Warum glauben so viele aufgeklärte Menschen daran, dass Wasser Informationen speichern kann und diese durch verdünnen potentiert werden?

...komplette Frage anzeigen

10 Antworten

Hallo msberlinski,

weil wir uns leicht irren und die Werbung für die Homöopathie genau das ausnutzt. Deshalb.

Ausführlicher in 3 Schritten:

1)

Wenn wir heutzutage ein Zipperlein haben, dann ist es einfach sehr wahrscheinlich, dass uns eine Freundin, Nachbarin oder Verwandte "was Homöopathisches" empfiehlt, weil sie ja soooo gute Erfahrungen damit gemacht hat.

Und klar: Nimmt man Homöopathika bei typischen Alltagsbeschwerden wie Erkältung, Kopfschmerz oder Magenverstimmung (übrigens laut einer Allensbachumfrage tatsächlich die häufigsten Anwendungsgebiete bei Homöopathie in Selbstmedikation), dann macht man unweigerlich danach die Erfahrung, dass es einem ein paar Tage später besser geht. Bei Kindern wird das noch deutlicher: Typische behandelte Beschwerden sind hier das Zahnen, blaue Flecken, Erkältungen und leichtes Fieber, Magenverstimmung und Insektenstiche.

"Mir hat's geholfen!" ist die häufigste Antwort, die man bekommt, wenn man auf den Placebocharakter der Arzneien hinweist.

Es ist sehr schwer, diesem positiven Gefühl die kühle Logik entgegenzusetzen, dass derartige Besserungen NACH einer Einnahme ohne statistischen Vergleich, wie oft denn Patienten Besserungen erlebten, wenn sie in derselben Situation ein Placebo einnahmen, völlig nichtssagend sind.

Was uns emotional berührt (Genesung) erscheint uns einleuchtender als Logik.

Sehr schön erklärt ist das im Buch von Kahnemann: "Schnelles Denken, langsames Denken" https://www.amazon.de/Schnelles-Denken-langsames-Daniel-Kahneman/dp/3328100342/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1495877521&sr=8-1&keywords=kahnemann+schnelles+denken+langsames+denken )

An dieser Stelle sollte man sich klar machen, dass der Mensch einfach auf seine eigen Krankheit emotional und nicht rational reagiert. Und dass unsere Rationalität und "Aufgeklärtheit" ohnehin eine dünne Lackschicht ist: Wir sind nach wie vor abergläubige Wesen, die denken, der Mond wäre schuld, wenn wir mal schlecht schlafen oder dass nicht geregnet hätte, wenn wir einen Schirm dabei gehabt hätten. Emotionale Reaktionen sind unsere Natur.

Wenn unser Bauchgefühl passt, werfen wir nur widerwillig das Hirn an und lassen uns nur ungern durch sachliche Argumente vom Gegenteil überzeugen. Nicht weil wir dumm wären, sondern weil wir eben biologisch so gestrickt sind. - Wir alle, nicht nur Homöopathiefans wohlgemerkt.

2)

Die Homöopathen achten heutzutage ja extrem darauf, die wissenschaftliche Unplausibilität ihres Verfahrens zu vertuschen. Schau Dir mal die Werbung für die Homöopathie so an.

Erst mal erzählt Dir nirgends wer, was Homöopathie genau ist. Da sind immer Bildchen von Blümchen und fröhlichen Babys im Vordergrund. Die Texte handeln von "Entdeckungen", von Tradition und Erfahrung. Positiv besetzte Begriffe wie "nebenwirkungsfrei", "sanft", "natürlich" werden litaneiartig wiederholt.

Im Ergebnis halten (Allensbach-Umfrage) knapp die Hälfte der Homöopathie-Anwender die Homöopathie für Naturheilkunde oder verwechseln sie sogar mit Pflanzenheilkunde. Klar, dass von dieser Hälfte der Anwender niemand über die Unplausibilität des Wassergedächtnisses nachdenkt.

Andere Umfragen (der Barmer KK) zeigen einen anderen Aspekt: Der Arzt nimmt sich über die ausführliche Anamnese sehr, sehr viel Zeit. Der Patient fühlt sich endlich mal nicht so abgefertigt wie bei einer medizinischen Behandlung. Tatsächlich schätzten in der Umfrage der Barmer mehr Patienten die intensive Zuwendung des Arztes in der Homöopathie als sie auf die Frage, ob sie die Arzneien für wirksam halten, mit "ja" antworteten.

