Warum gibt es so viele inkompetente Lehrer?

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10 Antworten

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Hi,

ich muss sagen, dass du dann wohl ziemlich Pech mit deinen Lehrern hattest. Von (nur Gymnasiallaufbahn betrachtet) 53 Lehrern waren lediglich sieben inkompetent. Liegt vielleicht an meiner Schule, keine Ahnung. 

Meine Lehrerschaft ist allerdings (bis auf Ausnahmen) sowohl als Lehrer als auch als Mensch klasse und meine Lehrer haben mich enorm geprägt. Sie schätzen ihre Schüler, sind darauf erpicht, ihnen etwas beizubringen und möchten, dass jeder es versteht. Sie sind vielleicht teilweise streng, aber super. Auch menschlich gesehen sind meine Lehrer Goldstücke. Sie achten sehr darauf, dass kein Mobbing stattfindet - falls doch, gibt es sofort Konsequenzen. Die Lehrer sind sehr hilfsbereit und wenn sie bei einem Schüler ein besonderes Talent entdecken, setzen sie alles daran, diesen Schüler entsprechend zu fördern. In Mathe, Physik, Chemie und Latein ist mir dies widerfahren und ich bin enorm stolz darauf. Meine Lehrer wissen auch, dass ich selbst einmal diesen Beruf ausüben möchte und geben mir jetzt schon die ihnen offenstehenden Möglichkeiten, mich dahingehend einzubeziehen. So durfte ich in Mathe und Physik schon unterrichten, in Latein/Altgriechisch steht das noch bevor und in der Chemie-AG bin ich die assistierende Lehrerin meines Chemielehrers, der mich auch im LK unterrichtet. Auch in diesem lässt er mich Aufgaben einer Lehrerin übernehmen. Ich schätze ihn ohnehin sehr und bin ihm unglaublich dankbar, dass er mich so fördert. 

Meine Lehrer glauben auch an Schüler, die nicht so gut sind. Meine ehemalige Lateinlehrerin (meine absolute Lieblingslehrerin und eines meiner großen Vorbilder!) scheint auch immer an mich geglaubt zu haben, obwohl ich nie gut bei ihr war. Sie nimmt mich trotzdem wie ich bin und freut sich total mit mir, dass ich nun einen großen Sprung gemacht habe und nun Kursbeste bin.

Soviel zu meinen Lehrern, die einfach toll sind! Deshalb finde ich es auch so schade, dass viele inkompetente Lehrer eingestellt werden. Lehrer sind unheimlich prägend für das spätere Leben ihrer Kinder. Meine Lehrer haben mich so beeinflusst, dass ich selbigen Beruf ausüben möchte und mir nichts anderes mehr vorstellen kann! Nun zu deinen Kommentaren und Fragen.

Einige Lehrer sind sogar aggressiv oder unglaublich autoritär eingestellt, sodass man Angst hat in den Unterricht zu kommen und mit Angst kann man nicht lernen.

Es kommt immer sehr darauf an. Mein Lateinlehrer aus der achten Klasse war ein solcher Mann. Ich bin extrem dankbar für die Erfahrung, die ich bei ihm gemacht habe. Ein herzensguter Mensch, dieser Lehrer, aber als Lehrer unglaublich Streng. JEDER war bei ihm leise und es brach immer Panik in der Klasse aus, wenn er kam. Ich hatte keine Angst vor Latein. Ich habe seinen Unterricht geliebt, eben wegen dieser Strenge. Er hat sehr viel dazu beigetragen, dass ich mich in Latein so sehr verbessert habe. Ich habe bei ihm die erste Eins in Latein geschrieben, die ich bis dato je hatte und mündlich kam ich von einer 4-auf eine gute Zwei. Dies hat mich auf jeden Fall mit angespornt, noch besser werden zu wollen. Nun - in der zwölften Klasse und somit kurz vor dem Abitur - stehe ich da und habe 15 Punkte in Latein, die ich ohne diese Beeinflussung seinerseits wohl nie erreicht hätte. Man muss sich dem nun mal fügen. Natürlich ist zu viel Strenge nicht gerade förderlich für ein gesundes Lernklima, aber bei ihm hat es definitiv funktioniert. Er war aber enorm hilfsbereit und wirklich ein total lieber Lehrer. früher hatte ich Angst vor ihm, aber im Laufe des Jahres habe ich ihn sehr schätzen gelernt! Aggressivität hingegen geht gar nicht als Lehrer!

Erstmal Respekt an alle die den Beruf des Lehrers in Anspruch nehmen weil sie Kindern etwas beibringen möchten, und nicht weil sie verbeamtet werden möchten, ich schätze euch sehr!

