Warum heisst es immer etwas ist 'menschlich', um etwas vermeintlich Gutes auszudrücken- aber andererseits bestialisch, um etwas schlecht zu machen?

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3 Antworten

Ausreden letztlich, nichts als Ausreden.
Ist man es selbst, der etwas Böses getan hat, dann war es "menschlich", also ein Versehen ("Kein Mensch ist frei von Sünde" hat mal irgendwann ein selbsternannter Heiland behauptet) bzw. ein Eingeständnis "Ich habe Scheis se gebaut, aber das kann ja auch mal passieren.".
Eine Art Rechtfertigung, die an sich weder Substanz noch nutzen hat und die universalausrede für Alles ist.
Wenn ein priester sich nicht mehr zurückhalten kann und mal ordentlich ran geht, war er auch nur "menschlich" ("Der Wille ist stark, aber das Fleisch war schwach" oder so).

Ist dagegen Jemand Anderes Derjenige, der was böses gemacht hat, dann ist der natürlich die schrecklichste Person überhaupt, darum bestialisch (also nicht menschlich und demnach gibt es auch weder Rechtfertigung noch Gnade für dessen Vergehen).

Sind Hauptsächlich Redewendungen, um das eigene Vergehen klein zu reden und die Untaten anderer Leute groß an den Pranger zu stellen.

Weder das Eine noch das Andere ist gut, kot ist kot, egal wie man es dreht.

Dass gerade die kirche, die diese Redensarten geprägt hat, Diejenige ist, die die Abartigsten Sachen macht , muss man ja wohl nicht sagen, oder?

Lieber über Andere schimpfen, um vom eigenen vergehn abzulenken;
denn schließlich ist kein Mensch "frei von Sünde".

KittyCat2909 27.03.2017, 20:28

Danke. :) so in etwa sehe ich es auch! Aus diesem Grund mag ich es auch nicht, wenn wir Menschen es verwenden, um über uns(er Handeln) hinwegzutäuschen.

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Das gehört zu einer zentralen Vorstellung der dominanten Kultur bzw Zivilisation. Demnach kommt alles Böse im Verhalten eines Menschen aus seiner Natur und alles Gute aus seiner Erziehung bzw Kultivierung.

Diese Kultur ist ein selbsterhaltendes System. Mit der Diffamierung der Natur stellt sie sich selbst und ihre Methoden als unentbehrlich dar. Wenn sie zugeben würde, dass der Mensch von Natur aus gut ist, müsste sie ihr eigenes Wirken gegen die Natur (zB Erziehung ) in Frage stellen und die Möglichkeit in Erwägung ziehen, dass sie selbst das unerwünschte Verhalten hervorbringt.

Näheres siehe:

https://machtnix53.wordpress.com/2009/07/29/kommen-6612937/

latricolore 18.08.2016, 16:44

Dein Text ist wie immer absolut lesenswert. Danke!

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KittyCat2909 18.08.2016, 18:15

Diese Kultur..Wenn sie zugeben würde, dass der Mensch von Natur aus gut ist, müsste sie ihr eigenes Wirken gegen die Natur (zB Erziehung ) in Frage stellen

Das sehe ich anders.

Der Mensch ist prinzipiell von Natur aus böse und schlecht- wobei sicher ein erheblicher Teil, unserer Intelligenz Schuld daran trägt.

Das 'Gute' lässt sich nicht anerziehen- es sind die Ausnahmen Weniger, die so sind.

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Machtnix53 18.08.2016, 18:55
@KittyCat2909

Dabei sind doch eigentlich die Tiere die 'guten'

Der Mensch ist prinzipiell von Natur aus böse und schlecht

Und nur die anderen Tiere sind von Natur aus gut ? Meinst du, die Natur wollte nach vielen 'guten' Tierarten auch mal eine  'böse' Art schaffen?

Wenn jemand auf einem Computer 'böse' Spiele spielt, liegt das an der Hardware? Nein, sondern an der Software, die er installiert hat. Und der Software entspricht die Kultur, nicht die Biologie.

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KittyCat2909 19.08.2016, 21:26
@Machtnix53

Ich denke, dass die Tiere bei weitem nicht so 'schlecht' sind, wie die Menschheit- ja. ^^

Unser 'Problem' ist unser Verstand, der uns dazu macht. Das ist auch der Unterschied zu Tieren.

Nur der Mensch (bis auf Affen) bekriegt sich, mordet,  lügt und betrügt einfach nur aus 'Lust' oder ähnlichen niederen Gründen.

Ich sage nicht, dass Jeder Mensch so ist- jedoch insbesondere in der Wohlstandsgesellschaft finden sich vermehrt diese Exemplare.

Mein eigenes Fazit ist dennoch- der Mensch ist die wahre Bestie- das Monster und nicht die angebliche Bestie- Tiere.

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Weil der Begriff "menschlich" auf verschiedenen Metaebenen verwendet wird. Metaebenen bilden zueinander keinen zwingenden Widerspruch, so wie man es aus der einfachen Ebene der formalen Logik kennt.

KittyCat2909 06.02.2016, 02:53

Trotzdem widerspricht sich das doch.

Die überwiegende Zahl der  Menschen ist eben nicht gut und die überweigende Zahl der Tiere ist es.

So eine übergeorrdnete Sichtweise trifft doch eben nicht zu- das ist ja das, worum es geht. Es müste docjh genau andersherum heissen? ^^

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SpiegelSich 06.02.2016, 03:11
@KittyCat2909

Von der antiken Perspektive ausgehend betrachtet, hättest du Recht. Jedoch hat sich das Denken zumindest einiger Menschen bedeutend weiterentwickelt. Die exakte Erläuterung dessen würde den Rahmen einer schriftlichen Antwort sprengen, wenn du dich wirklich dafür interessierst, kann ich dir die Vorlesungsreihe zur Logik von Prof. Dr. Paul Hoyningen-Huene empfehlen, die man auf Youtube oder ItunesU findet. 

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KittyCat2909 07.02.2016, 12:33
@SpiegelSich

Von der antiken Perspektive ausgehend betrachtet, hättest du Recht

Ist es nicht gerade in der Heutigen Zeit so, dass sowas immer wieder behauptet wird?

Mir wäre neu, dass in der Antike solche Aussagen  gemacht wurden.

Gerade im Heute, stellt der Mensch sich als die 'Überschöpfung' dar- ist er jedoch in real der böse Part und nur selten gut.

Der Mensch hat sich in seiner Arroganz selbst dazu ernannt, sich wegen etwas zu rühmen, was er nie gewesen ist und auch nicht ist.

Dafür werden aber Tiere, als das heruntergewertet, was sie nicht sind. Es sind so gesehen vertauschte Rollen. Seltsam nur, dass keiner bereit ist, die  Ironie und das Paradoxe daran zu erkennen und entsprechend zu handeln. Stattdessen wird immer weiter gelogen und vorgetäuscht.

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