritisch falsch "...weitgehend abfedern, so dass das aktuelle Überleben gesichtert ist."
Über Ethik braucht man mit der SPD ohnehin nicht diskutieren.

Sowas von dämlich wie die Agenda 2010 der SPD, ist historisch fast ohne Vorbild.

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landregen 17.07.2017, 10:42
@soissesPDF

"Abfedern" ist kein juristischer Ausdruck und kann kaum "juristisch falsch" sein. Vielleicht ist der Ausdruck nicht das Non-Plus-Ultra an Treffsicherheit - aber dass Miet- und Heizkosten gezahlt werden und außerdem ein monatlicher Barbetrag, wenn keine Mittel mehr vorhanden sind, das ist in meinen Augen eine erhebliche erheblliche Unterstützung und nicht nichts.

Schicksalsschläge hat man zwar zumeist nicht selbst verursacht, aber es ist leider niemand anderes da, der die Verantwortung für die eigene Erkrankung trägt außer den Betroffenen selbst. Dass uns der Staat die Verantwortung einfach abnimmt, sehe ich nicht als selbstverständlich an, genau so wenig, wie ich es für selbstverständlich halte, dass finanzielle Verluste oder andere als geplante Verläufe vom Staat finanziell ausgeglichen werden.

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Das stimmt so nicht, neben dem "normalen" Schonvermögen gibt es noch zusätzlich ein Schonvermögen, was für die Altersvorsorge gilt. Riester Rente als Beispiel ist unantastbart.

Im Kern stimmt aber deine Kritik und es es ja nicht neu, dass wir eine erhebliche soziale Ungerechtigkeit haben die SPD das kurz vor der Wahl entdeckt und Abhilfe verspricht (und sich dann doch nicht daran hält).

das ging mir leider auch so. Lebensversicherung mußte ich verkaufen. Der Rückkaufswert war ziemlich bescheiden.

Dann muß ich im Alter eben noch aufstocken mit Wohngeld oder Sozialhilfe. Ich habe dann einige Lücken durch Arbeitslosigkeiten, Studium, Zivildienst (Ausfallzeiten)

Auto darf auch nur 7500 € wert sein, das aber auch erst nach BSG Urteil.

Wenn man Jahrzehnte gearbeitet hat, fällt man dann durch Langzeitarbeitslosigkeit Ü 50 dann in die Sozialfalle.

Hauptsache, bei den Politikern werden die Zusatzeinkünfte aus Aufsichtsratsposten usw nicht angerechnet 

Jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat, bekommt erst ALG I, evtl. Krankengeld bevor er in Hartz 4 rutscht. Wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, kann man Erwerbsminderungsrente beantragen. Dann brauch man kein Hartz 4 und es werden demzufolge keine Ersparnisse angerechnet.

Gilbschleuder 17.07.2017, 09:21

Es ist heute sehr schwierig geworden, eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen. Die Hürden sind deutlich höher als vor 20 Jahren. Daher rutschen viel dann in Harz4

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Alicia54 17.07.2017, 09:35

Das stimmt schon, daß die Hürden höher geworden sind. Aber damit wird auch abgesichert, daß nur Leuten, die wirklich nicht mehr arbeiten können EMIR, bewilligt wird. Ich bin so ein “Fall“ echter Arbeitsunfähigkeit, durch Krankheit. Kenne also die Hürden und weiß von was ich rede.

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wäre es nicht ungerecht allen die die hilffe dann finanzieren müssen wenn der bedürftige da mehr reserven hat aber von den anderen versorgt werden soll?

Gilbschleuder 17.07.2017, 08:57

Wenn es der Altersvorsorge dient und er damit später dem Staat weniger auf der Tasche liegt? Das Geld könnte ja noch so arbeiten bis zur Rente (z.B. Fonds) und eine anhaltende Abhängigkeit vom Staat verringern.

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martinzuhause 17.07.2017, 09:00
@Gilbschleuder

die fonds können aber auch mal wertlos werden. der bedürftige muss aber jetzt versorgt werden - dazu dient zuerst sein vermögen

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Warum, ist klar, das hat die SPD, als Erfinderin, für sozial erklärt.

Das Problem ist, dass Vermögen juristisch nicht definiert ist.
Und die SPD von beidem keine Ahnung hat, von sozial und Vermögen.

Es gibt viele Produkte zur Altersvorsorge, die nicht von H4 beeinflusst werden. Das weiß man aber auch vorher. Wer es einfach nur Cash auf dem Konto hat, hat dann halt Pech.

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