Warum hat Zeitarbeit so einen schlechten Ruf und wie könnte man sie so gestalten, dass alle etwas davon haben?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo zuerst, dann kurz eine Anmerkung zu DerSchoppenhauer, Zeitarbeit gibt es seit Jahrzehnten! Unter der Regierung Schröder (man staune) wurde das "Reglement" gelockert wie z.B. die Überlassungszeiten, die vorher begrenzt war. Aber Ministerin Nahles will ja das Rad der Zeit zurückdrehen und manches rückgängig machen.

Wieso hat die Zeitarbeit so einen schlechten Ruf? Da könnte ich nun schreiben, weil die ZA ein sehr beliebtes Thema bei den Gewerkschaften sind, sehr beliebt bei mancher Presse und TV um hier mit schlecht recherchierten "Fakten" negatives zu schreiben und zu senden. Wieso habe ich noch nie was gelesen oder gesehen wo aus Sicht der Zeitarbeitsfirma ein Beitrag kommt?

Natürlich gibt es schwarze Schafe - die es übrigens in jeder Branche gibt. Denke hier mal an die Firma Schlecker zum Beispiel. Aber viele ZA Firmen arbeiten akkurat und sind sich der Verantwortung sehr wohl bewusst.

Zeitarbeit wird schlecht bezahlt. Querverweis auf die schwarzen Schafe. Es liegt des Öfteren nicht an den ZA Firmen, sondern an den Kunden die zwar super Personal haben wollen aber den ZA Firmen niedrige Verrechnungssätze zahlen. Da die ZA Firmen auch was verdienen müssen, dann nur der Mindestlohn von derzeit 8,80 Euro/Std. gezahlt werden. Übrigens der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 8,50! Dann ab dem 01.06. liegt der Mindestlohn bei 9,00 Euro. Das ist nicht die Welt aber 50 Cent mehr dann als der gesetzliche Mindestlohn.

Ich bin absolut für einen Mindestlohn und bitte gerne auch einen höheren Mindestlohn. Das ist ein guter Hebel um die "Entleiher" zu zwingen einen höheren Verrechnungssatz zu zahlen.

Dann gibt es die sogenannten Branchentarifzuschläge, bedeutet die Leiharbeiter erhalten im Maximum 90% von dem Gehalt, was der fest Angestellte der die selbe Arbeit macht erhält. Das ist so gut wie gleiche Bezahlung. Es werden auch immer mehr Branchen wo dieser Zuschlag eingeführt wird.

Nächster Punkt der immer negativ bewertet wird. "Es wird ja eh nie jemand übernommen, die "Leiher" werden immer nur nach kurzer Zeit wieder weg geschickt..."  Das mag so sein und wenn Frau Nahles sich durchsetzt, wird das verstärkt wieder so sein. Aber tatsächlich gibt es VIELE Zeitarbeiter die lange in einem Einsatz sind. Und es gibt VIELE Zeitarbeiter die ebenso übernommen werden.

Für viele Unternehmen ist die Zeitarbeit mittlerweile eine sehr beliebte Stellenbörse, einen Zeitarbeiter zu ordern kostet erst mal nichts und dann kann man sich den Mitarbeiter/in in Ruhe anschauen und wenn gute Arbeit und Zuverlässigkeit da sind, diejenigen in der Regel kostenlos nach 6 - 9 Monaten übernehmen. Das ist für die Firmen eine günstige Variante.

Final liegt es auch an der Arbeitsweise und Leistung der Zeitarbeiter ob sie übernommen werden oder nicht.

Es gibt nicht nur Nachteile, sondern auch Vorurteile in der Zeitarbeit. Das waren nur zwei Beispiele die ich hier genannt habe! Natürlich muss man immer verbessern aber wo ist das nicht der Fall.

Zeitarbeit wird schlecht bezahlt.

und

die Leiharbeiter erhalten im Maximum 90% von dem Gehalt, was der fest Angestellte der die selbe Arbeit macht erhält

Deine Aussagen als "Experte Zeitarbeitsfirma" irritieren mich etwas.

Entweder unterliegt die Zeitarbeitsfirma einem der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit; dann hat sie ihr eigenes Entgeltungssystem, das niedrigere oder höhere Entgelte vorsehen kann, als sie im Kundenbetrieb gezahlt werden.


