Warum haben die Germanen so viele begriffe übernommen, anstatt die begriffe übersetzen?

11 Antworten

Die Germanen hatten über Jahrhunderte relativ engen Kontakt zum Römischen Reich. Große Teile des germanischen Gebiets waren sogar für Jahrhunderte als römische Provinzen organisiert.

Auch nach der in der Völkerwanderung vollzogenen Bildung germanischer Reiche übernahmen diese u. a. römische Verwaltungspraktiken und die lateinische Sprache als Verwaltungs-, Rechts- und Urkundensprache. Die katholische Kirche übte während des Mittelalters erheblichen Einfluss auf die gesamte Kultur der europäischen Völker aus - und ihre Sprache, auch im Gottesdienst, war das Latein.

Durch die kulturelle Prägung der germanischen Völker durch römische Kultur und auch die lateinische Sprache über rund 1.500 Jahre blieb es verständlicherweise nicht aus, dass die Germanen lateinische Lehenwörter in ihre Sprache übernahmen. Gerade Begriffe für Sachgüter, die die Germanen nicht kannten und für die es daher in den germanischen Sprachen kein Pendant gab, wurden wörtlich aus dem Lateinischen übernommen und nur wenig umgebildet. Beispiel: die Germanen kannten keine Fenster - lateinisch: fenestra.

MfG

Arnold

Ein Teil wurde tatsächlich übersetzt, ein anderer Teil wörtlich übernommen.

Eine Lehnübersetzung ist z.B. der "Montag", von "dies lunae" (Tag des Mondes). Oder auch der "Löwenzahn", von "dens leonis" (Zahn des Löwen).

Und auch heute noch existieren Wörter gleicher Bedeutung - aber unterschiedlicher  Abstammung - recht munter nebeneinander, z.B. Möhre (germanisch) und Karotte (lateinisch "carota"). Pfarrer und Pastor (lateinisch "pastor" = Schäfer). Ross und Pferd. 

Vor allem in Süddeutschland sind die lateinischen Begriffe gebräuchlicher (der Pastor hat es aber bis in den Norden geschafft).

In Schweden findet man auch lateinische Begriffe (aber nicht mehr "Pferd" oder "Mühle", die heißen dort "häst" und "kvarn"), aber auf Island fehlen sie nahezu vollständig. Selbst Wörter wie "Idee" und "Toilette" (die man noch in Schweden versteht) gibt es dort nicht (sie sind französischen Ursprungs). Isländisch (um ca. 874 n.Chr. von den anderen germanischen Sprachen abgetrennt) hat fast nur germanische Wörter.

Der Mittwoch heißt in Schweden "onsdag" (Odinstag) und der Samstag (der bei uns der "Sabbatstag" ist) heißt "lördag" (Laugentag  = Waschtag/Badetag). Auf Island "laugardagur". "Laug" heißen auch die kleinen Bäder mit naturwarmem Wasser.

Wenn es keinen Begriff gibt, kann man auch nicht übersetzen. Z.B. kannte man keine Fenster, also hat man den römischen Begriff übernommen, das ging meistens einher mit der Übernahme der Einrichtung/Erfindung von den Römern. Das ist vergleichbar mit den heutigen IST Begriffen aus dem Englischen

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