Warum haben Kälbchen immer so einen kleinen Einzel-Stall?

So eine Box meine ich  - (Tiere, Bio, Milch)

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Bei uns (Bioland) waren sie eine Woche in einem Extra-Abteil im Stall, damit die anderen ihnen nicht am Nabel rumnuckeln und sie auch noch zu winzig sind, um sich gegen ältere durchzusetzen. Später hatten wir dann Gruppenhaltung. Unsere haben Milch bekommen für drei Monate und zwar die erste Woche die Milch von Mutti, danach einfach Milch aus dem Milchtank. Aufgewärmt und im Nuckeleimer. (Wichtig, um den natürlichen Saugvorgang nachzuahmen. Direkt aus dem Eimer saufen lassen ist sowas von blöde.) Anfangs dreimal täglich, später zweimal. Die Eimer wurden jedesmal hochglanzgesäubert anschließend (manche lassen die einfach ein paar Tage mit den Milchresten drin und machen die Nuckel nicht sauber, das ist sowas von widerlich) Da fressen sie ja auch schon längst Heu und etwas Getreidemehl.. Sie hatten einen großen Auslauf drinnen und einen draußen und waren sehr zugänglich.

Die Kälber lässt man nicht bei der Mutter, weil es eher zu Problemen führt, wenn die Kälber frei Milch saufen (Mastididen)... Auch "ziehen" manche Mütter dann die Milch hoch beim Melken. Auch ist die Milchmenge, die sie so bekommen, nicht ganz so groß als wenn sie frei Zugang hätten.

Ich habe mal einen Betrieb besucht mit "Mutter"kuhhaltung und Melkroboter. Das war ganz spannend. Die Kälber hatten ihre eigene Bucht, wo nur sie hin konnten, weil die Muttis nicht durch die Absperrung passten. Ob´s auf Dauer funktionierte, weiß ich leider nicht.

Auch auf Demeterhöfen werden die Kälber von ihren Müttern getrennt. Da Demeterbauern manchmal noch die Anbindehaltung praktizieren, wäre das anders gar nicht möglich. Es gibt auch "große" Demeterbauern, ein Bekannter hat einen 800 ha Betrieb im Osten mit über 300 Milchkühen, auch dort sind die Kälber erst in Boxen, später in Offen-Laufställen in passenden Altersgruppen.

Ich persönlich mag diese Plastikboxen nicht. Sie sind einfach praktisch, da einfach sauberzuhalten. Sieht aber seltsam aus... Auch im Winter in den ersten Lebenswochen finde ich es nicht gerade toll... Manche Bauern vergessen auch, die Kälber nach ein, zwei Wochen umzustallen in den Laufstall. Egal ob Bio oder Konvi.. Da sieht man dann Kälber, die eigentlich schon viel zu groß sind für die Plastikdinger und sie hocken da immer noch drin. Dabei brauchen sie dringend Bewegung und Kontakt zu Artgenossen. Naja.. Viele wollen sich eben die Arbeit nicht machen, die Kälber dann zum Tränken zu trennen oder das irgendwie zu organisieren.

Wow, total klasse was Du Dir bei der Beantwortung meiner Frage für eine Mühe gegeben hast! Vielen, vielen Dank! Das ist eindeutig die hilfreichste Antwort, zum Glück hatte ich die noch nicht vergeben ;-)

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@gretel222

Dankeschön!! Das war ja mal der allerschnellste Stern in meiner GF-Geschichte! Danke nochmal und liebe Grüße! ;))

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Na, dann fasse dir mal selber an die Nase. 3 Monate Milch mit dem Nuckeleimer??..und dann lästern über "Bauern", die vergessen umzustallen?. Es ist allgemein bekannt, den Nuckelreflex schnellstmöglich abzustellen, da diese Tiere später in der Gruppe oder Herde sich gerne daran erinnern und beginnen noch unterentwickelte Euteranlagen der Jungtiere zu "besaugen" und zu zerstören. Deinen "Erfahrungsbericht" in Ehre nur mit "ich meine, finde, persönlich mögen" beantwortet Fragen für einige vielleicht Hilfreich, jedoch für viele nicht konkret.

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@Nogli

Tja. Da hatten wir nie ein Problem mit. Dass die Kühe angenuckelt wurden. K.A. was bei Euch falsch läuft.

Schwer, andere Erfahrungen einfach so stehen zu lassen, was? Mannomann.

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Die Kälber werden in solchen Kälber-Iglus gehalten dass sie sich nicht gegenseitig die Milch weg saufen, und sich nicht mit Krankheiten anstecken. 

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 Du willst doch frische Milch auf dem Tisch haben, oder? Deswegen müssen Kühe jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen, um Milch zu geben. Wenn das Kalb die ganze Zeit bei der Mutter währe könnte man diese nicht mehr Melken. Und wenn man sie nicht mehr melken kann heißt es meisten. Au Revoir Kuh, und Willkommen Schlachthaus. Damit dass nicht passiert werden die Kälber nach der Geburt von der Mutter getrennt.

3. 

