Warum haben Psychologen so extrem lange Wartezeiten?

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10 Antworten

Leider besteht in einigen Regionen Deutschlands eine erhebliche Unterversorgung mit kassenzugelassenen Psychotherapeuten, woraus sich leider oft recht lange Wartelisten ergeben. Lass dich zunächst bei mehreren Psychotherapeuten auf die Warteliste setzen, um deine Chancen auf einen schnellen Termin zu erhöhen. Je flexibler du bist in Bezug auf Zeit und Wochentag, desto größer sind deine Chancen auf einen schnellen Termin. Viele Berufstätige können nämlich nur in den frühen Abendstunden oder am Wochenende einen Termin wahrnehmen. Es ist leider so: heutzutage meint jeder, der Probleme hat, sie nur mit Hilfe eines Psychotherapeuten lösen zu können.

Zunächst hat jeder gesetzlich versicherte Patient Anspruch auf bis zu 5 Probesitzungen für Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten. Im Anschluss an die Probesitzungen stellt der Psychotherapeut die Diagnose und reicht dann einen Bericht an den Gutachter bei der Krankenkasse ein, mit dem die Kostenübernahme beantragt wird.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind da sehr penibel und übernehmen eine Psychotherapie nur, wenn beim Patienten eine so genannte psychische Störung mit Krankheitswert festgestellt wird (bspw. Depression, Angststörung usw). Danach (also nach den Probesitzungen) beginnt erst die eigentliche Psychotherapie. Ist also nichts mit nur 2, 3 oder maximal 4 Sitzungen insgesamt. Meistens werden 25 Therapiesitzungen veranschlagt, evtl. wird auf 50 Sitzungen verlängert, das dauert Monate oder gar Jahre. Deshalb sind diese Fachleute ja so „überlaufen“. Eine Psychotherapie wirkt nicht von heute auf morgen. Du kannst also nicht nach 3 oder 4 Sitzungen sagen " jetzt ist Schluss - ich bin geheilt ".

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Kommentar von TRichter1956
01.09.2016, 20:32

Eine kleine Korrektur: Für den Kurzzeittherapie-Antrag mit 25 Sitzungen ist kein Bericht an den Gutachter erforderlich, erst bei der Verlängerung

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Kommentar von loggruf
04.11.2016, 21:06

danke für den Stern @ Torrnado

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Ganz einfach. Psychologen haben häufig keine Vorzimmerdamen, da sie nach Termin arbeiten. In der Regel hat ein Therapiepatient einmal die Woche eine Stunde und die Therapie zieht sich über 1 Jahr und länger.

Du kannst Dir also ausrechnen wie viele Patienten maximal angenommen werden können, wenn der Psychologe jeden eine Stunde die Woche trifft.

Des weiteren gibt es zahlreiche Psychologen, die einfach keine Kassenzulassung bekommen. So wird gesteuert, dass die Krankenkassen entlastet werden.

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Kleine Begriffsklärung vorab: Du brauchst keinen Psychologen, sondern einen Psychotherapeuten. Ein Psychologe darf keine Therapie anbieten, dazu braucht er eine umfangreiche Zusatzausbildung.

Die meisten Therapeuten haben ein Band laufen, dem zu entnehmen ist, wann man für eine Terminvereinbarung anrufen kann. Zu dieser Zeit muss man es dann einfach immer wieder probieren, irgendwann klappt das schon.

Auch wenn man den Therapiebeginn erst in 6 Monaten ansetzt, gibt es meist recht kurzfristig ein Erstgespräch. Dieses dient auch dazu, die Dringlichkeit abzuklären.

Im Anschluss an dieses Erstgespräch hast du Anspruch auf bis zu 5 sog. "probatorische Sitzungen". Diese werden bereits von der Kasse übernommen und haben den Zweck, sich kennenzulernen und rauszufinden, ob man miteinander kann und der Therapeut es für sinnvoll erachtet, dich als Patient für eine Therapie anzunehmen.

Den Anspruch auf diese 5 probatorischen Sitzungen hast du übrigens bei mehreren Therapeuten. Wenn du nach der 3., 4. oder 5. Sitzung feststellst, dass du mit diesem Therapeuten nicht zurechtkommst, kannst du bei einem weiteren (und notfalls noch einem weiteren…) erneut 5 Sitzungen von der Kasse bezahlt bekommen.