Oder
der Leiharbeitnehmer hat - wenn die Zeitarbeitsfirma nicht tarifgebunden ist - im Kundenbetrieb dasjenige an Entgelt zu erhalten, dass vergleichbare Stammarbeitnehmer erhalten; das kann mehr oder weniger Entgelt sein, als wenn der Leiharbeitnehmer einem Tarifvertrag der Zeitarbeitsfirma unterworfen wäre.

Die pauschale Behauptung "Zeitarbeit wird schlecht bezahlt." ist jedenfalls sachlich falsch und auch kein "Privileg" der Zeitarbeitsfirmen (Schlecker wurde ja - nur als eines von zahllosen Beispielen "normaler" Arbeitgeber - bereits genannt).

Ich will die Zeitarbeit wahrhaftig nicht verteidigen, aber Zeitarbeitnehmer, auf die einer der beiden Tarifverträge für die
Zeitarbeit anzuwenden ist, stehen mit den dort vereinbarten
Arbeitsbedingungen (die übrigens auch höhere Urlaubsansprüche als die gesetzlichen und Stundenzuschläge vorsehen) oft besser da als viele Arbeitnehmer bei "normalen" Arbeitgebern!



0
@Familiengerd

Hallo Familiengerd, es gibt die beiden Tarifverträge das ist richtig UND die Branchentarifregelung zusätzlich. Das haben die Verbände (IGZ und EZB) mit dem DGB vereinbart. Das soll Zeitarbeitsmitarbeitern vom Verdienst nahezu gleichstellen. Im Moment sind es 7 Branchen wo dies bereits umgesetzt wird. Ich denke es werden weitere Branchen in den nächsten Jahren folgen. Das ist eine gute Sache!

2

Man könnte Zeitarbeit seriös machen, indem man die staatliche Zwangsvermittlung in diesen Bereich abstellt und auf komplett freiwilliger Basis gestaltet. Dadurch müssten diese Hütten auf die Interessen der Bewerber eingehen (Lohn, Arbeitsbedingungen, Art der Arbeit etc), statt sie unter Druck zu setzen und mehr oder weniger einzuschüchtern. 

Die weißen Schafe kann man in der Branche sehr lange suchen. Nur manche Disponenten und andere Profiteure sind von Zeitarbeit überzeugt, die lassen es sich auf Kosten der niedrig bezahlter Leihkeulen gut gehen.

Warum hat Zeitarbeit so einen schlechten Ruf 

- Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter.

- Ist kein geeigneter Kunde da, wird man ruck zuck gekündigt.

- Versprechen oft sehr viel aber oft werden Sachen nicht eingehalten.

und wie könnte man sie so gestalten, dass alle etwas davon haben?

- Mehr Lohn.

- Entleihbetriebe dazu zwingen, dass sie bei bestimmten Voraussetzungen kein Zeitarbeitsfirmen mehr nehmen dürfen.

Letztlich kann ich mich doch von jedem trennen, also ist das doch auch nur eine scheinbare Sicherheit, oder?

Stimmt, das geht ganz schnell, kein Auftrag da, zwei Wochen bezahlt frei und dann kam die Kündigung.

Genau so sieht es aus! So und nicht anders...

0

- Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter.

Woher weißt Du das?!?!

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Entweder unterliegt die Zeitarbeitsfirma einem der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit; dann hat sie ihr eigenes Entgeltungssystem, das niedrigere oder höhere Entgelte vorsehen kann, als sie im Kundenbetrieb gezahlt werden.

Oder der Leiharbeitnehmer hat - wenn die Zeitarbeitsfirma nicht tarifgebunden ist - im Kundenbetrieb dasjenige an Entgelt zu erhalten, dass vergleichbare Stammarbeitnehmer erhalten; das kann mehr oder weniger Entgelt sein, als wenn der Leiharbeitnehmer einem Tarifvertrag der Zeitarbeitsfirma unterworfen wäre.

Die pauschale Behauptung "Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter." ist sachlich falsch und bloße Polemik (womit ich die Zeitarbeit wahrhaftig nicht verteidigen will!)!

0
@Familiengerd
  1. - Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter.

    Woher weißt Du das?!?!

