Warum gibt es schwule Menschen/Tiere?

14 Antworten

Wer behauptet denn, dass Homosexualität der Evolution widerspricht?

Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungsmöglichkeiten für Homosexualität, die keineswegs wider die Evolutionstheorie sind. Homosexualität und Evolution sind miteinander sehr wohl im Einklang!

Der älteste und wahrscheinlich bekannteste Erklärungsansatz stammt aus der Soziobiologie (der Diziplin, der sich mit der Evolution des Sozialverhaltens beschäftigt). Um das zu verstehen, müssen wir uns dazu als allererstes mit dem Begrifff biologische Fitness auseinandersetzen, der in der Evolutionstheorie häufig gebraucht wird.
Was bedeutet es, wenn ein Evolutionsbiologe meint ein Lebewesen steigere seine biologische Fitness? Es hat nichts mit der körperlichen Fitness zu tun, sondern es bezeichnet das Vermögen eines Individuums seine eigenen Gene (besser: Allele. Ein kleiner, aber feiner Unterschied! Ein Allel ist eine bestimmte Ausprägungsform oder Variante eines Gens) im Genpool (besser: Allelpool) zu verbreiten. Jedes Einzelindividuum strebt hierbei danach, eine möglichst hohe biologische Fitness zu erreichen, also seine Allele in möglichst großer Kopienzahl im Genpool zu verbreiten.

Der Biologe William D. Hamilton (1936-2000) hat sich besonders intensiv mit der biologischen Fitness auseinandergesetzt und erkannt, dass sich die biologische Fitness eines Individuums aus zwei Teilen zusammensetzt. Demnach gibt es zwei Möglichkeiten, wie ein Tier seine Gesamtfitness maximieren kann:

  • Bei der sexuellen Fortpflanzung vererbt ein Individuum einen Teil seiner eigenen Gene auf seine Nachkommen. Bei diploiden Organismen wie es die meisten Tiere sind, vererbt ein Lebewesen aufgrund der meiotischen Teilung seiner Gameten durchschnittlich die Hälfte seiner Allele an seine Nachkommen. In seinen Kindern leben seine Allele folglich weiter und ihr Anteil am Genpool der gesamten Population ist umso größer, je höher die Zahl seiner Nachkommenschaft ist. Der Weg, bei dem Allele über eigene Nachkommen in den Genpool gelangen, wird direkte Fitness genannt.
  • Es gibt aber noch einen weiteren Weg, wie ein Lebewesen seine biologische Fitness erhöhen und damit etwas zum Genpool der Population beitragen kann, ganz ohne dabei eigene Nachkommen zu zeugen. Es ist gewissermaßen ein Umweg, deshalb nennt man ihn indirekte Fitness. Nicht nur mit seinen eigenen Nachwuchs hat man einen Teil seiner Allele gemeinsam, sondern auch mit jedem anderen Verwandten, also z. B. auch mit seinen Geschwistern, seinen Neffen und Nichten oder seinen Cousins und Cousinen. Man kann also auch einen Teil seiner Allele in den Genpool bringen, indem man Verwandte unterstützt. Die Höhe bzw. Intensität der Unterstützung, die man einem Verwandten zuteil werden lässt, hängt dabei aber stark vom Verwandtschaftsgrad ab und ist damit nicht bei jedem Verwandten gleich und ist entsprechend höher, je näher man mit einem anderen Individuum verwandt ist. Der Umstand, dass die Bereitschaft zu selbstlosem Verhalten (Altruismus) nahen Verwandten gegenüber höher ist, bezeichnet man als Verwandtenselektion (kin selection).

Hamilton drückte dies in einer einfachen Formel aus, die heute als Hamiltons Regel (Hamilton's rule) bekannt ist:

 Dabei steht b für den Nutzen (benefits), den ein Verwandter, dem man Hilfe zuteil werden lässt, daraus zieht. Der Nutzen muss dabei größer sein als die Kosten c (costs), die dem sich selbstlos (altruistisch) verhaltenden Individuum entstehen multipliziert mit dem Verwandtschaftskoeffizienten r.

Den Verwandtschaftskoeffizienten r ist ein Maß für den Verwandtschaftsgrad zwischen zwei Individuen. Dieser gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein ganz bestimmtes Allel in zwei Individuen aufgrund einer gemeinsamen Abstammung vorhanden ist. Er errechnet sich nach der Formel:  Dabei bezeichnet die Zahl in Klammern die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Allel bei der meiotischen Teilung auf einen Gameten aufgeteilt wird, n steht für die Anzahl der Generationen, welche zwischen den beiden betrachteten Individuen liegen und x gibt an, auf wie vielen Umwegen (über wie viele Verwandte) ein Allel auf beide Individuen übertragen werden könnte.

