Warum ist Bismarck so ein Mythos in Deutschland geworden?

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Was ist denn ein "Mythos"? Eine Erzählung oder Sage über Götter und Heroen (Halbgötter, [Kriegs-]Helden).

Bismarck war nichts dergleichen: kein Gott und kein Heros! Er war ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit positiven und negativen menschlichen Eigenschaften.

Die Verherrlichung Bismarcks war eine Angelegenheit seiner Zeitgenossen sowie nationalistischer Bewunderer des Kaiserreiches, der Weimarer Republik und des Nazireiches. Sie bewunderten die Tatsache, dass es Bismarck angeblich geschafft habe, einen deutschen Nationalstaat zu gründen. Ihre Bewunderung erklärt sich nicht zuletzt aus historischer Unkenntnis, die deutsche Nationalisten auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und auf den Deutschen Bund als deutsche Staatsbildungen abwertend herabsehen ließ. Damit einher ging auch eine besondere Herausstellung der Bedeutung Preußens für die deutsche Geschichte.

In der Bundesrepublik Deutschland hat man sich kritisch mit Bismarck und seinen unbestreitbaren Leistungen auseinandergesetzt und erkannt, dass es keinen Grund gibt, ihn als deutschen Nationalheros zu mythifizieren. Bismarck war in erster Linie Preuße, kein Deutscher, und er wirkte nicht für die Einigung Deutschlands, sondern für die Einigung Deutschlands unter Preußens Herrschaft - das ist ein Unterschied! - und unter Ausschluss des Konkurrenten Österreichs - und beides ist ihm ja auch gelungen.

Was ihm nicht gelungen ist: er hat verhindert, das monarchische System des Deutschen Reiches politisch durch Parlamentarisierung zu stabilisieren, indem er nur eine scheindemokratische Verfassung, die auf seine, Bismarcks Machtstellung zugeschnitten war, zuließ; er hat dem Deutschen Reich nicht den Weg zu friedlichem Konsens mit den europäischen Großmächten und zu einem Ausgleich mit Frankreich gewiesen, sondern einen Weg, der letztlich in die politische Isolation geführt hat - mit ganz furchtbaren Folgen für die weitere deutsche Geschichte, an denen er persönlich natürlich keine Schuld trägt.

Genug, hier ist nicht der Ort und Platz für eine umfangreiche Ausarbeitung. Bismarck wird schon lange nicht mehr als "Mythos" begriffen, sondern als ein bedeutender Politiker des 19. Jahrhunderts angesehen, der der deutschen Geschichte eine neue Richtung gegeben hat. Seine Leistungen und Fehlleistungen sind bekannt. Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, einen Bismarckturm oder ein anderes Bismarckdenkmal zu errichten, um öffentlich an ihn zu erinnern! Bismarcks Platz heute ist einer in wissenschaftlichen Geschichtsbüchern und in einer historisch-musealen Ausstellung.

MfG

Arnold

Bismarck war als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident eine der prägenden politischen Figuren des 19. Jahrhunderts.

Zwar war er in der Wahl seiner Mittel nicht gerade zimperlich und sein Umgang mit politischen Gegenern (SPD, Arbeitervereine, Katholiken) ziemlich rüde, aber er hatte eine Vision von Deutschland.

Diese beruhte natürlich auf dem Primat von Preußen im Deutschen Reich, dessen Durchsetzung ihm nach der Ausschaltung Österreichs im deutschen Machtgefüge auch gut gelang. Durch gezielte "Kabinettskriege" mit Dänemark und Österreich wurde die Macht Preußens gefestigt; er war aber flexibel genug, solche Siege nicht bis zur Neige auszukosten, sondern mit den Unterlegenen eine dauerhafte Friedensordnung herzustellen.

Gerade nach dem von ihm mit provozierten und gewonnenen deutsch-französischen Krieg konnte er ein stabiles Kaiserreich unter preußischer Führung etablieren, der Kaiser der Deutschen war ja gleichzeitig auch König von Preußen. Er beließ aber den deutschen Ländern ihre Eigenständigkeit und ihre Eigenheiten, und sorgte dafür, dass sich alle als Deutsche fühlen konnten ohne die Übermacht Preußens zu deutlich zu spüren.

Auch Frankreich wurde nach dem verlorenen Krieg eher milde behandelt; zwar wurde ihm Elsaß-Lothringen abgenommen, aber die Reparationszahlungen hielten sich in Grenzen, so dass der dortige Hass gegen die Deutschen nicht sofort wieder zu einem Krieg führen konnte.

Durch geschickte Bündnispolitik baute er ein wechselseitiges Pakt- und Sicherheitssystem auf, dass der Mitte Europas für immerhin gute vierzig Jahre Frieden bescherte. Das hatte man seit Jahrhunderten nicht mehr gehabt!

Innenpolitisch nahm er viel Druck aus dem Kessel, in dem er erstmals eine landesweite soziale Absicherung einführte (gesetzliche Unfallversicherung, Rentenversicherung, später auch Krankenversicherung). Das erlaubte ihm wiederum, seine politischen Gegener - auch mit Mitteln des Polizeistaates, der Zensur und der Verfolgung - klein zu halten, weil man sich andererseits um die brennend notwendige soziale Absicherung der breiten Bevölkerung kümmerte.

Er vermied es nach Reichsgründung, sich außenpolitisch und militärisch in größere Abenteuer zu stürzen und förderte die wirtschaftliche Entwicklung nach Kräften, auch indem er die Arbeiterschaft unter Kontrolle (siehe oben) behielt.

Das System kam erst ins Wanken, als er altershalber abtrat bzw. auf Druck des jungen Kaisers Wilhelm II abtreten musste, denn kein Politiker oder Monarch war in der Lage, die komplizierten Bündnissysteme, die er entworfen hatte, weiterzuführen. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Größe seines Wirkens auch darin abschätzen, dass der Frieden nach seinem Abgang immerhin noch 20 Jahre lang hielt, bevor seine Nachfolger es schafften, Deutschland in einen ruinösen Weltfrieg zu stürzen.

Dessen eigentliche Ursachen lagen aber schon in der Zeit begründet, als Bismarck noch ein junger ostelbischer Landjunker war.

Seine Leistungen - und auch Fehlleistungen - sichern ihm sicherlich einen bedeutenden Platz unter den politischen Führern Deutschlands ein, was daran allerdings ein Mythos sein soll, kann ich nicht erkennen. Aber vielleicht wird Willy Brandt in 50 Jahren auch als Mythos angesehen werden.

Das kannst du dir auch selber überlegen. Damit jemand zu einer so idealisierten Figur werden kann, muss ein Bedürfnis des Publikums vorliegen und die Person muss eine geeignete Projektionsfläche darstellen. Wenn Karl Valentin das gemacht hätte, was Bismarck getan hat, gäbe es deutlich weniger Denkmäler. (Das gilt sicher auch für Goethe, wenn der wie Otto Waalkes dahergekommen wäre oder wie Schiller ausgesehen hätte.) Aber das Wichtigste ist das Bedürfnis des geschundenen, davor keine Identität und keinen Staat habende zusammengewürfelte Völkchen, das auf einmal einen Helden hatte, der die richtigen Gesten zum richtigen Zeitpunkt gemacht hat, bescheiden beim Abgang, aber auch mit der Faust auf den Tisch schlagen können. Und nicht so affig, belanglos und anachronistisch wie die Herren Kaiser.

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