Warum hat Frankreich und England soviele ehemalige Kolonien in die Selbständigkeit entlassen?

... komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Hallo,

während des zweiten Weltkriegs wurden viele sog. Kolonien Verbündete der Allierten. Danach war es schwer sie weiterhin als "Kolonie" zu behandeln. Manchen Kolonien hatte man auch die Unabhängigkeit versprochen, wenn sie in den Krieg eintreten würden gegen die Mächte der Achse (Deutschland, Italien, usw...). Außerdem die Aufrecherhaltung einer Infrastruktur, sowie einer Verwaltung kam den Kolonialstaaten ziemlich teuer, England insbesondere hatte sich gegenüber den Vereinigten Staaten hoch verschuldet und konnte sein "Empire nicht halten, abgesehen davon, daß es in Indien eine breite pazifizistische Bewegung gab für die Unabhängigkeit. 

Auch nach Kriegsende wurde in England die Rationierung der Lebensmitteln eine Weile fortgeführt.

Emmy


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Von "einfach so" kann überhaupt keine Rede sein. Großbritannien trennte sich nur äußerst widerwillig von der Vorstellung, auf alle Zeiten Kolonialmacht und Imperium zu bleiben. Als Churchill sich in den Frühstadien des zweiten Welktkriegs mit Roosevelt traf, um den Versuch zu unternehmen, die USA mit in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen, hatte er noch ganz klar die Vorstellung von Großbritannien als Seniorpartner, während Roosevelt in seinen privaten Aufzeichnungen seinen Unwillen deutlich machte, US-Soldaten für den britischen Machterhalt in den Kolonien zu opfern. Der ganze Burma-Feldzug und alles...

Vielfach konnten die Kolonien ihre Freiheit nur in langen Bürgerkriegen und Freiheitskämpfen erringen. Und diese profitierten natürlich auch davon, dass das englische Kernland nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich geschwächt danieder lag und andere Sorgen hatte.

Und selbst in den 50-er, 60-er Jahren hatten die Briten keine Probleme damit, einen besonders degenerierten Holocaust an Afrikanern zu verüben, um sich deren Land und Reichtümer einzuverleiben. Kikuyu in Kenya, die sogenannten Mau Mau. Geschätzte 300.000 zivile(!) Todesopfer, und das kaum ein Dutzend Jahre, nachdem sie die Nazis in Nürnberg wegen des seinerzeit eigens neu erfundenen Tatbestands  "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt hatten.

exiledonline.com/wn-day-25-monty-python-burning-kikuyu-skit/

Mehr oder minder so halb freiwillig haben sie größtenteils nur solche Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen, wo sie darauf abzielten, dass weiterhin anglophone britisch-stämmige Weiße das Sagen haben sollten, wie Australien, Kanada und Südafrika.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Doch z.t. lag es auch am unterlegenem Militär der Kolonialherren, siehe Indochina, siehe Algerien, wo die Aufständischen nicht besiegt werden konnten. In Indochina erlitt Frankreich eine vernichtende Niederlage!

Davon mal abgesehen, Kolonien nach den 60-er Jahren noch halten zu wollen, wäre teuer zu stehen gekommen, denn überall in den Kolonien brodelte es. Kolonien sind aber nur interessant, wenn sie Gewinne abwerfen, andernfalls stellen sie ein Verlustgeschäft da, was sich zusehens abzeichnete.

Die Folge: die einstigen Kolonialmächte gingen immer mehr zu einem neokolonialismus über, der ihnen gute Gewinne beschert. Gemeint ist damit, dass man Kompradorenregimes teils schafft, teils unterstützt. Diese Marionettenstaaten haben eine einheimische Machtelite, die mit am Reichtum der Landesschätze beteiligt ist und eng mit den Ex-Kolonialmächten zusammenarbeitet, siehe z.B. Kongo usw.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von andre123
05.11.2015, 12:52

Gewinnbringende Kolonien wie z.B Indien hätten sich sicherlich noch gelohnt, wären aber  militärisch bei einem "Großaufstand" nicht zu halten gewesen. Vom Reputationsverlust in der Weltöffentlichkeit ganz zu schweigen

wirtschaftlich unbedeutendere Länder wie Algerien, die Westafrikanischen Staaten etc. militärisch zu halten  wäre zwar machbar gewesen , aber die Kosten die das verursacht hätte bzw zum Teil hat,  stehen  nicht in Relation zum Gewinn.

