Warum glauben so viele aufgeklärte Menschen daran, dass Wasser Informationen speichern kann und diese durch verdünnen potentiert werden?

13 Antworten

Hallo msberlinski,

weil wir uns leicht irren und die Werbung für die Homöopathie genau das ausnutzt. Deshalb.

Ausführlicher in 3 Schritten:

1)

Wenn wir heutzutage ein Zipperlein haben, dann ist es einfach sehr wahrscheinlich, dass uns eine Freundin, Nachbarin oder Verwandte "was Homöopathisches" empfiehlt, weil sie ja soooo gute Erfahrungen damit gemacht hat.

Und klar: Nimmt man Homöopathika bei typischen Alltagsbeschwerden wie Erkältung, Kopfschmerz oder Magenverstimmung (übrigens laut einer Allensbachumfrage tatsächlich die häufigsten Anwendungsgebiete bei Homöopathie in Selbstmedikation), dann macht man unweigerlich danach die Erfahrung, dass es einem ein paar Tage später besser geht. Bei Kindern wird das noch deutlicher: Typische behandelte Beschwerden sind hier das Zahnen, blaue Flecken, Erkältungen und leichtes Fieber, Magenverstimmung und Insektenstiche.

"Mir hat's geholfen!" ist die häufigste Antwort, die man bekommt, wenn man auf den Placebocharakter der Arzneien hinweist.

Es ist sehr schwer, diesem positiven Gefühl die kühle Logik entgegenzusetzen, dass derartige Besserungen NACH einer Einnahme ohne statistischen Vergleich, wie oft denn Patienten Besserungen erlebten, wenn sie in derselben Situation ein Placebo einnahmen, völlig nichtssagend sind.

Was uns emotional berührt (Genesung) erscheint uns einleuchtender als Logik.

Sehr schön erklärt ist das im Buch von Kahnemann: "Schnelles Denken, langsames Denken" https://www.amazon.de/Schnelles-Denken-langsames-Daniel-Kahneman/dp/3328100342/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1495877521&sr=8-1&keywords=kahnemann+schnelles+denken+langsames+denken )

An dieser Stelle sollte man sich klar machen, dass der Mensch einfach auf seine eigen Krankheit emotional und nicht rational reagiert. Und dass unsere Rationalität und "Aufgeklärtheit" ohnehin eine dünne Lackschicht ist: Wir sind nach wie vor abergläubige Wesen, die denken, der Mond wäre schuld, wenn wir mal schlecht schlafen oder dass nicht geregnet hätte, wenn wir einen Schirm dabei gehabt hätten. Emotionale Reaktionen sind unsere Natur.

Wenn unser Bauchgefühl passt, werfen wir nur widerwillig das Hirn an und lassen uns nur ungern durch sachliche Argumente vom Gegenteil überzeugen. Nicht weil wir dumm wären, sondern weil wir eben biologisch so gestrickt sind. - Wir alle, nicht nur Homöopathiefans wohlgemerkt.

2)

Die Homöopathen achten heutzutage ja extrem darauf, die wissenschaftliche Unplausibilität ihres Verfahrens zu vertuschen. Schau Dir mal die Werbung für die Homöopathie so an.

Erst mal erzählt Dir nirgends wer, was Homöopathie genau ist. Da sind immer Bildchen von Blümchen und fröhlichen Babys im Vordergrund. Die Texte handeln von "Entdeckungen", von Tradition und Erfahrung. Positiv besetzte Begriffe wie "nebenwirkungsfrei", "sanft", "natürlich" werden litaneiartig wiederholt.

Im Ergebnis halten (Allensbach-Umfrage) knapp die Hälfte der Homöopathie-Anwender die Homöopathie für Naturheilkunde oder verwechseln sie sogar mit Pflanzenheilkunde. Klar, dass von dieser Hälfte der Anwender niemand über die Unplausibilität des Wassergedächtnisses nachdenkt.

Andere Umfragen (der Barmer KK) zeigen einen anderen Aspekt: Der Arzt nimmt sich über die ausführliche Anamnese sehr, sehr viel Zeit. Der Patient fühlt sich endlich mal nicht so abgefertigt wie bei einer medizinischen Behandlung. Tatsächlich schätzten in der Umfrage der Barmer mehr Patienten die intensive Zuwendung des Arztes in der Homöopathie als sie auf die Frage, ob sie die Arzneien für wirksam halten, mit "ja" antworteten.

Das lässt tief blicken und zeigt auch, was man in der Medizin verloren hat und von der Homöopathie wieder lernen muss. Dem Mensch fehlt im Gesundheitswesen oft die Empathie, das Mitgefühl und der Trost in seinem Leid.

Die Werbung für die Homöopathie nutzt also geschickt bereits vorhandene Sehnsüchte des Patienten aus.

3)

Ganz wichtig in diesem Kontext ist die Rolle der sogenannten "Homöopathieforschung".

Sie dient nur dem einen Zweck, nämlich dem Patienten und - wichtiger noch - dem Gesetzgeber vorzugaukeln, die Homöopathie wäre gar nicht wissenschaftlich unplausibel, sondern der Durchbruch im Verständnis einer "Wirkweise" der Homöopathika stünde kurz davor, man habe gerade zuletzt gewaltige Fortschritte erzielt.