Ich schätze die Lehrerschaft auch sehr, zumindest die gute. Und bin ihnen dankbar, dass sie mich so positiv beeinflusst haben! Ich werde in Berlin studieren und vermutlich auch dort mein Referendariat beenden und so in den Lehrerberuf einsteigen. Eine Wunschhule habe ich bereits; in Berlin gibt es allerdings keine Verbeamtung mehr. Mir ist das egal, da mir primär die Bildung der Jugend am Herzen liegt und ich den Schülern zeigen möchte, dass Latein und Chemie auch Spaß machen können! Viele sagen mir, ich sei perfekt für den Beruf des Lehrers geschaffen und würde wohl auch sehr gut erklären. Ich gebe bereits jahrelang Nachhilfe und dort konnte ich auch schon einige, wertvolle Erfahrungen sammeln. Ich lerne, mit Schülern umzugehen, die nicht alles perfekt können und ihre Schwierigkeiten haben. Didaktik und Pädagogik ist auch äußerst wichtig und gerade wenn diese Anteile stimmen, hat man einen guten Lehrer. Das ist leider oft fehl am Platz, da stimme ich zu. Allerdings gibt es ja bereits im Studium Praktika, die einen in das Lehramt einführen sollen.

Aber wie kann es sein, dass so viele zu Lehrern werden, obwohl sie einfach nicht dafür geeignet sind?

Das kann ganz verschiedene Gründe haben, die einzeln aufzuzählen, wäre langweilig. Aber oft ist es so, dass sich viele dazu berufen sehen und dann merken, dass sie im falschen Beruf sind. Die haben sich das dann anders vorgestellt und sind dann unzufrieden. Das lassen einige dann an den Schülern aus, was pädagogisch nicht im Geringsten wertvoll ist!

Wenn ich mich bei der Polizei bewerben möchten würde, könnte ich die Ausbildung nicht in Angriff nehmen, weil ich zu sensibel bin, das würde man mir auch knallhart sagen. Wieso kann jeder Depp der ein Abi hat Lehrer werden? 

Weil Lehrer gesucht werden - zumindest für einige Fächer - und ganz allgemein auch Lehrermangel herrscht. Durch die immer älter werdende Bevölkerung und dem daraus resultierenden Anstieg an pensionierten Lehrern mangelt es immer mehr an Lehrkräften, sodass dringend mehr Lehrer her müssen. Das ist ein mir plausibel erscheinender Grund.

Wieso gibt es keine Ausschlussverfahren für das Lehramt? 

Gibt es - das Referendariat :-)

Wieso wird ein Lehrer nicht bestraft wenn er eine ganze Klasse ruiniert? 

Wird er, wenn man eine kompetente Schulleitung hat und Beweise vorlegen kann. Ich habe einen solchen Fall in meinem Sportkurs. Wir haben einen sehr - nun ja - seltsamen Lehrer. Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen. Fest steht, dass wir kurz davor sind, die Schulleitung einzuschalten, die auch handelt! Wir hatten einen solchen Sportlehrer schon mal und das ging über die Schulleitung sofort an seinen Seminarleiter (der war noch Referendar).

Wieso gehen die wirklich kompetenten und geeigneten Leute lieber in andere Berufe, obwohl sie exzellente Lehrer wären? 

Weil sie vielleicht dort nicht ihren Leidenschaften nachgehen können oder dem Beruf psychisch nicht gewachsen sind? Das ist ein verdammt anstrengender Job, der einem auf der falschen Schule das Leben ruinieren kann. Was denkst du, warum viele Lehrer psychische Probleme haben? Die können durchaus aus dem Beruf kommen...

Wieso wird im Studium hauptsächlich der Stoff seiner “Fächer“ durchgenommen, und nicht der Umgang mit Schülern?

Genau das wird auch durchgenommen. Zwar leider immer noch untergeordnet, aber ab dem Master ist das Lehramtsstudium vor allem auf die Erziehungswissenschaften ausgerichtet. Wie bereits erwähnt gibt es auch Praktika, die die angehenden Lehrer in den Beruf einführen sollen - da merken viele Leute schon, dass sie für diesen Beruf nicht geeignet sind und steigen aus. Mal abgesehen davon muss man seinen Schülern auch irgendwas beibringen können. Mein exzellenter Chemielehrer zum Beispiel hatte früher einen anderen Beruf und ist quasi "Quereinsteiger" und nun ein exzellenter Lehrer. Man muss das natürlich irgendwo im Blut haben; Einen Teil erlernt man aber auch durch die Praktika. Dazu sind diese ja da :-)

Ich hoffe, ich konnte dir einen ausreichenden Einblick in die Lehrerwelt geben (auch, wenn andere User das vielleicht besser erklären können) und deine Frage hinreichend beantworten. Bei Fragen melde dich gern! Tolle Frage übrigens!

