Warum hat Britannien Hess' Friedensangebot nicht angenommen?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo fred123123!

Deine Frage lässt sich leicht beantworten. Churchill wusste das ein Friedensschluss mit Deutschland, dessen Vorherrschaft auf den Kontinent defacto vertraglich sicherstellen würde. Deutschland würde unangefochten den Kontinent kontrollieren, nachdem es Frankreich 1940 vollständig besiegt hatte. Das war ein Schlag von dem Frankreich sich nie wieder erholen sollte und auch bei einem erfolgreichen Friedensabschluss hätte Frankreich sich davon nicht erholt. Vielleicht hätte Frankreich durchaus erneut das Potential gehabt Deutschland herauszufordern, aber dessen Wille war gebrochen, ihre Armee in 6 Wochen mit "Leichtigkeit" besiegt. Die Grand Nation war am Boden und hatte nicht den Willen wieder aufzustehen.

Damit hätte Deutschland nun die Macht, die Geschicke des Kontinents zu kontrollieren und alles was Großbritannien hätte tun können ist zuschauen, da Frankreich nun nicht mehr als Rivale Deutschlands bereitstand. Das war die Horrorvorstellung der britischen Außenpolitik: Eine Macht kontrolliert gesamt Kontinentaleuropa. Denn die Briten wussten, sollte jemals eine Macht die Vorherrschaft auf dem Kontinent erlangen, so war die Position Großbritanniens selbst gefährdet. Denn trotz ihres riesigen Imperiums, hätten sie nicht die Macht besessen eine solche Macht zu kontrollieren, einzudämmen. Kurz ein Land welches Europa alleine kontrolliert, hätte die "Weltherrschaft" Großbritanniens gefährden können und das galt es zuverhindern.

Also hat Churchill den Friedensvorschlag von Heß abgelehnt bzw. ignoriert,  denn Churchill wusste ebenso, auch wenn Deutschland Frankreich besiegt hatte und vorerst die Vorherrschaft auf den Kontinent besaß, eine Internationalisierung des Krieges würde unweigerlich zur Niederlage Deutschlands führen müssen. Heißt: Sollten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in den Krieg eintreten, auf Seiten Großbritanniens gegen Deutschland, so hätte das unweigerlich dessen Niederlage zur Folge. Und das eine weitere Ausweitung des Krieges unweigerlich bevorstand, wusste Churchill. Also war alles was er tun musste, jeden Friedensvorschlag Deutschlands abzulehnen, bis der Krieg die Dimensionen erreicht hatte die unweigerlich zu Deutschlands Niederlage führen müsste.

MfG Müller

Danke für deine Antwort. War mit Abstand die Auskunftsreichste!

Kannst du kurz hier drauf eingehen? ""Weltherrschaft" Großbritanniens"
Was ist damit gemeint? Eine "Weltherrschaft" ist Britanien doch spätestens seit dem 18. Jahrhundert sowieso nicht mehr gewesen. Die Rolle haben da in der westlichen Welt doch schon lange die USA übernommen oder nicht?

Und wieso hat niemand den Vorschlag gebracht, dass England mit Deutschland zusammen gegen die Sovietunion kämpft? Das wäre in beider Interesse gewesen.

Dazu bin ich übrigens auf folgendes gestoßen:

http://www.telegraph.co.uk/history/10336126/Nazis-offered-to-leave-western-Europe-in-exchange-for-free-hand-to-attack-USSR.html

Da geht es um ein Buch eines Historikers (Peter Padfield), in dem er behauptet Dokumente gefunden zu haben, welche beweisen, dass Hess vorgeschlagen hat, dass Deutschland in den Osten "evakuiert" werden würde im Gegenzug für den Frieden mit England. Das würde natürlich die ganze These von dir über den Haufen schmeißen, da eine Herrschaft über Kontinentaleuropa seitens Deutschland dann überhaupt nicht existiert hätte, da Deutschland das heutige Russland wäre.
Mit Namen genannt wird die Person, die diese Dokumente für Padfield zugänglich gemacht hat jedoch leider nicht in dem Buch.

Was hälst du davon? Denkbar dass da was dran ist oder schwachsinn, den Padfield sich ausgemalt hat?

0
@fred123123

Hallo fred123123!

