Warum immer nur die eine Wahrheit?

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19 Antworten

Schön, dass du ein „Anders-Denker" bist! Sei und bleibe das bitte auch weiterhin.

Denn ... es gibt Sie nicht DIE EINZIGE und alleinseligmachende WAHRHEIT ... vielmehr statt gibt es statt einer einzigen immer und überall mehrere Wahrheiten.

Und wenn sich jemand (in einer Diskussion zum Beispiel) in seinen eigenen Standpunkt regelrecht verbeißt, und keine andere Meinung außer seiner eigenen gelten lässt, dann meide die Gesellschaft dieses Menschen ... ODER ... diskutiere einfach nicht mit ihm, (wenn du dich nicht sinnlos ärgern und frustriert vom Verhalten dieses „Rechthabers“ am Ende der Diskussion dastehen willst.

Intelligente Menschen, die danach bestrebt sind ihr Wissen zu erweitern, die wissen und anerkennen selbstverständlich auch DIE Meinungen von anderen,auch oder gerade dann, wenn diese der ihren nicht entsprechen oder konträr zu der ihren sind.

Und jemand, der das nicht kann oder will, der ist für Diskussionen jeder Art absolut ungeeignet, denn das absolute Ziel eines jeden guten Streitgespräches ist immer ein Meinungs- und Wissensaustausch UND somit auch die Erweiterung des eigenen Wissens. Sei es indem man sein eigenes Wissen durch neues ergänzt (oder an dessen Stelle setzt), sei es in dem man Erkenntnisse gewinnt, die bis dato für einem selbst unbekannt gewesen sind.

Und ehe ich mir hier vielleicht eine "Rüge" für meine "mehreren Wahrheiten" einhandle ... untermauere ich meine Behauptung, indem ich zum Erinnern darüber auffordere, aus welch verschiedenen Gesichtspunkten einzelne Menschen (darunter auch ernstzunehmende und sogar „große“ Denker...) alle Dinge und Ereignisse ihres Lebens wahrnehmen, betrachten und erkennen ... können ...;)

Es ist eine nicht zu klärende Frage, wofür mehr Menschen gestorben sind, für Geld oder für DIE WAHRHEIT? Ganz so unwichtig scheint das Thema also nicht zu sein. Und es ist aktuell. Man denke an die öffentliche Auseinandersetzung zu dem Begriff "Lügenpresse". Hinter diesem Wort steckt der Vorwurf der gesteuerten Manipulation von Wahrheit. Zwar wurde der Begriff mit der Nazikeule zu Boden geschlagen - von der "Lügenpresse"??? - und auffallend wenig hat man sich mit dem Vorwurf inhaltlich auseinander gesetzt. Unsere ehrenwerte Medien betreiben keine Manipulation. Peinlich nur, dass zur Großdemo in Paris nachweislich öffentlich gelogen wurde. Es gab keine Politiker, die vor den Massen die Demo anführten. Die Aufnahmen wurden in einer Seitenstraße gemacht und in die Demoaufnahmen einkopiert, sogar im Filmbericht der Nachrichten! Um den Betrug perfekt zu machen, wurde die Aufnahme der Politiker in einer ruhigen Seitenstraße bei Einblendung mit dem O-Ton der Massendemo überblendet. Soviel Betrug ist inzwischen auch bei den angeblichen Doku-Filmen möglich. Eine einfachere Methode ist, und auch das wurde in der Berichterstattung über Pegida genutzt, man macht 40 Interviews, nimmt die fünf mit möglichen rechtsradikalen Äußerungen und schneidet sie so zurecht, dass nur noch ziemlich rechte Äußerungen übrig bleiben. Wenn das nicht langt, interviewt man einen Kollegen, der genau das äußert, was gezeigt werden soll. So funktioniert Meinungsmache.

