Warum haben sich nicht alle Schimpansen zum Menschen weiterentwickelt?

21 Antworten

1. Die menschliche Gattung ist nicht aus der der Schimpansen heraus entstanden, die beiden Linien nehmen benachbarte Plätze im Stammbaum ein. Verwandtschaftlich (nicht unbedingt äußerlich) sind die Schimpansen ebenso von unserem gemeinsamen Vorfahren entfernt wie wir selbst.

2. Evolution funktioniert nicht wie eine Leiter, in der auf ein "primitives Affenstadium" zwangsläufig ein "Menschenstadium" folgt, sondern eher wie ein wuchernder Busch, dessen Zweige sich immer wieder trennen und möglicherweise in unterschiedliche Richtungen weiterwachsen. 

Schimpansen und Menschen haben sich vor 5-8 Millionen Jahren aufgetrennt und entwickeln sich seitdem getrennt voneinander. Die Entwicklung der Menschen wurde von anderen Selektionsdrücken getrieben als die der Schimpansen. Die Schimpansen sind nicht auf einem niederen Entwicklungsstand verblieben, sondern haben eine andere Nische gefunden, in der sie überleben konnten. Für sie besteht kein Zwang, die gleiche Richtung einzuschlagen wie die Menschen.


Streng genommen wären die Schimpansen im biologischen Sinne sogar höher entwickelt als wir Menschen, da ein Schimpansenweibchen im Schnitt vier bis sechs Jahre vor einem Mädchen geschlechtsreif wird. Es hat also seit der evolutiven Trennung der Linien zwischen Mensch und Schimpanse erheblich mehr Generationen von Schimpansen gegeben als von Menschen. Die Schimpansen sind also eigentlich auch weiter entfernt vom gemeinsamen Vorfahren verwandt als wir.

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Hallo Katzenpfote73,

ich unterstelle jetzt einmal, dass Du es wirklich wissen möchtest, obwohl das Thema "Religion" getaggt ist, das bei einer Frage zum Thema Biologie eigentlich nichts verloren hat und somit ein wenig die Befürchtung nahelegt, dass die "Frage" hier einen kreationistischen Hintergrund hat...

Zum zweiten ist die Frage selbst ein leider oft zu lesendes Missverständnis zur Evolution. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht:

1) Es hat sich noch niemals ein Schimpanse zu einem Menschen "weiterentwickelt". Wir stammen nicht von Schimpansen ab. Wir und Schimpansen haben gemeinsame, heute ausgestorbene Vorfahren, die vor rund 6 Millionen Jahren lebten. Über DNA-Analysen können wir die verwandtschaftlichen Grade zu Schimpansen und weiter entfernten Affenarten sehr gut untersuchen und daraus abschätzen, wann sich die einzelnen Äste aus dem Stammbaum abgespaltet haben und wann die letzten gemeinsamen Vorfahren existierten. Und, ja, doch, von einigen dieser gemeinsamen Vorfahren existieren fossile Spuren.

2) Allein das Wort "Weiterentwicklung" zeugt von einem Missverständnis der Evolution. Evolution ist nicht linear. Weder sind wir "weiter" entwickelt" als Schimpansen, noch ist es umgekehrt. Wir besetzen unterschiedliche ökologische Nischen. Beide Spezies haben sich gegenüber heute ausgestorbenen Vorfahren durchgesetzt. So lange es für beide Arten Lebensräume gibt, so lange existieren beide Spezies parallel.

Grüße

Weil du den selben falschen Gedankenweg gehst, wie ihn auch diese selbstgefälligen Kreationisten gehen: die Evolution funktioniert nämlich nicht so, dass es Plopp macht und dann plötzlich aus einer Vorfahrenart eine Nachfahrenart entsteht. Es läuft vielmehr ungefähr so an wie zwischen zwei Friseurbesuchen: von einem Tag auf den anderen kannst du kaum erkennen, dass dein Haar gewachsen ist. Genauso wenig, wie sich bei einem einzigen Generationenwechsel nicht viele Unterschiede zwischen Eltern und ihren Kindern ergeben. Wirken darauf jedoch die Einflüsse der Selektion ein, so werden manche Merkmale verstärkt, manche geschwächt, manche werden auch durch Mutationen völlig neu hervorgebracht. So entstehen dann in einem Zeitraum von vielen Millionen Jahren neue Spezies - aber den Unterschied zu ihren Vorfahren erkennt man auch erst dann.

Menschen und Schimpansen hatten nun einen gemeinsamen Vorfahren, der weder Mensch, noch Schimpanse war, sondern eine fossil noch nicht dokumentierte Vorfahrenspezies. Vor etwa 10 Millionen Jahren trennten sich die Populationen dieses Vorfahren, die einen lebten vorwiegend in Wäldern und passten sich an diesen Lebensraum perfekt an (Schinpansen), bei der anderen veränderte sich der Lebensraum zu einem Mix aus Wald und Savanne, was zur Entwicklung des aufrechten Ganges. Die Linie der Waldaffen führte zu dem heutigen Schimpansen, die andere Linie letztendlich zu uns Menschen.

Der Mensch hat sich also nicht aus dem Schimpansen entwickelt, sondern beide entwickelten sich aus einem gemeinsamen Vorfahren.

Woher ich das weiß:Hobby – Jahrelange Begeisterung für die Natur und ihre Bewohner.

