Warum gibt es überhaupt Konservative und Marktliberale?

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7 Antworten

Das sind (zum Teil) Menschen, für die daraus Nachteile entstehen würden, weil sie bereits "über dem Schnitt" liegen und schlicht und ergreifend nicht abgeben wollen.

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Karl Marx hatte, zumindest im Kern, Recht, wenn er die Gesellschaftsstände seiner Zeit grob in Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft einteilte.

Heute sieht unsere Gesellschaft anders aus: der Adel (als politischer Machtfaktor) ist in der westlichen Welt nicht mehr relevant. An seine Stelle ist eine neue Klasse extrem reicher Besitzbürger getreten, die man gut und gerne als "Geldadel" bezeichnen kann. Die ehemalige "Burgeoisie" ist der neue Adel unserer heutigen Zeit.

Anders als oft behauptet wird, hat dabei nur ein geringer Teil dieser Menschen seinen Reichtum auch mit eigenen Knochen erwirtschaftet. Der Anteil der Erben und Investoren, die mit fremdem Eigentum Geschäfte machen, dürfte dafür viel zu groß sein.

Früher war die Burgeoisie politisch liberal - sie wollte Veränderungen, weil diese ihr selbst am meisten genutzt hätten.
Heute, da diese Schicht selbst an der Macht ist, ist sie plötzlich konservativ, sprich, sie tritt für die Bewahrung des Status quo ein.

Die gleiche Entwicklung kann man auch an der ehemaligen UdSSR sehr gut beobachten: die Revolutionäre und Straßenkämpfer von einst verwandelten sich binnen weniger Jahre in Bürokraten und Partei-Elitäre. Bloß keine Demokratie, bloß keine Gewerkschaften, bloß keine Reformen!

Wer selbst an der Macht ist, ist immer (auf irgendeine Art) konservativ. Alles andere würde ja heißen, am eigenen Ast zu sägen.

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Konservativismus und Marktliberalität hat meiner Meinung nach nicht viel miteinander zu tun. Und beides hat nicht automatisch mit Herzlosigkeit zu tun. Wir neigen oft dazu anderen Menschen schlechte Motivationen zu unterstellen und uns bei uns selbst nur gute zu vermuten. Wenn dann jemand eine andere Meinung hat, muss er also ein schlechter Mensch sein. Dabei wollen Konservative eigentlich nur, dass man sich an den Werten der Vergangenheit orientiert da sie diese Werte bewahren wollen. Marktliberale betonen die Freiheit des Individuums und beklagen die Einmischung des Staates ind die persönliche Entfaltungsfreiheit was man auch nachvollziehen kann. Soll ich so froh darüber sein wenn der Staat mir die Hälfte (und in Wahrheit deutlich mehr) meines Einkommens entzieht wenn ich sehe wieviel Blödsinn damit unter anderem angestellt wird? Also sollte man erst einmal die Motivation der Andersdenkenden hinterfragen bevor man ihnen pauschal Herzlosigkeit unterstellt.

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Wieso sind solche Menschen denn herzlos? Nur weil man das staatliche Umverteilsystem schlecht findet heisst das ja noch lange nicht dass man nichts gegen soziale Ungerechtigkeit tut. Viele Menschen spenden Geld, obwohl sie vom Staat nicht dazu gezwungen werden. 

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Du glaubst, dass nur deine Ansicht richtig, gut und edel ist. Jeder, der es anders sieht, ist für dich dumm und böse. Versuche zuerst mal die Vorstellung zuzulassen, dass es mehrere Sichtweisen geben kann. 

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Ich frage mich eher, warum es noch herzlose Menschen gibt, die ihre Mitbürger mit sozialistischen Menschenexperimenten zwangsbeglücken wollen. In Venezuela gibt es aufgrund der Unfähigkeit des sozialistischen Systems Hunger und nicht einmal mehr genug Klopapier. Die hungernden Menschen fallen vor lauter Verzweifelung in die Nachbarländer ein, um irgendetwas Essbares zu ergattern.

Das Problem mit dem Sozialstaat ist, dass er immer größer wird, weil die Politiker die Menschen mit weiteren Leistungen als Wähler ködern müssen. Dadurch steigen auch die Schulden immer weiter. Und irgendwann kommt es zum Staatsbankrott und Chaos. Sozial ist daran gar nichts.

Freie Marktwirtschaft ist das einzige System, das funktioniert. Und es ist mit einiger Regulierung für alle Menschen das beste System.