Das lässt tief blicken und zeigt auch, was man in der Medizin verloren hat und von der Homöopathie wieder lernen muss. Dem Mensch fehlt im Gesundheitswesen oft die Empathie, das Mitgefühl und der Trost in seinem Leid.

Die Werbung für die Homöopathie nutzt also geschickt bereits vorhandene Sehnsüchte des Patienten aus.

3)

Ganz wichtig in diesem Kontext ist die Rolle der sogenannten "Homöopathieforschung".

Sie dient nur dem einen Zweck, nämlich dem Patienten und - wichtiger noch - dem Gesetzgeber vorzugaukeln, die Homöopathie wäre gar nicht wissenschaftlich unplausibel, sondern der Durchbruch im Verständnis einer "Wirkweise" der Homöopathika stünde kurz davor, man habe gerade zuletzt gewaltige Fortschritte erzielt.

Diese Botschaft ist freilich seit Jahrzehnten unverändert.

Die Homöopathie bedient hier aber für den oberflächlichen Betrachter (und das ist der wissenschaftliche Laie eben nur allzu gern, siehe Punkt 1) einfach scheinbar den rationalen Bereich.

Man darf hier nicht vergessen, dass das die Homöopathie schon immer tat, weil sie sich immer als empirisches Verfahren präsentiert hat: Ihre Verordnungen basieren ja in gewisser Weise auf Beobachtung: Homöopathen weisen auf Arzneimittelprüfungen am Gesunden. Dass diese Prüfungen auch wieder dem "Post-hoc-ergo-propter-hoc"-Irrtum Tür und tor öffnen, ist den wenigsten bekannt.

Tatsächlich bedient die moderne Homöopathie aber ganz bewusst die rationale Schiene durch die Gründung einer "WissHom", dem Abhalten von "Kongressen" und der Veröffentlichung einer Vielzahl von Artikeln in eigenen "Fachzeitschriften". Nur wer sich die Mühe macht, diese Arbeiten mal wirklich zu lesen, der erkennt ihre mangelnde Aussagekraft. Macht aber kaum jemand.

Was man bemerken könnte, wenn man es denn wollte, ist, dass dieser inszenierte Forschungsbetrieb völlig losgelöst von der homöopathischen Praxis ist. Während echte Forschung dem Zwecke dient, die Praxis zu verbessern und Forschungsergebnisse diese entsprechend laufend verändern, ändert sich in der homöopathischen Praxis nicht das Geringste, ganz unabhängig davon, wie die Studienlage denn nun eigentlich ist.

Der Fachausdruck für eine derartige Scheinforschung ist übrigens "Pathologische Forschung": Forschung, deren Ergebnisse von vornherein "tot" sind. Alle diese Veröffentlichungen haben nur den Zweck, die rationale Seite des Patienten endgültig einzulullen.

Grüße

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich vermute, viele Menschen haben nie verstanden, wie wissenschaftliches Vorgehen und wissenschaftliche Belege funktionieren. Und sie haben nicht gelernt, dass in der heutigen Informationsflut viel Unsinn dabei ist.

Und nicht zuletzt überprüfen manche Menschen den Wahrheitsgehalt von Ratschlägen meist nur danach, ob ihnen der Ratgebende vertrauenswürdig erscheint. Wenn also die Nachbarin, die einem immer von ihren Kirschen abgibt und mal das Baby gehütet hat, vom Wassergedächtnis erzählt, glauben sie deswegen. Oder wenn Homöopathen ganz tolle Broschüren haben, etwas von "Natur" erzählen und ihre Mittel in der Apotheke (was für mich ein echter Skandal ist) abholen können, dann denken sie auch, das muss ja stimmen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo! Zunächst weil sich damit Geschäfte machen lassen.

Ansonsten ist das eine Verschwörungstheorie vom gleichen Niveau  wie : 

  • Die Erde ist eine Scheibe
  • Bielefeld gibt es nicht
  • Entenaugen können Menschen steuern.
  • Trump ist ein Alien

Zu allem noch ein Zitat : 

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher!!! Albert Einstein, 14.03.1879 - 18.04.1955

Alles Gute.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wasser.........

ist für uns als kohlenstoffbasierte Lebewesen natürlich existentiell. Mit Information hat Wasser aber nur insofern zu tun, als seine Struktur nun mal H2O ist, wobei das "H" durchaus auch Deuterium sein kann, aber das kommt selten vor.

Warum die Menschen an jeden Müll glauben, wie Verschwörungsphantasien, Magie, Astrologie, Homöopathie - das andere laß ich hier mal weg, um niemanden zu beleidigen.

