Warum haben wir im Deutschen so viele Fremdwörter?

15 Antworten

Es geht ja nicht nur um die grobe Bedeutung, sondern auch um die Kunst des Ausdrucks. Es heißt ja nicht umsonst "Wortschatz". Manche Worte bedeuten im Grunde das selbe, rufen aber unterschiedliche Assoziationen hervor und scheinen mal mehr, mal weniger umgangssprachlich. Mich wundert nur, dass du annimmst, das sei in anderen Sprachen nicht so. Gerade im Englischen merkt man das überdeutlich. Es ist eine germanische Sprache, aber es ist nicht möglich auf nicht-germanische Worte zu verzichten. Sprachen beeinflussen sich gegenseitig. Das ist eine natürliche Entwicklung.

Einerseits gibt es im Deutschen wirklich recht viele Fremdwörter, was einfach an den kulturellen Einflüssen liegt, die es gab (Vor allem von den Römern, die wiederum mit den Griechen zu tun hatten, von den Franzosen und von den Amerikanern). Das ist ganz normal.

Viele der Dopplungen, die du meinst, sind aber genau anders herum entstanden, als du denkst. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es Sprachgesellschaften, die sich der Pflege der deutschen Sprache widmeten und dafür viele Alternativen für Fremdwörter erfanden. Einige Beispiele:

Philipp von Zesen († 1689) erfand unter anderem die Wörter Anschrift (statt Adresse), Bücherei (statt Bibliothek), Grundstein (statt Fundament), Nachruf (statt Nekrolog), Mundart (statt Dialekt), Glaubensbekenntnis (statt Credo), Vollmacht (statt Plenipotenz). Andere seiner Neuschöpfungen waren jedoch übertrieben und wirken heute lächerlich, wie zum Beispiel Tageleuchter (statt Fenster) oder Gesichtserker (statt Nase). Chr. Wolff († 1754), ein Philosoph, prägte Wörter wie Beweggrund, Bewusstsein, Begriff, Aufmerksamkeit, Verständnis, Umfang. Der Turnvater Jahn († 1852) erfand zum Beispiel die Begriffe volkstümlich (statt populär) oder Schriftbild (statt Faksimile). J. H. Campe († 1818) verfasste ganze Verdeutschungswörterbücher, durch die Bezeichnungen wie "Freistaat" (für Republik), "auswerten" (für evaluieren), "Erdgeschoss" (für Parterre), "Ergebnis" (für Resultat), "Voraussage" (für Prophezeiung) oder "Lehrgang" (für Kurs) entstanden.

Wie du siehst, war es manchmal (nicht immer!) genau die Gegenbewegung, durch die zwei verschiedene Begriffe entstanden. Meiner Meinung nach ist das aber kein Nachteil, sondern ein Fakt. Außerdem hat man dadurch mehr Möglichkeiten, zu sagen, was man will. Oft haben sich die Bedeutungen der verschiedenen Wörter leicht voneinander gewandelt, wie zum Beispiel bei populär (was so etwas wie "modisch" heißt) und volkstümlich (was eher "traditionell", also fast das Gegenteil meint). Evaluieren klingt viel hochgestochener als auswerten; ein Credo muss längst nicht mehr unbedingt ein Glaubensbekenntnis sein. Meiner Meinung nach hat dieser Reichtum der Sprache historische Gründe und ist außerdem eine ganz schöne Sache.

Sorry für den langen Text (falls du ihn überhaupt gelesen hast :D)

Ach ja, der Begriff "Rechtschreibung" ist erst im 16. Jahrhundert entstanden. Vorher sprachen alle Gelehrten Latein und nutzten daher den Begriff "Orthographie".

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Als die Germanen noch die Urwälder belebten, kamen sie mit sehr wenigen Wörtern aus. Sogar das "Fenster" kannten sie nicht, sie hatten nur Löcher in den Wänden, sofern sie überhaupt Häuser hatten, und haben es erst aus dem lateinischen "fenestra" in ihre Sprache eingemeindet, wahrlich nicht das einzige Beispiel. Solche Wörter sind schon sehr lange in der deutschen Sprache, haben teilweise sogar Betonung und Genus gewechselt und werden "Lehnwörter" genannt.

Später ins Deutsche eingezogene Wörter sind auch heute noch als Fremdwörter zu erkennen, obwohl es etwa beim Kaffee doch schon schwerfällt. (Aber die Betonung macht es aus, obgleich es bereits in vielen Landesteilen auf der ersten Silbe betont wird. Von den Schweizern wollen wir gar nicht reden, die sogar Hotel auf dem ho betonen.)