Auf diese Weise kann man z. B. die Vernwandtschaft zwischen einem Elternteil (z. B. dem Vater) und seinem Kind (z. B. einer Tochter) berechnen. Ein bestimmtes Allel kann nur über einen Weg in beide Individuen gelangen, nämlich über den Vater zur eigenen Tochter, deshalb ist x gleich 1. Auch die Zahl n der Generationen zwischen den beiden ist 1, darum gilt für r zwischen Vater und Tochter:

 und somit wird ein Allel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % vom Vater auf die Tochter übertragen. Oder anders ausgedrückt: rund 50 % der Allele des Vaters und der Allele der Tochter sind identisch (die anderen 50 % sind verschieden, sie stammen von der Mutter).

Dieses Spiel kann man nun auch für Geschwister (z. B. Bruder und Schwester) durchrechnen. In diesem Fall ist n = 2, denn man muss vom Bruder eine Generation zu den Eltern zurück springen und dann wieder eine Generation vor zur Schwester, es liegen also zwischen Geschwistern zwei Generationen. Auch für x gilt x = 2, denn ein Allel kann von beiden Geschwistern auf zwei verschiedenen Wegen geerbt werden: einmal von beiden über den Vater und einmal von beiden über die Mutter. Damit berechnet sich r für Vollgeschwister nach:

 Somit sind also auch bei Vollgeschwistern rund 50 % identisch. Ein Individuum, welches somit seinen Eltern dabei hilft, ein Geschwister aufzuziehen, leistet damit einen ebenso großen Beitrag zu seiner Fitness als würde es einen eigenen Nachkommen zeugen.

Es ist unschwer zu erkennen, dass über die indirekte Fitness ein homosexuelles Individuum, obgleich es keine eigenen Nachkommen zeugt, dennoch über seine indirekte Fitness eine hohe Gesamtfitness erreichen kann und damit sehr wohl zum Genpool der Gesamtpopulation beitragen kann. Die Gesamtfitness eines homosexuellen Individuums kann durch den Verzicht auf eigene Nachkommen sogar höher sein als wenn es nicht homosexuell wäre und eigene Nachkommen bekäme.
Klingt paradox? Ist es aber keineswegs! Stellen wir uns hierfür einmal vor, wir beobachten eine sozial lebende Tierart, die in einer extrem unwirtlichen Gegend lebt, in welcher Nahrung und Wasser Mangelware sind. Nun stellen wir uns vor, wir beobachten einen Familienverband dieser Tierart bestehend aus Vater und Mutter sowie deren zwei Nachkommen, einem Männchen und einem Weibchen. Nehmen wir weiterhin an, dass der männliche Nachkomme homosexuell ist und seine Schwester heterosexuell. Ein weiteres Männchen stößt nun zur Gruppe hinzu und verpaart sich mit dem Weibchen. Das Weibchen wird trächtig und bekommt schließlich Nahckommen (diese Nachkommen sind natürlich die Nichten und Neffen unseres homosexuellen Männchens). Erinnern wir uns daran, dass die Umwelt extrem knapp an Nahrung und Wasser ist. Die Menge der vorhandenen Ressourcen würde gar nicht ausreichen, damit das homosexuelle Männchen, wäre es nicht homosexuell, eine eigene Familie gründen könnte - denn die begrenzten Ressourcen würden gar nicht ausreichen, damit sowohl seine Schwester als auch es selbst die eigenen Nachkommen ernähren könnten. Es ist daher für beide, sowohl unser homosexuelles Männchen als auch seine Schwester, viel lohnender, wenn beide Ressourcen für die gleichen Nachkommen beschaffen. Die Gesamtzahl der Nachkommen ist damit zwar auf nur einen und nicht zwei Würfe begrenzt, aber durch die bessere Versorgung sind die Überlebenschancen dieses einen Wurfes dafür viel größer. Gleichzeitig spart sich das homosexuelle Tier die Kosten, welche üblicherweise mit der Fortpflanzung (Partnersuche, Balzverhalten etc.) verbunden sind. Indem es seine Schwester bei der Aufzucht ihrer Jungen hilft, ist seine Fitness damit bedeutend höher als wenn es den Versuch unternähme, selbst Nachkommen zu zeugen, die aber ohnehin nicht groß werden würden.