Verschwörungstheoretiker sind entweder sehr ungebildet oder eiskalte und gewissenlose Geschäftemacher. Für Ungebildete ist der Unterschied zwischen Theorie und Phantasie nicht nachvollziebar. Außerdem kennen sie nicht die wissenschaftliche Definition von Theorie. Sie verwechseln das mit der umgangssprachlichen Theorie, die eben auch völliger Mist sein kann - sie hätten gerne den Begriff "wissenschaftlicher Fakt", bekommen aber nur "wissenschaftliche Theorie" zu hören - das kann dann ja nicht gesichert sein?

Stimmt! Die Gravitation könnte sich auch anders erklären lassen, allerdings sind ihre Effekte nun mal eindeutig: wer von einem Wolkenkratzer springt, der endet als Matsch!

Das gleiche trifft auf Astrologiegläubige zu. Denen kann man 100 mal erklären, daß der (Klein-)Planet Pluto auf die Erde nur einen Einfluß hat, der geringer ist als würde jemandem ein einzelnes Haar abbrechen und daß wenn schon, daß dann Jupiter einen völlig dominanten Einfluß hat. Aber vor dem Jupiter kommt trotzdem noch ein recht winziger Himmelskörper, nämlich unser Mond, weil der sehr viel dichter kreist!

Völlig zwecklos! Genausogut kann man einem "Gläubigen" auch erklären, daß Copperfield garantiert nicht durch Mauern gehen kann - derjenige glaubt das trotzdem!

Manche glauben auch, daß schwarze Katzen Unglück bringen! - Schon möglich, wenn man in der Dunkelheit über sie stolpert! Oder daß man sich bei Gewitter unter Buchen stellen soll, weil nur Eichen getroffen werden - dabei wünsche ich viel Spaß - und vorher ein Testament machen!

Damit habe ich deine Frage zwar nicht beantwortet, aber vielleicht einiges aufgedröselt - Gruß

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo msberlinski...,
du fragst, 'warum' aufgeklärte Menschen daran glauben, dass Wasser "Informationen" enthält.
Ich weiß es nicht, vermute aber, dass entsprechende Untersuchungen daran glauben lassen können: Bernd Kröplin,ordentlicher Professor an der Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart, erhielt für seine entsprechenden Arbeiten daran bereits 1999 den mit immerhin 750.000 Euro dotierten Körber-Preis.
Angefangen hatte es wissenschaftlich wohl durch die bekannten Fotos des Japaners Dr. Masaru Emoto. Aufgrund seiner auflösenden Funktion hatte Wasser auch in alten Kulturen immer schon die Bedeutung, "Träger" von Vielem zu sein. Man spricht ja auch vom "Gedächtnis" des Wassers. Das scheint mir deine Frage zu beantworten.

Deine weitere Vermutung, dass solche Inhalte nur durch das Verdünnen sogar potenziert würden, scheint mir sehr verkürzt gedacht und wird so materiell wohl auch nicht feststellbar sein. Vielleicht bist du auf den Hahnemann-Begriff der "Potenzierung" hereingefallen. Geh dem mal nach. Vielleicht ist irgendwo beschrieben, wie er zu diesem Begriff kam.
Eine materielle Vermehrung ist damit sicher nicht gemeint. Ich verstehe es als eine potenzierte Wirksamkeit im Organischen. Wobei mir solches materielle Denken auf die Wirksamkeit der Mittel in der Homöopathie gar nicht ansetzbar scheint. Aber "irreal" ist Homöopathie nun gar nicht! Kannst du in jeder Apotheke kaufen!

Auch, dass solche Menschen, die an Informationen im Wasser glauben, nun nicht an Gott glauben würden, kommt mit eher gewagt vor. Wobei mir dieser Zusammenhang jetzt auch nicht einleuchtet und nur wenig sinnhaft erscheint. Wenn mir ein Sanitärinastallateur den Abfluss reinigt, ist mir seine Religion ziemlich egal *zugeb* ;- ))



Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MalNachgedacht
19.05.2017, 09:33

Ich weiß es nicht, vermute aber, dass entsprechende Untersuchungen daran glauben lassen können: Bernd Kröplin,ordentlicher Professor an der Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Universität Stuttgart, erhielt für seine entsprechenden Arbeiten daran bereits 1999 den mit immerhin 750.000 Euro dotierten Körber-Preis.

