Warum ist das Saxophon im Jazz so beliebt?

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3 Antworten

Die ersten Saxophonsätze der frühen Swingorchester Ende der 1920er Jahre bestanden aus zwei Altsaxophonen und einem Tenorsaxophon (z. B. Fletcher Henderson). Mit der Größe der Orchester nahmen auch die Saxophonsätze zu, zunächst auf vier Musiker (zwei Altsaxophone, zwei Tenorsaxophone) und dann auf fünf als Standardbesetzung der Bigbands der 1940er Jahre mit zwei Altsaxophonen, zwei Tenorsaxophonen und einem Baritonsaxophon. Diese Formation gilt seitdem als übliche Bigband-Besetzung, obwohl es immer auch abweichende Zusammensetzungen mit einem besonderen Sound gegeben hat. Beispiele dafür sind die „Four-Brothers-Besetzung“ von Woody Herman mit drei Tenor- und einem Baritonsaxophon oder der von einer Klarinette angeführte Saxophonsatz von Glenn Miller. In den 1950er-Jahren wurde der Saxophonsound von Billy Vaughn populär, bei dem die (zweistimmige) Melodieführung durch zwei Altsaxophone in der hohen Lage erfolgte. Üblicherweise sind die Saxophone in einem Saxophonsatz parallel mehrstimmig gesetzt, wobei dem ersten Altsaxophon die Melodieführung obliegt, während das Baritonsaxophon die Basslinien ausfüllt. Selten taucht auch einmal ein Bass-Saxophon in einer Orchesterbesetzung auf, allerdings in der Regel nicht als Mitglied des Saxophonsatzes, sondern als Ersatz für die Tuba oder den Kontrabass.

Sofern Saxophone in Musik-Combos eingesetzt werden, handelt es sich häufig um ein Tenorsaxophon (typisch für die Besetzung einer Rock-’n’-Roll-Combo) oder auch um ein Altsaxophon (hin und wieder in der Rockmusik). Sofern ein dreistimmiger Bläsersatz in einer Pop- oder Rockmusik-Combo Verwendung findet, besteht dieser meistens aus einem Saxophon (Alt oder Tenor) zusammen mit einer Trompete und einer Posaune. In größeren (Blas-)Musikkapellen der eher volkstümlichen Art kommen Saxophone (Alt und Tenor) oft in den Nebenstimmen (zusammen mit Tenorhörnern) vor.

Der Jazz ist „saxophonisiert“. Es gab und gibt kaum ein Jazzensemble, in dem das Saxophon nicht zumindest eine wichtige Solistenrolle ausfüllen würde. Am häufigsten findet man Quartettbesetzungen, also Rhythmusgruppe plus Saxophon. Davon abgeleitet muss man die Triobesetzungen sehen, bei denen das Harmonieinstrument, also Gitarre oder Piano, weggelassen wird.

Reine Saxophonbesetzungen sind seltener, nehmen aber nicht nur in Grenzgebieten des Jazz aufgrund der fast unbegrenzten Klangmöglichkeiten eine interessante Rolle ein, wie etwa das World Saxophone Quartet oder die Kölner Saxophon Mafia als zwei sehr langlebige Ensembles belegen. Wichtig sind Saxophone auch in einer Big Band, hier sind sie meist wie folgt besetzt: erstes und zweites Altsaxophon, erstes und zweites Tenorsaxophon sowie ein Baritonsaxophon.

Um im Jazz eine individuelle Klangfarbe erzielen zu können, ist neben dem eigentlichen Instrument die Wahl des Equipments, also der Zubehörausstattung, entscheidend. Nicht nur das Material des Mundstückes (meist Metall oder Ebonit) und dessen Form, sondern auch die Bauart der Ligatur beeinflussen die Klangfarbe. Hierbei ist es nicht selten, dass Mundstücke nachträglich in der Form angepasst („refaced“) werden.

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Das Saxophon ist, meiner Meinung nach, im Jazz so beliebt weil es eine große Anzahl stilbildender Saxophonisten gab.

Im frühen Jazz kam das Saxophon noch selten vor, erst Frankie Trumbauer oder Adrian Rollini sind zwei Beispiele des frühen Jazz.

Titanen am Saxophon während der Swingzeit waren Coleman Hawkins und Lester Young, natürlich auch Ben Webster und einige andere. Im Bebop dann Charlie Parker, und danach John Coltrane. Für viele Jazzmusiker (nicht nur Saxophonisten) sind das heute noch Vorbilder.

Zum Tonumfang des Saxophones wirst du schwer gute Aussagen finden. Der "normal" Umfang liegt bei ca. 2 1/2 Oktaven, die Klarinette hat da deutlich mehr. Nur gibt es Spieltechniken um den Umfang deutlich zu vergrößern, gute Saxophonisten spielen locker ein bis zwei Oktaven mehr. In frühen Jahren, vielleicht bis in die 60er Jahre hinein, war das Überblasen, also das Ausweiten des Tonumfanges, eher selten zu hören. Erst der Freejazz benutzt diese Technik um seine Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. Das gibt der Musik eine extatische Komponente, hör dir dazu mal Albert Ayler an.

Der Sound, also die klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten, des Saxophones geben dem Spieler die Möglichkeit individuell zu klingen. Es ist möglich den Spieler zu erkennen einzig an seinem Sound. Als extremes Beispiel such dir mal Stan Getz und dann Gene Ammonds, sie spielen beide das Tenorsaxophon, da hörst du was ich meine.

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Hallo,

der erste der das Jazz-Saxophon berühmt gemacht hat war Coleman Hawkins. Damals hat man das Instrument noch ähnlich wie eine Klarinette gespielt. Das hört man zum Beispiel sehr deutlich auf der Aufnahme von "Body and Soul". (Such mal bei Youtube danach.)

Der Jazz wollte sich ja immer weiterentwickeln. (Bestes Beispiel ist Miles Davis der den Jazz mehrfach neuerfunden hat.) Deshalb glaube ich dass es einfach die Suche nach einer neuen Klangfarbe war die dazu geführt hat dass sich das Instrument durchgesetzt hat. Das Saxophon ist ja ursprünglich ein klassisches Instrument. Vielleicht kannst du herausfinden wieso das Saxophon überhaupt erfunden wurde, also was es gegenüber einer Klarinette auszeichnet. Vielleicht ist es ja einfach durchsetzungsfähiger, da es einen breiteren Frequenzbereich im Ton abdeckt, oder so.

Die zwei Punkte die du gelistet hast sollten damit beantwortet sein: Der Tonumfang ist natürlich ausschlaggebend für die Klangfarbe. Tiefere Töne klingen dunkler, erdiger, kräftiger, melancholischer, trauriger usw. Vergleich es einfach mit der menschlichen Stimme. Depressive Menschen haben meistens eine tiefer intonierte Stimme als Menschen die ständig fröhlich sind, oder zumindest so tun. Es kommt ganz darauf an was man aussagen will, und das ist von Interpret zu Interpret unterschiedlich. Dadurch dass es so viele verschiedene Saxophontypen gibt, ist für jeden etwas dabei: Alt für die "Normalos", Tenor für die "Erdigen", Sopran für die "Eingebildeten". ... Ok, das ist jetzt etwas polemisch, aber ich glaube du verstehst was ich meine.

Hoffe das gibt dir ein paar gute Ansätze. Viel Erfolg noch!

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