Warum haben so viele italienische Städte eingedeutschte Namen?

10 Antworten

Wenn eine Stadt eine größere Rolle in einem anderen Sprachraum hat, bekommt sie dort öfters einen eigenen Namen, besonders, wenn die Sprache der Stadt im anderen Sprachraum nicht geläufig ist. Zum Teil entwickelt sich der Name der Stadt in ihrer eigenen Sprache auch weiter, während er im Ausland eher erhalten bleibt. Beispiele:  Colonia Claudia Ara Agrippinensium - Köln / Cologne, Neapolis - Napoli / Neapel

Übrigens: Athen - Athinai (wobei das "th" im Griechischen ein einziger Buchstabe ist und wie das "th" im engl. "thing" ausgesprochen wird)

Straßburg - Strasbourg (ok, das ist ein französisierter ursprünglich deutscher Name), Nizza - Nice

Spanien wüsste ich jetzt keins

Monaco di Baviera (ital.) = München

Keulen (niederl.) = Köln

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@barfussjim

Wobei das niederländische "eu" dem deutschen ö entspricht. Hört sich dann gar nicht mehr so fremdländisch an :o)

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Mag damit zusammenhängen, dass Deutschland und Italien eine längere gemeinsame politische Vergangenheit hatten.

Aber im Bezug auf Frankreich/Belgien gab es sowas auch mal.

Namur / Namen

Nancy / Nanzig

Verdun / Verden

Je nachdem, in wie alte Quellen man schaut.

Umgekehrt gibte es das heute noch:

Straßburg / Strasbourg

Schlettstadt / Séléstadt

Nizza / Nice

In Spanien gibt es das nicht, aber zwischen Spanien und dem heutigen Deutschland gab es auch nie wirkliche territoriale Verpflechtungen und politisch nur episodische (Karl V.).

Im Bezug auf die betreffenden italienischen und französischen Gebiete (für die Schweiz könnte man das auch konstatieren (Sion / Sitten bsp.) ) ist es aber so, dass eine enge historische Verpflechtung, teilweise auch eine politische Überschneidung durch die gemeinsame Zugehörigkeit zum ehemaligen "Heiligen Römischen Reich" zugrunde liegt.

Das könnte die Mehrfache Benennung erklären, jedenfalls aus der Tradition heraus.

Viele dieser Städte waren zeitweilig Bestandteil des Habsburgerreichs und damit partiell deutschsprachig, z.B. Milano von 1706 bis 1859 (nach der bekannten Schlacht von Solferino). Oder Venezia 1797–1805 und 1814–1866. Selbst Firenze war von 1737 bis 1859 österreichisch regiert.

Außerdem waren die Italienischen Städte seit dem Mittelalter für die deutsch­sprachi­ge Welt interessant, sei es wegen des Christentums, des Handels oder der Kultur. Daher wurden die Namen früh eingedeutscht und sind im Deutschen oft in einer älteren Form erhalten als auf Italienisch. Napoli z.B. war z.B. nie unter öster­reichi­scher Herrschaft. Die Stadt wurde bereits in der Antike als griechische Kolo­nie mit dem Namen Νεάπολις „neue Stadt“ gegründet, und das Vorderglied ist im deutschen Namen Neapel (vmtl. bereits im Mittelalter entlehnt) ist besser erhal­ten als im italieni­schen Namen Napoli, der durch alle italienischen Laut­verschie­bun­gen durchmußte.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Das ist u.a. Resultat der engen Handelsbeziehungen im Mittelalter mit diesen Städten.

Und dieverse Eroberungsfeldzüge.

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Es gab ja mal das HRR, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, hier zum Beispiel die Karte zur Zeit der Staufer.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich#/media/File:Mitteleuropa_zur_Zeit_der_Staufer.svg

In dieser Zeit standen die Kaiser nicht nur Deutschland vor, sondern auch dem Alpenraum, Norditalien und Rom (wo aber auch der Papst eine hohe Stellung innehatte, nicht nur religiös, sondern auch politisch).

Bekannt ist unter anderem Friedrich I. Barbarossa (und am italienischen Namen sieht man schon die Verbindung zu Italien, Barbarossa = Rotbart).

Auch das Königreich Sizilien war durch die Staufer mitgeprägt worden (auf Sizilien sieht man noch Bauten aus der Stauferzeit). Friedrich II. war Kaiser des römisch-deutschen Reiches, und auch König von Sizilien. Beigesetzt wurde er in der Kathedrale von Palermo, und bis heute haben die Sizilianer eine hohe Meinung von ihm.

Daher verwundert es nicht, dass gerade in Norditalien viele Städte sowohl italienische als auch deutsche Namen haben. (Ravenna, Raben) (Bergamo, Welsch-Bergen) (Verona, Welsch-Bern) usw.

Zudem muss man bedenken, dass Südtirol auch heute noch überwiegend deutschsprachig ist.

Udine = Weiden

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