Warum hat Gott uns erst so spät die 10 Gebote gegeben?

24 Antworten

Menschen gab es schon lange vor Moses. Die Forschung geht aktuell davon aus, dass der Homo sapiens bereits 300.000 Jahre alt ist.

Die Heilsgeschichte kann in verschieden Epochen eingeteilt werden. Die sieben biblischen Heilszeiten sind:

1. Die Zeit der Unschuld (1. Mose 1, 28) von der Schöpfung Adams bis zum Sündenfall

2. Die Zeit des Gewissens (1. Mose 3, 7) vom Sündenfall bis zum Ende der Flut

3. Die Zeit unter der Verwaltung durch den Menschen (1. Mose 8, 15) vom Ende der Flut bis zu Abrahams Berufung

Warum unterscheiden wir diese beiden Zeitalter?

a) Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, da machte Gott ein Zeichen an seine Stirn, damit er nicht getötet würde (1. Mose 4, 15).

b) Nach der Flut jedoch führte Gott die Todesstrafe ein: "Wer Menschenblut vergisst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden (1. Mose 9, 6). Warum dieser Unterschied? Weil inzwischen ein Wechsel der Haushaltung eingetreten war (eine neue Heilszeit).

4. Die Zeit der Verheißung (1. Mose 12, 1ff) von Abrahams Berufung bis zur Gesetzgebung

5. Die Zeit des Gesetzes (2. Mose 19, 1ff) von der Gesetzgebung bis Pfingsten

6. Die Zeit der Gnade bzw. der Gemeinde (Apg.2,1ff) von Pfingsten bis zur Entrückung der Gemeinde

7. Die Zeit des Königreichs (Offenbarung 20, 4) die tausendjährige Regierung Christi auf der Erde

Die Zehn Gebote sind in einem jahrhundertelangen Prozess entstanden und zusammengewachsen. Sie waren anfangs nur eine von mehreren formal wie inhaltlich verwandten Gebotsreihen mit bis zu 12 Geboten, welche die Autoren alle JHWH zuschrieben.

Die älteste bekannte Handschrift zu einem Dekalog, der Papyrus Nash  ist erst um 100 vC entstanden. Dieses Manuskript enthielt noch nicht die in der Thora stehende Formulierung.

Woher ich das weiß:Recherche

Ist denn die alte Formulierung bekannt?

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@Aurina
Ist denn die alte Formulierung bekannt?

Man kennt den masoretischen Text, der ca. 200 Jahre praktisch unverändert überliefert wurde. Dann gibt es die LXX, die Übersetzungen ins Griechische, und die Thora wurde vermutlich um 200 v.Chr. ins Griechische übersetzt. Außerdem haben wir den Text der Samaritaner, die die Thora unabhängig von den Juden überliefert haben (aber keine anderen Bücher des ATs), und schließlich die Schriften von Qumran, unter denen es auch Handschriften der Thora gibt. Etwas weniger wichtig ist die Vulgata, die wohl auch direkt aus dem Hebräischen übersetzt wurde, allerdings erst im 4. Jh.

Aus all diesen Versionen (und einigen weiteren Handschriften, z.B. aus der Kairoer Geniza) haben Experten den ursprünglichen Text der Thora rekonstruiert, und der Papyrus Nash weicht davon ab, z.T. zusammen mit einigen Handschriften der LXX. Wobei bei einem Papyrusblatt, das offensichtlich nicht aus einer Bibelhandschrift stammt, sondern die 10 Gebote und das schma' jisra'el enthält, kleine Abweichungen nicht überraschend sind.

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@helmutwk

Ups, dummer Tippfehler: der masoretische Text ist natürlich 2000 Jahre unverändert überliefert worden.nicht nur 200 Jahre ...

Und da LXX und Sam schon vor dem Papyrus Nash eigenständige Textfassungen waren, ist die Tora (und der rekonstruierte Text) älter als der Papyrus Nash.

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In verschiedenen Heilszeitaltern handelt Gott unterschiedlich und es gelten jeweils andere Regeln (Gesetze, Gebote).

Im Garten Eden gab es nur ein einziges Gebot, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen.

