Warum hat der Mond so einen Einfluss auf die Natur?

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4 Antworten

Hallo FckTheSystem,

man muss hier sehr sorgfältig unterscheiden zwischen nachweisbaren echten Einflüssen des Vollmondes und durch psychologische Effekte hervorgerufene "gefühlte Einflüsse", die sich jedoch in Nichts auflösen, sobald man genau nachmisst.

Zunächst einmal: Welche Einflüsse übt der Mond denn nun wirklich aus?

Im Wesentlichen die Schwerkraft, daraus abgeleitet die Gezeitenkraft und etwas Helligkeit.

Die Gezeitenkraft ist eigentlich eine sehr, sehr kleine Kraft. Viel kleiner als man meinen würde...

Gezeitenkraft ist der Unterschied der Schwerkraft, die ein Körper auf uns ausübt zu beiden Seiten unseres Körpers: Die Schwerkraft nimmt ja mit dem Quadrat des Abstandes von einer Masse ab.

Der Mond ist durchschnittlich 384 000 km von der Erde entfernt. Steht er direkt über uns, so macht uns seine Schwerkraft rund ein 300 000stel leichter, denn sie wirkt der Anziehungskraft der Erde entgegen. Steht der Mond am Horizont, dann verschwindet dieser Einfluss.

Wirklich spürbar ist dieser Schwerkraftunterschied nicht. Wir werden auch ein 300 000stel leichter, wenn wir vom Erdgeschoss in den dritten oder vierten Stock gehen oder sogar noch mehr, wenn wir auf einen Berg steigen.

Die Gezeitenkraft des Mondes auf Dich ist noch viel, viel geringer: Sie beträgt den Unterschied der Anziehungskraft des 384000 km entfernten Mondes zu beiden Seiten Deines Körpers - also rund 2 Meter weiter. Diese Gezeitenkraft zieht an Dir etwa mit der Wucht des Gewichtes einer einzigen Zelle Deines Körpers...

Man sollte sich hier klar machen, dass JEDE Masse auf uns Anziehungskraft und Gezeitenkraft ausübt. Wenn Du neben dem Eiffelturm stehst, dann übt dieser die 1600 fache Gezeitenkraft auf Dich aus wie der Mond am Himmel. Ein Mensch, der nahe neben Dir steht (man denke an den Frisör beim Haareschneiden), übt mehr als die 80 000fache Gezeitenkraft auf Dich aus wie der Mond.

Dass diese schwache Kraft beeindruckende Gezeiten hervorruft, liegt einerseits daran, dass der Erddurchmesser mit über 12 000 km "etwas" größer ist als Dein Durchmesser. Auf diese Entfernung variiert die Anziehungskraft des Mondes um knapp 7%, was eben schon einen gewissen Unterschied ausmacht. Und andererseits folgen dieser immer noch winzigen Kraft einfach enorme Wassermassen: Wenn Du darüber nachdenkst, wie viele Liter Wasser so in den Ozeanen dieser Kraft folgen, der Flutberg auf dem offenen Meer aber gerade mal rund einen halben Meter beträgt, dann macht das vielleicht ebenfalls deutlich, dass die auslösende Kraft sehr klein ist. Beeindruckend werden Ebbe und Flut erst in Küstennähe, wo einlaufende und auslaufende Wellen durch die Becken der Küsten verstärkt werden.

Die Anziehungskraft des Mondes variiert nicht mit der Mondphase. Der Mond ist immer gleich schwer und sein Abstand (Elliptische Umlaufbahn) variiert mit einer anderen Periode als die Mondphase. Unterschiede ergeben sich im Zusammenspiel der Gezeitenkräfte von Mond und Sonne, die bei manchen Mondphasen einander verstärken.

Mit der Mondphase variiert nur die Helligkeit des Mondes von der Erde aus gesehen. Bei Vollmond wird einfach mehr Licht in Richtung Erde reflektiert.

Alle natürlichen Rhythmen (Gezeiten, Paarung einiger Tierarten,...), die in etwa mit der Mondphase variieren, gehen entweder auf die Helligkeit zurück (auf dem offenen Meer ist der Vollmond als Lichtquelle ohne Konkurrenz), auf die Gezeitenkräfte - oder hängen (sehr oft sogar) nur indirekt mit dem Mond zusammen und variieren vielmehr mit den Gezeitenströmen selbst.

Einflüsse des Mondes auf den Menschen, sind kultureller Natur. Der Mond hat unseren Kalender und unsere mystischen Vorstellungen beeinflusst. Dies - und leider nicht selten mangelnde Physikkenntnisse - machen ihn "verdächtig", wenn irgendetwas Ungewöhnliches passiert.

Zu Unrecht: ALLE(!) dem Mond nachgesagten mystischen Einflüsse auf den Menschen halten einem genauen Nachzählen nicht stand. Weder werden bei Vollmond mehr Kinder geboren (widerlegt durch große Studien an über 4,7 Millionen Geburten über 3 Jahrzehnte hinweg), noch ereignen sich dann mehr Gewalttaten (widerlegt durch Studien an über 80 000 Notrufen), noch ergeben sich mehr Komplikationen nach Operationen (Du ahnst es: widerlegt durch Studien, die mehrere Tausend OPs auswerteten), noch schläft man wirklich schlechter. Während hier einzelne kleine (und statistisch anfällige) Studien Effekte im Minutenbereich zu sehen glaubten (wobei 5 Minuten weniger Schlaf eigentlich offensichtlich keiner durchwachten Nacht entspricht), ergeben große Studien mit tausenden von Teilnehmern absolut keine Unterschiede zwischen den Mondphasen.

