Warum glauben so viele Deutsche, dass man zum Judentum nicht konvertieren kann?

15 Antworten

Grüß Dich KellyKy!

Zum Judentum konvertieren geht, aber ist sehr schwer. Koscheres Essen, Hebräisch lernen, Rituale streng befolgen, man muss an den Gottesdiensten teilnehmen (die müsste dann auch noch in der Nähe sein und setzt möglicherweise einen Umzug voraus), man muss einen Konversionskurs besuchen; manche Rabbiner verlangen psychische Gutachten, ob der Vorsprechende auch wirklich psychisch stabil ist (nach welchen Kriterien eigentlich???). Vor allem, der Mann muss sich beschneiden lassen. Man muss also einer Genitalverstümmelung zustimmen. Letzter Akt im Konversionsprozess ist das rituelle Bad.

Ich finde, das sind alles so Sachen, die eher die geistige und seelische Freiheit unterdrücken und mit der Beschneidung auch noch die körperliche Unversehrtheit verletzt. Natürlich, wenn man darin aufgewachsen ist, dann sind die Inhalte der jüdischen Religion internalisiert. Man kennt nichts anderes und meint, das sei alles so richtig.

Wenn man bedenkt, das die Tora, die fünf Bücher Mose sind und woraus in den Gottesdiensten vorgelesen wird, bekommt das Judentum ein sehr archaisches Gesicht, auch ohne jüdisch orthodox zu sein. Es gibt auch noch andere Schrifte wie die Nevi’im (Prophetenbücher) und die Ketuvim (Schriften). Dazu gibt es noch den Talmud, der diese Schriften auslegt.

Nee also ehrlich, man sollte sich das schwer überlegen zum Judentum überzutreten. Es hat etwas sehr fundamentalistisches in der Machart. Ähnlich wie bei den Moslems. Es sind ja beide abrahamitische Religionen, wo Abraham der Stammvater ist.

Es gibt natürlich auch ein liberales Judentum, in der vereinzelt die Beschneidung abgelehnt wird, aber das konnte sich innerhalb dieser Strömung nicht durchsetzen, nur in Frankfurt und Berlin. Auch wird die Herkunft der Tora anders interpretiert und auch sonst so manche Verhaltensweisen und Auffassungen entradikalisiert. Dogmatisch bleibt es trotzdem.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liberales_Judentum

Außerdem beklagen viele Konvertiten, Juden zweiter Klasse zu sein.

Das ist ja genau der Grund, warum man in dieser Religion nicht missioniert: Wer findet, dass das Sachen sind, die "die geistige und seelische Freiheit unterdrücken", der soll es einfach bleiben lassen und alle sind glücklich.

0
@HohutiSorent

Vordergründig ja, aber was ist mit denen, die aufgrund ihrer Herkunft dann Juden sein müssen? Wenn Eltern oder wenn ein Elternteil (Mutter) Juden sind? Und dann ist ja immer auch noch der Familien,- bzw. Gruppendruck, der die Mitglieder bei der Stange hält.

0
@vonGizycki

Das, wiederum, ist ganz offensichtlich nicht dein Problem.

Du willst nicht mitmachen - niemand zwingt dich.

Jemand der hineingeboren ist, will nicht mitmachen - auch ihm steht es frei, auszutreten oder eine der viele "Zwischenlösungen" zu wählen...

Aber zerbrich dir nicht deren Kopf.

Sei froh, dass du nicht jüdisch geboren bist, wenn es dir nicht zusagt und lass es dabei bewenden.

0
@HohutiSorent

Jeder soll natürlich nach seiner Fasson selig werden, auch wenn es Probleme macht. Und natürlich ist das nicht mein Problem, aber vom humanistischen Standpunkt aus mache ich mir Gedanken und spreche sie aus. Das schadet nicht ;-)

0
@vonGizycki

Na ja, nachdem was ich sonst so von dir lese, wenn ich mich richtig erinnere, ist es mit deinem Humanismus und mit deiner Toleranz nicht allzu weit her.

Wende dich lieber armen Waisenkindern in Afrika zu oder so...

0
@HohutiSorent

Toleranz ist gut, aber das heißt nicht, dass man nicht kritisieren darf. Dürfte man es nicht, endet das leicht in Gleichgültigkeit. Dafür bin ich nicht zu haben. Die Waisenkinder in Afrika haben mit diesem Problem hier nichts zu tun und lenkt ab.

0

Ja, man kann konvertieren, es ist aber an Bedingungen gebunden, und diese Bedingungen sind nicht einheitlich. Es gibt sehr unterschiedliche jüdische Gruppen (und jüdische Gemeinden). Was bei der einen Gemeinde als hinreichend angesehen wird, wird bei einer anderen unter Umständen nicht als hinreichend angesehen.