Eigentlich müssten die, die derart manipulieren, genau wissen, was sie da tun. Man muss schon abgebrüht sein, um das mit Wahrheit zu verwechseln. Warum wird also eine andere Meinung - lassen wir mal außenvor, ob es sich dabei um Wahrheit handelt - bewusst so verzerrt? Es geht um Macht! Und es geht um Ideologie. Bei der Ideologie steckt die Wahrheit in der Lehre von Zusammenhängen. Wirklichkeit, die ungefiltert mit dieser Lehre von Zusammenhängen nicht zusammenpasst, muss ausgeblendet werden. Bestes Beispiel dafür sind politische Schlagwörter und Todschlagkeulen jeder Couleur. Wer kritisch nach den Verhältnisse in Israel und Palästina fragt, ist gleich ANTISEMIT! FERTIG! Wer seine Sorgen friedlich zum Ausdruck bringt (die Mehrheit der Pegidademonstranten gehören ja zum Proletariat!!) ist RECHTSRADIKAL. Wer nur einen Hauch von Kritik am Verhalten im Finanzsektor äußert, ist LINKSRADIKAL. Stempel und Keule - und nach einer differenzierten inhaltlichen Auseinandersetzung sucht man vergebens.

WAHRHEIT ist in vielen Fällen nur eine MASKE, hinter der sich das RECHTHABEN und die unhinterfragte Macht verstecken. Das ist so, weil Wahrheit keine harmlose Idee ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Wir sind als Menschen auf Gesellschaft angewiesen. Und eine Gesellschaft ist nur handlungsfähig, wenn sie einigermaßen einheitlich bewertet und handelt. Da niemand eine absolute Wahrheit besitzt, geht es immer um die relative Wahrheit, die den eigenen Vorstellungen am dienlichsten ist. Bis zu den 68er Jahren war die gesellschaftsfähige Mehrheitswahrheit in Deutschland konservativ und entsprechender Wertebetonung. Die 68er haben diese Werte zerschlagen und seitdem ist die gesellschaftsfähige Wahrheit nach "links" gewandert, verbunden mit einer Wertepluralität. Da wir statt Solidarität den puren Egoismus geerntet haben, mit sozialistischen Schuldenbergen (die gibt es auch in Deutschland, nicht nur in Griechenland) den einfachen Menschen (wieder mal vor allem Arbeitnehmer) durch Zerstörung von Sparplänen eine verständliche Zukunftsplanung kaputtmacht, drängen die jetzt auf die Straße, um ihrem Unwohlsein Ausdruck zu geben. Das Problem ist, dass Wahrheit nicht abstrakt ist und nie abstrakt bleibt, weil wir auf der Basis unserer Meinungen handeln - also auch Politik machen. Meinungsmacht ist Handlungsmacht! Und kleine Wahrheiten münden in große und dann hört der Spaß auf.

musikuss78 04.02.2015, 15:56

Oje, ausgerechnet Pegida als Vergleich. Ist nicht mein Thema, aber ich versuche mal in Bezug auf meine Frage zu antworten:

Ich habe selbst journalistischen Hintergrund, allerdings im Ressort IT und Consumer Electronics. Trotzdem gibt es für alle Journalisten gewisse Regeln, nämlich objektiv zu berichten, alle Ansichten zu beleuchten und sich nicht beeinflussen zu lassen. Dies wird in Deutschland zwar nur im »Pressekodex« des Deutschen Presserats empfohlen und die Missachtung zieht keine rechtlichen Konsequenzen nach sich. Trotzdem versuchen sich ganze Verlage genauso wie einzelne freie Journalisten nach Treu und Glauben danach zu richten - und in den meisten Fällen auch mit Erfolg.

Abgrenzen muss mal allerdings noch Kommentare, Glossen und Satire, die die eigene Meinung des Journalisten/ Redakteurs darstellen oder Zustände überspitzen. Dies muss aber auch immer gekennzeichnet werden.

Natürlich gibt es auch die »schwarzen Schafe«, die ihre Stellung manipulativ ausnutzen. Auch kann gerade im Hause größerer Verlage auch mal der eine Lobbyismus nachgewiesen werden, was mir auch sehr missfällt. Aber von einer »Lügenpresse«, also einem Presseorgan, das ständig und ausschließlich Lügen verbreitet, sind wir weit entfernt.

Die Pegida besteht am Ende aus Menschen, die Angst haben. Und wer Angst hat, verallgemeinert auch sehr stark. Natürlich kann man im Falle der IS Angstzustände bekommen, aber wer den Hintergrund nicht kennt (oder nicht sehen will), kann auch nicht behaupten, dass alle Islamisten so sind. Sind sie nämlich nicht. Genauso wenig wird man normalerweise von einem geradezu winzigen Prozentanteil an Islamisten in Deutschland auf eine drohende Islamisierung schließen können. Die Wahrheit der Pegida ist also genauso verallgemeinert und manipulierend wie die landläufige Meinung, dass alle Pegida-Anhänger Rechts sind.