Es gibt noch andere Erklärungsmöglichkeiten für Homosexualität. Man weiß, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen zumindest teilweise genetisch bestimmt wird. Was, wenn ein Gen, welches zur Homosexualität führt, in den Geschlechtern aber unterschiedlich wirkt? Ein Erklärungsansatz für männliche Homosexualität geht davon aus, dass möglicherweise die Gene (besser: Allele), welche bei Söhnen zur Homosexualität führen, x-chromosomal vererbt werden. Da Frauen zwei X-Chromosomen in sich tragen, Männer aber nur eines, hält sich ein Allel auf einem X-Chromosom durchschnittlich doppelt so lange in Frauenkörpern wie in Männerkörpern auf. Sollte ein solches Allel bei den Frauen dazu führen, dass ihre Fruchtbarkeit dadurch erhöht wird, würde sich ein solches Gen insgesamt als erfolgreich erweisen und im Genpool erhalten bleiben - selbst dann, wenn es dazu führt, dass seine männlichen Träger sich gar nicht fortpflanzen. Einen sicheren Beleg für diese Hypothese gibt es jedoch nicht. Zwar hat man schon eine ganze Reihe genetischer Marker identifizieren können, die signifikant mit homosexuellem Verhalten verknüpft sind, aber diese Marker sind, soweit bekannt, auf Autosomen zu finden und nicht auf dem X-Chromosom. Zudem ist der Einfluss eines jeden einzelnen Markers sehr gering. Und wir wissen heute, dass Gene allein Homosexualität nicht erklären können, andere biologische Mechanismen spielen anscheinend eine mindestens genauso große, wenn nicht sogar eine deutlich größere Rolle. Diskutiert werden als Ursache für Homosexualität u. a. auch Faktoren wie hormonelle Einflüsse, das Immunsystem der Mutter und sogar epigenetische Prägung. Aus Sicht der Evolutionstheorie sind aber natürlich vor allem die Gene interessant - sie sind es ja, die vererbt werden. Deshalb wollen wir uns nun noch einen weiteren Erklärungsansatz anschauen, der mit den Genen zu tun hat.

Ausschließliche Homosexualität ist ein sehr seltenes Phänomen im Tierreich. Homosexuelle Handlungen dagegen sind gut dokumentiert - aktuell sind sie bei über 1500 verschiedenen Arten beschrieben. Obwohl homosexuelles Verhalten im Tierreich also keineswegs unüblich ist, verhalten sich die meisten Tiere nicht ausschließlich homosexuell. Aber eben auch nur in den allerseltensten Fällen ausschließlich heterosexuell. Die meisten Tiere sind wohl das, was wir als bisexuell bezeichnen würden.

