Warum hat man noch kein Mammut geklont?

11 Antworten

"Die japanische Kindai Universität hat die DNA der 28.000 Jahre alten Mammut-Mumie "Yuka" in Mäuse-Zellen wieder zum Leben erweckt. Das Stadium der Zellspaltung konnte aber leider noch nicht erreicht werden."

https://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/mammut-dna-in-maeusen-zum-leben-erweckt-forscher-wollen-die-ausgestorbenen-giganten-klonen-clip

Weiß nicht, wie zuverlässig diese Quelle ist, aber es klingt glaubwürdig. Also man arbeitet schon seit 5-10 Jahren ernsthaft daran, aber bisher war das im Video der größte Erfolg.

Das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt technisch nicht möglich. Es stellt sich aber auch die berechtigte Frage, ob man ein Mammut wirklich klonen sollte, nur weil man es kann oder ob man es aufgrund moralischer Bedenken nicht lieber unterlassen sollte.

Um ein Mammut zu klonen, ist zunächst die komplette Erbinformation eines Mammuts notwendig, sein gesamtes Genom. Zwar ist es Forschern 2015 gelungen, das komplette Genom des Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) von zwei unterschiedlich alten Individuen zu sequenzieren und am Computer zu rekonstruieren. Wie ist das den Forschern gelungen?
Wenn man aus den fossilen Überresten von Mammuts die DNA extrahiert, dann ist diese nicht mehr zusammenhängend, sondern sehr stark fragmentiert in viele kleine Bruchstücke. Selbst bei den am besten erhaltenen Überresten von Mammuts von der russischen Wrangel-Insel mit einem Alter von rund 3500 Jahren ist es bislang nicht gelungen, eine komplette intakte DNA zu extrahieren. Weil die einzelnen DNA-Moleküle aber nicht alle an der gleichen Stelle zerbrochen sind, sondern immer wieder an anderen, gibt es Stellen, die bei den Fragmenten überlappen. Nach diesen Überlappungen sucht man und setzt die Fragmente so am Computer Stück für Stück wieder zu einem Ganzen zusammen.

Um ein Mammut zu klonen, wäre aber intakte DNA notwendig. Mit einzelnen Fragmenten lässt sich kein Mammut klonen. Da es bislang nicht gelungen ist, solche intakte DNA zu finden, ist das Klonen eines Mammuts zum aktuellen Zeitpunkt noch Zukunftsmusik.

Es gäbe jedoch eine Alternative zur vollständigen Rekonstruktion intakter Mammut-DNA. Der nächstlebende Verwandte des Mammuts ist der Asiatische Elefant (Elephas maximus) - die beiden sind miteinander sogar näher verwandt als der Asiatische Elefant mit den Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana und Loxodonta cyclotis). Die Evolutionswege von Asiatischen Elefanten und Mammuts haben sich vor gerade einmal 440 000 Jahren getrennt (zum Vergleich: Afrikanische und Asiatische Elefanten gehen seit rund 6 Mio. Jahren getrennte Wege). Das heißt, dass das Erbgut von Asiatischen Elefanten und Mammuts ohnehin zu großen Teilen identisch ist. Man könnte das Problem, intakte und vollständige Mammut-DNA zu finden, einfach dadurch umgehen, das Genom des Asiatischen Elefanten zu nutzen und einfach diejenigen Stellen, die sich bei den beiden Arten unterscheiden, herauszuschneiden und durch Mammut-DNA zu ersetzen. Das molekularbiologische Werkzeug dazu, Gen-Scheren wie die CRISPR/CAS-Methode, gibt es schon. 2015 ist es Forschern der Universität Harvard gelungen, einige Mammut-Gene in das Genom von Elefantenembryonen einzuschleusen. Vor den Forschern stünde aber noch ein riesengroßer Berg Arbeit, denn mit der Veränderung von einigen wenigen Stellen ist es nicht getan. Es müssten wohl mindestens 4 Mio. Unterschiede ausgebügelt werden, zudem ist das Mammut-Genom sehr groß, etwa 50 % größer als das menschliche Genom.