Obwohl man auf einen hohen Anteil von Rechten durchaus schließen kann, denn es gibt ja nicht nur beim Wort »Lügenpresse« Parallelen bezüglich des Dritten Reichs. Auch die offensichtliche Feindlichkeit gegenüber Ausländern, speziell Islamisten, hält dieses Vorurteil aufrecht.

Zumal die Pegida-Anhänger sich auch mal auf die Fahnen schreiben sollten: »Wer Hass sät, wird auch Hass ernten.« Vielleicht sollten wir alle uns lieber mal so akzeptieren, wie wir sind, egal welche Nationalität oder Hautfarbe wir haben. Das würde auch den wirklichen Extremisten den Wind aus den Segeln nehmen.

So, dann bin ich ja mal gespannt... Bist Du bereit, meine Wahrheit neben Deiner Wahrheit zu akzeptieren? ;)

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berkersheim 04.02.2015, 20:15
@musikuss78

Oje, da habe ich zum zweiten Mal einem Journalisten auf die Füße getreten. Wusste gar nicht, dass man gegenüber dem Verhalten der eigenen Kollegen so unkritisch ist und vor allem, dass ein Angriff auf eine extra beschriebene, konkrete Berichterstattung, die als totaler Fehlgriff im Netz sehr ausführlich dargestellt worden ist, selbst von einem reinen Fachjournalisten als Angriff auf seine Ehre empfunden wird. Außer diesem konkreten Beispiel (Bericht über Demo in Paris mit angeblich vielen Spitzenpolitikern, auch Frau Merkel, wozu die Aufnahmen gesondert in einer abgesicherten Seitengasse gemacht wurden) habe ich das Wort „Lügenpresse“ als aktuelles Beispiel von Auseinandersetzung um Wahrheit angeführt. Ich habe mich bezüglich „Lügenpresse“ nicht generell zustimmend geäußert, nur angeführt, wie schnell es mit der Nazikeule ohne jede inhaltliche Reflexion abgewatscht wurde. Liege ich da falsch? Welchen Grund hast Du, Dich da angegriffen zu fühlen? Fakt ist auch, dass in keiner mir bekannten Pressedarstellung (selbst FAZ) überhaupt einmal das Thesenpapier von Pegida selbst vorgestellt und dann diskutiert wurde. Warum wurde das Papier nur „interpretiert“? Warum wurde in jeder Schlagzeile und Erwähnung nur von „Antiislamisten“ und Gegner der Aufnahme von Flüchtlingen gesprochen, obwohl dem die Verlautbarung im Thesenpapier eindeutig widersprochen hat? Ich habe mir dieses Papier runtergeladen und GANZ gelesen. Hast Du das auch???

Ich habe ja geahnt, dass ich da in einen Wespenhaufen steche. Aber – wie auch immer man dazu steht – es ist ein ganz aktuelles Beispiel emotionaler Parteiigkeit und Vorverurteilung. Persönlich mag ich die Arschbackendifferenzierung „links – rechts“ überhaupt nicht, weil weder differenzierend noch sachlich sondern ein emotionaler Totschläger. Gerade wird wieder über die Anklage im Fall Tugce in Offenbach berichtet und geradezu überkorrekt wird von dem „mutmaßlichen Schläger“ gesprochen, obwohl man da das Wort „mutmaßlich“ streichen könnte. Doch bei 18.000 Demonstranten bei der 3. Pegida-Demo waren alle ohne „mutmaßlich“ sicher, dass die alle Nazis und Rechtsradikale sind. Seltsam – oder?

Jetzt muss ich mal dazusagen, dass ich wie Du auch vom Fach bin, allerdings von der anderen Seite. Ich war P.R.-Mann und habe persönlich erlebt, was aus unseren Vorlagen gemacht wurde. Ich habe auch erlebt, wie ein ausführliches Interview immer um bestimmte, der Redakteurin ungenehme Passagen gekürzt wurden. Das hat man dem gesamten Interview als Unbeteiligter nicht angemerkt, nur ich wusste, wo geschnitten worden war. Als wilder Jugendlicher und links gepolt habe ich mal eine Rote-Punkt-Aktion (gegen Preiserhöhung im Nahverkehr) organisiert und mir danach die Berichterstattung in Zeitung und TV angeschaut. Damals war links Ähbäh und wurde zerrissen. Die haben eine Randgruppe der großen Demo gezeigt, um zu vermitteln, dass da nur wenige Verrückte mitlaufen. Im regionalen Blatt wurde – obwohl die Journalisten unser Flugblatt hatten – unsere Motive vollkommen verzerrt widergegeben. Ich kenne die Methoden, damals nur umgekehrt.

