Warum gibt es verschiedene Akzente sowie Sprachen?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Der Mensch kann wahrscheinlich schon sehr lange sprechen, und die Vermutung liegt nahe, dass die ersten Sprachen in Afrika entstanden sind (wo auch der moderne Mensch "entstanden" ist). In Afrika findet man eine hohe Vielfalt an verschiedenen Sprachen (z.B. über 500 verschiedene Sprachen alleine in Nigeria). Im heutigen Afrika findet man zum Teil "Dachsprachen" wie Kisuaheli, die von vielen Menschen als Zweitsprache zur überregionalen Verständigung benutzt werden (neben der eigenen Sprache, die oft nur in einem kleinen Gebiet gesprochen wird).

Der Mensch hat zum Teil natürlich auch Afrika verlassen, und im Nahen Osten teilten sich die Wege. Auch der Nahe Osten hatte im Laufe seiner Zeit sehr viele Sprachen gehabt (von denen viele heute ausgestorben sind).
(Die "babylonische Sprachverwirrung" muss man zwar nicht als wissenschaftliche Abhandlung verstehen, ich denke dennoch, dass dies auf realer Beobachtung beruhte.)

"Unsere" Sprachen hier in Mitteleuropa sind zumeist indogermanischen Ursprungs. Kommend aus den Gebieten nördlich des Schwarzen Meeres, haben sich Menschen aus dem Osten weiter nach Mittel- und Westeuropa verbreitet, und haben auch neue landwirtschaftliche Methoden mitgebracht.

Der Mensch war nicht nur erfinderisch im Bereich der Viehzucht, der Landwirtschaft und der Technik, sondern auch im Bereich der Sprachen. Jede Sprachfamilie hat ihren eigenen Bestand an Wortstämmen, dennoch fand nicht selten eine gegenseitige Beeinflussung auch sehr verschiedener Sprachen statt.

Die benachbarte Sprachfamilie weiter im Osten ist die uralische Sprachfamilie, mit den finno-ugrischen Sprachen. Die bekanntesten sind Finnisch und Ungarisch. Bekannt sind sicher auch die Turksprachen, mit Türkisch und anderen Sprachen, diese haben ihren Ursprung ebenfalls weit im Osten.

Deutsch ist eine westgermanische Sprache, und ist geprägt durch 2 Lautverschiebungen, einmal die germanische (1.) Lautverschiebung, und dann später durch die hochdeutsche (2.) Lautverschiebung.

1 trennte Germanisch von z.B. Keltisch und den italischen Sprachen (z.B. Latein) und 2 trennte Hochdeutsch von Englisch/Niederländisch/Friesisch/Niederdeutsch.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von OlliBjoern
13.08.2017, 00:30

Germanische Lautverschiebung an einem Beispiel:

Latein "pater" > Deutsch "Vater" (phonetisch p > f)
                      > Englisch "father" (p > f ebenso)

Hochdeutsche Lautverschiebung

Niederländisch "tijd" Schwedisch "tid"   (Anlaut t-)
Deutsch "Zeit" (Anlaut ts-)

Niederdeutsch "tunge" Schwedisch "tunga"
Deutsch "Zunge" (selbe Verschiebung wie bei "Zeit")

In Norddeutschland häufiger Name "Timmermann"
Deutsch "Zimmermann"

1

Auch diese Frage ist fast verkehrt herum gestellt:

Das Durcheinander ist immer der Normalfall, bei sauberen Trennungen dagegen muss man nach einer Ursache fragen.

Das Sprechen und der Wortschatz ist von Generation zu Generation und von Gemeinde zu Gemeinde deutlich verändert - eigentlich müsste man sich fragen, warum es trotzdem sowas wie einheitliche Sprachen gibt mit größerer zeitlicher und räumlicher Ausdehnung.

Wieso kann ich als Bayer mit einem Hamburger oder Berliner oder Wiener mich unterhalten, wieso kann ich eine Urkunde meines Ururgrossvaters lesen und verstehen ?  (ok, nur bis auch manche Wörter - was ist ein Broiler, was ist ein Flez, was ist ein Vogerlsalat - da musste ich mich schon erst erkundigen.)

Darum meine Antwort auf Deine Frage:

es gibt verschiedene Akzente und Sprachen, weil es Nationalstaaten gibt und diese bewusst, absichtlich und oft amtlich die Pflege einer vereinheitlichten Hochsprache betreiben (Schule, Hochschule, Bücher, Presse usw.). Ein Nationalstaat will idealerweise eine einheitliche Sprache die nur seine Einwohner exklusiv sprechen, die als Unterscheidungsmerkmal ("Shibboleth") dient und sicherstellt, dass die Kommunikation unter und mit den Einwohnern vom Staat kontrolliert werden kann (Zensur, Propaganda, gelenkte Presse, Postüberwachung). Darum definiert und fördert der Nationalstaat eine vereinheitlichte "Hoch"-Sprache und behindert oder verbietet sogar andere Sprachen oder Dialekte (z.B. kurdisch in der Türkei, okzitanisch, bretonisch oder baskisch in Frankreich, deutsch in Südtirol).