Mitunter hängt es vom einzelnen Rabbiner ab, was er für nötig hält. Das lässt sich kaum verallgemeinern, zumeist sind es Einzelfallentscheidungen.

Die Beschneidung (bei Männern), die jüdische Taufe (Mikwe), die Kenntnis von Tora, Tanach und Talmud (und der Halacha, mit Speisegesetzen usw.) gehören normalerweise dazu, aber wie gesagt: es kann variieren, und letztlich entscheidet der Rabbiner (oder ein Rabbinergericht). Es gibt liberale und strenge Auslegungen. 

Nun, ich glaube nicht, dass viele das glauben.
Das Konvertieren zum Judentum ist natürlich ungleich schwieriger, als ein konvertieren zum Islam (Schahada sprechen) oder zum Christentum (Kopp ins Wasser stecken).
Das Judentum ist in der Hinsicht deutlich exklusiver, da es Bedingungen an den Konvertiten stellt, die teils Jahre des Lernens voraussetzen. Das “Erwählte Volk” wählt seine Leute sehr streng aus...
hinzu kommt, dass sich die Juden auch als Volk und nicht bloß als Glaubensgemeinschaft begreifen. Man bleibt also zeitlebens ein “Konvertit”.

Was bedeutet" man bleibt zeitlebens ein Konvertit"? Wenn man zum Islam oder zum Christentum konvertiert, bleibt man nicht ein Konvertit?

0
@KellyKy

Nun, das ist eine Art des Volksdenkens, das ich natürlich nicht allen Juden unterstellen möchte, aber das es sicherlich - wie bei allen anderen Völkern - auch gibt. Besser wäre "einige Juden begreifen sich eher als Volk" gewesen.

Es gibt ja durchaus auch solche, - die s.g. Zionisten - die einen Jüdischen Ethnostaat befürworten. Das ist natürlich ebenso kritikwürdig wie die Forderung nach einem "rein schwarzen Südafrika" (übrigens auch eine dort populäre Haltung) oder einem "Weißen Amerika"

Stammt man nicht von Juden ab, ist man für so Denkende strenggenommen eben nicht Teil des Volkes. So wie viele Migranten in Deutschland eben auch oft zeitlebens den Stempel des "Ausländers" oder desjenigen mit "Migrationshintergrund" tragen und auch in zweiter Generation nicht als "Deutsche" wahrgenommen werden.

0
@Zephyr711

Niemand fordert in Israel ein "rein jüdisches Israel", der Zionismus hat Israel von Anfang als Demokratie konzipiert, mit grossem Respekt für Religionsfreiheit.

1
@Zephyr711

Das ist nicht warh, das ist nicht richtig, was du da über Zionisten schreibst. Du hast falsche Infos.

0

Das hat mit "erwähltes Volk" und "wählt seine Leute sehr streng aus" nichts zu tun.

Laut jüdischer Auffassung muss man nicht jüdisch sein, um "in den himmel zu kommen". Ein Nichtjude muss nur 7 Grundgebote der Menschheit befolgen (siehe: Noachidische Gebote), und er hat alles getan, was man von ihm verlangt und "kommt in den Himmel".

Ein Jude hingegen muss die spezifisch jüdischen Gebote befolgten, und das sind mehr, und sie sind oft sehr einschneidend für den Alltag.

Deshalb wollten die Rabbiner, im Interesse des Konversionskandidaten, nicht, dass er sich unnötig schlechter stellt, als er vorher stand, indem er konvertiert und dann an den spezifisch jüdischen Geboten scheitert.

Deshalb nehmen sie nur Konvertiten auf, die sie ehrlich davon überzeugen können, dass sie die jüdischen Gebote auf sich nehmen werden und einhalten werden.

Ein Konversion, wo der Konvertit nicht alle Gebote auf sich nimmt, ist ungültig. Aber das kann man natürlich nie genau eruieren. Aber wenn er gleich nach dem Übertritt grundlegende Gebote offensichtlich nicht einhält, besteht schon der Verdacht, dass er es nie ernst gemeint hat.

Natürlich ergibt sich daraus in der heutigen Zeit, wo viele Juden nicht daran interessiert sind, die spezifisch jüdischen Gebote einzuhalten, eine Problematik. Die potentiellen Konvertiten fragen sich dann: Warum muss ich und die nicht?

Aber grundsätzlich hat schon alles seine Richtigkeit. Es wäre nicht in seinem Interesse, diesen Schritt zu tun, wenn er die Religion nicht leben will.

1

Was möchtest Du wissen?