Richtig ist der Unabhängigkeitskrieg von 1775-1783 hat zur Unabhängigkeit der 13 Kolonien geführt die sich fortan die "Vereinigten Staaten von Amerika " nannten. Das hat die Position Großbritanniens in Nordamerika geschwächt, das heutige Kanada blieb jedoch loyal zur Krone und war weiterhin bestandteil des Britischen Imperiums.  Die USA besiedelten zwar bis 1900 fast vollständig Nordamerika, bis zu den heutigen Grenzen, besaßen eine relativ große Wirtschaft und Flotte blieben dabei  jedoch allenfalls eine weltpolitische Randerscheinung. Die Weltpolitik spielte sich in Europa ab.  Großbritannien verleibte sich  im laufe des 18 und 19 Jahrhunderts große Teile von Afrika, ganz Australien/Neuseeland sowieso Indien ein. Die größte Ausdehnung hatte das britische Weltreich nach dem 1 Weltkrieg, mit der Annektierung der deutschen Kolonien und der Übernahme der Verwaltung von Palästina und des Iraks durch britische Behörden.  Der Aufstieg der USA zur Weltmacht fand erst nach dem 2 Weltkrieg stand, vorher war die USA politisch durch den Isolationismus  geprägt und hielt sich abgesehen von dem Intermezzo im 1 Weltkrieg aus der Weltpolitik heraus und beschäftigte sich größtenteils mit sich selbst.

Eine "Evakuierung" oder verschiebung  des deutschen Volkes vollständig auf das Gebiet "Russlands"  stand nie zur Position und steht so auch nicht in dem von dir verlinkten Link, jedenfalls konnte ich davon nichts lesen. Richtig ist jedoch das Großbritannien stets der Wunschbündnisspartner der deutschen Außenpolitik war und man sich gewünscht hätte, Großbritannien würde Frieden mit Deutschland schließen damit dieses sich vollständig auf die Beseitigung des Bolschewismuses konzentrieren könnte.

Auch wenn es richtig ist, dass die Sowjetunion auf langer sicht die größte Gefahr für das Empire darstellte, war die britische Außenpolitik auf Deutschland als Hauptkonkurrent fokusiert und blind für die Gefahr die langfristig von der UdSSR ausging. Man wollte unbedingt in Deutschland eine Gefahr für das Empire sehen und war dadurch Blind für den Aufstieg der USA und der UdSSR, die wirklich Willens und in der Lage waren, das britische Empire als vorherrchte Macht in der Welt abzulösen. In diesem Sinne war man bereit alles zutun um den Konkurrent "Deutschland" auszuschalten, man hatte sich in einer Situation manöviert in der man entweder mit Deutschland frieden schließen oder aber eine absolute Internationalisierung des Konfliktes anstreben musste um Deutschland endgültig zu besiegen. Für was sich Churchill entschieden hat ist bekannt und damit hat er das Ende des Britischen Imperiums besiegelt. Nicht sehr schlau in Hinblick auf den Erhalt des Empires, aber eins war erreicht, Deutschland war besiegt, besetzt und nicht mehr fähig frei über sein Schicksal zu entscheiden.

MfG Müller


0
@MaxMuller

Hätte es denn etwas an Britaniens Machtposition geändert, wenn sie nicht mit Deutschland in den Krieg gegangen wären?

Ich meine, die USA und die UdSSR waren doch trotzdem unabhängig von Britanien. Ihr Aufstieg wäre doch in jedem Fall geschehen.
Das einzige was die USA und die UdSSR aufhalten hätte können wäre ein Krieg gegen diese oder nicht? Aber dass Britanien das getan hätte ist doch sowieso sehr undenkbar. Also war doch der Aufstieg dieser beiden Länder schon ziemlich besiegelt, egal was Churchill getan hätte.

Wegen der Verschiebung des Deutschen Volkes nach Russland. Steht doch schon direkt in der Überschrift ganz klar: "offered to leave western Europe"

"But Peter Padfield, an historian, has uncovered evidence he says shows
that, Hess, the deputy Fuhrer, brought with him from Hitler, a detailed
peace treaty, under which the Nazis would withdraw from western Europe,
in exchange for British neutrality over the imminent attack on Russia."

0
@fred123123

Der Aufstieg der UdSSR fand allein durch den Weltkrieg statt! Sicher hätte sie so oder so versucht ihre Weltposition zu verstärken, aber einen Krieg alleine gegen Deutschland hätte die Sowjetunion nicht durchgestanden! Siehe Land-Lease Lieferungen an die Sowjetunion!

Gemeint ist damit nicht die Umsiedlung des deutschen Volkes sondern der Abzug der deutschen Besatzungstruppen aus Frankreich,Belgien, den Niederlanden, Norwegen und Dänemark!

Zur USA ist zu sagen, dass sie wie gesagt sehr isolationistisch waren und vor dem Weltkrieg keinerlei Interresse für die Weltpolitik zeigten. Jedenfalls war es die vorherrchte öffentliche Meinung der amerikanischen Bevölkerung sich eigentlich aus europäischen Konflikten raus zuhalten. Über kurz oder lang hätte sie natürlich eine Großmacht Stellung ereicht. Das Problem ist vielmehr das der Weltkrieg Großbritannien als solches geschwächt hat bzw. dessen Schwäche offenbart hat! Was die unterdruckten Kolonialvölker natürlich, vorallem die Inder, ausgenutzt haben um schlussendlich, unter Druck der UdSSR und der USA ihre Unabhängigkeit zu verlangen. Ohne den Weltkrieg und den Aufstieg der UdSSR und der USA zu Weltmächten, Stichwort Kalter Krieg, hätte Großbritannien sein Kolonialreich nicht oder nicht so schnell verlieren müssen wie es Schlussendlich sie verloren hat.