Jahrhundertelang versuchten sich Adel und Bildungsbürgertum durch reichlichen Gebrauch von Fremdwörtern von der gemeinen Bevölkerung abzuheben. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Heute sollte man sich auf den Standpunkt stellen, dass, wo deutsche Worte ausreichen, Fremdwörter nicht notwendig sind. Lustig ausgedrückt:

"Der Usus der Fremdwörter ist prinzipiell auf ein Minimum zu reduzieren!"

Du selbst hast in deiner Frage "Synonym" verwendet, weil du keinen passenden Ausdruck im Deutschen gefunden hast.

Ob aber der ungeheute Einbruch von Anglismen in die deutsche Sprache notwendig ist, ist doch sehr die Frage. Eigenartigerweise sind es aber gerade die Nutzer von Anglismen, die sich häufig über Fremdwörter im Deutschen beschweren. Seltsam, nicht wahr?

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Unterricht - ohne Schulbetrieb

Die meisten Fremdwörter werden benutzt, um eine Sache oder Sachlage genauer und treffender auszudrücken. Ganze Wissenschaftszweige kommen ohne Fremdwörter nicht aus. In der alltäglichen Sprache werden häufig Fremdwörter benutzt, für die es gar kein deutsches Synonym gibt (z.B. Computer). In ganz wenigen Fällen gibt es ein deutsches Wort und ein Fremdwort mit genau der gleichen Bedeutung. Dann muss man den Weg des Fremdworts in die Sprache betrachten. Möglicherweise ist der Ursprung in der Wissenschaft zu suchen, die ja eine gewisse Internationalität voraussetzt.

Wie wär's mit Rechner ;-) ?

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@Sccch

Trifft aber das Wort nicht genau. Beschreibt ja nur die Funktionsweise (das Ding rechnet). Aber niemand kauft sich einen Computer, weil der so schön rechnen kann, sondern um zu kommunizieren, zu spielen, Texte zu sichern, Fakten zu recherchieren und, und, und... Deshalb würde ich 'Rechner' und 'Computer' nicht als Synonyme betrachten.

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@Schuhu

Der englische Begriff computer, abgeleitet vom Verb (tocompute (aus Lateinisch: computare „berechnen“), bezeichnete ursprünglich Menschen, die zumeist langwierige Berechnungen vornahmen, zum Beispiel für Astronomen im Mittelalter.

Wikipedia

Rechner ist ein schlechte Übersetzung. Ein Rechner macht doch vergleichsweise einfache Sachen.

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@Schuhu Demnach wäre das selbe auch über den "Computer" zu sagen. "Computer" heißt auf Deutsch übersetzt ebenfalls "Rechner". Trotzdem ist klar, was man mit einem "Computer" gemeint ist, so auch mit dem "Rechner".

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Sind sind im übrigen also Synonyme. ;)

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@FelixLingelbach Eine Rechnung ist eine Rechnung, egal ob klein oder groß. Davon abgesehen hat das englische Wort "compute" nicht die identische Bedeutung des lateinischen Ursprungs, so wie auch das Wort "deutsch" eine Nationalität beschreibt und nicht nur einen dem Volk zugehörigen. "To compute" heißt nur "rechnen" und sagt nichts über dessen Langwierigkeit aus.

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@Jonnymur

@ Jonnymur. Deiner Definition nach muss ein Taschenrechner das gleiche sein wie ein Taschencomputer? Denn scheinbar geht mit der Übersetzung keine Bedeutungsänderung einher.

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@Schuhu Streng genommen ist ein Taschenrechner ein Taschencomputer. Auch ein Tablet ist ein Taschenrechner. Es wird jedoch nicht so genannt, genauso wie man im es im Alltag nicht als "Taschencomputer" bezeichnet. Davon abgesehen rufen Synonymen unterschiedliche Vorstellungen auf. Deshalb sind sie "Synonyme" und nicht das selbe Wort. Die meisten werden aufgrund dieser differierenden Vorstellungen "Taschenrechner" diesbezüglich ablehnen und "Taschencomputer" schon eher annehmen. Fakt bleibt: Wenn jemand "Rechner" sagt, weiß jeder sofort, dass ein Computer gemeint ist, da sonst nichts unseres Alltags umgangssprachlich so benannt wird - Taschenrechner wird immer im Ganzen ausgesprochen und -geschrieben. Das selbe gilt für den Computer, weshalb sie ein und dasselbe bedeuten.

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Das ist eine SEHR gute Frage, die die Sinnlosigkeit dieses Umstands, dass in unseren Sprachgebrauch immer mehr  Fremdwörter einfließen, verdeutlicht.

Grad in einer Zeit, in der wir mit sehr vielen Ausländern in unserem Land zu tun haben, sollten wir mehr denn je drauf achten, eine einheitliche Sprache zu gebrauchen, die es den Neuen zumindest ein bisschen erleichtert, sich zurecht zu finden.

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