Diese Botschaft ist freilich seit Jahrzehnten unverändert.

Die Homöopathie bedient hier aber für den oberflächlichen Betrachter (und das ist der wissenschaftliche Laie eben nur allzu gern, siehe Punkt 1) einfach scheinbar den rationalen Bereich.

Man darf hier nicht vergessen, dass das die Homöopathie schon immer tat, weil sie sich immer als empirisches Verfahren präsentiert hat: Ihre Verordnungen basieren ja in gewisser Weise auf Beobachtung: Homöopathen weisen auf Arzneimittelprüfungen am Gesunden. Dass diese Prüfungen auch wieder dem "Post-hoc-ergo-propter-hoc"-Irrtum Tür und tor öffnen, ist den wenigsten bekannt.

Tatsächlich bedient die moderne Homöopathie aber ganz bewusst die rationale Schiene durch die Gründung einer "WissHom", dem Abhalten von "Kongressen" und der Veröffentlichung einer Vielzahl von Artikeln in eigenen "Fachzeitschriften". Nur wer sich die Mühe macht, diese Arbeiten mal wirklich zu lesen, der erkennt ihre mangelnde Aussagekraft. Macht aber kaum jemand.

Was man bemerken könnte, wenn man es denn wollte, ist, dass dieser inszenierte Forschungsbetrieb völlig losgelöst von der homöopathischen Praxis ist. Während echte Forschung dem Zwecke dient, die Praxis zu verbessern und Forschungsergebnisse diese entsprechend laufend verändern, ändert sich in der homöopathischen Praxis nicht das Geringste, ganz unabhängig davon, wie die Studienlage denn nun eigentlich ist.

Der Fachausdruck für eine derartige Scheinforschung ist übrigens "Pathologische Forschung": Forschung, deren Ergebnisse von vornherein "tot" sind. Alle diese Veröffentlichungen haben nur den Zweck, die rationale Seite des Patienten endgültig einzulullen.

Grüße

Wasser.........

ist für uns als kohlenstoffbasierte Lebewesen natürlich existentiell. Mit Information hat Wasser aber nur insofern zu tun, als seine Struktur nun mal H2O ist, wobei das "H" durchaus auch Deuterium sein kann, aber das kommt selten vor.

Warum die Menschen an jeden Müll glauben, wie Verschwörungsphantasien, Magie, Astrologie, Homöopathie - das andere laß ich hier mal weg, um niemanden zu beleidigen.

Verschwörungstheoretiker sind entweder sehr ungebildet oder eiskalte und gewissenlose Geschäftemacher. Für Ungebildete ist der Unterschied zwischen Theorie und Phantasie nicht nachvollziebar. Außerdem kennen sie nicht die wissenschaftliche Definition von Theorie. Sie verwechseln das mit der umgangssprachlichen Theorie, die eben auch völliger Mist sein kann - sie hätten gerne den Begriff "wissenschaftlicher Fakt", bekommen aber nur "wissenschaftliche Theorie" zu hören - das kann dann ja nicht gesichert sein?

Stimmt! Die Gravitation könnte sich auch anders erklären lassen, allerdings sind ihre Effekte nun mal eindeutig: wer von einem Wolkenkratzer springt, der endet als Matsch!

Das gleiche trifft auf Astrologiegläubige zu. Denen kann man 100 mal erklären, daß der (Klein-)Planet Pluto auf die Erde nur einen Einfluß hat, der geringer ist als würde jemandem ein einzelnes Haar abbrechen und daß wenn schon, daß dann Jupiter einen völlig dominanten Einfluß hat. Aber vor dem Jupiter kommt trotzdem noch ein recht winziger Himmelskörper, nämlich unser Mond, weil der sehr viel dichter kreist!

Völlig zwecklos! Genausogut kann man einem "Gläubigen" auch erklären, daß Copperfield garantiert nicht durch Mauern gehen kann - derjenige glaubt das trotzdem!

Manche glauben auch, daß schwarze Katzen Unglück bringen! - Schon möglich, wenn man in der Dunkelheit über sie stolpert! Oder daß man sich bei Gewitter unter Buchen stellen soll, weil nur Eichen getroffen werden - dabei wünsche ich viel Spaß - und vorher ein Testament machen!

Damit habe ich deine Frage zwar nicht beantwortet, aber vielleicht einiges aufgedröselt - Gruß

Ich vermute, viele Menschen haben nie verstanden, wie wissenschaftliches Vorgehen und wissenschaftliche Belege funktionieren. Und sie haben nicht gelernt, dass in der heutigen Informationsflut viel Unsinn dabei ist.

Und nicht zuletzt überprüfen manche Menschen den Wahrheitsgehalt von Ratschlägen meist nur danach, ob ihnen der Ratgebende vertrauenswürdig erscheint. Wenn also die Nachbarin, die einem immer von ihren Kirschen abgibt und mal das Baby gehütet hat, vom Wassergedächtnis erzählt, glauben sie deswegen. Oder wenn Homöopathen ganz tolle Broschüren haben, etwas von "Natur" erzählen und ihre Mittel in der Apotheke (was für mich ein echter Skandal ist) abholen können, dann denken sie auch, das muss ja stimmen.

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