Schimpansen haben sich gar nicht zum Menschen weiterentwickelt, Mensch und Menschenaffen haben nur gemeinsame Vorfahren. Und Evolution besteht aus zufälligen Mutationen samt harter Auswahl, welche Mutation ein besseres Überleben bzw. Vorteile im Leben sichert.

Weil wir Menschen nicht von Schimpansen abstammen. Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten. Gleichzeitig sind wir die nächsten Verwandte von Schimpansen und Bonobos. Alle drei Arten teilen sich einen gemeinsamen Vorfahren, der vor ungefähr sechs Millionen Jahren gelebt hat.

Viele Menschen sagen daher, dass wir nicht vom Affen abstammen. Diese Aussage ist nicht korrekt. Der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse war sehr wohl ein Affe, genau so wie alle unsere Vorfahren in den letzten 40 Millionen Jahren. Aber es waren eben keine Schimpansen oder andere heute lebende Affen.

Der Vorfahre von Mensch und Schimpanse hat sich dann irgendwann in zwei Gruppen gespalten, wobei aus einer Gruppe Menschen wurden und aus einer anderen Gruppe Schimpansen und Bonobos.

Ein geringfügig entfernterer Verwandter von Menschen und Schimpansen ist der Gorilla, der ein Abkömmling eines noch früheren Vorfahrens von vor 9 Millionen Jahren ist.

Affen gibt es, wie schon gesagt seit 40 Millionen Jahren und der Mensch ist ein vollwertiger Teil dieser Gruppe. Biologisch gesehen kann Menschen daher nicht den Affen gegenüberstellen, sondern muss ihn als Affenart betrachten. Viele Menschen haben damit ein Problem und ärgern sich, wenn man ihnen sagt, dass sie ein Affe sind. Aber alles Andere wär wissenschaftlich nicht korrekt.

In der Evolution gibt es keinen Stillstand. Jedes Lebewesen entwickelt sich die ganze Zeit in irgendeine Richtung weiter. Manchmal führt dies zum Aussterben von Arten, manchmal teilt sich auch eine Art in zwei Gruppen (Populationen) auf und es entstehen neue Art.

Kein heute lebendes Tier stammt jedoch von irgendeinem anderen heute lebenden Tier ab.

Wenn du weitere Fragen zum Thema hast, werde ich sie dir sehr gerne beantworten.

Unten im Anhang findest du noch ein paar Stammbäume.

 - (Menschen, Religion, Biologie)  - (Menschen, Religion, Biologie)  - (Menschen, Religion, Biologie)

danke, nur komisch dass man die jeweils gemeinsamen Vorfahren nicht kennt. Da müsste es doch irgendwelche archäologischen Funde geben ?

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@Katzenpfote73

Wie du auf den Stammbäumen siehst, sind es immer wieder Erblinien, die sich erneut verzweigen. Allerdings sind hier nur die wichtigsten Verzweigungen zu sehen. Im Laufe der Zeit sind natürlich viel mehr Gruppen und Seitenzweige entstanden, die hier nicht aufgelistet sind.

Der echte Stammbaum würde in etwa aussehen, wie diese Koralle:

http://thumbs.ebaystatic.com/images/g/mWwAAOSwhcJWK8N3/s-l225.jpg

Natürlich findet man ständig irgendwelche Fossilien und Überreste, aber die Chance, genau den letzten gemeinsamen Vorfahren zu finden, ist eben gering. Meistens findet man Vertreter irgendwelcher Seitenarme.

Auch ist es oftmals schwer, bei einem Fossil genau zu sagen, ob es jetzt der letzte gemeinsame Vorfahre ist oder bereits das erste Mitglied der direkten Vorfahren von Menschen ODER Schimpansen, weil sich die Gruppen am Anfang natürlich noch sehr ähnlich waren.

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@Katzenpfote73

Die Archäologie hat da noch keine Bewandnis, sondern die Paläontologie. Sämtliche fossilen Funde, die man so gefunden hat, sind nur winzig kleine Bruchstücke des Lebens. Es ist eben nicht so, dass man lückenlos durch fossile Funde die gesamte Geschichte der Evolution nachverfolgen kann, da es eine sehr seltene Ausnahme ist, dass tote Tiere überhaupt zu einem Fossil werden. Man kann evtl. auch davon ausgehen, dass es noch jede Menge weiterer ausgestorbener Tiere gab, von denen wir nie erfahren werden, weil es schlicht keine Fossilien gibt.

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@Katzenpfote73

Archäologen befassen sich nur mit rein menschlichen Hinterlassenschaften und erforschen, wie Menschen in früheren Zeiten gelebt haben. Mit der Entwicklung der Artenvielfalt und der Erforschung der ausgestorbenen Tiere hingegen befassen sich Paläontologen. Auch wenn die Arbeitsweisen beider Wissenschaften Ähnlichkeiten haben, so sind es doch unterschiedliche Disziplinen mit einem grundverschiedenen Ansatz.

Sowohl für Archäologen als auch Paläontologen ist es aber ganz und gar nicht leicht, solche Funde zu machen, also kann von müssen keine Rede sein. Viele Gessteinsschichten aus der Vergangenheit sind für die Erforschung unzugänglich, sie wurden von Wind und Wetter abgetragen, bei Bau- und Feldarbeiten zerstört oder liegen zu tief, um zu ihnen vorzudringen. Was wir also haben, sind immer nur Momentaufnahmen, und von dem "Moment", als die Linien von Schimpansen und Menschen noch verbunden waren, fehlt uns eben (noch) eine solche Aufnahme. Vielleicht wird der aus deiner Sicht längst überfällige Fund ja noch gemacht.

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