Selbst wenn es gelänge, einen Mammut-Klon zu erzeugen, wäre die Arbeit damit noch lange nicht beendet. Es gibt heute keine Mammutkuh mehr, die einen Mammut-Embryo bis zur Geburtsreife austragen könnte. Man müsste sich also auf die Suche nach einer Leihmutter begeben. Dafür scheint wieder der Asiatische Elefant ein geeigneter Kandidat zu sein. Wäre es möglich, einer Asiatischen Elefantenkuh einen Mammut-Embryo zu implantieren? Nun ja, wir wissen es nicht. Es könnte einerseits sein, dass das Immunsystem der Elefantenkuh den Embryo als fremdartig erkennen würde und es zur Abstoßung des Embryos käme. Andererseits gibt es da noch Motty.
Als Motty, ein kleines Elefantenkalb, am 11. Juli 1978 im Zoo von Chester, England auf die Welt kam, war das eine kleine Sensation. Mottys Mutter Sheba war eine Asiatische Elefantenkuh. Sein Vater aber, der Bulle Jumblino, war ein Afrikanischer Steppenelefant. Motty war der erste und bislang einzige Nachweis einer Hybridisierung zwischen den beiden Elefantenarten. Das hatte man bis dahin für unmöglich gehalten. Denn Asiatische und Afrikanische Elefanten gehören nicht nur verschiedenen Arten, sondern gar verschiedenen Gattungen an. Leider starb Motty bereits nach zehn Tagen vermutlich an einer Jungtierinfektion. Dennoch könnte Motty einen Hinweis darauf geben, dass eine Asiatische Elefantenkuh ein Mammutkalb möglicherweise erfolgreich austragen könnte.
Man müsste für ein derartiges Unterfangen auf die Techniken der künstlichen Reproduktionsmedizin setzen. Die wird heute schon in Zoos bei Elefanten eingesetzt, insbesondere künstliche Besamung wird recht häufig durchgeführt. Es sind aber immer noch technisch extrem aufwändige Prozeduren, die teuer sind und bislang noch nicht in befriedigendem Maße erfolgreich. Erst, wenn diese Verfahren technisch ausgereifter sind und eine höhere Erfolgsquote aufweisen, könnte man darüber nachdenken, sie zum Klonen eines Mammuts einzusetzen.
Gelänge es, einen Mammutembryo in eine Elefantenkuh zu implantieren, hieße es dann erst einmal warten und Daumen drücken. 22 Monate lang ist die Tragzeit bei Elefanten, plus-minus zwei Monate. Damit ist die Tragzeit der Elefanten die längste aller Säugetiere und vermutlich war die Trächtigkeitsdauer bei Mammutkühen ähnlich lang.

Doch schon nach der Geburt ergeben sich weitere Schwierigkeiten. Inwiefern ähnelt die Muttermilch einer Asiatischen Elefantenkuh jener der Mammuts? Könnte ein kleines Mammutkalb damit ernährt werden?
Die künstliche Aufzucht von Elefantenkühen ist extrem heikel. Meines Wissens nach ist es bislang noch nie gelungen, einen Elefanten durch Milchersatzprodukte künstlich aufzuziehen. Wie soll man also ein Mammutkalb ernähren, wenn man noch nicht einmal weiß, aus welchen Bestandteilen und in welchen Anteilen sich die Milch der Mammuts zusammensetzte? Und womit ernährt man ein Mammut, wenn es erst entwöhnt ist? Kann es die heutige Vegetation überhaupt verwerten?