Mir ist Deine lange Ausführung zu Pegida und deren Motive nicht ganz klar, womit ich die ausgelöst habe. Ich habe mich inhaltlich gar nicht zu Pegida geäußert. Und dann spulst Du alle Standards ab, die jeder „Linker“ über Pegida-Demonstranten zu wissen glaubt. Wozu? Was haben sich diese Leute zu Schulden kommen lassen? Sind sie gegen Andersmeinende und Polizei mit Agression losgegangen, wie viele Gegendemonstranten. Sind SA-Methoden jetzt demokratisch, nur weil die sich ANTIFA auf ihre Schilder malen? Mich stört der Etikettenschwindel.

Von mir aus magst Du Deine Wahrheit behalten. Doch was ich geschrieben habe, ist meine Überzeugung: Jeder Wahrheit ist die Grundlage von Handlungen, auch von politischen Handlungen. Und mal schauen, wo das endet. Ich sehe eine in die Irre geführte Jugend, die mit zunehmendem Alter erst feststellen werden, wie sehr sie beschissen wurden. Das heißt, Deine Wahrheit wird vor allem Dein Leben prägen. Meines evtl. mit, aber vor allem Deines. Auf das zu achten, was Du für Wahrheit hältst, ist vor allem Deine Sache, nicht meine.

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Aber warum ist es bei uns immer so gebräuchlich, an nur einer einzigen Wahrheit festzuhalten? Warum können wir nicht einmal mehrere Wahrheiten akzeptieren?

Solange die "Wahrheiten" sich nicht widersprechen, gibt es keine Probleme. Wenn einer der Meinung ist, dass Messer zum Schneiden sind und ein anderer, dass Löffel zum Hören sind, gibt es keinen Widerspruch. Beide Wahrheiten können koexistieren.

Wenn jetzt allerdings jemand behauptet, Jesus wäre ein Schwarzer gewesen und ein anderer, Jesus wäre ein Weißer gewesen, so kann nur maximal eines von beidem stimmen.

Man hält solange an seinen Wahrheiten fest, bis sie widerlegt wurden, manche sogar darüber hinaus.

Suboptimierer 04.02.2015, 08:59

... weil sie sich ein Bild von der Welt gemacht haben, dass sie ungern neu aufziehen wollen.

Je älter man wird, desto schwerer wird es in der Regel, an seinem Welterklärungsmodell zu rütteln.

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Hallo musikuss78, ich grüße dich.

Deine Frage, wie auch dein Text sind in sich nicht schlüssig. "Warum immer nur die eine Wahrheit?" - ist eine Verallgemeinerung, obwohl es heißen müsste, nach deinem Text "meine Wahrheit" und zwar jene des Redners oder Diskutanten. Weiterhin ist > so genannten Fakten, oder zumindest Dinge, die als solche dargestellt werden . Meinst du das eine oder das andere?

  1. Über Fakten sollte man kaum streiten können. Es sei denn, dass ein Hörer die Fakten nicht anerkennt. Dann bedarf es einer Klärung darüber.
  2. "Dinge, die als solche dargestellt werden" - Entweder sind sie es oder nicht.
  3. Aber zum eigentlichen Thema. Man sollte sich Klarheit darüber verschaffen, was "seine Wahrheit" für einen Sprecher bedeutet. Diesbezüglich mit logischen Aussagen zu argumentieren erweist sich als schöne intellektuelle Denkübung, ist für das in Rede stehende Thema dennoch sinnlos. Für Jenen, der sich an seiner Wahrheit "fest beißt" hat eben diese, seine Wahrheit eine eminente Bedeutung. Sie macht ihn aus, sie gehört zu seinem Ich-Bestand, sie gehört zu seiner Integrität. Sie gehört so fest zu ihm, wie sein kleiner Finger. (Wer jetzt fragen muss: "Was ist wenn er keinen kleinen Finger mehr hat?" - der sollte seinen Kommentar lassen.) Wenn ein anderer, z. B. Du, ihn von seiner Wahrheit abzubringen versucht, was in einer Diskussion durchaus geschehen kann, oder er nur erkennt, dass seine Wahrheit bedenkenswert ist, dann wird er sich dagegen wehren, wie er sich auch gegen eine Verletzung seines kleinen Fingers wehrte. Für ihn geht es also nicht um die Wahrheit als eine solche, sondern es geht für ihn um die Aufrechterhaltung seiner Integrität, seiner Identität, seines Ich-Bestandes insgesamt. - Und dabei ist noch zu berücksichtigen, wer ihn "auffordert" seine Wahrheit zu ändern. Ist es guter Freund in einer ruhigen Atmosphäre beim Rotwein oder ein "Möchtegern" andersdenkender Besserwisser, (Achtung - Übertreibung) "der schon bei seinem Anblick den Provokatio gibt".

