Warum gibt es Vorurteile bei exotischen Namen?

...komplette Frage anzeigen

15 Antworten

Die Vorurteile haben sicherlich ganz unterschiedliche Gründe. Teilweise verbindet man mit exotischen Namen ja eher ungebildete Eltern, die dann den Namen entweder nicht "richtig" (wie im Herkunftsland) aussprechen oder schreiben können. 

Teilweise verbindet man mit exotischen Namen den Ehrgeiz der Eltern, dass das Kind "etwas ganz Besonderes" sein soll, also im Prinzip Arroganz und Eitelkeit, beides Eigenschaften, die einem den Namensträger unsympathisch machen können (Gedanke dahinter, "oh ha, mit dem Namen verlangt der bestimmt Extrawürste oder beschwert sich oft").

Ich persönlich finde es etwas eigenartig, Kinder nach fiktiven Charakteren zu benennen. Jeder kann sich die zugrunde liegende Geschichte durchlesen/ ansehen und hat dann evtl. bestimmte Erwartungen an den Namensträger, die der nicht immer wird erfüllen können/ wollen. Es kann auch zu Hänseleien kommen. Z.B. wurden angeblich nach Suzanne Vegas Song "Luka" viele Kinder Luka/ Luca genannt. In dem Lied geht es aber um eine misshandelte Ehefrau. Toll, wenn das Mitschüler rausbekommen und dann erklären, den oder die entsprechende Luka könne man ja auch schlagen, weil der Name aus diesem Lied stammt...

Es kann halt auch merkwürdig klingen, einem Kind einen Namen aus einer ganz anderen Kultur zu geben, mit der einen sonst nichts verbindet.

 Ich würde bei der Namensgebung immer auch bedenken, dass das Kind evtl. LRS oder eine Behinderung haben könnte. Dann kann es für ein Kind sehr schwer verständlich sein, warum sein Name ganz anders geschrieben als gesprochen wird (bezogen auf die Muttersprache bzw. Sprache, in der es Schreiben lernt).Wenn der Name evtl. falsch ausgesprochen wird, und das Kind immer andere korrigieren muss, kann das für einige Kinder sehr belastend sein. Dies gilt besonders für ungewöhnliche Betonungen bekannter Namen oder ungewöhnliche Schreibweisen bekannter Namen, die beim Lesen zu einem ganz anderen Wort führen könnten (z.B. Sarra statt Sara könnte immer zu "Sacha" führen).

Allgemein würde ich mir die Namensgebung sehr gut überlegen und auch folgende Punkte bedenken:

Kann das Kind mit dem Namen geärgert werden?

Passt der Name einigermaßen zum Nachnamen?

Kann der Name evtl. falsch ausgesprochen werden?

Kann der Name auch von Kindern mit Sprachschwierigkeiten ausgesprochen werden (man weiß ja nie...)?

Kann das Kind den Namen relativ einfach schreiben (lernen), wenn man das deutsche Alphabet zugrunde legt (oder die Schreibweisen der Sprachen, die die Eltern natürlicherweise sprechen oder die in dem Land gesprochen werden, in dem das Kind aufwächst)?

Im Notfall würde ich zu einem "exotischen" Namen immer einen einfachen, bekannten Zweitnamen geben, so dass das Kind ggf. später selbst wählen kann, wie es angesprochen werden möchte.

Tu das deinem Kind nicht an! Dieser Japan-Hype wird irgendwann vorbei sein, aber das Kind muss ein Leben lang mit so einem Namen herumlaufen!

·        
Volkskrankheit Kevinismus

Von Jan Weiler

Manchmal sind Geburtsanzeigen in meiner Post. Hurra, ein neues Menschlein ist angekommen auf unserem kleinen Planeten! Ach...

Inzwischen traue ich mich allerdings fast nicht mehr, diese sonderformatigen Briefe zu öffnen, denn ich habe Angst vor den überspannten Namen, die darin zu lesen sind. Mit einem ist es auch nicht mehr getan, Kinder brauchen inzwischen offenbar einen Haufen Namen, mindestens vier. Gerade gestern las ich eine Geburtsanzeige, in der jemand die Geburt eines Geschöpfes namens Emilia Rosemie Lena Paloma verkündete. Die Anzahl der Namen korreliert heute im Allgemeinen mit der Fantasiebegabung der Eltern, die ihre Lendenfrüchte schon lange nicht mehr einfach Hans oder Peter nennen, sondern einem gesellschaftlichen Originalitätszwang folgend Tetje Lars Hennessy Justin oder Vivien Celin Mandy Josefine.

