Warum haben sich in der Natur zwei Geschlechter durchgesetzt?

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Ungeschlechtliche Vermehrung ist unter Eizellern ein sehr erfolgreiches Konzept und wird auch von einzelnen Insekten angewandt.

Aber selbst unter Bakterien hat sich herausgestellt, dass es sinnvoll ist, gelegentlich Erbinformation zwischen Individuen auszutauschen. So können sich Anpassungen an die Umwelt besser verbreiten und die Chance, dass bei der Mischung der Genome zweier (oder noch mehr) Individuen etwas "Neues" entsteht, ist nun mal deutlich grösser, als wenn bei der Fortpflanzung stumpf das bereits vorhandene Genom verdoppelt wird und die einzigen Veränderungen zufällige Mutationen darstellen.

Mehr als zwei Geschlechter sind vermutlich einfach zu unpraktisch, vor allem für komplexere Organismen. Schon bei zwei Geschlechtern müssen sich zwei fortpflanzungsfähige Individuen unterschiedlichen Geschlechts im richtigen Moment treffen, um Nachwuchs zu zeugen. Je mehr Partner gleichzeitig beteiligt sein müssen, desto seltener tritt eine solche Situation ein.

Es gibt in der Natur einige Wesen, die nur in ein Geschlecht vorhanden sind. Sie gebaeren ihr Nachwuchs per Jungfernzeugung und genau darin liegt das Problem. Jeder Nachkomme ist ein Klon mit gleichem Chromosomen Satz - und wenn bei dem Kopieren ein Fehler geschieht (und das passiert oft) ist der Aufwand umsonst und eine Generation Nachkommen faellt aus.
Bei einer Zeugung mit zwei Geschlechter kommen zwei verschiedene Chromosomensaetze zusammen. Das bedeutet in vielen Faellen, dass ein Fehler in einem von dem anderen, fitten Satz ausgeglichen werden kann. Ausserdem sind bei ein doppelter Chromosomensatz sehr viel mehr Kombinationsmoeglichen vorhanden als bei ein einfacher - und das ist wichtig fuer Evolution, der es ja immer um Anpassung und Verbesserung geht.

Es gibt zahlreiche Lebewesen, die sich ausschließlich ungeschlechtlich fortpflanzen, darunter die große Masse der Einzeller. Bei Bakterien gibt es kein männlich und weiblich, sie pflanzen sich fort, indem sie sich teilen, wobei -sieht man von zufällig auftretenden Mutationen ab- stets genetisch identische Klone entstehen. Allerdings ist es bei Bakterien möglich, über den so genannten horizontalen Gentransfer bestimmte Gene untereinander "auszutauschen". In einem Prozess, Konjugation genannt, kann ein Bakterium auf das andere etwa ein Antibiotikaresistenzgen übertragen. Umgangssprachlich spricht man auch von "Bakteriensex". Konjugation funktioniert sogar zwischen verschiedenen Bakterienarten.

Andere Tiere, darunter sämtliche Vögel und Säuger, pflanzen sich ausschließlich zweigeschlechtlich fort. Der Vorteil der geschlechtlichen Fortpflanzung ist die Erhöhung der Variabilität, einmal durch die Meiose und zum anderen durch die Vermischung des väterlichen und mütterlichen Erbguts. Dafür ist die geschlechtliche Fortpflanzung aber auch "aufwändiger".

Andere Lebewesen wechseln zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung. Welche Strategie sie fahren, hängt davon ab, wie die Umweltbedingungen sind. Soll ein neuer Lebensraum möglichst schnell erobert werden, ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung das erste Mittel der Wahl, um möglichst rasch viele Individuen erzeugen zu können.

Zum Schluss noch eine Bemerkung aus dem Pilzreich. Dort gibt es sogar mehr als zwei "Geschlechter", den so genannten Kreuzungstyp. Wobei die Bezeichnung Geschlecht ganz streng genommen falsch ist. Zusätzlich zum eigentlichen Geschlecht müssen Pilze für eine erfolgreiche Fortpflanzung auch mit ihrem Kreuzungstyp kompatibel sein. Über die Kompatibilität entscheidet der MAT (mating type locus), der in verschiedenen Allelen (Genvarianten) auftreten kann.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Es hat große Vorteile, die nächsten sind immer gut gemischt...

Ungeschlechtliche Vermehrung mag ja schneller gehen, eine Entwicklung ist damit allerdings unmöglich. Pflanzen und niedere Tiere machen es um sich schnell zu verbreiten oder wenn sie irgendwo allein ankommen um sich da überhaupt zu vermehren. Die sind dann eben alles Klone und falls zb eine Krankheit auftritt sind se aber alle platt.

Ich denke, wenn es nur z.B. Frauen gäbe, und sie sich allein fortpflanzen könnten, dann wären die Gene der Kinder gleich denen der Mutter und die Gene der Kindeskinder gleich der Gene der Kinder und Großmütter und so weiter. Man würde sich nicht weiterentwickeln können. So werden immer wieder Gene gemischt und die Menschen entwickeln sich weiter.

Übrigens können die Weibchen der Indischen Stabschrecke (Carausius Morosus) befruchtete Eier legen, ohne je Kontakt zu einem Männchen gehabt zu haben. Daraus können nur Weibchen schlüpfen, da nur weibliche Gene enthalten sind.

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