Warum haben so viele französischsprachige Schweizer deutsche Nachnamen?

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4 Antworten

Das Ganze begann im 18. und 19. Jahrhundert, als zahlreiche deutschsprachige bernische Familien sich in der Waadt und später auch im Jura niederließen.
Sie übernahmen die französisch Sprache (Territorialprinzip) problemlos. Schließlich war Franösisch auch die Sprache des Adels und später der Diplomatie. Die Neuzuzüger behielten ihre deutschen Namen, sprachen sie aber rasch französisch aus.
Die zweite (wesentlich kleinere) Binnenbewegung waren die deutschsprachigen Oberwalliser, die talabwärts bis zum Genfersee zogen.

Viele sind aus Frankreich vor den dort herrschenden RÖMISCH-KATHOLISCHEN Verhältnissen in die viel freiheitlichere (Luthertum - Calvinismus) Art geflüchtet und konnten sich natürlich ihren Familien-namen nicht aussuchen. Ich habe da ein sehr interessantes Buch über einen berühmten französischen VERLEGER gelesen, der sein ganzes Leben versucht hat, in Paris zu bleiben. Erst im Alter bzw. seine Söhne fanden es nicht mehr erträglich unter dem KATHOLIZISMUS und den daraus bedingten Beschränkungen der Widergabe heiliger Schriften und ihrer Auslegung.


In der Folgegeneration hat man natürlich die FREI wählbaren Namen aus der neuen auch KULTURELLEN Heimat genommen.- aufatmend !


Huch, jetzt hab' ich die Frage in ihr Gegenteil verkehrt !

Umbekehrt wäre besser gefahren. Die deutschsprachigen Schweizer sind ursprünglich Alemanen. LG Igitta

Ich denke das kommt noch aus der Zeit der Zerschlagung Roms. Die ganzen Germanen sind doch noch überall verstreut, grade zwischen Deutschland und Italien/Rom.

PatrickLassan 13.02.2011, 17:19

Nachnamen im heutigen Sinne kamen erst gegen Ende des Mittelalters in Gebrauch - einige hundert Jahre nach dem Untergang des römischen Reichs ...

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Bujin 13.02.2011, 17:32
@PatrickLassan

Das mag sein, aber Germanen können sich ja nichts desto trotz dort angesiedelt haben und ihre Sprache beibehalten haben. Zumindest fürs erste. Genau wissen tue ich es aber nicht, ist nur Spekulation.

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breno87 13.02.2011, 17:33
@PatrickLassan

genau, darum bin ich mir sicher dass es sich um eine spätere Migrationsbewegung gehandelt haben muss, aber welche? Sicherlich sind die "deutschen Namen" vor allem "deutschschweizer Namen."

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Bujin 13.02.2011, 17:34
@breno87

Gibt ja noch die Weltkriege in denen viele ausgewandert sind. Grade die Schweiz galt wegen ihrer Neutralität als sicherer. Wobei ich jetzt nicht weiß ob man da so ohne weiteres einwandern konnte. Wobei daher eher die deutsche Schweiz stammt. Am besten ist es sicher mal nen Schweizer zu fragen oder ne Bibliothek zu durchforsten. Such dir nen Telefonbuch und ruf einfach mal ein paar Leute an mit deutschem Nachnamen xD

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breno87 13.02.2011, 17:49
@Bujin

Hab nochmals recherchiert und bin auf eine eindeutige Antwort gestossen:

Die meisten der durch mittelalterliche Binnenwanderung entstandenen alemannischen Sprachinseln in der Romandie wurden resorbiert. Das Bestreben der Romands, der Deutschschweizer Mehrheit einen wirksameren kulturellen Widerstand entgegenzusetzen, war vielleicht mit ein Motiv für die Aufgabe der Westschweizer Dialekte im 19. Jh zu Gunsten des Standardfranzösisch. Auf jeden Fall wurde dadurch die Assimilation der Binnenmigranten erleichtert. Infolge des Territorialitätsprinzips wechselten zahlreiche ursprünglich bernische Familien, die sich in der Waadt und vom 19. Jh. an auch im Jura niedergelassen hatten, zur französischen Sprache, wobei die allgemeine Schulpflicht und das höhere Prestige des Französischen im Vergleich zu den alemannischen Dialekten deren rasche Integration gefördert haben.

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