Damit zielt deine Frage auf die innere Befindlichkeit "des auf seiner Wahrheit Bestehenden" ab. Warum der Einzelne in diese Art, fest beißen, handelt, dass hängt von vielerlei Faktoren ab. Einen prinzipiellen Hinweis versuchte ich unter 3 zu erläutern.

Ich grüße Dich und bleibt gesund.

Um es kurz zu machen: Wahrheit gibt Sicherheit. Wenn man akzeptieren würde, dass das, was als "Wahrheit" bezeichnet wird, unerreichbar ist, dann wäre die Sicherheit weg.

Hallo musikuss78!:-)

Darüber habe ich mir auch schon so manchesmal den Kopf zerbrochen...Bei dem Schriftsteller Truman Capote fand ich dazu, meiner Meinung nach, einige passende Hinweise.

Er schrieb über eines seiner Bücher folgendes:

Alles in diesem Buch beruht auf Tatsachen, was nicht heißt, dass es wahr ist; es ist so wahr, wie ich es vermag. Journalismus aber kann niemals ungetrübt sein - ebensowenig wie das Bild der Kamera, denn schließlich ist die Kunst kein destilliertes Wasser: persönliche Wahrnehmungen, Vorurteile, das eigene Gefühl für Trennschärfe trüben die Reinheit der keimfreien Wahrheit.

Diese Zitat läßt sich auf alle Lebensbereiche übertragen, denke ich...Nun zu Deinen eigentlichen Frage:

Aber warum ist es bei uns immer so gebräuchlich, an nur einer einzigen Wahrheit festzuhalten? Warum können wir nicht einmal mehrere Wahrheiten akzeptieren?

Weil Wahrheiten an Macht gekoppelt sind. Wenn unsere Kanzlerin ans Mikrofon hastet und verkündet: Uns geht es gut! Dann ist es für ihr Klientel und für sie die Wahrheit! Würde sie plötzlich anderes verkünden, müsste die Regierung Änderungen herbeiführen. Das ist so gar nicht in ihrem Interesse...Demzufolge wird dargestellt, was diese "Wahrheit" unterstützt z.B. Wirtschaftserfolge, vermeintlich sinkende Arbeitslosenzahlen usw. Verelendungen von Stadtteilen, dass die Schlangen vor den gemeinnützigen Organisationen, hier nenne ich die Tafel, immer länger werden, paßt dazu nicht! Warum gibt es immer mehr Sozialläden? Weil es uns allen, ach so gut geht? Darum kann in diesem Falle keine andere "Wahrheit" zugelassen werden.

Unterschiedliche Wahrnehmungen (Wahrheiten) werden akzeptiert, wenn es ohne Konsequenz bleibt. Du hast Deine Meinung, ich habe meine...

Irgendwie schauen einige viel zu oft nicht über den eigenen Tellerrand hinaus und begegnen dem Gegenüber dann entweder mit Unverständnis oder mit Aggressivität.

Über den Tellerrand schauen, nein, das ist meist nicht erwünscht. "Das Volk" läßt sich besser gängeln, wenn kritische Stimmen attackiert und Sozialhilfe und HartzIV-Empfänger verunglimpft werden. Klischees werden bedient und gefüttert... Soll das arbeitende Volk doch bitte gegen die wettern. Ablenkung, die gewünscht ist! So erkläre ich auch die Pegida-Bewegung, dazu:

*Sündenbockphilosophie:

Diese Ideologie bedeutete eine größtmögliche Vereinfachung eines Freund-Feind Schemas, was vor allem das Selbstgefühl der Bevölkerung stärkte und Aggressionen in gewünschte Richtungen lenkte. Der Antisemitismus war eine Ideologie, die vorhandene Aggressionen auf ein Objekt lenkte, das mit der Ursache der Aggressionen nicht mehr zu tun hatte als beliebige andere Objekte. Die Feindgruppen waren daher austauschbar.* Quelle: studentshelp.de

Das ist alles so gewollt! Keine schöne Erkenntnis...Vermeintliche Wahrheiten und Macht sind eng miteinander verwoben.