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Kommentar von teletobbi
07.11.2016, 17:21

Funktioniert denn die freie Marktwirtschaft in den USA? Aus lauter Frust und Verzweiflung wählen die Leute dort (vielleicht) einen Rassisten in Weiße Haus. Und wie kann ein Nachtwächterstaat überhaupt überleben? Monopole und Preisabsprachen wären dann dort doch die Regel, oder nicht?

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Kommentar von randomhuman
07.11.2016, 20:48

Freie Marktwirtschaft das beste System? Ich lach mich schlapp. Sowas wie freie Marktwirtschaft gab es ähnlich zur Industrialisierung und da wurden die Arbeitnehmer von den kapitalistischen profitgeilen Arbeitgebern (wie heute) ausgenommen. So etwas darf es nie wieder geben. Soziale Marktwirtschaft ist das Beste aus zwei Welten. Die Wettbewerbsfähigkeit bleibt sichergestellt, sowie die Innovationskraft und gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass jeder Mensch rundum versorgt ist und sich um sein Alter, seine Gesundheit usw. keine Sorgen machen muss. Leider wird diese Marktform in Deutschland nicht konsequent umgesetzt und deswegen wird die Schere zwischen arm und reich immer größer. Maßgeblicher Problemfaktor Agenda 2010. Nicht sehr sozial.

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Weil der Staat absolut schlecht ist was die wirtschaftliche Planung angeht. Unternehmen die zueinander in Konkurrenz stehen werden immer den Staat überlegen sein, was Neuentwicklungen, Technologien und Befriedigung der Nachfrage angeht. Dafür gibt es historische Beispiele (China "großer Sprung") und circa 30 Millionen VWL Bücher. Aufgabe des Staates soll es sein Rahmenbedingungen zu schaffen, sich aber ansonsten aus den Markt raushalten. 

Und soziale Umverteilung funktioniert nur solange bis es nichts mehr Umzuverteilen gibt, weil der Markt kollabiert, wenn sich der Staat zu sehr einmischt :)

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Kommentar von djNightgroove
07.11.2016, 17:17

Ok, ich fang mal an: Die Bahn ist seit der Privatisierung nicht nur viel teurer, sondern auch wesentlich unzuverlässiger geworden. Bei der Privatisierung von Strom/Wasser sind Preissteigerungen die unweigerliche Folge. Die Post erhöht seit der Privatisierung das Porto jährlich. Die Mehrkosten kommen aber nicht bei den Arbeitnehmern an, ganz im Gegenteil, die verdienen immer weniger.

Kommen wir zum Gesundheitssystem. Die USA hat ein privates Gesundheitssystem. Bevor du behandelt wirst, rufen die Ärzte bei den Versicherungen an und fragen nach, ob die überhaupt zahlen. Ärzte bekommen übrigens Prämien, wenn sie viele Patienten ablehnen. Zahlt die Versicherung nicht, musst du alle Kosten selber tragen - und das sind immense Beträge. Wer nicht zahlen kann, erhält keine gesundheitliche Versorgung.

Dagegen hat z.B. Großbritannien ein staatliches Gesundsheitssystem. Du gehst ins Krankenhaus und wirst behandelt, ohne dass Zeit damit vergeudet wird, abzuklären wer zahlt. Das kann in dringenden Fällen über Leben und Tod entscheiden. Alle Menschen haben Zugang zu einer gleich guten medizinischen Versorgung. Nichtmal Thatcher wollte das NHS antasten.

Und zu deinen vielen VWL-Büchern: Die Realität hat inzwischen mehrmals gezeigt, dass die Formel der Wirtschaftsweisen schlichtweg falsch ist. Aber da muss ja irgendwas mit der Realität nicht stimmen, kann ja nicht sein, dass die Formel falsch ist. Ich empfehle dazu das Buch von Joseph Vogl: Das Gespenst des Kapitals. Keine leichte Lektüre, aber sehr informativ.

Deinen letzten Satz verstehe ich gar nicht, umverteilen geht prinzipiell immer, selbst wenn die einen gar nichts haben und andere alles, auch wenn alle gleich viel haben. Ich habe übrigens noch nie von einem Markt gehört, der kollabiert ist, weil es staatliche Regelungen gab. Nach Liberalisierung der Wirtschaft gab es aber schon einige: Schwarzer Freitag, der Börsencrash vor einigen Jahren,....

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