Warum haben Angehörige Psychisch kranker garkein bzw. nur wenig Verständnis für Betroffene?

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11 Antworten

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass beide Seiten (die des Kranken und die des Angehörigen) schwer auszuhalten sind. Angehörigen verlangt die Krankheit einer nahestehenden Person viel Veständnis, Geduld, Kraft ab. Das hält man einfach nicht immer aus, manchmal wird es dann eben auch zu viel.

Für gesunde Menschen, die noch nie eine psychische Erkrankung hatten, ist es oft schwer nachvollziehbar, wie es sich wohl anfühlt, Krank zu sein und "nicht anders zu können". Es erscheint dann, als würde sich der Betroffene nicht genug zusammen reißen, "nichtmal mir zuliebe" schafft er es, sich von seinen Verhaltensmustern zu lösen. Sie verstehen nicht, dass man das nicht "jemandem zuliebe" kann und auch mit Zuneigung anderen Personen gegenüber überhaupt nichts zu tun hat. Eine Freundin hat mir deshalb mal schwere Vorwürfe gemacht, als ich wieder in die Magersucht rutschte: "Ich finde es so fies, dass du es nichtmal mir zuliebe hinkriegst, den Mist zu lassen!" warf sie mir an den Kopf. Es half unserer Freundschaft weiter, als ich ihr erklärte, dass meine Krankheit mit ihr weder im positiven noch im negativen Sinne irgendetwas zu tun hat und ich erstmal dahin kommen muss, mir zuliebe wieder gesund werden zu wollen. Das hat sie verstehen können.

Ich glaube, ein großes Problem ist auch, dass sich durch die Medien jeder als "Experte" auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen begreift. Die Leute können eigentlich nicht nachvollziehen, wie es ist, psychisch krank zu sein, weil man das nunmal nur kann, wenn man es selbst mal erlebt hat. Sie können das vielleicht im Ansatz, aber das wahre Ausmaß bleibt ihnen verborgen. Das Problem entsteht aber dadurch, dass Menschen sich generell schwer damit tun, einzusehen, dass es Dinge gibt, die sich ihrer Vorstellungskraft entziehen. Das heißt, sie glauben, dass sie die Krankheit verstehen oder sogar nachfühlen können, können es aber eigentlich gar nicht. Jeder nimmt sich selbst bzw. das, was er kennt, als Maßstab. Und wenn man dann als Depressiver sagt, man sei so niedergeschlagen, dann denkt der "Gesunde": "Oooh ja, das kenn ich! Ich war neulich auch traurig!" ohne zu erkennen, dass seine kurzfristige (vermutlich sogar mit äußeren Faktoren begründbare, gesunde) Traurigkeit mit einer Depression nichts gemein hat. Dadurch kommen dann auch die "klugen Ratschläge" zustande, die einem Gesunden helfen, wenn es ihm nicht so gut geht, einem Kranken aber überhaupt nicht.

Ich habe das Glück, andere Erfahrungen zu machen als du. Ich habe an mich selbst einen völlig überhöhten Anspruch, was meine Leistungsfähigkeit und das "Zusammenreißen" angeht und scheitere immer wieder daran, mache mir Vorwürfe, warum ich dies oder jenes nicht schaffe und so weiter. Für mein Umfeld hingegen ist das, was ich da nicht einsehen möchte, völlig klar: "Du bist krank und kannst es gerade nicht. Du musst es aber auch gerade nicht können, wir helfen dir."

Es tut sehr gut, ab und an entlastet zu werden. Vorwürfe mache ich mir genug, da brauche ich nicht auch noch welche "von außen".

Mir hilft es, dass ich sehr offen mit meiner Krankheit umgehe. Ich habe kein Problem damit, über meine Symptome zu sprechen, um anderen näher zu bringen, was es bedeutet, krank zu sein. Ich sage zum Beispiel nicht mehr nur "Ich habe Schlafstörungen" (denn das ruft im Gesprächspartner erfahrungsgemäß hervor: "Das kenn ich! Ich konnte gestern Abend auch nicht so gut einschlafen!"), sondern ich sage ganz offen, dass ich seit 60 Stunden auf den Beinen bin und deshalb Einschränkungen habe. Das heißt, ich mache es konkret, um anderen das Ausmaß, das sich ihrer Vorstellungskraft nur allzu oft entzieht, deutlich zu machen.

Ich glaube, als psychisch Kranker muss man damit leben, dass es Dinge gibt, die andere nie verstehen werden. Wie sollte auch ein Gesunder nachvollziehen können, wie es ist, süchtig/depressiv/selbstzerstörerisch/was-auch-immer zu sein? Das ist eben krank und es ist gesund, sich das nicht vorstellen zu können.

Ich wünsche dir in Zukunft weniger Vorwürfe, mehr Verständnis und vor allem gute Genesung! curium

Danke für das Sternchen :)

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Der Nachteil bei einer psychischen Erkrankung ist, dass man sie von außen nicht sieht. Im Gegensatz zu einem gebrochenen Bein zum Beispiel. Die Angehörigen sehen das Ganze also leider meist nur oberflächlich. Sie sehen vielleicht sogar eine Wesensänderung bei dem Betroffenen, die sie sich nicht erklären können.

Die Folge ist meist oft Unverständnis, Ablehnung oder Vorwürfe. Deshalb finde ich dass Angehörige eigentich sogar mit in die Therapie einbezogen werden sollten, damit sie alles besser verstehen. Der Umgang mit dem Betroffenen ist zudem ziemlich wichtig und eine Besserung kann es oft nur geben, wenn auch die Umgebung mit zieht.

