Warum herrscht ein solches Ungleichgewicht zwischen den Rechten der Mieter und Vermieter?

21 Antworten

Warum ist hier der Aufschrei so groß, während es im Gegenzug scheinbar niemanden kümmert, wenn Vermieter durch Mietnomaden teilweise an den Rand des Ruins getrieben werden?

Grundsätzlich wäre es gar kein Problem, die Mieter schnell aus der Wohnung zu bekommen, wenn die Amtsgerichte schneller arbeiten würden.

Hier müssen einfach nur die Kapazitäten aufgestockt werden.

Daher sollte es doch auch rechtlich möglich sein, einen Mieter, der drei Monate in Folge seine Miete nicht bezahlt und dafür keine plausible Erklärung hat, ohne Wenn und Aber und notfalls mit Polizeigewalt aus der Wohnung werfen zu können.

und wer prüft diese plausible Erklärung? Es ist ja der Sinn eines Gerichtsverfahrens, die Ansprüche des Vermieters zu prüfen.

Wer soll dies tun, wenn das Gerichtsverfahren entfällt?

In anderen Ländern geht das ja auch, also was spricht dagegen, das auch in Deutschland so einzuführen?

Zumindest im Gewerbemietrecht gibt es die Option der sogenannten Zwangsvollstreckungsunterwerfung. Hier kann dann tatsächlich eine Räumung ohne Gerichtsverfahren erfolgen.

Das ist Deutschland. Ich habe vor kurzem eine Immobilie verkauft. Den Mietern wurde fristgerecht die Wohnung gekündigt, ausgezogen sind sie allerdings dann erst 5 Monate später, nachdem sie einen Scheck über 15.000 € bekommen haben... 

Wenn du die Mieter raushaben willst um die Immobilie zu verkaufen, kann ich dir nur raten, einen Anwalt einzuschalten. Eine Räumungsklage kann bis zu 3 Jahre dauern, bis sie durch ist. Eine "Umzugshilfe" ist zwar teuer, solltest du jedoch einen Übergabetermin einhalten müssen, da dir sonst Konsequenzen drohen, wäre dies eine bessere Option. 

Wenn du die Mieter raushaben willst um die Immobilie zu verkaufen, kann ich dir nur raten, einen Anwalt einzuschalten.

Mit dieser Begründung kann auch ein Anwalt nichts machen, denn das ist kein Kündigungsgrund. Dass die Mieter da nicht ausgezogen sind, wundert mich nicht. Oder hattest du eine andere Begründung?

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@Zakalwe

Die Wohnung war bereits ein Jahr vorher fristgerecht gekündigt worden. Der Mieter wollte halt nicht ausziehen, da neue Mietverträge nicht mehr für 300€ zu haben sind.

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@Acuaria

Die Wohnung war bereits ein Jahr vorher fristgerecht gekündigt worden.

Mit welcher Begründung denn? Wenn die Begründung war, dass sie verkauft werden soll, dann war die Kündigung unwirksam, denn das ist eben kein anerkannter Kündigungsgrund. Deshalb wollte der Mieter auch nicht ausziehen.

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@Zakalwe

Fristgerecht beinhaltet, dass die Kündigung auch einen triftigen Grund hatte. Welchen, werd ich hier nicht darlegen.

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@Acuaria

Mieter werden mit verkauft.

Als die Vermieterin einer früheren Wohnung von mir verstarb, hatten mich die Käufer des Hauses praktisch mit übernommen.

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Ich kenn das. Es ist eben oftmals günstiger, eine "Ablöse" zu zahlen, bevor man die Mieter noch jahrelang mitziehen muss.

Aber auch die Richter sind da gerne auch auf Mieterseite. Bei einem Arbeitskollegen hatte vor drei Jahren ein Mieter in spe geklagt, dass ihm die Reisekosten zur Besichtigung der Wohnung vom Vermieter erstattet werden, weil er eine andere Wohnung genommen hat.

