Warum hat Bismarck Napoleon III. zum Krieg provoziert?

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6 Antworten

Preußen war die führende Kraft im norddeutschen Bund und mit Abstand am modernsten und stärksten, wirtschaftlich und militärisch. Die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ließen die deutschen Staaten immer enger zusammenarbeiten und die Vielstaaltlichkeit war ein zunehmender Anachronismus. Die Zeit war reif und es bedurfte nur noch eines genügend starken Anstoßes.

Der Krieg gegen Frankreich bot die Chance, die Vorbehalte gegen einen deutschen Nationalstaat in den süddeutschen Staaten aus dem Weg zu räumen.

Die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen wurde als Akt französischer Aggression wahrgenommen, die vorhandenen Schutz- und Trutzbündnisse und die nationale Stimmung auch in Süddeutschland ließen den dortigen Landesherrn keine andere Wahl, als an Preußens Seite zu marschieren.

Napoleon hatte sich verrechnet, nicht nur was die Stärke und Organisation der preußischen Armee, sondern auch was den Kriegseintritt der süddeutschen Länder betrifft.

So ist das nun einmal, der Druck von außen schweißt innen zusammen, vor allem dann, wenn schon alles bereit und reif ist.

Hei, Hallgrimur, weil er hoffe, und das gelang ihm ja, durch den Krieg die deutschen Könige zur Einigkeit zu bewegen. Schließlich war ein deutscher Staat, nämlich Preußen, durch den Krieg in Bedrängnis geraten, so dass alle anderen deutschen Staaten ihm zur Hilfe kamen, um den gemeinsamen "Erzfeind" zu verprügeln. Es ging also um die Gründung des deutschen Kaiserreichs unter Führung Preußens und des preußischen Königs Wilhelm I. Elsass-Lothringen war dabei nur eine Art Kriegsbeute, weil Verlierer immer Kriegskosten ( = Reparationen) zahlen mussten. (Nach dem Weltkrieg I musste Deutschland zahlen). Und so. Grüße!

Das würde bedeuten dass der deutsche Nationalstaat auf einer sehr zweifelhaften Grundlage steht. Kann es sein, dass diese Ambivalenz (eine Sprache, aber auf verbrecherische Weise zusammengebracht) die deutschen Identitätsprobleme erklärt?

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@Hallgrimur

Hei, Hallgrimur, "verbrecherisch" möchte ich nicht sagen, sondern auf Ruenbezahl und PeVau verweisen. Die Deutschen haben dann ja in der Mehrzahl das große einige Reich begrüßt.

Die Kleinteiligkeit der deutschen Landschaften hatte es m.E. zur Folge, dass sich dort eine Vielzahl von Völkerschaften etablierte, die eigenständige Sprach- und Kulturgewohnheiten entwickelten. Ob Badenser, ob Ostfriesen, ob Thüringer, Westfalen, Rheinländer, Franken, Bayern -- alle haben ihre eigenen Identitäten und pflegten und kultivierten sie zum Teil - trotz der großen Bevölkerungsmischung. Oder so. Grüße!

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Es gab dabei 2 ziele, das erste war es deutschland unter der preusischen vorherrschaft zu einen, das zweite war die franzosen als konkurrent ein für alle mal auszuschalten um die hegemonie auf dem europäischen kontinent auf das preußen/deutsche reich übergehen zu lassen. Später war bismarcks bündnisspolitik davon gekennzeichnet frankreich zu isolieren! Lg

Man könnte auch fragen, warum Frankreich (Napoleon III.)  eine absolut harmlose Nachricht zum Anlass genommen hat, um sich provoziert zu fühlen und einen Krieg gegen Preußen zu beginnen, den es dann verloren hat. Man könnte auch fragen, warum Frankreich (Napoleon III.) fünf Jahre vorher, im Jahr 1866, Italien ohne jeden Anlass zum Krieg gegen den Deutschen Bund ermuntert, finanziert und ausgerüstet hat, damals noch gemeinsam mit dem späteren "Erzfeind" Preußen. Vielleicht kommt man dann zur Erkenntnis, dass es Despoten wie Napoleon III. nur um Macht und Erfolg gegangen ist, ganz gleich mit wem und gegen wen und aus welchem mehr oder weniger glaubwürdigen Grund oder notfalls auch ohne einen solchen.