Schließlich muss man sich nicht nur mit der Frage auseinandersetzen, ob man ein Mammut klonen kann, sondern auch, ob man eines klonen soll. Meine Antwort dazu lautet ganz klar: nein!
Die Mammuts sind vor 3500 Jahren ausgestorben. Mit ihnen verschwand auch ihr kompletter Lebensraum, die Mammutsteppe, mit einer einzigartigen und heute nicht mehr vorhandenen Vegetation. Es gäbe für Mammuts heute keinen geeigneten Lebensraum mehr, zudem ist das Mammut vermutlich gar nicht an das heute herrschende Klima angepasst. Der Klimawandel dürfte sein übriges dazu beitragen, dass die Lebensbedingungen für die Mammuts in Zukunft sogar noch schlechter werden würden. Da es heute weder den geeigneten Lebensraum noch die für die Ernährung notwendigen Pflanzen gibt, wäre es schlichtweg Tierquälerei, ein Mammut zu erschaffen und dann unter völlig schlechten Haltungsbedingungen dahinvegetieren zu lassen.
Dazu kommt, dass Mammuts höchstwahrscheinlich ein hochkomplexes Sozialleben hatten. Wenn das Sozialverhalten der Mammuts jenem heutiger Elefanten ähnelt, dann waren es Herdentiere, die matrilinear organisiert waren. Selbst die Elefantenbullen, die zwar kein festes Mitglied einer Herde sind, sind keineswegs Einzelgänger, sondern schließen sich immer wieder für längere Zeit einer Herde an, begleiten sie eine Weile lang und schließen sich dann einer anderen Herde an. Ein einzelnes Mammut ohne Herdenkontakt zu halten wäre demnach in keiner Weise tiergerecht und so ziemlich das Schlimmste, was man einem so sozialen Tier antun könnte.

Sind dann all die Bemühungen um das Wiedererwecken des Mammuts umsonst? Ich glaube nicht. All die Techniken, die man erforscht und entwickelt, könnten auf eine ganz andere Weise hilfreich sein. Nämlich, um solche Tierarten wieder aufzuwecken, die in historischer Zeit durch menschliches Einwirken ausgerottet wurden. Für solche Tierarten gibt es möglicherweise noch geeignete Lebensräume und geschützt in Reservaten könnten sie eine echte zweite Chance erhalten. Man könnte die Technologien auch einsetzen, um heute vom aussterben bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu retten. Laut dem aktuellen Zustandsbericht zur Biodiversität des Weltbiodiversitätsrates von 2019 sind rund 1 Mio. verschiedene Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Wenn es gelänge, nur ein paar dieser Arten durch neue Techniken zu retten, wäre unserer Umwelt und auch uns selbst weit mehr geholfen als durch das Wiedererwecken des Mammuts.

Gegenwärtig bemühen sich u. a. Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin um den Erhalt des Nördlichen Breitmaulnashorns (Ceratotherium simum cottoni). Diese Unterart des Breitmaulnashorns ist in der Natur ausgestorben. Die letzten beiden noch verbliebenen Tiere sind beide Weibchen und wahrscheinlich zu alt, um noch einmal trächtig zu werden. Man bemüht sich derzeit darum, entnommene Eizellen zur Reife zu bringen und mit eingefrorenem Sperma von bereits verstorbenen Nördlichen Breitmaulnashornbullen zu befruchten. Anschließend sollen Südliche Breitmaulnashörner die Embryonen austragen und so die Unterart vielleicht doch noch vor dem ansonsten unvermeidlichen Aussterben gerettet werden. Und vielleicht könnten eines Tages auch wieder Nördliche Breitmaulnashörner durch die Wildnis stapfen. Das Nashorn hat noch eine reelle Chance. Das Mammut hat sie nicht mehr. Es ist ausgestorben und sollte es auch bleiben.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Daphne Sheldrick hat schon vor Jahrzehnten eine Ersatzmilch für Elefantenkälber entwickelt, das wäre gar nicht das Problem. Auch wird man die befürchteten Eizellen oder Embryonen nicht in Elefantenkühe einpflanzen, sondern sich in einer künstlichen Gebärmutter entwickeln lassen. Die Probleme liegen anderswo, nämlich in der langen Generationenfolge der Elefanten (dauert ewig, bis man eine überlebensfähige Population zusammen hat), den fehlenden Vorbildern (gerade hochentwickelte Wirbeltiere müssen viel lernen, Zugvögel wie Störche, Kraniche und Gänse z. B. die Lage ihres Wintergebiet) und die fehlende Nahrung (Mammuts lebten in der Mammutstepoe und ernährten sich überwiegend von Kräutern; mit der durch Klimawandel veränderten Vegetation nahm auch der Bestand der Mammuts ab, den letzten Rest gaben ihnen dann vermutlich unsere Vorfahren.