LG

Ich habe ein bisschen geklatscht als ich die Antwort gelesen habe, das ist die beste Antwort auf eine meiner Fragen die ich bis jetzt gelesen habe! Danke,du lässt mich hoffen, dass es neben den ganzen 2-Wort Antworten noch mehr gibt, Bravo!!!

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@ScienceFan

Dankeschön für den freundlichen Kommentar! Freut mich, dass ich dir geholfen habe!

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Wieso kann jeder Depp der ein Abi hat Lehrer werden? 

Ich würde auch gerne Lehrer werden. Aber das gegenwärtige System hindert mich daran, dies in Angriff zu nehmen.

Schon allein diese 3 Sätze irritieren mich. 

Klar, es gibt gute und schlechte Lehrer. Keine Frage. Aber Deine "Untersuchung" war jetzt sicherlich nicht sehr wissenschaftlich, und beruft sich eher auf sehr subjektive Erfahrungen, und Bewertungen.

Ich würde auch sagen, dass ein Lehrer der zu dem einen Schüler keinen Zugang findet, durchaus seine Erfolge bei einem anderen erzielt.

Wieso gibt es keine Ausschlussverfahren für das Lehramt? 

Keine Angst die gibt es. Nicht jeder schafft das Studium, und man wird auch nur auf Schüler losgelassen, wenn man gewisse Fähigkeiten und das geforderte Wissen in einer Prüfung nachgewiesen hat.

Natürlich gibt es Lehrer die den Eindruck vermitteln, sie haben den Beruf "verfehlt". Aber solche Leute findet man in jeder Branche. Muss irgendwie eine menschliche Sache sein.

Der Lehrerberuf ist eigentlich relativ unattraktiv. Auch mit den Ferien, und Beamtenstatus. Liegt auch daran, dass es gegenüber Lehrern gewisse Vorurteile gibt, und das Ansehen in der Öffentlichkeit nicht so hoch ausgeprägt ist, und das obwohl es so eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist.

Aber wenn man Deine Frage liest, versteht man, was ich meine.

Ehrlich gesagt bin ich mir gar nicht so sicher, was Du eigentlich wissen willst, und ob Du außer deinen "Frust" abzulassen, noch etwas anderes bezweckst?

Natürlich können einzelne "schlechte" Lehrer bei einem Schüler so einiges verbocken. Aber daraus ergibt sich natürlich nicht das Recht, eine enttäuschende Schullaufbahn allein auf die Lehrer zu schieben.

Warum und wie hindert Dich das "System" daran Lehrer zu werden? Werde Lehrer. Mach es besser. Das ist der beste Rat, den ich Dir geben kann.

Aber bedenke: Andere zu kritisieren ist leicht. Selbst etwas anders und besser zu machen ist sehr schwierig!!!

LG :-)

Ich kann dem, was du schreibst, zum Teil zustimmen.

Hier noch ein paar weitere, ungeordnete Gedanken:

Du differenzierst die Lehrer-Inkompetenz irgendwie nicht.

Nach meiner Meinung gibt es zum Beispiel eine fachliche und eine pädagogische.

Ich behaupte mal, ohne einen Beweis antreten zu können, dass es im Lehrerberuf ebenso viele (fachlich und / oder pädagogisch) inkompetente Kräfte gibt wie in jedem anderen Beruf auch.

Nicht alle Bundesländer verbeamten übrigens ihre Lehrer.

Gegen wirklich inkompetente Lehrer kann man (erfolgreich) vorgehen.

Lehrer können Unwilligen im Unterricht nicht immer etwas vermitteln.

Viele Lehrer haben mal hochmotiviert angefangen und waren wirklich kompetent, haben sich berufen gefühlt und für ihre/n Beruf(ung) gebrantt, sind jetzt aber aufgrund der äußeren Umstände  in den deutschen Bildungssystemen ausgebrannt und ziehen nur noch ihren Unterricht durch. Ihnen fehlt dann (wie oft auch heutigen Schülern) jegliche Motivation für einen wirklich guten und nachhaltigen Unterricht.

Viele sind frustriert angesichts immer schlechter werdender Lese-, Schreib- und Sprrach- (Ausdruck)-kompetenz, gegen die sie nicht mehr ankommen, weil auch Eltern sich nicht immer wirklich kümmern . (Man beachte die Sprach(un)fähigkeiten deutscher! Kinder bei der Einschulungsuntersuchung.

 Die meisten Universitäten führen inzwischen  bei Lehramtsstudienganginteressierten erfolgreich einen (Pflicht-)Eignungstest durch.

Wer dennoch durch dieses Raster "rutscht", wird spätestens im Referendariat aufwachen oder wegen seiner shclechten Note keine Stelle bekommen.

Hallo heide2012,

sehr ausgewogen!

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