Warum gilt das Schwein als unrein?

26 Antworten

Das Schweinefleischtabu im Islam

Nicht nur Supermärkte, Appetit und Diätpläne bestimmen, was wir essen. In vielen Ländern spielen auch religiöse Vorschriften eine Rolle. Vor allem der Genuss bestimmter Fleischsorten ist Gläubigen mitunter strikt verboten. Bei Juden und Moslems gilt das Schwein als "unrein", den Hindus ist die Kuh heilig, und den Christen hat - was wohl die wenigsten wissen - der Papst den Genuss von Pferdefleisch untersagt.

Im Alten Testament steht zum Schwein (und einigen anderen Tieren) geschrieben: "Von ihrem Fleisch dürft ihr nicht essen und ihr Aas nicht berühren; unrein sind sie für euch." (3. Buch Mose 11,8) Und der Koran sagt: "Verboten hat Er euch nur Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch und Fleisch, worüber ein anderes Wesen als Gott angerufen worden ist." (2. Sure, Vers 174) Aber warum, um alles in der Welt, hat sich das Schwein gleich bei zwei Weltreligionen so unbeliebt gemacht? Als erste und einfachste Begründung wird meist angeführt, das Schwein sei unsauber, denn es suhle sich in seinem eigenen Dreck. Ein moderner Erklärungsversuch lautet, bei dem Gebot handle es sich um eine verkappte Maßnahme zur Krankheitsvorbeugung, weil Schweinefleisch oft Trichinen enthalten habe.

Beide Argumente sind leicht zu widerlegen. Punkt 1: Schweine verhalten sich nur dann "unrein(lich)", wenn wir sie dazu zwingen. Schweine besitzen keine Schweißdrüsen, deshalb benötigen sie zur Abkühlung Wasser oder Schlamm - erst recht, wenn es heiß ist. Nur im ärgsten Notfall wälzen sie sich tatsächlich im eigenen Kot. Punkt 2: Andere Haustiere, wie Rinder, Schafe und Ziegen, übertragen ebenfalls gefährliche Krankheiten (etwa Tuberkulose, Brucellose, Rinderwahnsinn oder Milzbrand), und trotzdem ist ihr Verzehr nicht verboten. Durch ausreichendes Erhitzen lassen sich die meisten Krankheitserreger unschädlich machen. Wäre es also allein um die Gesundheit gegangen, hätten Allah und Jahwe zuvörderst den Genuss rohen Fleisches verboten. Haben sie aber nicht. Also muss etwas anderes dahinterstecken.

Der wahre Grund ist: Das Schwein ist zu schlecht an Klima und Umwelt des Vorderen Orients angepasst. Es braucht Wasser, Schatten und Wälder, in denen es nach Eicheln, Pilzen, Käfern und Engerlingen wühlen kann. Wie archäologische Funde belegen, gab es das alles in vorchristlicher Zeit auch im Nahen Osten, und damals hielten und aßen die Menschen ganz selbstverständlich Schweine. Doch als die Wälder schwanden, die Böden austrockneten und das Wasser knapper wurde, verlor das Schwein seine ökologische Nische und entwickelte sich zum Nahrungskonkurrenten des Menschen: Jetzt musste man es füttern, sollte das Tier Fleisch ansetzen. Anders als Rinder, Schafe und Ziegen sind Schweine keine Wiederkäuer und können demzufolge mit Gras, Blättern oder gar Baumrinde herzlich wenig anfangen.

Und vor allem: Das Wasser war kostbar geworden. Sollte man es den Schweinen zum Suhlen überlassen? Es wäre unvernünftig gewesen, zumal Schweine außer dem jetzt teuer erkauften Fleisch - im Gegensatz zu Rindern, Ziegen und Schafen, die Milch bzw. Wolle liefern - keinen weiteren Nutzen boten. Und da die Menschheit damals nicht anders war als heute, musste ein göttliches Gesetz erlassen werden, um die Unvernunft und die Lust auf Schweinernes einzudämmen. Dank sei Gott.

http://www.deutschlandradio.de/archiv/dlr/sendungen/mahlzeit/153027/index.html

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Die wissen gar nicht was denen Köstliches entgeht...hhmmm... so ein schönes Schnitzel o. ein gegrilltes Schweinesteak!!!!

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Wie so oft in Glaubensgemeinschaften ist auch das nicht durchdacht. Äßen sie die Schweine, statt sie durchzufüttern, würden sie auch keine Nahrungskonkurrenten.

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Stimmt schon: Tabus, Lebensmittelvorschriften, Verstümmelungsriten usw. dienten schon immer zur Abgrenzung von anderen und insbesonderes andersgläubigen Sippen und Stämmen.

Allerdings haben schon die Pyramidenbauer Schweinefleisch gegessen und auch im Zweistromland und im alten Griechenland war es nicht unüblich. Die ersten domestizierten Schweine in Europa kamen aus dieser Ecke (vor ca. 6000 Jahren) allerdings haben diese Sorten sich nicht durchgesetzt und die gewöhnliche Wutz in Europa basiert auf domestizierten europäischen Wildschweinen.

Die Ablehnung von Schweinen kam aus dem Dunstkreis der eher primitiven ursprünglichen Jahwe-Anhänger aus den Bergen Palästinas, die sich nur mit einer gehörigen Portion Fanatismus gegen die angrenzenden Hochkulturen als soziokulturelle Einheit behaupten konnten. Daraus entstand allmählich das religiöse Judentum mit den fantastischen Gottgefälligkeitsregeln; Mohammed hat nur davon abgeschrieben als er seine eigene Religion aufgebaut hat (vielleicht hat er auch ein verdorbenes Schnitzel zuviel gegessen).