Das sind keine Namen, sondern Prüfungen. In Jérôme Frederik Josua stecken unzählige Möglichkeiten, sich zu verschreiben. Da wird der Kleine ein Leben lang mit zu tun haben. Und hat den armen Jérôme mal einer gefragt, ob er gerne so heißen will wie der Watschenmann vom Dienst? Darüber machen sich moderne Eltern leider überhaupt keine Gedanken und muten ihren Kindern Namen wie Bonny Angelique zu, oder Wesley Rüdiger oder Insa Jantje Elice. Und es ist durchaus nicht so, dass nur die Kinder unter den Schrullen ihrer Alten zu leiden haben. Ich leide ebenfalls.
Möchte ich vielleicht zu einem Kind sagen: "Hallo, Vanina-Ruby-Ocean, wie geht es dir?"

Was haben diese Kinder bloß für Eltern?

Nein, das möchte ich auf gar keinen Fall. Dasselbe gilt für Jamal Dean, Mika- Matteo, Joost Maarten, Jeffry Finley und Amor Lian Basil. Ich will diese Namen weder aussprechen noch schreiben müssen, es sei denn, sie bezeichnen englische Kekse oder amerikanische Eissorten. Was haben diese Kinder bloß für Eltern? Vielleicht solche, deren 120 Dezibel laute Stimmen man so gern im Urlaub am Strand vernimmt: "Hallo! Frollein! Jacqueline! Erst eincremen, dann im Wasser." Oder: "Marvin, lass das liegen, da is’ Sand dran!"

Die Soziologie hat für das Unvermögen einer größer werdenden Bevölkerungsgruppe, ihrem Nachwuchs menschliche Namen zu geben, bereits einen Begriff geprägt: Kevinismus (bei Mädchen: Chantalismus). Und darunter leiden nicht nur – wie sich allzu leicht vermuten lässt – Angehörige so- zial benachteiligter Schichten, überhaupt nicht. Ich hörte von Prominentenkindern, die mitleidlos Wilson Gonzales und Jimi Blue getauft wurden.

Kevinismus und Emilismus

In der AkademikerSzene sowie im Medien- und Werbemilieu habe ich einen gegenläufigen Trend festgestellt. Ich nenne ihn Emilismus. Da werden Kinder mit Namen beehrt, die vor rund 90 Jahren schwer in Mode waren: Anton. Paul. Emil. Carl. Friedrich. Sogar ein einjähriger Otto ist mir jüngst auf den Arm gesetzt worden. Da fragt man sich natürlich, was bei unseren Kindern en vogue sein wird. Ich denke mit Schaudern an die Zukunft, denn nach den Gesetzen der Logik gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die eine besteht darin, dass gänzlich neue Namen entstehen, die man sich jetzt noch nicht richtig vorstellen kann.

Die Kinder meiner Kinder werden demnach Namen tragen, die so klingen wie "Luna3", "Betageuze", "Terraflop" oder "Kana- Uba." Die andere mögliche Variante besteht wie jetzt in der Verwendung nostalgischer Namen, die um 1940 als schick galten. Meine Tochter wird also in 20 Jahren im Krankenhaus liegen, ich komme mit einem Blumenstrauß herein. Mein Enkel ist erst einen Tag alt und wiegt fast nichts, als ich ihn hochhebe. Er blinzelt mich aus leicht klebrigen Äuglein an, ist so runzlig wie unschuldig und duftet, wie nur Säuglinge duften. Unter Tränen frage ich meine Tochter, wie der kleine Erdenbürger heißen soll, und sie sagt: "Leon und ich haben uns noch nicht entschieden. Vielleicht Horst-Dieter. Oder Heinz-Günther. Oder einfach Eberhard."


Es gibt Vorurteile bei den verschiedensten Namen - da brauchst Du gar nichts Exotisches.

Oder was denkst Du bei Kevin und Shayenne-Chantalle?

Letztendlich muss jeder lebst entscheiden, wie er sein Kind nennen möchte. Da sollte es vorher tunlichst keine Abstimmungen mit Freunden, Verwandten oder gar der ganzen Internetgemeinde geben. Nur die Eltern entscheiden - fertig.

Es gibt ein paar Leitfäden, die ich persönlich zur Orientierung genutzt habe - aber auch die sind subjektiv und jedem selbst überlassen.