Freundliche Grüße schickt Dir

Jason

musikuss78 04.02.2015, 16:04

Hallo Jason, es ist doch immer wieder ein Genuss, von Dir zu lesen! Danke für die Einsicht!

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"Du hast zwar Recht, aber meine Meinung gefällt mir besser." ... lautet ein Spruch, der mir vor einiger Zeit begegnet ist.

Manche Menschen verbeißen sich förmlich in einen Standpunkt, was manchmal als eine Art von Schutzreflex zu bewerten ist. Je länger eine Diskussion bzw. eine Debatte andauert, desto mehr Argumente kommen wechselseitig ins Spiel. Je größer die Anzahl der selbst eingebrachten Argumente, desto schwieriger wird es, sich im Kampf der Argumente geschlagen zu geben.

Wer sich dem Kampf der Argumente stellt, sollte vorher gelernt haben zu akzeptieren, dass es Gewinner und Verlierer geben kann (nicht muss). Wenn alle Diskussionsgegner sich dessen bewusst sind, gehen am Ende alle Beteiligten als Gewinner hervor (auch wenn es nur der Gewinn einer neuen Erkenntnis und/oder eines erweiterten Blickwinkels ist).

Damit ist die Frage nach der Akzeptanz von mehreren Wahrheiten nicht direkt, sondern eher indirekt Beantwortet. Eine direkte Antwort halte ich auch nicht für möglich, da es in manchen Bereichen bzw. zu manchen Themen auch tatsächlich nur eine Wahrheit gibt (auch außerhalb der Mathematik). Gesetze können dabei helfen, manchmal aber auch das Gegenteil bewirken.

Nicht jeder Mensch kann auf gleiche Selbsterfahrungen, Fremderfahrungen und Geschehnisse zurückgreifen. Genauso wie beim Urvertrauen, entwickelt sich bei den Menschen auch das Gewissen und das Gerechtigkeitsempfinden oft sehr unterschiedlich.

Die meisten Menschen entwickeln aus ihrem Leben heraus eine Wahrheit, die man als eigene Wahrheit bezeichnen darf. Bei genauerer Betrachtung sind es aber mehrere Wahrheiten zu unterschiedlichen Erfahrungsbereichen.

Ich würde Deine Fragestellung daher ein wenig anders betrachten wollen, sodass sich unterschiedliche Erfahrungen und Ansichten zu einer größeren Erkenntnis verschmelzen lassen, wenn die Beteiligten Personen die notwendige Bereitschaft zeigen.

Wenn es aber darum geht einen Beschluss zu fassen (z.B. Entscheidungen der EU und/oder EZB in Sache "Griechenland-Anleihen"), wo niemand genau weiß, welche Reaktionen, Auswirkungen und/oder Folgewirkungen dieser nach sich ziehen wird, dann wird sich erst später zeigen, welche Erfahrung aus der Vergangenheit dem aktuellen Status (aktuelle Wahrheit) am nächsten steht. Da sich mit jeder neuen Reaktion auch die Situation jederzeit ändern kann, gibt es also mehrere potentielle Wahrheiten.

Fazit:

Wahrheit ist solange beweglich, bis sie sich durch ein greifbares Ergebnis bestätigt. Alles andere ist spekulatives Denken.

Deine Frage scheint auf viel Echo gestoßen zu sein. Wahrheit ist für uns Menschen einfach etwas, worüber wir keine Zweifel zu lassen. An irgend etwas müssen wir ja glauben.

Es ist jedem frei gestellt diesen "Glauben" mit den Jahren zu ändern oder zu verbessern. Wäre sogar erwünscht, sich hier zu entwickeln. Doch das kann nur jeder für sich allein bewirken. Einige wollen das auch, andere bleiben irgendwo stehen. Die ewige Suche nach Wahrheit kann ermüdend sein.