Oft wird es so gehandhabt, dass zumindest eine oder zwei dieser Sitzungen schon vor dem möglichen Therapiebeginn stattfinden können - also bereits vor dem Ablauf der magischen 6 Monate. Damit hat man zumindest schon mal ein Bein in der Tür und kann erste Gespräche führen.

Ganz so aussichtslos und dramatisch ist es also in aller Regel gar nicht. Man muss halt dran bleiben.

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Kommentar von schloh80
30.08.2016, 18:30

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die aktuelle Kassenpsychotherapeutenliste der Region bekommt man bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Alles Andere führt nur zu einer Odyssee, die Suche nach einem Psychologen ins Nirwana.

Es kann nicht schaden, auf den AB zu sprechen und kurz zu beschreiben, worum es grob geht (ein Satz!). Natürlich Namen, Telefonnummer angeben und auch persönlich unter dieser Nummer erreichbar sein.

Empfehlenswert ist, sich auch zu überlegen, welches Verfahren man wählt. Es macht wenig Sinn, einen Analytiker anzurufen, wenn man eine Verhaltenstherapie sucht. Oder eine Psychologischen oder ärztlichen Psychotherpeuten, wenn man 16 Jahre alt ist. usw.

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Ganz einfach: zu wenige Psychologen für zu viele Menschen mit psychisch bedingten Erkrankungen.

Früher hatte man Freunde, Familie und Vereine und seine Frisöse mit denen man sich austauschte und helfen lassen konnte. Und heute?  .... 

Alles Gute!

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Kommentar von schloh80
30.08.2016, 18:43

Die Versorgungslage ist durchaus ausreichend. Das Problem ist eher der zunehmende Missbrauch des Systems auf Basis einer Vollkaskomentalität. 

Von angesetzten probatorischen Sitzungen müssen zunehmend bis zu 90% nach dem Erstgespräch abgelehnt werden, weil gar keine psychische Erkrankung vorliegt, sondern allenfalls ein Beratungsanliegen oder sogar nur ein Alltagsproblem. Hinzu kommen die üblichen Ablehnungen wegen Abhängigkeiten ohne Abstinenz (Überweisung an die Suchteinrichtungen) oder eben halt wegen mangelnder Therapiemotivation (Patient möchte "behandelt werden").

Hatten wir früher das Problem, dass Menschen zu spät zum Psychotherapeuten gingen, ment jetzt jeder, er könne mal einfach so zum Quatschen dahin.

Das verknappt die inzw. eigentlich ausreichenden Ressourcen natürlich enorm, in der Form, dass Wartezeiten sich entsprechend verlängern.

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Die Behandlung bei einem Psychologen ist nicht mit 1 oder 2 Terminen abgeschlossen. Das kann Monate oder Jahre dauern. Dementsprechend wird selten ein platz für einen neuen Patienten frei.

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Kommentar von Torrnado
30.08.2016, 16:52

mag ja sein, aber nicht jeder Patient benötigt eine Langzeittherapie. Ich möchte nur gerne 2, 3 oder maximal 4 Sitzungen, aber selbst das scheint ein Problem zu sein

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Kommentar von melinaschneid
30.08.2016, 17:04

3 oder 4 Sitzungen bringen aber nichts. Die braucht man schon alleine dafür um sich gegenseitig kennenzulernen. der Psychiater muss ja die Person der er helfen soll kennen. Sonst bringt das alles nichts.

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Angebot und Nachfrage. Was im Moment überwiegt ist evident. 

Ein Grund für diese Situation kann darin liegen, dass viele glauben, ein Psychologe könne Probleme lösen. Was falsch ist, denn lösen kann die nur die betreffende Person selbst. Mit oder ohne Psychologen, aber es kann hilfreich sein, die professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. 

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Weil die völlig überlaufen sind und JEDER Patient ein gewisses Maas an Zeit braucht.

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Psychotherapeuten verkaufen ihre Zeit, aber die ist nicht unendlich dehnbar.

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hab schon geantwortet.


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Weil viele Leute hingehen. Es haben jedoch nur manche zu....

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