Es ist aber auch klar, dass auch die Angehörigen unter der Situation leiden können. Das ist aber kein Grund, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Vielmehr ein weiterer Grund, sich an der Therapie zu beteiligen, um auch zu lernen, wie man für sich selbst (als Angehöriger) damit umgehen sollte.

Dem kann ich mich auch nur anschließen :-)). DH!!!

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Laien wollen glauben, dass man sich einfach anders verhalten kann. Sie richten einen Appell an den Kranken um ihren Frust zu lindern, statt sich professionell helfen zu lassen. Direkt machen sie den Kranken für ihr Leid verantwortlich. Das ist feige und unreif.

Das musst du nicht hinnehmen. Du kannst nichts dafür, das du Probleme hast.

Übrigens wird man auch damit konfrontiert, wenn man körperlich krank ist, nur meist nicht so direkt.

Sie dürfen dich nur so weit kritisieren, wie du es zulässt. Sage ruhig und sicher: " So lasse ich nicht mit mir reden! Nimm selber Hilfe an und sorge dafür, dass es dir gut geht."

Besprich das bitte mit deinem Therapeuten, dafür ist er da!

hm also soweit ich weiß ist das normla aber wer sagt das denn zu dir? ich würde einfach sagen versuch drauf zu scheissen aber das wird wahrscheinlich schwer wenns nähere angehörige sind und ansonsten denke ich das das für die jenigen nur was mit zu wenig Aufmerksamkeit zu tun hat aber toi toi toi das ränkt sich bestimmt irgendwann ein

Weil sie sich zu wenig mit der Materie befassen. Entweder sie sind dazu zu bequem, oder sie haben Angst, es nicht zu verstehen.

Für viele Erkrankungen gibt es bereits Ratgeber-Broschüren, die sich nicht an den Patienten wenden, sondern an sein Umfeld. Man kann den Facharzt danach fragen.

Hey

Ja ich kann dich gut verstehen. Ich bin auch Betroffene. In erster Linie werden die meisten sich dadurch von dir distanzieren und versunsichert halt sein, weil sie mit der Situation überfordert sind und nicht wissen, wie sie mit dir umgehen sollen. Das ist aber genau der Fehler. Das spielt eine ganz entscheidende Rolle, ob da jemand für dich da ist. Wenn du nämlich keine Unterstützung hast wirst du dich immer mehr abwenden und die Situation entschärft sich dadurch noch mal. Die meisten Eltern wissen doch z. B gar nicht was ihre Kinder mitmachen oder ertragen mussten und diese Verwahllosung wird ihnen dann geschockt bewusst, wenn sie mitkriegen was sie mitmachen mussste. Die meisten reagieren dann darauf mit Unverständnis und so nimmt der Teufelskreis erst Recht kein Ende.

Aber dennoch solltest du damit zum Psychologen gehen, der dir dann hilft und dann kommen bessere Zeiten.

Liebe Grüße :-))

Als Betroffener: Ja, ich höre den ,,zusammenreißen"-Spruch ständig. Schlimm ist es, wenn man teilweise Akzeptanz einer Einschränkung ( kein Verständnis!) und gleichzeitig aber von anderer Seite Vorwürfe zu hören bekommt.

So wurde ich, auch mit Gewaltandrohungen angeschriehen wie faul ich denn sei, und dann heißt es wieder, ich soll ihnen alles anvertrauen, sie helfen mir. WTF?!

Ich würde dir gern eine Lösung nenne, liebe/r Erdbermus, aber die suche ich selbst noch vergebens, seit Jahren.

Weil die meisten nicht wollen, dass 'Sowas' zu ihrer Sippe gehört, weil sie nicht damit umgehen können, weil sie damit überfordert sein, weil die sich dann zu viele Gedanken machen müssten und das ist ihnen zu anstrengend und am Ende müssten sie so lange drüber nachdenken, dass ihnen bewusst wird, dass sie selbst auch eine Mitschuld oder Teil-Verantwortung an der Erkrankung haben. Und um das alles zu vermeiden, schalten sie lieber auf stur!

Sie wollen gar keinen Seelenschmerz zulassen! Sie wollen ihn nicht sehen. Sie wollen ihn ausblenden, weil die Beschäftigung und Auseinandersetzung damit anstrengend ist, und einen selbst in Frage stellen könnte und man muss sich so anstrengende Gedanken machen, die den eigenen Selbstwert und die Macht in Frage stellen, die man hat, wenn man versuchen muss, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Und deshalb gibt es ja auch immer noch so viele Menschen, die Probleme lieber mit Gewalt lösen, weil sie keine Gefühle zulassen können und praktisch unfähig sind, über ein Problem nachzudenken, weil sich ja rausstellen könnte, dass sie selbst schuld sind!

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Das Problem scheint zu sein, dass man psychische Erkrankungen von außen nicht sehen kann. Und viele Menschen können sich in solche Probleme nicht einfühlen. Weil sie unsicher sind hauen sie dann solche blöden Sprüche raus.

Man muss halt ein bisschen feinfühliger mit diesen Menschen sein,aber sonst ganz normalen Umgang haben.Immer wieder aufbauen und sie unterstützen.L.G.

Hach ja, ich soll mich auch immer zusammenreißen. "Ich will das nicht mehr sehen!" Anstand mal was zu tun...sag ihnen, dass du hilfe brauchst, oder hol dir einfach welche, und wenn es dir besser geht, stellst du sie zur rede.

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