In dem Eimer ist ein  Milch-Ersatz. Bevor die Kälber es saufen können muss das Pulver mit handwarmen Wasser angerührt werden. In dem Pulver ist Sättigung-Mittel, pflanzliche Öle etc. drinnen. Also nichts schlimmes.

4.

Die Kälber dürfen nur bis zur dritten Lebenswoche in so einer Hütte gehalten werden.Die Hütte muss aber 120 M groß sein, 1,60 M Lang und 1-1,10 M breit sein. In diesen drei Wochen werden die Tiere mit Milch-Pulver und Raufutter.versorgt. Ab der vierten Lebenswoche kommen sie in einen großen Gruppen-stall mit gleichalterigen Tieren gehalten.  

LG KuhPferdeFreak

 

Diese "Outdoor"-Kälber erhalten so eine robuste Immunität, um die Aufzucht zu optimieren. Die "Iglo"-größe ist auf die Kälbertemperatur zugeschnitten, um mit der Abstrahlwärme des Kalbes Trocken/Wärme-effekte zu optimieren. Sobald die Kälber selbstständig zügig die Muttermilch (Kollostrum) (6ltr/Tag) aufnehmen (7-10 Tage) werden diese in Kleingruppen (5-10) gehalten. Hier wird zusätzlich Frischwasser, Heu und Kälbermüsli/korn angeboten. Sie werden weiterhin mit Milch (entweder Kuh-Milch mit dem "Milchtaxi" oder Milchaustauscher mit einer Abruffütterung) versorgt. Ca. 7 Wochen nach der Geburt endet die Milchphase der Kälber. Eine Laktation (Melkphase der Kuh) dauert i.d.R. 305 Tage. Ca 60 Tage nach dem Abkalben wird eine Kuh brünstig und wird besamt. Dieses geschieht durch die Pipette oder durch den "Natursprung". Nach den erwähnten 305 Tagen beginnt die Trockenstehzeit, die jede Kuh benötigt, um sich selber, und vor allem des Eutergewebe zu regenerieren. Außerdem ist der heranwachsende Fötus in dieser Zeit auf Massenwachstum gestellt. D.h auch heute genießen die Damen noch eine Ruhezeit, die auch absolut erforderlich ist, denn um 1 Liter Milch zu erzeugen, müssen 400 Liter Blut durch das sensible Eutergewebe (Oberfläche so groß wie ein Fußballfeld) geschleußt werden. Wenn eine Leistungskuh 40 Liter am Tag produziert, so ist das schon eine Hochleistung der Milchkuh (Kuh= 40l Blut). Merke: Eine Kuh, die sich unwohl fühlt oder sogar schmerzen empfindet, wird niemals eine Hochleistung verbringen. Deshalb erhalten die Damen optimale Futterrationen- und qualitäten, optimale Bedingungen im Fress-und Liegebereich, optimale Hygiene- und Gesundheitsmanagement. Alles wird Dokomentiert und als QM (Qualitätsmilch) audiert. Leider honoriert der Verbraucher diese Qualitätsicherheit nicht, wenn Milch verramscht wird.

An der Landwirtschaft wird mehr verdient wie in der Landwirtschaft. Wirtschaft macht Politik durch massiven Lobbyismus zum scheinbaren Gunsten der Verbraucher, der letztendlich mit seinem Kaufverhalten (billig egal wie und woher) die Industrialisierung der Landwirtschaft mit verschuldet. Eine immer effektivere Landwirtschaft war und ist der Motor unseren Wohlstandes. Vor 60 jahren wurden 60% des Durchschnittseinkommen für Lebensmittel investiert. Heute sind es gerade 10 %. Jedoch 34 % für Unterhaltung/ Urlaub. Lebensmittel haben heutzutage keinen materiellen Wert. 50 % der gehandelten Lebensmittel wandern dann auch noch in den Müll.Also, Milchbauern sind Restgeldempfänger. Sie liefern die Milch ab, ohne im vorraus zu wissen, was sie hierfür erhalten. Die Molkereien antworten auf "Rundfragen" der Discounter und unterbieten sich gegenseitig. Es entsteht hierbei ein Liefervertrag mit dem LEH je nach Situation am Rohstoffangebot von bis zu 6 Monaten. (Vertragsinhalte wie z.B 6-8 Wochen Zahlungsfrist). Die Molkerei berechnet den Erlös mit der eigenen Kosten und der Marge, und überweist bis zu 6 Wochen nach der Rohmilchlieferung das Rest-Milchgeld an die Bauern. Z.Z. 36-40 cent/ltr. bei Vollkosten der Bauern von mind. 45 cent. Laut Studie von der RABO Bank NL wird die Rendite am Produkt Milch im Laden verteilt (ROI return of investment): vorgelagerte Bereich (Tierarzt, Futtermittel, Landtechnik) 14,1 % ; Verarbeiter, Molkerei 18,1 % ; LEH 24,4 % ; Milchbauern 0,5 %. In einigen Bundesländern gibt es die "Faire Milch". Bei diesem Produkt erhält der Bauer 40 cent garantiert.

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@Nogli

Wow! So eine toll erklärte Antwort! Super! Vielen lieben Dank!

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