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@PeterJohann

Endlich mal ein kenntnisreicher Kommentar! Danke, findet man in diese Foren selten!

Nur eine kleine Frage: Sollte es in der 3. letzten Zeile statt " fantastisch" nicht "fanatisch" heißen?

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Weil Schweine früher frei herumstreunen durften und dabei alle Arten von Müll gefressen haben - das Schwein ist ein Allesfresser - auch Tierkadaver und menschliche Leichen auf Hinrichtungsstätten und Friedhöfen, wenn die Leichen nicht tief genug oder gar nicht begraben waren. Dementsprechend haben sie mit ihrem Fleisch jede Menge Krankheiten übertragen, insbesondere die gefährlichen Schweinebandwürmer, die beim Menschen für ganz üble Entzündungen sorgen können, und Trichinen. Daß Schweine heute ständig in Ställen gehalten werden und nur für Transporte oder zum Schlachten nach draußen kommen, ist noch gar nicht so lange üblich (Anfang 20. Jahrhundert, in anderen Ländern z. T. bis heute nicht).

Jedes Tier das Abfälle und potentiell menschliche Leichen frißt, also Krähen, Geier, Schakale oder eben Schweine und Hunde, ist im Islam/Judentum automatisch unrein.  

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wann früher? und wo lag da denn Müll herum??? und vor allem  "menschliche Leichen" ???

Hingegen ging die Schweinezucht im Vorderen Orient später stark zurück. Die Ursache dafür wird in der weitgehenden Abholzung der Wälder im Zuge der Ausweitung des Ackerbaus und der Veränderung des Klimas vermutet. Die Hebräer begannen ein halbnomadisches Leben zu führen. Unter solchen Bedingungen wurde die Schweinehaltung zusehends schwieriger, da Schweine mäßige Temperaturen, Schatten und feuchten Boden benötigen und sich auch nicht mehr vorwiegend in den Wäldern ernähren konnten, was sie als Allesfresser zum Nahrungskonkurrenten des Menschen machte. Die vormals intensiv betriebene Schweinezucht wurde zum Luxus. Ausdruck fand dieser Wandel im Schweinefleischverbot des Judentums und später der Muslime. Dennoch hielt sich die Schweinezucht in kleinerem Umfang bis in nachchristliche Zeit. Bevorzugt wurden aber die an die nun trockenen Lebensbedingungen wesentlich besser angepassten Schafe und Ziegen, die zudem als Wiederkäuer für Menschen ungenießbare Nahrung verwerten sowie Wolle und Milch liefern.

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@adventuredog

Du scheinst keine Ahnung zu haben, wie mitteleuropäische Ansiedlungen, auch Städte, im Mittelalter aussahen, ohne Kanalisation, wo jede Art von Dreck, die Inhalte der Nachttöpfe, einfach auf die Straßen gekippt wurde, überall Misthaufen herumstanden - neben den Brunnen, kein Wunder daß es ständig Epidemien gab - und auf den Richtstätten die Hingerichteten zwecks Abschreckung oft so lange am Galgen hingen, bis die von Krähen und Witterung zerfleischten Überreste von selber herunterfielen. Von Schlachtfeldern voller Leichen - das Mittelalter war eine Zeit vieler Kriege - und den regelmäßigen Seuchen, wo oft so viele Menschen starben, daß man sie gar nicht alle beerdigen konnte, ganz zu schweigen.

P.S. die Juden hielten keine Schweine, weil sie ja vom Ursprung her Nomaden waren, die mit Herden von Schafen, Ziegen und ein paar Rindern oder Eseln durch die Gegend zogen, aber Schweine lassen sich nicht treiben, die fallen da vom Fleisch und krepieren durch den Streß. Deshalb war Schweinehaltung ein Merkmal von seßhaften Völkern, auf die die Nomaden verächtlich herabblickten. Ist also auch ein kulturelles Ding.   

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@Daoga

Auch im Mittelalter lagen nicht ständig überall Leichen rum. Es gab Hotspots wie um Schlachten oder eben in Zeiten von Epidemien wo das örtlich begrenzt so war. Es ist aber quatsch so zu tun als wäre das ganze Mittelalter dunkel und über all voller Leichen gewesen.

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Das mit den Kadavern und menschl.Leichen fressen halte ich für eine absolute Mähr-ich habe zwei Schweine,Kreuzungen zwischen Hängebauchschweinen und kleinerem Hausschwein,die rühren Fleisch überhaupt nicht an.

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Zum einen sind Schweine Allesfresser. Sie fressen das Grünzeug aus dem Garten, wie den Tierkadaver am Wegesrand oder die Kleidung von der Leine. Sie sind Müllvernichtungsanlagen.

Zum anderen waren die meisten Völker zu Zeiten Jesu nomadisierende Sippen. Sie trieben ihre Herdentiere, Ziegen und Schafe, in der Herde mit sich. Rinder führten sie meist einzeln mit sich. Schweine lassen sich aber weder mitführen, noch vernünftig in einer Herde treiben. Deshalb konnte man Schweinefleisch nicht mit sich führen, noch konnte man es nach der Schlachtung hygienisch aufbewahren, denn es verdirbt, wie alles Fleisch bei der Hitze.

Da man aber Hygienevorschriften wegen ihrer Wichtigkeit auch zur Krankheitsvorsorge relativ kurz und prägnant übermitteln muss, dass sie jeder begreift und man Verstösse auch erfährt, wurden Schweine wohl als "Jump to conclusion" pauschal als unrein erklärt.

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