Danach wussten die Menschen, gut und böse zu unterscheiden und hatten ihr Gewissen. In diesem Zeitalter gab es keine Gebote von Gott. Die Menschen hätten aufgrund ihrer Fähigkeiten das Richtige tun können. Doch leider war ihr Verhalten so böse, dass Gott mit Noah nach der Sintflut einen Neuanfang startete.

Noah erhielt dann einige wenige Gebote (nicht töten usw.).

Am Berg Sinai erhielt Mose 613 Gebote, die dem Volk Israel gegeben wurden. Dazu gehören auch die 10 Gebote.

Jesus erfüllte dieses Gesetz und führte es zu seinem Ende bzw. Endziel (Römer 10,4). Deshalb stehen Christen nicht unter diesem Gesetz, sondern unter dem Gesetz des Christus (wie Paulus formuliert).

Aber, wenn Gott doch allwissend ist, hätte er die Entwicklung nicht schon im Vorfeld gekannt? Warum dann so kompliziert?

Was die 10 Gebote betrifft, welche ich zum Großteil nachvollziehen kann, ist mir selbst hier etwas unschlüssig. Zum Beispiel das Gebot "Du sollst nicht lügen", welches im Großen und Ganzen richtig ist, aber eben schwerlich immer in der Praxis anzuwenden. Beispiel: Eine Mutter sagt "Ist mein Baby nicht süß?" und man siehst das anders. Soll man dann sagen " Ich finde dein Baby häßlich"? Wie sehr würde ich mit der Aussage die Mutter in ihren Gefühlen verletzen? Nun könnte man versuchen dieser Frage aus dem Weg zu gehen, doch die Mutter ist nicht dumm und nach erneuter Ausweichung ihrer Frage, wird sie die Antwort kennen, ohne sie erhalten zu haben. Also ist selbst das Nichtlügen Gebot schwerlich einhaltbar und in der Praxis anzuwenden.

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@Aurina

Gott hat den Menschen von Anfang an die freie Wahl der Entscheidung gegeben...

Nach dem Sündenfall im Garten Eden oder der Sintflut hätten die Menschen Gott folgen und Ihm gehorchen können. Das haben aber nur sehr wenige getan...

Das Beispiel von dir ist gut und gar nicht so einfach. Ich würde aus dem Gebot der Nächstenliebe und aus diplomatischer Sicht auch eine Formulierung treffen, die die Gefühle der Mutter nicht verletzt. Ob das dann gegen das Gebot, nicht zu lügen, verstoßen würde, weiß ich nicht genau. Ich vermute aber, dass Gott unser Herz ansieht und bestimmt nicht möchte, dass wir andere Menschen mit anstößiger und übertriebener Ehrlichkeit verletzen.

Vielleicht ist in solchen Situationen Weisheit gefragt und bestimmt auch Sanftmut, Freundlichkeit und eben Liebe (wie das Neue Testament immer wieder fordert).

Nun stehen Christen nicht unter den 10 Geboten, da Jesus das Gesetz des Mose erfüllt und zu seinem Ende bzw. Endziel gebracht hat (Römer 10,4). Trotzdem sollen Christen nicht lügen, das wird im Neuen Testament klar gesagt. Aber besonders die Nächstenliebe wird immer wieder betont. Deshalb darf Ehrlichkeit nicht zu schlimmen Verletzungen führen (Worte können grausamst verletzten), sondern zu Hilfe, zum Segen und zum Guten.

Du hast Recht: Die Gebote Gottes können wir nicht einhalten. Wir verstoßen immer wieder gegen seine heiligen, reinen und gerechten Maßstäbe. Deshalb wären wir eigentlich verloren.

Der Ausweg: Jesus ist im Kreuz zur Vergebung unserer Sünden gestorben. Er trägt unsere Sünden und Gott sieht uns in der Folge als reingewaschen von aller Schuld an. Wir können in weißen Kleidern von seinem Thron stehen, weil Jesus uns unsere Sünden vergeben hat. Das ist doch wunderbar!

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@chrisbyrd

Römer 10,4 stimmt - steht dort. Aber was ist dann mit Matthäus 5,17 ".... ich bin nicht gekommen das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen" ?