Trotzdem sagt ungefähr ein Drittel der Befragten felsenfest, bei Vollmond schlechter zu schlafen oder gereizter zu sein oder...

Dass das so ist, das liegt aber nicht am Mond, sondern an der Art, wie unser Erinnerungsvermögen derartige Ereignisse abspeichert. Ähnlich wie bei optischen Täuschungen unterliegen wir hier sehr leicht dem Eindruck einer Häufung, wenn uns nur immer wieder einmal der Vollmond auffällt, wenn wir nicht gut schlafen.


Bei seltenen, aber auffälligen Ereignissen - wie zum Beispiel einer schlaflosen Nacht - suchen wir nach einem Grund. Nur: Da können eben sehr viele Gründe dafür in Frage kommen. Und prompt passiert es nur allzu leicht, dass unser Gehirn nach dem erstbesten Grund greift, der uns ins Auge fällt. Und das ist - wenn er zufällig gerade am Himmel steht - der Vollmond.

Der Vollmond bietet eine wunderbare Erklärung für schlechten Schlaf, weil das so schön unpersönlich ist. Das mag unser Unterbewusstsein. Man muss dann kein schlechtes Gewissen haben, weil man zu spät noch gegessen hat, zu spät noch aufregende PC-Spiele gemacht hat oder spannende Filme gesehen hat; weil man zu unregelmäßigen Zeiten ins Bett geht oder sich Stress gemacht hat,... oder was auch immer in diese Richtung.


Nein: Der Vollmond, der ist ist ein praktischer Sündenbock. Besonders, weil er in ein paar Tagen nicht mehr voll sein wird. Ihn zu beschuldigen, bedeutet also, dass wir unsgleichzeitig die Hoffnung verschaffen, dass sich das Problem innerhalb weniger Tage von selber löst. Wir müssen also nicht unsere Gewohnheiten ändern - nein! Der Schlafforscher Jürgen Zulley beschreibt das sehr treffend: "beruhigter „schlecht schlafen“". (Quelle http://www.zulley.de/dokumente/vollmond.html)


Jeder schläft mal schlecht. Nur: Steht der Vollmond gerade nicht am Himmel, dann erinnern wir dies nicht in Zusammenhang mit dem Mond. Auch Vollmondnächte, in denen wir bestens schlafen, vergessen wir einfach.Psychologen nennen das den Bestätigungsfehler.

Eine Freundin von mir sagt zum Beispiel immer, wenn sie genervt ist: "Ich bin so reizbar heute, es muss Vollmond sein". Ich habe etwas darauf geachtet: Sie sagt es bei absolut jeder Mondphase... Nur: Dadurch, dass sie es sich so sagt, stellt sie immer wieder selbst den Zusammenhang her - und wird es dann so erinnern.


Wer erst einmal den Mond in Verdacht hat, am schlechten Schlaf schuld zu sein, der erwartet auch, bei Vollmond schlecht zu schlafen. Das macht angespannter. Wer erwartet, schlecht zu schlafen, der schläft auch schlecht - einfach deshalb. Der Mond kann nichts dafür.

"The Fault lies in us, not in the world" (Shakespeare)

Ganz ausführlich habe ich die psychologischen Einflüsse, die hier eine Rolle spielen, einmal in dieser alten Antwort beschrieben:

https://www.gutefrage.net/frage/schlafwandeln-bei-vollmond-?foundIn=unknown\_listing


Bei Interesse kannst Du ja einmal rüber schauen.

Grüße

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Kommentar von reblaus53
29.06.2016, 13:39

Wow, das nenne ich mal eine umfassende Antwort!

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Hat er das wirklich?

Alle seriösen Untersuchungen zeigen genau das Gegenteil.

Das Einzuige, was wirklich bleibt, ist Ebbe und Flut.

Menschen, die behaupten bei Vollmond und/oder Neumonmd schlecht zu schlafen, verlieren diese "Begabung" regelmäßig immer dann, wenn sie im Schlaaflabor untersucht werden. Also wenn sie nicht wissen, ob gerade Vollmond oder Neumond oder Halbmond ist, dann hat der Mond absolut keinen Einfluss mehr auf deren Schlafqualität.

Der Effekt ist als gute, systematische Selbsttäuschung bekannt. Der Mensch sucht nach Erklärungen und nach Mustern, und nimmt den Mond - der wirklich nichts dafür kann - als Ursache.

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Dass der Mond Ebbe und Flut beeinflusst, hat einfach mit den Newtonschen Gravitationsgesetzen zu tun. Das ist Physik und unstrittig. Dass man bei Vollmond schlecht schläft (ich eingeschlossen) hat eher etwas mit der Wahrnehmung zu tun: Wenn man schlecht schläft und aus dem Fenster schaut und da hängt am Himmel ein fetter Vollmond, erinnert man sich daran einfach besser als an eine finstere Neumond-Nacht.

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Der Mond beeinflusst durch seine Anziehungskraft

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