Wir wissen, dass die Wirklichkeit sehr viel komplexer ist und dass in Wahrheit eine Vielzahl von unterschiedlichen Genen an der Prägung der sexuellen Orientierung beteiligt sind. Wir wollen aber für die nachfolgenden Überlegungen die Wirklichkeit stark vereinfachen und deshalb tun wir einmal so, als würde die sexuelle Orientierung nur von einem einzigen Gen bestimmt, nennen wir es das "Sexualitäts-Gen". Von diesem Gen gibt es zwei verschiedene Varianten (Allele). Allel A erzeugt einen heterosexuellen Phänotyp, Allel B einen homosexuellen Phänotyp. Wie gesagt, dieses Bild ist stark vereinfacht und hat mit der Realität nicht viel zu tun. Es lohnt sich aber trotzdem, darüber nachzudenken und damit einige Schlussfolgerungen anzustellen.
Nun müssen wir uns noch ein wenig mit den Vererbungsregeln befassen. In diploiden Organismen kommt jedes Gen bekanntlich doppelt vor, wobei jeweils eine Kopie eines Gens von der Mutter stammt, die andere kommt vom Vater. Wenn ein Idnividuum zewi Mal die identische Kopie von seinen Eltern erhalten hat (die Allele eines Gens sind identisch), so spricht man hierbei von Homozygotie. Der Phänotyp entspricht dann in jedem Fall der Ausprägungsform des geerbten Allels. Schwieriger wird der Fall, wenn die Eltern ein jeweils unterschiedliches Allel vererbt haben. Wenn ein Individuum zwei unterschiedliche Allele eines Gens besitzt, so nennt man das Heterozygotie. Im Gegensatz zur Homozygotie ist dann nicht sofort klar, welcher Phänotyp bei einem heterozygoten Träger ausgebildet wird. Oft unterdrückt ein Allel die Ausbildung des Phänotyps des anderen Allels. Man bezeichnet dann das Allel, welches das andere unterdrückt als dominant und das Allel, welches unterdrückt wird, als rezessiv. Es kann aber auch noch andere Möglichkeiten geben, von denen uns an dieser Stelle nur noch ein Fall interessieren soll: der so genannte intermediäre Erbgang. Bei diesem kann ein Allel das andere nicht unterdrücken, stattdessen wird ein Phänotyp ausgebildet, der genau zwischen den beiden homozygoten Phänotypen liegt. Nehmen wir an, dass die sexuelle Orientierung ein solcher intermediärer Erbgang ist. Dann wären homozygote Träger des Allels A (AA) heterosexuell, homozygote Träger des Allels B (BB) homosexuell und der heterozygote Genotyp (AB) würde dazu führen, dass sein Träger phänotypisch dazwischen liegt und somit bisexuell wäre. Es wird klar, wie sich Homosexualität in einer Population halten könnte, obwohl Homosexuelle ihre Allele selbst nicht verbreiten. Es wären die Bisexuellen, welche, da sie ja das Allel für Homosexualität besitzen, vererben und somit in der Population erhalten würden. Träfen zwei heterozygote Träger aufeinander, so bestünde dann die Möglichkeit, dass beide Eltern das Allel B vererben - ihr Kind wäre dann homosexuell.

Evolution fragt stets nach einem adaptativen Wert. Damit Bisexuelle die homosexuellen Allele verbreiten können, müssten sie selbst einen evolutionären Vorteil von ihrer Bisexualität haben, die natürliche Selektion müsste Bisexualität begünstigen. Kann das sein?
Wenn der heterozygote Genotyp gegenüber den homozygoten vorteilhaft ist, spricht man vom Heterozygotenvorteil. Es gibt etliche Beispiele für solche Vorteile. Es ist z. B. von Vorteil, wenn am Immunsystem beteiligte Gene heterozygot sind. Und der heterozygote Typ der Sichelzellanämie bietet in Malaria-Gebieten einen Vorteil, da ihre Träger nur an einer milden Form der Krankheit leiden, gleichzeitig gut vor Malaria geschützt sind. In den gleichen Gebieten sterben die homozygoten Träger entweder an der Sichelzellanämie oder an Malaria.
Es ist denkbar, dass auch Bisexualität so einen Vorteil bietet. Vielleicht haben Bisexuelle einen höheren Fortpflanzungserfolg als homozygote (Heterosexuelle), weil sie vielleicht besonders dominant auftreten oder promiskuitiver sind. Vielleicht nutzen sie ihre Bisexualität, um damit soziale Kontakte zu festigen und von Unterstützung sowohl durch verschieden- wie gleichgeschlechtliche Partner profitieren zu können. Das ist bei Bonobos (Pan paniscus) der Fall. Sie gehören zu unseren nächsten Verwandten und sind durchweg bi. Sex ist bei ihnen Mittel zum Beseitigen und Vermeiden von Konflikten und da soziale Spannungen zwischen verschieden- wie gleichgeschlechtlichen Individuen auftreten können, ist es von Vorteil, wenn man Sex mit beiden Geschlechtern praktizieren kann.
Das alles sind natürlich nur theoretische Überlegungen, aber durchaus im Bereich des Möglichen und zumindest hypothetisch einer Erklärung für Bi- und Homosexualität.

Wie auch immer: Homosexualität und Evolution sind miteinander im Einklang.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich bin selbst bisexuell.

Wer soll sich diesen Roman jetzt durchlesen

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@Dreasy1

Wer eine Frage stellt, muss eben darauf gefasst sein, dass die Antwort etwas komplexer ist als gedacht.

Warum hast du die Frage überhaupt gestellt, wenn du an der Antwort gar nicht interessiert bist?

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Erstmal vorweg: Es ist weder endgültig geklärt, welche unmittelbaren physiologischen Ursachen Homosexualität hat, noch warum Homosexualität im Tierreich so weit verbreitet und beständig ist. Es ist aber ganz allgemein kein Widerspruch, dass ein Merkmal einen Fitnessnachteil bringt und dennoch in der Population erhalten bleibt.