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@Aurina

"Gesetz und Propheten" ist ein Begriff für das Alte Testament (den jüdischen Tanach). Das Alte Testament ist nicht weg oder unwichtig, es muss aber in den richtigen Kontext eingeordnet werden. Jesus hat deshalb das AT nicht aufgelöst oder weggewischt, sondern erfüllt (durch seinen Opfertod am Kreuz, durch seine Sündlosigkeit und dadurch, dass Er der verheißene Messias, Gottes Sohn und Gott selbst ist) und diese Erfüllung hat eine große und ewige Bedeutung.

Das wird auch das Volk Israel einmal erkennen (vgl. Sacharja 12,10). Dies wird ein bemerkenswerter Augenblick sein...

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@chrisbyrd

Aber wenn Jahwe der Gott des ATs ist, wie kann dann Jesus der Gott des NTs sein?

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@Aurina

Gott hat es gefallen, sich uns in der Bibel als dreieiniger Gott zu offenbaren (Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist). Bereits im AT gibt es viele Stellen, die dies bezeugen, wie z. B. der messianische Jude Dr. Arnold Fruchtenbaum aufzeigt: http://info2.sermon-online.com/german/ArnoldFruchtenbaum/Die_Dreieinigkeit_Im_Alten_Testament_1997.pdf

Gott ist immer gleich...

Trotzdem kann sich Gott in verschiedenen Heilszeiten unterschiedlich offenbaren und andere Regeln aufstellen (wie ich ja schon geschrieben habe).

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@chrisbyrd

Und warum spricht dann Jesus von einer Zweisamkeit mit Gott anstatt von einer Dreisamkeit mit Gott und dem Heiligen Geist? Ja, steht in der Bibel.

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@chrisbyrd

Jesus sagt auch an keiner Stelle dass es so ist.

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@chrisbyrd

Das sehe ich nicht so, denn Jesus spricht von einer Zweisamkeit mit Gott und nicht von einer Dreisamkeit.

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@Aurina

Die Bibel ist m. E. immer im Kontext zu betrachten. Bibelverse legen sich mit Bibelversen aus. Daraus ergibt sich ein für mich absolut stimmiges und passendes Gesamtbild...

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@chrisbyrd

Das tue ich, denn ich lese die Bibel meistens im Zusammenhang von vorn bis hinten wie jedes andere Buch auch. Nur wenn ich was nachschlagen will, mache ich das anders. Und bisher habe ich die Bibel ca 5 Mal gelesen in den letzten 3 Jahren. Des weiteren in einer Comic Art.

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Ich dachte mir das schon, dass die meisten Antworten Lästerungen sein werden, sah sie mir trotzdem an, ob vielleicht eine gute Antwort dabei ist.

Die Bibel sagt, dass Gott die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt hat - das ist die selbe Aussage, die Paulus macht, wo er sagt, dass das Gewissen quasi das Gesetz Gottes - die Gebote - in unserem Gemüt sind. Wissenschaftler fanden heraus, dass alle Menschen aller Kulturen diesen Stammvorrat an Urteil in sich haben, so dass sie unterscheiden können, was gut und böse ist.

Das Gesetz kam später dazu, um deutlicher zu machen, dass der Mensch im Grunde böse ist und Erlösung braucht:

„Wir wissen aber, dass das Gesetz (die Gebote Gottes) alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt (nur) Erkenntnis der Sünde. Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle [kommt], die glauben. Denn es ist kein Unterschied; denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“

‭‭Römer‬ ‭3:19-24‬ ‭SCH2000‬‬ https://www.bible.com/157/rom.3.19-24.sch2000

Merk dir bitte, dass es in Deutschland keinen Straftatbestand "Gotteslästerung" gibt.

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Die gab es auch vorher schon; im Hinduismus etwa als "Dharma" - bedeutet etwa "gottgefälliges Leben".

Auch hat Lao-Tse ganz deutlich ausgedrückt, wie man leben soll.

In vielen anderen Kulturen gibt es sicher ähnliche, uralte Verhaltensempfehlungen.

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