Weder schützt ein Professoren-Titel zuverlässig davor auf spinnerte Idee zu kommen (vor allem in höherem Alter) noch ist Professor Kröplin als Bauingenieur und Luft- und Raumfahrtttechniker nun eher kein Chemiker oder Physiker.

https://www.psiram.com/de/index.php/Bernd_Kr%C3%B6plin

Angefangen hatte es wissenschaftlich wohl durch die bekannten Fotos des Japaners Dr. Masaru Emoto. 

Dessen Wasserexperimente wissenschaftlichen Standards nicht standhalten - da außer Emoto selbst niemand seine Ergebnisse reproduzieren konnte. Emoto selbst übrigens auch nicht nachdem er sich zuerst mit dem Kritiker James Randi auf  eine entsprechende Verblindung  des Versuch einigte wollte er dann plötzlich nicht mehr zum Versuch antreten.

Mit dem Doktor-Titel von Emoto ist es auch nicht weit her:

https://de.wikipedia.org/wiki/Masaru_Emoto#Ausbildung

Emoto studierte Politikwissenschaften mit Schwerpunkt auf Internationalen Beziehungen an der Städtischen Universität Yokohama. Im Oktober 1992 schloss er seine Ausbildung als Alternativmediziner an der indischen International Open University ab. Diese als Titelmühle bekannte Einrichtung verlieh ihm daraufhin einen Doktortitel.

Aufgrund seiner auflösenden Funktion hatte Wasser auch in alten Kulturen immer schon die Bedeutung, "Träger" von Vielem zu sein. 

Häh?

Natürlich spielt Wasser in vielen Kulturen eine wichtige Rolle - was auch logisch ist denn schließlich ist Wasser lebensnotwendig. Ohne Nahrung kann man notfalls Wochen überleben - ohne Wasser nur wenige Tage. Obendrein braucht man zur Herstellung von Nahrung meist auch Wasser.

Aber die "auflösende Funktion" (ist damit gemeint, dass Wasser chemisch betrachtet ein recht gutes Lösungsmittel für viele Substanzen ist?) dürfte wohl früher eher keine Rolle gespielt haben.

Oder welche Kultur soll das konkret gewesen sein, die Wasser deswegen eine wichtige Bedeutung 

Man spricht ja auch vom "Gedächtnis" des Wassers.

Eigentlich sprechen nur einige Esoteriker und Alternativheilkünstler von "Gedächtnis" des Wassers.
Normale Menschen machen hingegen die Alltagserfahrung, dass Wasser reichlich ungeeignet ist um Informationen zu speichern. 

Physiker und Chemiker aber auch....

4
Kommentar von Anaschia
19.05.2017, 19:04

@ Naiver : Gratulation ! Besser hätte man nicht antworten können.

2

Weil die meisten Menschen gar nicht wissen, daß da so ein Hokus-Pokus dahintersteckt. Den Blödsinn mit der Informationsspeicherung schreibt ja niemand, wenn es um Homöopathie geht. Erklärt wird ja normalerweise gar nichts.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Aha !!!! Sehr interressant, wo hast Du denn dieses Wissen her, oder glaubst Du nur das es so ist ?

Ein aufgeklärter Mensch wäre jemand der alles weiß; ich kenne leider keinen. Nur solche Menschen die alles besser wissen als die anderen.

Ich glaube z.B. an das was mir hilft. An Gott als Person glaube ich nicht, aber an eine universelle Kraft.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil man immer den Beweis für das findet, an was man glaubt. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Homöopathie kann man ausrpobieren, Gott nicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil sie es wollen. Warum glaube ich an Gott? Weil er mir Sinn schenkt und ich im Himmel lande anstatt im Nichts zu verschwinden. 

Warum Glaube ich an Homöopathie? 

Wiel die Wundermittelchen aus der Natur kommen und gut verträglich sind. (Das ein oder andere hilft ja auch aber viele übertreiben halt ) 

Warum glaub ich an Rassenlehre und den ganzen andern Mist?

Weil ich weiß bin.

Kann man ewig so vorführen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MalNachgedacht
19.05.2017, 09:14

Wiel die Wundermittelchen aus der Natur kommen 

Die "Wundermittelchen" der Homöopathie (wie z.B. Arsen, Schwefel, Quecksilber, Plutonium, Nitrit Acidum  (Salpetersäure) uvm. sind genauso wenig/viel "natürlich" wie Aspirin.

und gut verträglich sind. (Das ein oder andere hilft ja auch aber viele übertreiben halt ) 

Gut verträglich sind oben genannten Mittel nur deswegen, weil man sie in der Homöopathie so weit verdünnt das nichts (oder keine wirksame Menge) von ihnen übrigbleibt.

3

Was möchtest Du wissen?