In der einfachen, gängigen Vorstellung wird ein Merkmal von einem Gen bestimmt, das nur zwei oder wenige Varianten (Allele) besitzt. Wenn eines der beiden Allele einen Fitnessnachteil bringt, wird es im Lauf der Generationen verschwinden und nur hin und wieder durch Mutationen neu auftreten. Wir kennen aber kein Sexualitätsgen mit den beiden Allelen "homosexuell" und "heterosexuell". Die sexuelle Orientierung hat also eine viel komplexere genetische Basis als beispielsweise die Blutgruppen, und kann sehr wahrscheinlich auch durch die Umwelt beeinflusst werden.

Bei derart komplex vererbten Merkmalen können auch Allele erhalten bleiben, die für sich gesehen eine Verringerung der Fitness bewirken.

Ein möglicher Mechanismus ist der Heterozygotenvorteil, d.h. Individuen mit zwei unterschiedlichen Allelen (sog. Heterozygote) sind im Vorteil gegenüber denen mit zwei gleichen Allelen (den Homozygoten). Das führt dazu, dass beide Allele in der Population erhalten bleiben, auch wenn eine der beiden möglichen homozygoten Kombinationen sehr nachteilig ist.

Eine andere Möglichkeit sind genetische Korrelationen. Ein Gen kann mehrere Merkmale beeinflussen (Pleiotropie) und ein Merkmal kann durch mehrere Gene beeinflusst werden (Polygenie). Das hat zur Folge, dass bestimmte nachteilige Merkmale gemeinsam mit anderen, vorteilhaften Merkmalen auftreten und deshalb nicht ausselektiert werden. Eine bestimmte genetische Konstellation könnte z.B. resistenter gegen Krankheiten machen, aber auch die Neigung zur Homosexualität erhöhen. Durch solche trade-offs bleiben dann viele verschiedene Allele erhalten, die zwar alle Vor- und Nachteile bieten, aber letztendlich die gleiche Fitness bewirken.

Natürlich darf man vor allem beim Menschen die Sexualität nicht nur unter dem Aspekt der Fortpflanzung sehen. Durch soziale Funktionen, gegenseitige Brutpflege und Verwandtenselektion könnten natürlich auch Fitnessvorteile für homosexuelle Individuen bestehen, aber damit könnte man sich höchstens dem Verständnis der Homosexualität bei Menschen oder bei Pinguinen annähern, aber nicht bei den übrigen tausenden Tierarten, bei denen Homosexualität ebenfalls beobachtet wurde und die keine komplexen Sozialsysteme besitzen oder Brutpflege betreiben.

Salue

Die Evulation macht nichts vergebens. Nicht immer erkennen wir aber den Wert.

Bei Tieren ist es die Pflege und der Schutz des Nachwuchses der anderen. Bei Naturvölkern war es ebenfalls der Schutz des Dorfes, wenn die anderen auf Jagd gingen. Die Jäger wussten ihre Frauen und Kinder beschützt und sie mussten keine Eifersucht wegen der zurückgebliebenen Frauen haben.

Ich als Gay bezahle Steuern und finanziere damit auch Schulen und die übrige Infrastruktur des Landes von der ich selber nicht profitiere. Die Steuern sind allerdings bestimmt in der Evolution nicht vorgesehen gewesen, oder doch?

Tellensohn

Überflüssig ist es nicht. Durch die Homosexualität kann ja das Fortpflanzen bestimmter DNA verhindert werden bzw. durch weniger Konkurrenz unter Männchen, kann sich auch bestimmte DNA eher fortpflanzen.

Beim Menschen ist es ja so, dass wir ja mittlerweile Wege finden, wie man sich trotz Homosexualität fortpflanzen kann, nämlich in dem man künstliche Befruchtung macht, usw. und diese Entwicklungen gehören auch alle zur Natur, da sie dem Menschen entspringen und der Mensch ist auch Natur.

Hohe Reproduktionsraten sind evolutionär nicht immer von Vorteil, viele Tierarten z.B. sind ausgestorben, weil sie sich zu stark vermehrt haben und dann nichts zu Fressen mehr da war oder Krankheiten sich ausgebreitet haben. Aktuell ist der Erde massiv überbevölkert und es wäre evolutionär für alles Leben sinnvoll, wenn der Mensch sich weniger fortpflanzen würde.

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