    Das weiß ich aus mehrfacher persönlicher Erfahrung und weil ich in Betrieben arbeite wo mehrere Zeitarbeitsfirmen eingesetzt werden und ich mit den Kollegen gesprochen habe.

im Kundenbetrieb dasjenige an Entgelt zu erhalten, dass vergleichbare Stammarbeitnehmer erhalten; das kann mehr oder weniger Entgelt sein, als wenn der Leiharbeitnehmer einem Tarifvertrag der Zeitarbeitsfirma unterworfen wäre.

Ich habe z. B. gedeckelten Lohn und darf nur 90% von dem Lohn eines Angestellten verdienen.

Die pauschale Behauptung "Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter." ist sachlich falsch und bloße Polemik (womit ich die Zeitarbeit wahrhaftig nicht verteidigen will!)!

Die pauschale Behauptung "Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter." ist sachlich falsch und bloße Polemik (womit ich die Zeitarbeit wahrhaftig nicht verteidigen will!)!

Du hast Deine Meinung, ich meine Erfahrungen.

Dann formuliere ich es anders:

Die meisten Zeitarbeitsfirmen zahlen schlechter

1
@johnnymcmuff

@ johnnymcmuff:

Was ist hier sage, ist nicht nur meine bloße "Meinung", sondern Referieren dessen, was gesetzlich geboten ist!!

Ich glaube, hier haben wir das Problem von "Recht haben" und "Recht bekommen".

Was Gesetze bestimmen, ist eine Sache, was (viele) Zeitarbeitsfirmen tun, eine andere; ich kann mich nur an das halten, was die Gesetze vorschreiben; sich gegen Verstöße zu wehren, ist Sache der betroffenen Arbeitnehmer.

Nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz AÜG § 9 "Unwirksamkeit" Abs. 2 und § 10 "Rechtsfolgen bei Unwirksamkeit, Pflichten des Arbeitgebers zur Gewährung von Arbeitsbedingungen" Abs. 4 sind Leiharbeitern die gleichen wesentlichen Arbeitsbedingungen (dazu zählt auch das Entgelt) zu gewähren wie den "Stammarbeitnehmern".

Nach § 9 Abs. 2 sind

Vereinbarungen [unwirksam], die für den Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an einen Entleiher schlechtere als die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren
Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts vorsehen [...].

Nach § 10 Abs 4 ist der Verleiher

verpflichtet, dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der
Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren. 

Zu den möglichen Problemen zählt sicher auch, wie bei einer Auseinandersetzung über "equal pay" die Vorgabe der "Vergleichbarkeit" genau bestimmt werden kann

Die Vorschriften über die gleiche Bezahlung gelten nicht, wenn auf den Leiharbeitnehmer einer der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit anzuwenden ist.

0
@Familiengerd

Ich glaube, hier haben wir das Problem von "Recht haben" und "Recht bekommen".

So ist es, es gibt viele Arbeitnehmer  die Ihre Rechte nicht kennen oder halt Angst haben sie einzufordern.

Entweder unterliegt die Zeitarbeitsfirma einem der beiden Tarifverträge für die Zeitarbeit; dann hat sie ihr eigenes Entgeltungssystem, das niedrigere oder höhere Entgelte vorsehen kann, als sie im Kundenbetrieb gezahlt werden.

.

Was wohl in den meisten Fällen niedriger ausfallen wird , oder?

Meine Zeitarbeitsfirma ist tarifgebunden und man muss um jedes extra kämpfen.

0
@johnnymcmuff

Meine Zeitarbeitsfirma ist tarifgebunden und man muss um jedes extra kämpfen.

Dann hast Du allerdings das Problem oder Pech, dass Deine Entgelt niedriger ausfallen wird als das eines Stammarbeitnehmers, wenn das Entgeltniveau im Kundenbetrieb über Deinem Tarifentgelt liegt - wäre es anders herum (niedrigeres Niveau im Kundenbetrieb), hättest Du Glück.

Es wäre wünschenswert - wenn es denn Zeitarbeitsfirmen geben "muss" -, wenn das Entgelt immer in der Höhe des im Kundenbetrieb gezahlten Entgelts läge, mindestens aber in der Höhe des Tarifs der Zeitarbeitsfirma.

0

Was möchtest Du wissen?