Ich finde gerade nicht, dassTechniken wie Klonen für die Rückzüchtung von ausgerotteten Arten verwendet werden sollten. Erstens sind das (wenn überhaupt) nur äußerlich die verschwundenen Arten, und man kann diese Techniken dann als Ausrede hernehmen, um den Schutz der Biodiversität zu vernachlässigen ("es gibt jetzt dringendes, das kann man später alles klonen"). Wir haben heute ja so viele überlebenswichtige "Baustellen", die zwar bekannt sind, aber nicht mit dem nötigen Ernst verfolgt werden, da sie teuer sind und in erster Linie mal die Finanzen zählen. Wie ist es sonst zu erklären, dass der brasilianische Regenwald immer schneller zerstört wird (und mit ihm viele noch unbekannte Lebewesen), obwohl er für das Leben auf der Erde eine enorme Rolle spielt?

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@Maximan92

Meines Wissens nach ist es in menschlicher Obhut noch nie gelungen, ein Asiatisches Elefantenkalb künstlich mit Ersatznahrung aufzuziehen. Die Elefantenwaisen, die man in Afrika in Elefantenwaisenhäusern aufzieht, sind schon älter. Wir wissen zudem gar nicht, ob die Zusammensetzung der künstlichen Elefantenmilch der von Mammuts wirklich ähnelt.

Eine künstliche Gebärmutter hat man bis heute auch noch nicht enteickeln können, da ist das Szenario mit einer Leihmutterschaft schon realistischer. Israelischen Forschenden ist es zwar schon gelungen, eineckünstliche Gebärmutter zu entwickeln, in der Mäuseembryos einige Tage lang heranreiften, von einer funktionsfähigen Ersatzgebärmutter ist das aber noch weit entfernt.

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1) Man muss nicht alles realisieren, was wissenschaftlich möglich wäre.

2) Es gab keine Art "Mammut".

3) Die Mammute (Mammuthus) waren eine Gattung der Familie der Elefanten (Elephantidae). Es gab 8 Arten. Betrifft Ihre Frage hier die Art Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius)?

4) Oder meinen Sie eine Art der Gattung Mammut aus der Familie der Mammutiden (Mammutidae)?

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

die Schaffung von Monstren war schon immer eine menschliche Faszination, die ich nicht verstanden habe, von Frankenstein bis zum Rauhaardackel. So ein Mammut hätte heute gar keinen freien Lebensraum, sondern wäre nur in einem Ice Age Erkebnispark zu halten (zusammen mit dem Gesundheitsminister als Sid).

Der Dackel ist das beste Tier überhaupt. Dennoch wurde der Dackel nicht in Bezug auf Ästhetik gezüchtet sondern rein aus praktischen Gründen für die Jagd nach Niederwild.

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@DeinAuswurf

...trotzdem tritt er am häufigsten in der Obhut von Hochhausmietern auf, die ihn wegen seiner Transportfreundlichkeit halten und ggü seiner aggressiven Persönlichkeit hilflos sind.

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Das müsste doch mittlerweile möglich sein?

Nein. Ist es noch nicht.

Ein paar unvollständige DNA-Proben reichen dafür nicht.

Man benötigt eine komplette intakte lebende Stammzelle.

Davon abgesehen, daß es innerhalb weniger Stunden sterben würde, da sein Immunsystem gegen die heutigen Mikroben nicht die geringste Chance hätte.

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