Ehemals wichtige Flottenbasen und Versorgungsstationen z. Bsp.  zum Kohle laden für die Kriegsflotte waren durch die geänderte Kriegsführung spätestens nach dem 2WK  eigentl schon nach dem 1 WK  überflüssig geworden.

Die Preise für Kolonialwaren waren so stark gefallen bzw wurden durch Kunstprodukte (bsp Kautschuk) ersetzt, daß es günstiger wurde Sie auf dem Weltmarkt zu kaufen, anstatt in den eigenen Kolonien anzubauen. 

0

Innere Spannungen,moderneres Menschenbild ( Sklaverei Ächtung),Gruppenzwang,andere Staaten entlassen Kolonien in die Selbständigkeit,Beziehungen der Staaten untereinander.Erkenntnis,das sich verschiedene Rassen und Weltanschauungen,Religionen nicht mit den "Mutterländern",Imperien decken,und und und.Eine Erkenntnis,die Deutschland mal beherzigen sollte,bevor man den umgekehrten Fall hier einläuet und das eigene Volk kolonialisiert,gelle? LG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ThomasAral
05.11.2015, 09:53

nein das wars nicht ---- eigentlich war es Folge des 2.WK ... und damit eben doch was ich vorher ausgeschlossen hab:  Militärische Schwäche von England und Frankreich .... anfangs zumindest.  Danach konnte und wollte man da nicht barbarisch wieder in die Steinzeit zurückbomben.

1

Weil der beste Weg Menschen zu kontrollieren istd enen die Illusion von Freiheit zu geben. Heutzutage werden die Kolonien weiterhin kontrolliert und ausgebeutet. Aber auf dem Papier sind sie frei. Das ist nur eine Wandel in der Politik der "Wertestaaten" gewesen. Offen und direkt Länder kolonisiert zu halten war nicht mehr comme il faut. also hat man es auf eine andere Schiene verlegt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Lies mal bitte folgenden Auszug aus dem Wikipediaartikel "Kolonie":

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kolonie#Kolonien\_und\_Dekolonisation


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ThomasAral
05.11.2015, 09:48

ja danke das wars:

a) nach 2.WK, Militär war tatsächlich nicht in der Lage die Kolonien zu kontrollieren -- Hitler hatte denen wohl doch zusehr zugesetzt

b) Kämpfer aus Kolonien haben England und Frankreich geholfen den Krieg zu gewinnen, wurden nun mit Unabhängigkeit belohnt.

c) So zu kämpfen und zu denken wie die Kolonialmächte haben einige Eliten auch während des 2.WK in diesen ehemaligen Kolonien gelernt.

.... also:  2. WK wars .

2

das kann man gut ergoogeln 🙋

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von ThomasAral
05.11.2015, 09:49

war nicht ganz so einfach --- die einfache Antwort ist

2.WK ... aber was genau ... das ist echt schwer zu finden und eigentlich überall etwas anders

1

Weil sich nach den Jahrhunderten des Kolonialismus endlich so etwas wie Vernunft bei den betreffenden Kolonialmächten durchsetzte? Von den Notwendigkeiten mal ganz zu schweigen ... 

Gruß, earnest

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von emily2001
07.11.2015, 17:31

Diese "Vernunftausbruch" war leider von kurzer Dauer... Anstelle der Kolonialherren tummeln sich dort unzählige Konzerne/Firmen, die sich wenig um das Fortkommen/den Wohlstand der ehemaligen Kolonien scheren...

1

Was möchtest Du wissen?