Namen von Fantasy-Figuren wird dir das Standesamt ohnehin nicht genehmigen zum Schutz des Kindes. Bei Obito als Verbrecherfigur wohl erst recht nicht. Und irgendwie kann ich es auch nicht glauben, dass man seinem Kind tatsächlich den Namen einer Schreckensfigur geben will.

cacoatl 15.05.2017, 10:12

und was ist mit naruto oder sanji?

0

"nomen est omen"

Viele Menschen kramen irgendwas aus ihrer Gedächtnis-Schublade, was sie mit diesem Namen in Verbindung bringen - und schon haben sie ein konkretes Bild von dem zugehörigen Menschen.

Egal wie blöd das ist.

Aus "Otachi" wird "Hitachi" und klar: die Eltern haben mit japanischen Elektrogeräten zu tun.

Die Logik, dass ein exotischer Name nichts mit der Herkunft zu tun haben muss, kannst du leider nicht aus den Köpfen verbannen.

Und das ein "merkwürdig klingender" Name zu einem Spitznamen umbebaut wird,  wirst du ebenfalls nicht verhindern.

LG  C.C.

Das Kind wird wohl eher Mitleid erfahren denn jeder denkt "welcher Spa*** gibt seinem Kind einen solchen Namen?"

Kandahar 15.05.2017, 09:51

... und es könnte alleine auf Grund dieser Fantasienamen ein Mobbingopfer werden!

3

Solche "exotischen" Namen bzw. Namen aus Film und Fernsehen sind schlichtweg ein "Urteil" für das Kind - das ja später auch erwachsen wird und ist!

Du legst mit einem solchen Namen wie Obito oder Otachi dem Kind eine Last in die Wiege, die es zeitlebens nicht mehr los wird.

So wie alle Kinder, die nach irgendwelchen Filmen oder Serien benannt wurden.

Wenn man nicht - so wie ich - weiß, dass diese beiden "Pseudonamen" aus einer japanischen Animeserie stammen, so frag man sich schon, was die Eltern bei der Namenswahl "geritten" hat.

DU verbindest mit diesen Namen etwas! Aber NICHT Dein Kind!

Also such Dir doch bitte eine andere Alternative, Deinen Stolz oder Begeisterung für eine Zeichentrickserie anders auszudrücken, als Deinem Kind diesen Namen bzw. eine bestimmte Eigenschaft (die DU damit verbindest) damit aufzudrücken!

 

nur weil DU eine vorliebe für solche namen hast, muss sich dein kind sein ganzes leben lang damit ggf. "herumschlagen", insbesondere in der schule ist das ein hohes potential für mobbing (wenn es sonst nichts anderes geben sollte)

wenn schon, nimm mehrere, dass sich das kind ggf. seinen rufnamen selbst später aussuchen kann

Wir leben halt in einer pipi Gesellschaft. Bist du nicht irgendwo im Standard, haben Menschen angst. 

Die Menschen sind eben einfach voller Vorurteile. Da kann man eigentlich gar nichts dafür.

Wenn man Namen hört wie "Wolke" oder "Capri" dann denkt man automatisch "Hippie" und etwas schräg, vielleicht zu viel gekifft.

Bei was asiatischen denkt man daran, dass die Eltern in einer naiven Fantasiewelt zu Hause sind.

Bei Chantal und Kevin an asoziale Unterschicht.

Naja der Name Obito ist nicht einmal in Japan geläufig sondern nur bei Naruto und hat noch nicht mal eine schöne Bedeutung (Obito: Nacken, hals) und Otachi hört sich mehr nach einen Nachnamen an.

Du kannst deinen Sohn sicher einen japanischen Namen geben wie Haru oder Yusei aber Fantasienamen solltest du dein Sohn später wirklich nicht geben.

Du musst bedenken nicht du trägst den Namen sondern dein Kind und das sein ganzes leben!

Du siehst ja selber welche Vorurteile man gegenüber Personen hat die den Namen Kevin usw. tragen obwohl es normale Namen sind.

 

 

Auch hier der Zeitungsartikel (den habe ich extra für die Anfragen hier fotografiert):

Darum keine exotischen Namen - (Namen, Vorurteile)

Obito und Otachi klingt besser als Kevin, Chantalle oder Pascal

Wir Menschen sind leider "Gewohnheitstiere" und nicht so offen für neues.  Leider auch bezüglich der Namen..

Nein, schlechter nicht, aber später könnten sie Mitschüler und auch Ertwachsene wegen des Vornamens hänseln. Das kannst du doch nicht wollen, oder doch?

Was möchtest Du wissen?