Warum ist Christine Westermann beim "literarischen Quartett" die einzige, die keine Fremdwörter verwendet-steht das in dem Fall für Ahnungslosigkeit?

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6 Antworten

Nicht nur im literarischen Quartett, auch in ihren anderen Sendungen, wie z.B.
'Bücher' bei WDR5, hebt sich Christine Westermann so erfrischend von denjenigen ab, die sich mit Fremdwörtern kunstvoll aufblasen - und genau das ist ein Zeichen sowohl ihrer intellektuellen Überlegenheit als auch des souveränen Umgangs mit der deutschen Sprache, da sie sich so differenziert und für alle (ALLE!) verständlich auf Deutsch ausdrückt - absichtlich oder aber -was ich glaube- bedingt durch ihre Wesensart: Sein statt scheinen. 

In einer Umgebung, die diesem ermüdenden Drang zum Profilieren im Sinne des Zeitgeistes nachgibt, verzichtet Frau Westermann auf Fremdwörter und auch die schnell hingehauene englische oder denglische Brocke - sie hat es nicht nötig, schnell und billig 'Eindruck' zu schinden, denn sie beherrscht die deutsche Sprache - es ist schließlich ihr Handwerkszeug als Journalistin. 

Und - wichtig - durch ihren Verzicht auf die Fremdwörter-Show muss sich bei ihr niemand outen, welche akademische oder nicht-akademische Bildung er hat - weder bei kompliziertem noch einfachem Kontext - denn das ist unwichtig. 

Indem sie das tut, stellt sie keine Fachtermini-Abfrage an, weil es ihr einfach nicht darauf ankommt, Fremdworte florettartig einzusetzen, um hinterher als Sieger dazustehen - sie geht lieber auf Augenhöhe auch bei eher gebildeten Gesprächspartnern. Dadurch entsteht (also nicht aus Berechnung, sondern als dynamischer Prozess) bei ihren Gesprächen eine ganz besondere entspannte und entspannende Lockerheit wie sonst niemand. 

Diese besondere Fähigkeit brachte auch der Intendant des WDR in der Würdigung von Christine Westermanns Gesprächsführung zum Ausdruck, als die Abschiedssendung von 'Zimmer frei' vergangenen Sonnabend zuende ging. 

Mir gefällt diese Haltung sehr gut und ich würde mir wünschen, sie hätte Vorbildcharakter!

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Hallo,

ob sie wirklich "keine Fremdwörter verwendet", kann ich nicht beurteilen, da ich das "literarische Quartett" nich anschaue.

Ich denke aber, mit dem Urteil "Ahnungslosigkeit" würde man Christine Westermann m. E. nicht gerecht werden.

Dennoch stellt sich mehr und mehr die Frage, welche Rolle und Funktion
Frau Westermann im Stamm-Trio spielt. Klar, sie ist als »Gefühlstante« besetzt, als die Stimme der kleinen Leserin von der Straße, die in erster Linie das Herz und nicht den Verstand über ein Buch urteilen lässt.

(http://www.literaturcafe.de/literarisches-quartett-was-macht-frau-westermann/)

Auch wenn Christine Westermann (auch) in diesem Beitrag nicht gerade gut wegkommt, empfinde einen weitgehenden Verzicht auf von Fremdwörter als durchaus angenehm und positiv,

will doch ihr Gebrauch gekonnt sein, ist oft aber nicht selten ein Schuss, der nach hinten losgeht und wirkt (eher) wie gewollt aber nicht gekonnt.


Ein schönes Beispiel:


"Als Kanzler Erhard einmal nicht sonderlich gehaltvoll gesprochen hatte, antwortete Erler süffisant: "Die Rede des Herrn Bundeskanzlers war sehr reziplikativ - Sie werden vielleicht fragen, was das heißt. Es heißt gar nichts, aber es spricht sich so schön."

(Quelle: zeit.de/reden/portrait/200109_staatsmann_ohne)

Mein Dank gilt andreasolar.

Kann bzw. muss nicht eine (bewusste - wer will das schon beurteilen) Vermeidung von Fremdwörtern auch als Können, Wissen, Fertigkeit, Belesenheit, (Wort)Gewandtheit, Intelligenz gewertet bzw. betrachtet werden?


:-) AstridDerPu


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Nein.

Dass Fremdwörter zu oft nicht richtig benutzt werden, wurde schon angesprochen, wobei ich Frau Westermann dies nicht unterstelle. Dass es eine Leistung ist, auch ohne Fremdwörter bzw. Fachbegriffe auszukommen und trotzdem genau auf den Punkt zu kommen, wurde auch schon erwähnt.

Fehlt (mir) nur noch zu schreiben, dass ein Verzicht auf Fremdwörter bzw. Fachbegriffe auch zum Verständnis seitens der Zuhörer beiträgt. Oder versteht einer earnests Antwort? ;))))

Natürlich, Fremdwörter bzw. Fachbegriffe sind komprimierte lexikalische Einheiten, die Umschreibungen überflüssig machen. Sie setzen jedoch voraus, dass der Sprecher sie korrekt benutzen kann und der Zuhörer sie versteht.

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Kommentar von earnest
28.09.2016, 06:23

Also, ich verstehe meine Antwort.

;-)

1

Nicht-Applikation und der nicht ubiquitäre Usus heterogener Termini ist mitnichten ein Signum von Dilettantismus oder Ignoranz.

Gruß, earnest

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Kommentar von AstridDerPu
28.09.2016, 06:02

DH⁹, um nicht zu sagen "Ach du grüne Neune!" ;-)

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Kommentar von frischling15
30.09.2016, 12:41

:)  Gut gebrüllt Löwe !  :)

2

Hallo allerseits

Ahnungslosigkeit? Im Gegenteil! es gehört sehr viel Verstand dazu, sich nicht hinter hochtrabenden Phrasen und fremdsprachigen Modeworten zu verstecken. Der Verein für deutsche Sprache zeichnet alljährlich den Sprachpanscher des Jahres aus. Such mal in der Wikipedia nach dem Begriff. 

Zum Glück gibt's noch Menschen wie Frau Westermann, die geradeaus deutsch reden können und sich das auch trauen!

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Nein, das zeigt, dass sie klug ist und auch deutsche Wörter verwendet, die die anderen gar nicht kennen

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