Warum hat man früher behauptet das die Deutschen an den 1. Weltkrieg schuld wahren?

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6 Antworten

Es gibt kein friedliches Einmarschieren. Sobald eine Armee ohne Erlaubnis eine fremde Grenze überschreitet, ist das eine kriegerische Handlung. Zudem hatte Deutschland bereits zwei Tage vor dem Einmarsch in Belgien Russland den Krieg erklärt.

Das Thema Alleinschuld kam aber erst mit den Versailler Vertrag auf. Die Schuldfrage war natürlich auch Basis für die ebenfalls im vertrag festgeschriebenen exorbitanten Reparationsforderungen der Alliierten. Aus heutiger Sicht lässt sich die These der Alleinschuld sicher nicht mehr halten. Das Problem war eigentlich, dass es nur wenige Länder gab, die den Krieg wirklich verhindern wollten. Neben der deutschen Beteiligung  führte die aggressive Diplomatie Österreich-Ungarns, Russlands und Frankreichs am Ende zum Krieg.

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Warum hat man früher behauptet das die Deutschen an den 1. Weltkrieg schuld wahren?
Nach den neusten Informationen wahren die Deutschen ja nicht an den 1. Weltkrieg schuld. Es wahr ja so, das die Deutschen in Belgien friedlich einmarschiert sind und deswegen haben die Englender sich bedroht gefühlt und angegriffen.

Präziser müsste es heißen: dass man den Deutschen die Alleinschuld am Weltkrieg auferlegt hatte, und zwar als Auslegung des Art. 231 des Vertrages von Versailles! Und nur diese "Alleinschuldthese" wird auf der Grundlage des heutigen geschichtswissenschaftlichen Forschungsstandes nicht mehr vertreten, weil andere Länder eine mehr oder weniger große Mitschuld tragen.

"Mitschuld" trugen aus unterschiedlichen Gründen alle kontinentalen Großmächte: das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Russland, Frankreich, auch Großbritannien. Keine dieser Mächte hat eine Politik betrieben, die auf Frieden und Konfliktvermeidung ausgerichtet war. Eine große militärische Auseinandersetzung als Möglichkeit ihres politischen Handelns haben sie niemals ausgeschlossen.

Was nun die "Schuld" an der Auslösung des Krieges betrifft: diese trifft insbesondere Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich. Der Versailler Vertrag hat in Art. 231 den Tatbestand der Kriegsauslösung durchaus präzise erfasst: "... infolge des ihnen [den siegreichen Kriegsgegnern Deutschlands] durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges ..."

Den Krieg begonnen hatte zweifellos Österreich-Ungarn durch seinen Angriff auf Serbien. Diesen Angriff hätten die Österreicher nie gewagt, wenn ihnen nicht zuvor von der deutschen Regierung bedingungslose militärische Unterstützung zugesagt worden wäre, denn sowohl der deutschen wie der österreichischen Regierung war bewusst, dass Russland den Serben militärisch beistehen würde. Als Russland mobilisierte, erklärte ihm das Deutsche Reich den Krieg.

Wegen seiner militärischen Aufmarschpläne (Schlieffen-Plan), der eine Offensive gegen Frankreich und zunächst eine Defensive gegen Russland vorsah, erklärte Deutschland auch Frankreich den Krieg und überfiel aus militärischstrategischen Gründen die neutralen Staaten Luxemburg und Belgien. Gerade in Belgien wurde heftig gekämpft, der deutsche Einmarsch war keineswegs "friedlich"! Der Überfall auf diese Staaten war ein Bruch des Völkerrechts. Außerdem zog Deutschland damit Großbritannien in den Krieg hinein, weil es zu den Garantiemächten Belgiens gehörte. Dieses völkerrechtswidrige deutsche Verhalten war für die Briten die Bestätigung für die gegen Großbritannien gerichtete Aggressivität der umfangreichen deutschen Flottenrüstung vor dem Krieg.

Auch wenn die geschichtswissenschaftliche Forschung herausgearbeitet hat, dass es nie eine zielgerichtete deutsche Planung gegeben hat, ganz Europa militärisch zu unterwerfen oder mit seiner Flotte die britische Seemacht auszuschalten, so wird doch von ihr nicht bestritten, dass die Reichsleitung in den Monaten vor dem Weltkrieg durch unkluges Verhalten in erheblichem Ausmaße dazu beigetragen hat, den Kriegsausbruch zu ermöglichen. Außerdem hat die unflexible deutsche Militärstrategie dazu geführt, dass die Reichsleitung ohne Not erst Frankreich in den Krieg zog und dann, durch den Bruch des Völkerrechts, auch noch Großbritannien.