Habe dieses Problem für mich auf andere Weise gelöst. Ich stelle mit vor, dass es noch ein anderes Denken gibt, wo wir aber keinen Zugang dazu haben. Dort wäre die Wahrheit zu finden. Gott, oder wie wir das nennen wollen, ist die Wahrheit. Dort gibt es keine Dualität und kein entweder oder.

Im Hier und Jetzt müssen wir uns, ob wir wollen oder nicht, uns mit unserem Denken begnügen. Es sollte für' s Erste reichen.

Es gibt viele Wahrheiten, die alle ewig sind. Längst nicht alle sind bekannt. Irrtümer und Lügen sind nur von Dauer. Gestritten wird unter vernünftigen Menschen nur um Einzelfragen. Eine "einzige Wahrheit" (die Wahrheit schlechthin) gibt es nicht. Selbst wenn die Physiker die "Weltformel" finden, werden Fragen bleiben, deren Antworten in wahr und falsch unterteilt werden ....gut und böse...ohne Ende.

gottesanbeterin 05.02.2015, 11:40

Natürlich gibt es die "einzige" Wahrheit ; nur, weil sie dir und vielen anderen (noch) nicht begegnet ist, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt!

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weil vielen Menschen ihre Wahrheit Sicherheit gibt :0 Es ist doch viel komplizierter wenn es viele Möglichkeiten gibt...ich sehe das aber auch so wie du! Die Menschen sollten Weitblick haben und nicht nur ihre Meinung als die einzige Wahrheit abstempeln!:)

Es gibt immer nur 1 Wahrheit. Geht man davon aus, dass es mehrere Wahrheiten gibt, dann gibt es auch kein richtig oder falsch mehr.

naja, viele Menschen glauben dem Verstand. und der Verstand kennt nur "entweder / oder". ist natürlich quatsch und gilt nur für harte Fakten. so wie es ist Tag oder Nacht..... etc. Verschiedene Sicht weisen nicht akzeptieren zu können hat etwas mit Identifikation mit Gedanken zu tun. Je identifizierter mit einem Gedanken desto mehr hängt das Selbstbild davon ab. Menschen töten für ihren Glauben / Meinung..... man nennt das auch : Wahnsinn

musikuss78 04.02.2015, 01:08

Naja, manchmal gilt das aber noch nicht einmal für »harte Fakten«. Tag oder Nacht ist da sogar ein gutes Beispiel, weil es vom Auge des Betrachters abhängt. Denn wenn wir alle Zeitzonen bzw. Orte auf der Erde einbeziehen ist immer Tag und immer Nacht - und das sogar gleichzeitig ;)

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notknowing 04.02.2015, 09:44
@musikuss78

Genau.... und wenn wir nur mal 10000 Kilometer in die Höhe gehen....... gibt es beides nicht.

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Oberfrosch 04.02.2015, 10:43
@musikuss78

Ja und? Was sollen das für Diskussionen sein? Willst Du behaupten, auf unserem Längengrad an Diskussionen teilzunehmen, bei denen jemand behauptet, es sei Nacht, und Du kommst mit der überraschenden Erkenntnis, in Boston sei gerade später Vormittag? Dass Goethen mit absoluter Sicherheit tot ist, wird doch von der Behauptung nicht berührt, dass zu Apostel Paulus' Zeiten noch gar kein Goethe war, weder der Goethe noch irgendein Goethe, also aus Paulus' Sicht Goethe auch nicht tot ist, und der nächste Regenwurm Goethe überhaupt nicht kennen kann. Gib erst mal Wahrheitskriterien (truth maker) an und bestimme wahrheitswertfähige Aussagen.

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notknowing 04.02.2015, 14:56
@Oberfrosch

hahaha....! Dein Blutdruck !!! das soll keine Diskussion sein, das is ne Antwort. Eine von vielen mögliche wahren Antworten. Nun, wahrheitswertfähige Aussagen gibt es allenfalls innerhalb des in Dualität denkenden Verstandes. Der Verstand kann Wahrheiten nur Umschreiben. Aber gut: Da wir nicht wissen was nach dem Tod kommt, können wir nicht wissen ob Goethe tot ist oder nur sein Körper. Da alle Zellen nur kurz leben (kürzer als ein Menschenleben) können wir nicht mal sagen, wann das mit dem sterben von Goethes Körper begonnen oder aufgehört hat..... vor allem, wo doch Zeit nur ein Illusion ist ;-) ... du truth-maker du :-) und reg dich bitte nicht wieder so auf. Ansonsten bin ich hier mal weg, Oberfrosch (Ober wie überlegen?) Dein Ton ist mir zu unfreundlich und überheblich. Falls es Dir darum geht Recht (wasimmerdasist) zu haben.... von mir aus: Du bist der klügste. Alles Gute

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Oberfrosch 04.02.2015, 23:51
@notknowing
das soll keine Diskussion sein, das is ne Antwort.