Darum haben es Sprachen schwer, die keinen zugehörigen Staat haben (baskisch, kurdisch, sorbisch, etc.) . Darum gab es früher serbokroatisch, und heute nicht mehr. Unterschiede innerhalb eines Staates nennnt man eher Akzente oder Dialekte, sobald es ein anderer Staat ist, soll es auch eine andere Sprache sein (vgl. Holländisch vs. Platt vs. Luxemburgisch).

Neben den Staaten, und schon länger als diese, spielt auch Religion eine große Rolle hier: es gibt Latein, Griechisch, Hocharabisch, Hebräisch nur deswegen, weil es die katholische, orthodoxe, islamische und mosaische Religion gab. Auch für die deutsche Sprache hat ja bekanntlich Luther eine Schlüsselrolle gespielt (wäre Luther z.B. ein Schwabe gewesen, klänge Deutsch heute anders ...)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von OlliBjoern
13.08.2017, 12:32

Danke. Nur zur Ergänzung: die Trennung der südslawischen Varianten reicht recht weit zurück, die Kroaten gehörten früher zum katholischen Habsburgerreich, und die Serben z.T. zum osmanischen Reich, und haben sich sprachlich stärker am Kirchenslawischen (Orthodoxie) und der kyrillischen Schrift orientiert.

D.h. die dialektale Trennung und unterschiedliche Verschriftlichung gab es schon vor dem Zerfall Jugoslawiens.

Inzwischen geht man z.B. bei der Betrachtung Chinas nicht mehr nur von chinesischen Dialekten aus, sondern von verschiedenen chinesischen Sprachen. So ist Mandarin eine andere Sprache als Min, und beide zerfallen wiederum in Einzeldialekte (Min Nan, Min Dong usw.).

Südchinesen können Mandarin Sprecher oft nicht verstehen, es sei denn, sie haben Mandarin gelernt (was aber manchmal der Fall ist).

Gerade Südchina ist sprachlich sehr divers, wohingegen Nordchina (westlich und östlich von Peking) einen gewissen Grad der Vereinheitlichung mitgemacht hat.

In Skandinavien gibt es recht interessante Sprachvarianten, so wird heutzutage Älvdalisch eher als eigene Sprache innerhalb Schwedens angesehen, und nicht mehr als Dialekt. (Ich kann Schwedisch, und ich kann sagen, dass Älvdalisch nicht verstehbar ist vom Hören her. Nur die Übersetzung ins Schwedische macht es verstehbar.)

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84lvdalisch

Älvdalisch hat nicht nur andere Phoneme als Schwedisch, sondern auch eine andere Grammatik (die in der Basis eher dem Isländischen oder Nynorsk ähnelt).

1

Sprachen verändern sich stetig. Heute reden wir von Smartphone, Tablet und Twittern. Vor 20 Jahren hätte damit keiner etwas anfangen können.

Sind Menschen voneinander isoliert, entwickeln sich ihre Sprachen verschieden. Das trifft in kleinen Maßen schon auf Gruppen innerhalb der Gesellschaft (Jugendkultur, Haute Volaute, Gangstermilieu) zu. Wenn die Sprecher aber auf verschiedenen Kontinenten leben, wird es gravierender.

Mal ein Beispiel: Italienisch, Spanisch, portugiesisch, rumänisch, französisch: Das alles ist Latein, das sich in unterschiedlichen Landstrichen mit unterschiedlichen Einflüssen zu einer unterschiedlichen Sprachen entwickelt hat.

Wenn Menschen allerdings zusammen leben, entwickelt sich immer eine gemeinsame Sprache; die stärkste Sprache setzt sich durch. Heute haben wir eine gemeinsame Schrift, das Internet, Fernsehen, Zeitungen, Bücher, Telefon. Daher gibt es keine Sprachinseln mehr, in denen sich leute von anderen abkapseln und eine eigene Sprache entwickeln können. Daher sterben die Dialekte. Kleinere Sprachen sterben ebenfalls aus. Und das Englisch in England, den USA, Australien und Neuseeland wird wohl nicht mehr weiter auseinandergehen und eigene Sprachen schaffen, sondern über die Jahre eher wieder aneinander angeglichen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von OlliBjoern
13.08.2017, 12:57

Danke. Ein schönes Beispiel für eine geographisch etwas isolierte Sprache ist Isländisch (durfte ich dieses Jahr original hören, ich konnte nur mit 2 Leuten dort Schwedisch sprechen, ansonsten zumeist Englisch).

Isländisch ist eindeutig germanisch, aber auch deutlich verschieden von festland-skandinavischen Sprachen wie z.B. Schwedisch. (Dazu passt auch die von mir erwähnte "Sprachinsel" in Dalarna, mit Älvdalisch.)

Norwegisch (zumindest die Oslo-Variante) hat sich dem Schwedischen angenähert (daher kann ich auch einen norwegischen Text verstehen, ohne dass ich das speziell gelernt hätte, nur vom Schwedischen ausgehend).

0

Was möchtest Du wissen?