MfG Müller

0

Hallo

Die damals aktuelle Weltlage war entscheidend. 

Deutschland hatte gerade Frankreich geschlagen, und eine Invasion auf Grossbrittanien schien denkbar. Das hatte für einen Friedensschluss gesprochen, doch es gab auch wichtige Elemente dagegen. 

Einerseits hatte Grossbrittanien ein riesiges Kolonialreich, aus dem Sie Ressourcen beziehen konnten. Rund ein Viertel der Weltbevölkerung lebte damals unter britischer Herrschaft. 

Zudem war das Friedensangebot nicht mit dem Diktator abgesprochen (wird mein Kommentar gelöscht, wenn ich seinen Namen nenne?). Der Diktator selbst hatte GB bereits zuvor mehrere Friedensangebote gemacht. GB hatte diese jedoch bereits da abgelehnt. 

Ich hoffe ich konnte dir helfen.  

LG

Seit einiger Zeit kann man den Namen des Mannes aus Braunau hier ausschreiben. ^^

1

Vielen Dank für die Info :) Wir sprechen schon von Braunau am Inn? ;)

0

Erstens war Hess nicht autorisiert, um Verhandlungen zu führen. Der Mann war ja halbverrückt.

Und es konnte keine Friedens*verhandlungen* geben, sondern nur die vollständige Kapitulation von Deutschland. Wie hätten denn die Verhandlugsforderungen von den Nazis ausgesehen? Hitler bleibt unser Führer, wir bringen weiterhin Juden um?

Kaum. Die Nazis mussten weg, und das ging nur durch bedingungslose Kapitulation. Da gab es nicht zu verhandeln.

Woran machst du fest, dass Hess "halbverrückt" war? An irgendwelchen offiziellen psychologischen Untersuchungen oder an deinem subjektiven Empfinden? Wenn es da offizielle Untersuchungen zu gibt, kannst du die kurz nennen?

1941 hat der Holocaust noch überhaupt nicht begonnen. Die Wannseekonferenz fand erst 1942 statt. Von daher steht das "wir bringen weiterhin Juden um?" -Argument auch außen vor. Man könnte da jetzt sogar noch weiter gehen und spekulieren ob diese Morde bei einem Frieden mit dem Westen eventuell gar nicht passiert wären, da es keine Rationsprobleme etc. gegeben hätte und man die finanziellen und logistischen Mittel gehabt hätte die Deportationen tatsächlich durchzuführen. Aber das steht natürlich in den Sternen und wäre reine Spekulation.

Das Sachverhältnis zu diesem Zeitpunkt war grob gesagt ganz einfach, dass Hitler Frankreich und den Westen Polens erobert hat. Das wars. Da war noch nichts mit Operation Barbarossa oder Holocaust.

0

Gilt die Biographie "Vita Karoli Magni", die Einhard über Karl den Großen geschrieben hat, als (Primär-)Quelle?

Ich muss einen Vortag über den Gelehrtenkreis um Karls des Großen halten. Es gibt wohl 3 Gelehrte, die am wichtigsten sind: Alkuin, Theodulf und Einhard. Der Letztere hat wohl die "Vita Karola Magni" über Karl den Großen geschrieben. Nun habe ich diese Vita als Buch gefunden im Reclam-Verlag von Firchow, (in Deutsch und Latein). Da ich zu meinem Thema Gelehrtenkreis um Karl den Großen auch die Quellenlage beschreiben muss, bin ich ehrlich gesagt etwas überfragt. Könnte ich denn lediglich diese Quelle, falls es eine ist, nehmen und evtl. vorstellen (z.B. Auszug).

Mein Problem ist vielleicht auch, dass ich nicht weiß, wo ich die Quellen finden soll oder wie ich sie vorstellen soll oder in welchem Umfang ich was finden kann oder was ich explizit in Bezug auf passende Quellen oder Quellenlage zu diesem Thema beitragen finden könnte.. ach ich weiß auch nicht.

Lasst euch bitte nicht von meinem letzten Absatz abschrecken: Er soll meine Unwissenheit, Ideenlosigkeit und Hilfebedürftigkeit in Bezug auf Quellen signalisieren.. :-))))

Gibt es Historiker zwischen euch, die mir evtl. weiterhelfen könnten?

Ich wäre wirklich froh über jeden hilfreichen Beitrag. Danke!!!

Viele Grüße Lisa

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?