Es ist keine Antwort, da hier ein möglicher Streitfall behauptet wird, der schlicht und einfach unmöglich ist und nur als verfehltes Beispiel aufgebaut wird. Ob der Verstand "in Dualität denkt" -- abgesehen davon, dass ein Verstand aus semantischen Gründen nicht denken kann --, weiß ich nicht. Es gibt sehr attraktive Vorschläge, den "doxastischen Zustand" einer Person mit Graden des Glaubens/Für-Wahr-Haltens zu modellieren (bayesian epistemology, u.a. bei Pearl und Spohn). Allerdings erübrigen sich aufgrund der Sprachlogik Sätze wie "Da wir nicht wissen was nach dem Tod kommt, können wir nicht wissen ob Goethe tot ist oder nur sein Körper.", den hier ist der Tod vorausgesetzt, um aufgrund eben dieser Bedingung angezweifelt zu werden. Ziemlich wirr. Im übrigen habe ich von wahrheitswertfähigen Aussagen gesprochen und nicht, ob eine bestimmte Aussage wahr oder falsch ist. Aber die Beispiele hier sind weder wahrheitswertfähig, noch kann ihnen eine Person auch nur einen degree of belief zuweisen. Hilflos ist auch der Versuch, Zeit als Illusion zu bestimmen. Was soll das sein? Negation des Zeitpfeils? Negation raumzeitlicher Abstände?

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notknowing 05.02.2015, 01:31
@Oberfrosch

Alter Schwede..... was für ein Kopf.... was ne Besserwisserei. Weder Diskutiere ich mit Dir, noch behaupte ich einen möglichen Streitfall.... Alles deine Schlussfolgerungen. Was auch immer du zu wissen glaubst, Denken ist immer dualistisch, der Verstand beweist nur sich selbst und die duale Ebene des Denkens. Klar verwirrt Dich das, nimms nicht persönlich. Auch ein Zeitpfeil ist nur ein Konzept (Gedanke) Niemand hat je etwas anderes erlebt als den Gegenwärtigen Augenblick. Genau Du hast von wahrheitswertfähigen Aussagen gesprochen und mich dazu gedrängt solche hier ab zu liefern. Hallo? schläfst du. Wie kommst du dazu mir zu sagen was ich zu tun habe? Mach du das doch OberstFrosch. Ich hab kein Interesse an deinem Wettkampf. Hilflos sind wir völlig, wenn wir glauben wahrheit innerhalb des denk- und beweisbaren zu finden. Da kannst du so viele Denker zitieren wie du willst. Wenn du zwischendurch noch ein paar englische Begriffe mehr einbauen könntest, finde ich dich richtig kompetent...

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Wahrheit ist ein Wort, das jeder anders benützt. Und meint damit, das, was er für richtig hält. Somit gibt es viele Menschen, viele Ansichten und viele...Wahrheiten. Aber jeder sagt die Wahrheit, nicht meine Wahrheit. Fas ist der springende Punkt.

Hallo musikuss! Gäbe es nur 1 Wahrheit dann gäbe es auch nur 1 Religion.

Gibt aber viele. Ich wünsche Dir ein gutes und schönes Wochenende.

Ich glaube, du verwechselst Meinung(en)/ Ansichten/ Sichtweisen und Wahrheit.

Moral, Gewissen, soziale Verantwortung oder christliche Werte sind Fremdwörter und scheinheiliges Gerede. Jeder ist sich selbst der Nächste. Der Stärkere beutet den Schwächeren aus und der Schwächere den nächst Schwächeren. Eine Teufelsspirale, ein soziales Massaker. Und um einen möglichst hohen Stellenwert zu erlangen ist nur die eigene Wahrheit die Einzige.

weil jeder nun mal seine eigene vorstellung hat oder danach lebt was einen in die wiege gelegt worden ist , deswegen

Sicher kann man verschiedene Ansichten haben, die auch nicht falsch sein müssen.

Aber Wahrheit ist Wahrheit und Lüge ist Lüge.

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