Jahrtausendhochwasser, Mietshaus soff ab. Der Interessent (Student) wurde informiert, dass die Wohnung nicht mehr zu vermieten ist und dass der Besichtigungstermin in 2 Wochen nicht zustandekommen braucht. Antwort von ihm kam dann per E-Mail, dass er das versteht. Interessent hat seinen Vater dann doch noch hingeschickt. Der Blieb wegen der Entfernung (600 Km) im Hotel, sah sich die abgesoffene Wohnung an und sagte, die kann man ja nicht mehr mieten. Die Reisekosten und die Übernachtung musste der Vermieter dann zahlen. Der Richter hatte so entschieden.

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@qugart

Das mit den Reisekosten ist ja wirklich ein Witz!

Wenn dem Interessenten nachweislich rechtzeitig abgesagt wurde, wie kann ein Richter dann so entscheiden?

Was ist das denn überhaupt für eine komische Regelung mit den Reisekosten? Seit wann ist man als Anbieter einer Wohnung verpflichtet, diese den Mietinteressenten zu erstatten?

Angenommen, es haben 10 Interessenten eine weitere Anreise, dann kann ja trotzdem nur einer die Wohnung letztlich bekommen.

Müssen dann allen anderen ihre Auslagen ersetzt werden?

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Zum einen geht selbst der deutsche Vermieterschutzbund von nur einem echten "Mietnomaden"-Fall auf einige tausend Mietverhältnisse aus. Damit ist das also kein wirklich bedeutendes Problem in unserem Land.

Im Gegenzug steigen aber die Mieten extrem an, während die realen Einkommen stagnieren.

In den Großstädten kann ein normaler Arbeiter nicht mehr wohnen, selbst auf den Dörfern geht mancher Orts bereits weit mehr als ein Drittel der Einkommen nur für die Miete drauf. 75m², 20km von der nächsten Einkaufsmöglichkeit entfernt, 950,- warm. 

Bei einem Nettoeinkommen zwischen 1000-2000 Euro ist da nicht mehr viel Luft für andere Dinge.

Verschlimmert wird die Situation durch eine mitunter künstlich geschaffene Verknappung von Wohnraum seitens der Kommunen.

Das bringt Mieter in eine sehr erpressbare Situation. Vermieter sind hingegen in einer Position, eine knappe Ware zu besitzen, die jeder haben möchte. 

Die Mietpreisbremse bleibt trotzdem auch in einer Neuauflage völlig zahnlos. Da jede Mieterhöhung den örtlichen Durchschnitt anhebt, steigt diese weiter exponentiell.

Und gerade die deutlich höhere mögliche Mieterhöhung bei Neu-Vermietung sorgt dafür, das Langzeitmietverhältnisse für Vermieter gar nicht mehr so interessant sind.

Und gerade die deutlich höhere mögliche Mieterhöhung bei Neu-Vermietung
sorgt dafür, das Langzeitmietverhältnisse für Vermieter gar nicht mehr
so interessant sind.

Jeder Vermieter mit Verstand, dem sein Objekt lieb ist, verzichtet lieber auf Mieterhöhung und behält seine guten Mieter, die das Objekt pfleglich behandeln (so als wäre es ihr Eigentum) und auch kleine Reparaturen selbst vornehmen. Wer als Vermieter natürlich sein Objekt nur als Gelddruckmaschine ansieht, denkt womöglich anders. Die Frage ist, wer am Ende des Tages besser dasteht.

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@DonkeyDerby

Leider sind die Vielzahl der Mietwohnungen im Innerstädtischen Bereich von Investorengruppen gebaut oder betrieben. Denen ist der Mieterstamm egal. Der Profit ist das einzige was zählt. Und diese Wohnungen kann sich kaum ein Mensch leisten. Neu-Ulm! Eine Stadt in der es nichts zu bewundern gibt, 1600 Euro für 60m². Das sind die letzten Neubauobjekte die hier getätigt wurden.

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