Das wird der Sachlage nicht gerecht. Napoleon III. war nicht Louis der Vierzehnte. Er war auch nicht so kriegsgeil. Hier hat ihn mehr die Presse und die öffentliche Stimmung bewegt. Die französische Gesellschaft wollte den Krieg.

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Um Elsaß-Lothringen ging es ursprünglich nicht.

Bismarck brauchte den gemeinsamen Krieg aller deutscher Staaten gegen Frankreich, um später aus diesen Staaten das Deutsche Reich bilden zu können.

Es waren ja außer Österreich auch alle Kriegsgegner Preußens von 1866 dabei (Bayern, Sachsen, Baden, ...).

Das ist ja eine tolle Logik: Gemeinsam sind wir nur was uns gegen unsere Feinde einigt.
Vielleicht liegt genau darin das Monströse, Verstörende am deutschen Nationalstaat. Als uns dann die Feinde ausgingen, wussten auch nicht mehr recht wer wir eigentlich sein wollten.
Die gegenwärtige Identitätskrise lässt sich evtl. aus der Geschichte viel besser erklären als aus tagespolitischen Entwicklungen heraus.
Zumindest interessant, darüber nachzudenken.

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Er benutzte den Krieg, um die deutschen Fürsten so gegen einen gemeinsamen äußeren Feind einen zu können.

Die Schlacht Otto I. auf dem Lechfeld gegen die Ungarn hatte seinerzeit übrigens einen ganz ähnlichen Effekt.

Nur mit dem Unterschied dass die Ungarn eine echte Bedrohung waren.

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@Hallgrimur

Man sollte nicht den Fehler machen, die Geschichte vom Ende her und aus einem verengten Blickwinkel zu betrachten.

Aus der Niederlage Frankreichs zu schließen, es sei keine echte Bedrohung gewesen, ist ein Trugschluß

Frankreich war nun weiß Gott kein Waisenknabe. Es hatte wenige  Jahrzehnte vorher noch halb Europa unterworfen. Es galt Mitte des 19. Jh. als stärkste Großmacht auf dem europäischen Kontinent und war dabei, diese Position weiter auszubauen. Dementsprechend mischte es ganz gern auch mal bei Kriegen mit. Zudem betrieb Frankreich eine aggressive Kolonialpolitik. Die beabsichtigte Annexion Belgiens und Luxemburgs war gerade am preußischen Widerstand gescheitert. Man war also auf Preußen sauer.

Wer wegen eines Zettels einen Krieg anfängt, der muß schon ganz schön Kriegsgeil sein. So sahen das wohl auch die anderen europäischen Mächte. Sie blieben nämlich neutral, weil sie den Angriff Frankreichs für unbegründet hielten.

Frankreich hätte nicht angegriffen, wenn es sich nicht für überlegen gehalten hätte. Man hatte nur nicht damit gerechnet, daß die süddeutschen Staaten sich beteiligen würden und glaubte, den Norddeutschen Bund im Alleingang erledigen zu können.

Typischer Fall von Hybris. Frankreich wurde nicht zuletzt auch Opfer seiner eigenen Aggressivität.

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@Hegemon

So ist es.

Der Nationalismus grassierte auch in Frankreich und man hatte nicht übel Lust, dem preußischen Parvenü ein Lektion zu erteilen. Außerdem hatte Napoleon enorme innenpolitische Schwierigkeiten und seine Herrschaft war gefährdet. Ein erfolgreicher Krieg bot die Chance, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

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