Nun könnte man fragen, warum die siegreichen Alliierten 1919 nicht auch Österreich-Ungarns Schuld am Weltkrieg berücksichtigt haben? Ganz einfach: der Staat Österreich-Ungarn existierte 1919 nicht mehr. Daher blieb damals Deutschland allein als Schuldiger an der Auslösung der Kriegshandlungen übrig!  

MfG

Arnold





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Das wilheminische Deutschland war halt auch sehr von einem gewissen Militarismus geprägt. Seit 1870/71 das Deutsche Reich in Versailles ausgerufen wurde (für Frankreich eine totale nationale Demütigung), dachten die deutschen Militärs sie wären unbesiegbar. Und Wilhelm II. war diesem Irrglauben auch unterlegen. Frankreich baute dann seine Festungsgürtel aus, was von der deutschen Militärführung völlig unterschätzt wurde.

Dazu kamen verheerende innenpolititsche Fehlentscheidungen - wie zum Beispiel die Absetzung Bismarcks. Der hatte schon früh eingesehen das eine 2-Frontenkonstellation gegen Russland und Frankreich in einem Konfliktfall nicht gut wäre für Deutschland.

Wenn man sich die Geschichte des Vorabends des I. Weltkrieges so anschaut - man kann sich des Eindrucks nicht erwehren das man es gar nicht erwarten konnte - bis es endlich losging. In anderen europäischen Staaten gab es zwar genauso eine Kriegsbegeisterung - aber am Ausbruch des I. Weltkrieges trug das wilhelminische Deutschland die Hauptverantwortung.

Es gab auf deutscher Seite wenig bis gar keine Bemühungen die Konflikte auf diplomatischen Wege zu lösen.

Es gab ja nach dem Weltkrieg auch Bestrebungen Teile der Generalität und auch den deutschen Kaiser wegen der Frage zur Kriegsschuld vor Gericht zu stellen - das ist dann aber weitgehends im Sande verlaufen..

LA

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Kommentar von Modrian
20.08.2016, 12:06

Es gab auf deutscher Seite wenig bis gar keine Bemühungen die Konflikte auf diplomatischen Wege zu lösen. 

Auf anderer Seite gab es noch viel weniger Bemühungen.

Kaiser Wilhelm bspw. ruderte kurz vor Kriegsbeginn heftig zurück, kontaktierte den russischen Zaren und bettelte (man bemerke: Ein Kaiser bettelt), dass er nicht mobil macht, weil er den "Weltkrieg" kommen sah.

Österreich-Ungarn stellte Serbien ein Ultimatum. Ich weiß, dass das so formuliert war, dass Serbien fast gezwungen war, es abzulehnen. Aber wenn man sich vorstellt, dass der Kronfolger einer Monarchie ermordet wurde, ist ein Ultimatum schon sehr freundlich. Noch heute reicht ein Anschlag auf Hochhäuser und angebliche Massenvernichtungswaffen und man erklärt ohne Ultimatum den Krieg.

Auf anderer Seite wurden lediglich stumpf mit Mobilmachungen und Kriegserklärungen reagiert.

Wenn man sich die Geschichte des Vorabends des I. Weltkrieges so
anschaut - man kann sich des Eindrucks nicht erwehren das man es gar
nicht erwarten konnte - bis es endlich losging. In anderen europäischen
Staaten gab es zwar genauso eine Kriegsbegeisterung - aber am Ausbruch
des I. Weltkrieges trug das wilhelminische Deutschland die
Hauptverantwortung.

Richtig und falsch. In allen europäischen Großmächten gab es Kriegsbegeisterung. Allein das zeigt doch schon, dass die anderen Großmächte garantiert nicht viel gegen den Krieg getan haben. Das Einzige was die Regierenden taten war Propaganda verbreiten um eben diese Kriegsbegeisterung zu erzielen.

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Deutschland sicherte Ö-U seine unterstützung eorauf Ö-U Serbien angriff. So sagen manche es ist die schuld Deutschlands andere sagen es ist die Schuld Russlands das es zum Weltkrieg wurde. ... aber es war das einfachste für die die schuld in deitsche Hände zu schieben

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Du, das sind nicht die neuesten Informationen, auch wenn man das uns weismachen will. Schon Lenin hatte 1920 rum geschrieben, dass eigentlich alle Schuld am Ausbruch des WKI hatten. Er sagte. "da fiel eine imperialistische Räuberbande übereinander her." So, und genau diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopp!

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