Warum müssen katholische Priester im Zölibat leben?

21 Antworten

Da die ersten Christen das baldige Ende der Welt erwarteten, riet Paulus zum Heiraten nur in "Notfällen", falls jemand sich nicht sexuell enthalten kann. Ansonsten lohnte das Heiraten nicht mehr und lenkte nur ab.

Die Ehelosigkeit kath. Priester soll heute auch zur vollen Konzentration auf die Ausübung der Priesterberufung führen. Nebengründe sind, dass ein Unverheirateter leichter das Beichtgeheimnis bewahren kann und dass bei Kinderlosigkeit krichliche Ämter nicht vererbt werden können.

Der freiwillige Zölibat ist aus meiner Sicht durchaus sinnvoll, auf jeden Fall für Ordensleute.

Den Zwangszölibat begründet die kath. Kirche auch nicht theologisch, sondern nur mit der "Tradition", die aber erst ab etwa dem 11. Jahrhundert begann. Das ist wenig überzeugend und sollte m.E. nach abgeschafft werden.

Jede Gruppierung darf sich eigene Regeln auferlegen, nach verschiedenen Varianten von Enthaltsamkeit hat Papst Benedikt VIII im Jahr 1022 die Ehelosigkeit für alle Geistlichen festgeschrieben.

Die Geistlichen sollen so besser für den Dienst in der Kirche geeignet sein und nicht durch eine eigene Familie / Partnerin abgelenkt werden.

Niemand wird gezwungen Geistlicher zu werden, alle die sich freiwillig dazu entscheiden, wissen was von Ihnen verlangt wird und können nach reiflicher Prüfung (bis zu mehreren Jahren) den endgültigen Schritt zum Geistlichen vornehmen oder es lassen und den jeweiligen Orden wieder verlassen.

*Warum müssen katholische Priester im Zölibat leben?*

Weil sie das vor ihrer Weihe versprochen haben. Es ist die Einlösung ihres Versprechens. 

*"Warum wurde dies eingeführt und wird bis Heute aufrechterhalten"* 

Im 11. bzw. 12. Jahrhundert wurde diese Regelung in der "Katholischen  Kirche des lateinischen Ritus" verpflichtend für alle übernommen. Es wurde bis heute nicht geändert, abgesehen von der Regelung für Ständige Diakone beim 2. Vatikanischen Konzil. Daher ist das heute noch so 😉. 

*"...biblisch begründbar ist es ja meines Wissens nicht"* 

Die "Verpflichtung" dazu kann nicht mit dem NT begründet werden, die zolibatäre Lebensform als (sogar dringende!) Empfehlung allerdings recht gut. 

*"biblisch begründbar"*

Der Katholik fragt nicht zuerst, was ist biblisch, sondern was sagt die Kirche dazu. Erst im Anschluss wird (vielleicht) die Frage gestellt, was steht in der Bibel dazu. Das hat einen einfachen Grund: Die Kirche (= Versammlung der Christen zusammen mit ihren Hirten/Bischöfen) ist die "die Säule und das Fundament für die Wahrheit" (1 Tim 3,15). Aus dieser Gemeinschaft der Christen (Leib Christi, 1 Kor 12,12-27) ist das NT hervorgegangen in Form von Briefen, Evangelien und weiteren Schriften. Vereinfacht gesagt: Zuerst (!) war die Kirche, erst dann das Neue Testament. Daher liegt die verbindliche Auslegung von strittigen Bibelstellen letztlich bei der Kirche. Aus diesem Grund findest du in der Praxis der Kirche auch Dinge, die im NT so nicht drinstehen oder sich in scheinbarem (!) Widerspruch dazu befinden.  

In der Bibel findet sich kein Ge- oder Verbot, dass das Zölibat (dass Priester nicht heiraten dürfen) rechtfertigen könnte. Ganz im Gegenteil schreibt Paulus sogar im Timotheusbrief, dass Gemeindeleiter Mann einer Frau sein sollte (1. Timotheus 3,2).

Ein wesentlicher Grund für die Einführung des Zölibats dürfte das Streben nach Reichtum und Macht gewesen sein. Da die Päpste, Bischöfe, Priester und Nonnen keine erbberechtigten Nachkommen hatten, fiel der gesamte Besitz nach ihrem Tod wieder der Kirche zu anstatt als Erbe ihren Kindern zuzufallen. Auf diese Weise wurde die Kirche automatisch reicher und mächtiger.

Wenn man diese beiden Aussagen nimmt, ist es verständlich, dass immer mehr Stimmen in der katholischen Kirche laut werden, die sich gegen das Zölibat wenden.

In der evangelischen Kirche, in den orthodoxen Kirchen und in den Freikirchen ist das Zölibat kein Thema. Deren Pfarrer, Pastoren, Priester und Gemeindeleiter dürfen ganz normal heiraten.

Es heißt, dass man sich so mehr auf Gott konzentrieren kann, aber es könnte – meiner Meinung nach – auch nur von Profitgier kommen (siehe feinerles Antwort).

Ich denke, Ehelosigkeit für Gott ist an sich nichts Schlechtes, aber wenn es befohlen wird und das heiraten verboten schon.

Und das steht auch in der Bibel:

Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Sie verbieten zu heiraten (…) (1. Timotheus 4,1-3)

Ich denke, der Vers spricht an dieser Stelle für sich.

Danke Naemi777! Diese Bibelstelle ist aufschlußreich und sehr wichtig.

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