Warum haben NS-Verbrecher diese seltsame Aussprache?

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5 Antworten

Hi.
Auch der Kunstmaler aus Österrrrreich sprach das "r" auf diese Weise.
Schon Unteroffiziere und Offiziere während der Kaierzeit hatten oft diesen schnarrenden Befehlston.
Wenn Du Dir die alten Wochenschauen aus der Nazizeit ansiehst, fällt Dir dieser für unsere heutigen Ohren sehr unangenehme Ton ebenfalls auf.
In den 50ern gab es in der alten BRD vor den Filmvorführungen auch meist Wochenschauen, die den "Naziton" noch voll drauf hatten.

Auch die Wochenschauen der Amerikaner aus dieser Zeit wiesen zum Beispiel meist ein schneidendes und schneidiges Englisch auf.

Um auf die Nazi-Verbrecher zurückzukommen: Hier hat sicher auch das Vorbild des "Größten Führers aller Zeiten" (Gröfaz) eine Rolle gespielt. Auch nach dessen Ableben. Wie der Chef, so das Personal.

Gruß, earnest

Nachtrag:
Die Verkörperung dieses meine Ohren beleidigenden Sprachstils ist Roland Freisler. Sein Toben und Brüllen während der Verhandlungen des Volksgerichtshofs brennen sich für immer ins Gedächtnis ein.

Dagegen ist selbst Goebbels ein ruhiger und besonnener Zeitgenosse.

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DH. Kleine Korrektur: Das Akronym 'Gröfaz' bedeutet eigentlich 'Größter Feldherr aller Zeiten'.

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@PatrickLassan

Ja, Du hast Recht. Später wurde die Abkzg allerdings auch für "Führer" verwendet.

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Hm. Hör mal hier:

http://www.youtube.com/watch?v=WENkquBHchM

Brecht hatte das in den 20ern auch schon drauf. Ob dieser Ton wirklich so nazispezifisch ist?

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@Bauingenieur

Nein, Bauingenieur.
Deshalb habe ich ja auch auf die kaiserliche Armee hingewiesen und auf die Wochenschauen der 50er. Deswegen auch "Naziton" in Anführungszeichen.

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Früher drückte man sich anders aus, Sprache ist im ständigen Wandel, zudem haben die Menschen viel mehr noch in Dialekten gesprochen als heute

Personenkult und Kultur, so wie viele Leute aus der Hip Hop Szene sich ähnlich ausdrücken wie ihre Vorbilder.

Wobei sowas wie das rollende R auch eine rein sprachliche Geschichte sein kann, die damals üblich war und nicht erst durch eine Person richtig modisch geworden ist.

Dieses rollende "r" nannte man "Bühnen-r"; auch Schauspieler haben es verwendet, und natürlich Leute, die Volksreden hielten. Neben den Engländern/Amerikanern hatten auch Franzosen, Spanier und Italiener einen heldenhaft-pathetischen Ton drauf (andere Landsleute sicher auch). Zeitgeschmack halt. Inzwischen ist Türk-Denglisch schick, und jeder betont (zwischen den Schimpfwörtern), dass er "kp hat" -- das wird in ein paar Jahrzehnten vielleicht auch keiner mehr begreifen . . .

Man muß sich vor Augen halten, daß elektronische Verstärkeranlagen und Tonaufzeichnung damals noch eine junge Technologie waren. Es gab sie, aber sie waren noch nicht so allgegenwärtig und so modern wie heute. Der Stummfilm war erst während der zwanzig Jahre vorher vom Tonfilm aus den Kinos verdrängt worden. Die damals verwendeten Mikrophone erlaubten noch nicht das halbverschluckte Nuscheln von heute. Am Mikrophon mußte man laut und deutlich reden, wenn die Übertragung oder die Aufnahme etwas werden sollte. HiFi existierte, aber nur in Form unbezahlbarer Prototypen im Labor.

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@Franz1957

Das ist die entscheidende Information.

Hättest einen eigenen Beitrag draus machen sollen!

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Göring bei den Nürnberger Prozessen

Daran ist die Aufnahmetechnik zu einem Großteil schuld. Und der militärische Ton war sicherlich gewollt. Außerdem war Göring Bayer.

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